Samstag, 23. April 2011

"Wann ist Ostern?"

Manche werden sagen: Komische Frage, steht doch im Kalender: Ostern fing gestern Abend mit der Osternacht an. Heute ist Ostersonntag. Ostern ist jetzt. Kalendarisch stimmt das. Aber wann feiern wir unser ganz persönliches Ostern? Wann wird es Ostern in unserem eigenen Leben?
Vielleicht fühlt sich mancher von euch noch immer ratlos und blickt heimlich wieder auf den Kalender. Ostern in meinem eigenen Leben? Da läuft doch vieles einfach gerade aus. Da gibt es klare Abläufe, wie eben jeder einzelne Tag zu laufen hat. Die einen verharren in ihrem täglichen Einerlei, in der immer gleichen Leier. Sie kommen sich vor wie in seinem Laufrad aus dem es kein Entrinnen gibt.
Andere wieder leben in den Tiefen und dem Dunkel des Karfreitags, weil sie in ihrer Trauer steckengeblieben sind oder weil sie keinen Ausweg mehr sehen aus einer zermürbenden und verworrenen Situation.
Wann ist für uns Ostern im eigenen Leben?

Ich kann mir vorstellen, dass wir viele ganz unterschiedliche Antworten hören würden, wenn jede und jeder von uns diese Frage laut beantworten würde. Oft ist das Ostern im eigenen Leben kein rauschendes Fest, sondern der erste Blick aus dem Fenster nach einer langen Zeit des Kreisens um sich selbst. Ostern geschieht meistens nicht mit Pauken und Trompeten, sondern oft unbemerkt von uns. Erst im Nachhinein können wir etwas ahnen von der Auferstehung, die Gott uns mitten in unserem Alltag schenkt. Zum Beispiel:
- Da gab es endlich die Spur der Hoffnung nach einer langen Zeit der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
- Oder - auf einmal bekam ich die Kraft, um mich aufzulehnen und zu kämpfen gegen äußere Einflüsse, die meinen Körper und meine Seele krank machten.
- Oder - Ich nehme wahr, wie der Stein von meiner Seele weggerollt ist, weil ich endlich die Entscheidung getroffen habe, vor der ich so viel Angst hatte.
- Oder - Ich spüre, dass die Beziehung, die ich fast schon als verloren, zerbrochen glaubte, neu auzublühen beginnt.


Ihr seht: Ostern gibt es nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern jeder von uns kann Ostern in seinem Leben auf ganz unterschiedliche Art und Weise feiern. Ostern in unserem ganz persönlichen Alltag ist immer dann, wenn nach einer langen, dunkeln Zeit wieder die Sonne scheint.


Und so geschieht Ostern in meinem Leben oft ganz in der Stille, unbemerkt, übersehen, ohne großes Aufhebens. Dann spüre ich Gottes Zusage zu mir: Du bist gewollt. Ich will Dein Leben. Ich hole Dich heraus aus den unterschiedlichen Gräbern Deines Lebens. Ich stehe an Deiner Seite und mache Dich lebendig.


Wir feiern an Ostern nicht nur Gottes Versprechen, dass er uns am Ende unserer Lebenszeit Leben schenkt. Er will unser Leben auch heute und hier. Mitten in unserem Alltag schenkt er uns österliche Erfahrungen des Lebens. Und so wünsche ich uns, dass wir heute am Osterfest ein Hochfest unseres Lebens feiern können, weil wir spüren und ahnen: Gott ruft und lockt mich immer wieder zu neuem Leben.

Freitag, 22. April 2011

Mit Jesus in Getsemanie




Heute begleiten wir den Herrn im Geiste auf seinem Weg vom Saal des letzten Abendmahles hin zum Garten Getsemani, wo er in Todesangst gebetet hat. "Wachet und betet" - so hat Jesus seine Jünger eingeladen. Auch wir sind dazu eingeladen, mit ihm zu wachen und zu beten für die vielen Menschen, die sich von Gott und den Menschen verlassen fühlen.




Der Gang zum Ölberg

Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn in der Schrift steht: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen. Aber nach meiner Auferstehung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich niemals! Jesus entgegnete ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: Und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen. Das Gleiche sagten auch alle anderen Jünger. (Mt 26,30-35)

Jesus ahnt, was ihm bevorsteht. Er spürt die Nähe des Todes. Und er befürchtet, dass er gewaltsam ums Leben gebracht wird. Als er darüber spricht, greift er auf einen Vergleich zurück, den er schon öfter benutzt hat: Er sieht sich als Hirte, der bald erschlagen und dessen Herde zerstreut wird.


Aufruf zum Wachen

Darauf kam Jesus mit den Jüngern zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu ihnen: Setzt euch und wartet hier, während ich dort bete. Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Angst und Traurigkeit, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! (Mt 26,36-38)

Jesus weiß, was auf ihn zukommt. Er weiß auch, wie beschwerlich sein Weg sein wird. Darum zieht er sich zurück, um zu beten. So will er Kraft schöpfen für das, was vor ihm liegt. Sein himmlischer Vater soll ihn stärken. Deshalb betet er. Aber Jesus legt nicht nur Wert auf himmlischen Beistand, sondern auch auf irdische, sprich: menschliche Unterstützung. Darum bittet er drei seiner Jünger, ihn zum Beten zu begleiten: Petrus, Johannes und Jakobus. Ihnen gesteht er, wie traurig er ist. Er hat Gefühle und scheut sich nicht, diese mitzuteilen.


Die Angst Jesu

Jesus hat Angst. Seine Verzweiflung steigert sich. Er wirft sich sogar zu Boden, als er betet. Er bäumt sich auf, um das Unheil abzuwenden. Eindringlich bittet er den Vater, ihn zu verschonen. Jesus will nicht sterben. In dieser Hinsicht verhält er sich wie alle normalen Menschen. Der Selbsterhaltungstrieb beherrscht sein Handeln. Jesus kehrt dem Vater nicht den Rücken zu. Er bittet zwar um Schonung, andererseits sagt er: „Aber nicht, wie ich will, sondern wie du willst.“


Die Müdigkeit der Jünger

Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Dann ging er zum zweiten Mal weg und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Mt 26, 40-43

Die Jünger Jesu sind müde. Die Augen fallen ihnen zu. Zu schwach sind sie, um die Bitte ihres Herrn erfüllen zu können. Sie schlafen ein. Und das ausgerechnet jetzt, da ihr Meister sich auf die schwersten Stunden seines Lebens vorbereitet. Nicht Feigheit, nicht Trägheit ist es. Nein, die Jünger sind schlichtweg überfordert; sie sind zu schwach, um die Aufgabe, die ihnen gestellt ist, zu bewältigen.


Die Stunde ist gekommen

Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da. (Mt 26,44-46)

Die Zeit ist um, der Countdown ist abgelaufen. Die Stunde ist gekommen. Jesus muss sich aufraffen. Die nächste Station seines Leidensweges steht unmittelbar bevor. Die Zeit in Getsemani dient der Vorbereitung. Jede Vorbereitung ist dazu da, auf das einzustimmen, was kommt. So auch hier: Jesus hat gebetet, hat mit Gott ein letztes Mal gerungen. Jetzt ist er so weit. Er gibt sich ganz. Der Kreuzweg kann beginnen.


Die Festnahme Jesu

Während er noch redete, kam Judas, einer der Zwölf, mit einer großen Schar von Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren; sie waren von den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes geschickt worden. Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest. Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. Jesus erwiderte ihm: Freund, dazu bist du gekommen? Da gingen sie auf Jesus zu, ergriffen ihn und nahmen ihn fest. (Mt 26,47-50)

Jesus wird verraten. Nicht von einem Fremden. Nein, von einem, der sein Freund gewesen war. Judas, einer seiner Jünger liefert ihn aus. Dafür wählt er sogar eine Geste, die alles andere als feindlich wirkt: Er grüßt ihn und gibt ihm einen Kuss. Widersinniger kann es gar nicht sein: mit einem Akt der Zärtlichkeit Gewalt in ein Leben bringen.


Jesu Nein zur Gewalt


Jesus selbst wehrt sich nicht. Aber einer seiner Jünger will Gewalt ausüben. Er zieht ein Schwert und schlägt einem der Männer, die Jesus festnehmen, ein Ohr ab. Vielleicht hätte daraus ein Handgemenge entstehen können. Womöglich wäre es Jesus im Durcheinander einer Schlägerei sogar gelungen zu entkommen. Wer weiß? Doch er lehnt das ab. Denn Gewalt ist nicht seine Sache. Er will seinem Auftrag nicht untreu werden.


Die Feigheit seiner Gegner


Die Gegner Jesu sind feige. Erst zu nächtlicher Stunde, abseits der Öffentlichkeit, trauen sie sich, Jesus gefangen zu nehmen. Das beweist, wie unsicher sie ihrer Sache im Grunde sind. Sie wissen, dass ihre Vorwürfe auf wackeligen Beinen stehen. Jesus lässt es sich nicht nehmen, seine Häscher darauf aufmerksam zu machen. Er entlarvt ihre Feigheit, obschon ihm das nichts von dem erspart, was noch vor ihm liegt.


Die Flucht der Jünger

Da verließen ihn alle Jünger und flohen. (Mt 26,56b)

Die Jünger stehen unter Schock. Wie gelähmt verfolgen sie die Festnahme Jesu. Dann machen sie sich aus dem Staub. Panische Flucht ist das einzige, was ihnen einfällt. Das Entsetzen ist zu groß, die Enttäuschung bricht sich Bahn. Jesus ist endgültig allein. Keiner seiner Freunde ist an seiner Seite, als er abgeführt wird. Umso erstaunlicher ist, wie gelassen Jesus alles hinnimmt. Er verlässt sich ganz auf seinen Vater. Und genau darin ist er nicht verlassen, sondern gestützt und gestärkt.

Mittwoch, 20. April 2011

Tut dies zu meinem Gedächtnis



Der Herr und Meister auf den Knien


Der Gründonnerstag ist ein eigengeartetes Gedächtnis, zumindest wenn wir den Text des heutigen Evangeliums betrachten. Es ist ein Text, der nicht unmittelbar die Einsetzung der Eucharistie zur Sprache bringt, sondern es wird nur schlicht von einem Mahl gesprochen.

Vielmehr ist von einer Szene die Rede, die aus dem Ablauf des Abschieds-
mahles heraus-
genommen ist die ein Geschehen schildert, das Jesu letztes Vermächtnis in deutlicher Geste offenbar macht. Es ist als ob er ihnen ein bleibendes Erbe übergibt. In dieser Abschiedsstunde schenkt Jesus den Aposteln ein besonderes Zeichen seiner Verbundenheit. Er erweist ihnen seine Liebe indem er ihnen die Füße wäscht.


Die Fußwaschung
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.

Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz
gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?


Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.


Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte
er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.
Diese Geste zeigt Jesus als Sklaven; er vollzieht einen Dienst, der üblicherweise den Hausdienern obliegt. Damit soll noch zum Ausdruck kommen, was für Jesu gesamtes Leben gilt und was er in einer anderen Situation einmal gesagt hat: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig. Ich bin nicht gekommen um bedient zu werden, sondern um zu dienen.“
Petrus versteht Jesu Symbolhandlung zunächst nicht. Es widerstrebt ihm, den Knechtsdienst der Fußwaschung gerade von seinem Meister anzunehmen; zu ihm will er bewundernd aufschauen. Aber er vermag es nicht, seinen Lehrer und Herrn wie einen Sklaven anzunehmen. Darum muss Jesus ihn zunächst noch einmal belehren: „Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen“.

Was versteht Petrus nicht? Der Sklavendienst Jesu will weit mehr als eine äußere Reinigungsgeste sein. Vielmehr wird den Jüngern auf sehr schlichte Weise erklärt, dass ihnen dieser Dienst in Zukunft aufgetragen ist. Es ist Jesu Erbe, das ihnen in dieser Stunde anvertraut wird.
Gemeint ist ein Leben der Liebe und des Dienstes. Das sollen die bestimmenden Grundlinien christlicher Existenz sein. An einer anderen Stelle der heiligen Schrift steht: „Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“.

Die Nächstenliebe gehört also untrennbar zu d
er im Abendmahlsaal gefeierten Christusgemeinschaft in Brot und Wein dazu. Das im Abendmahlssaal den Jüngern und mit ihnen der Kirche übergebene Vermächtnis schließt die Bereitschaft ein, Jesu Gottes- und Menschenliebe zu teilen. So sehr die Eucharistie Dank und Anbetung fordert, sie schließt auch das Vermächtnis Jesu ein: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“. Erst dann wird die Gedächtnisfeier die wir in jeder heiligen Messe vollziehen, zu fruchtbarem und heilbringendem, zu wirklichem Herrenmahl.

Dienstag, 19. April 2011

Ostern dieses Jahr so spät wie nie

Seit 1943 ist kein Ostersonntag mehr so spät gewesen wie in diesem Jahr. Damals fiel das Fest der Auferstehung Jesu auf den 25. April, in diesem Jahr ist es der 24. April.
An einem 24. April fand Ostem zuletzt 1859 statt, das nächste Mal wird es erst wieder 2095 sein, weiß Reinhold Bien, Kalenderexperte im Heidelberger Astronomischen Rechen-Institut. Auf Jahre im Voraus berechnen die Wissenschaftler dort mit Computerprogrammen oder astronomischen Erfahrungswerten den Lauf der Gestirne und die sich daraus ergebenden Jahresläufe und Feste.

Dass das höchste Fest der Christenheit so sprunghaft durch den Kalender wandert, hat mit dem jüdischen Paschafest und seiner Abhängigkeit vom Mondkalender zu tun. Das Paschafest wird alljährlich am 14. Nissan, am Tag des ersten Frühjahrsvollmonds, gefeiert- unabhängig davon, um welchen Wochentag es sich dabei handelt. Da Jesus laut Bibel unmittelbar vor dem Paschafest gekreuzigt wurde, orientierten sich auch die ersten Christen an diesem Datum.


Denn Ostem wird in den christlicheni Kirchen immer am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert. Als Frühlingsbeginn gilt dabei der 21. März; frühester Ostertermin ist deshalb der 22. März, spätester der 25. April.


Dies ist noch aus einem anderen Grund kein Ostern wie jedes andere. Denn trotz unterschiedlicher Zeitrechnung feiern katholische, evangelische und
orthodoxe Christen das Fest von Tod und Auferstehung Jesu in diesem Jahr wieder am selben Tag. Das kommt nicht gerade häufig vor. Denn seit dem 16. Jahrhundert folgen orthodoxe und die westlichen Kirchen unterschiedlichen Kalendern: die russisch-orthodoxe richtet sich nach dem auf Julius Caesar zurückgehenden Julianischen Kalender, katholische und evangelische Kirche folgen dem 1582 von Papst Gregor XIII. reformierten Gregorianischen Kalender. Die Ostertermine können deshalb bis zu fünf Wochen auseinander fallen.

Eine Einigung auf einen gemeinsamen Ostertermin könnte ein Signal für das Zusammenwachsen aller Kirchen werden, meinte Papst Johannes Paul II. vor
wenigen Jahren. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist seit Jahrzehnten um eine Vereinheitlichung des Osterdatums bemiiht - bislang ohne Erfolg. Denn alle Versuche, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, verliefen im Sand. Wegen großer Widerstände in den orthodoxen Kirchen - die über solche Fragen in den 1920er Jahren schon einmal einen bis zur Kirchenspaltung hochkochenden Konflikt erlebt hatten - trat diese Regelung jedoch nicht in Kraft.

Quelle: Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, Ausgabe Ostbelgien. Autor: Christoph Arens.

Sonntag, 17. April 2011

"Die Berufungen in der Ortskirche fördern"


Päpstliche Botschaft zum 48. Weltgebetstag um Geistliche Berufungen.

Der 48. Weltgebetstag um geistliche Berufungen am kommenden vierten Sonntag in der Osterzeit, dem 15. Mai 2011, lädt uns ein, über das Thema „Die Berufungen in der Ortskirche fördern“ nachzudenken. Vor 70 Jahren rief der ehrwürdige Papst Pius XII. das Päpstliche Werk für Priesterberufe ins Leben. In der Folge wurden von Bischöfen in vielen Diözesen ähnliche Werke errichtet, die von Priestern oder Laien angeregt worden waren. Sie sollten eine Antwort auf die Einladung des Guten Hirten sein: „Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“, und sagte: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,36-38).

Der erste Schritt zur Berufung ist das Gebet

Die Kunst, Berufungen zu fördern und für sie zu sorgen, hat einen hervorragenden Bezugspunkt in den Abschnitten des Evangeliums, in denen Jesus seine Jünger in die Nachfolge ruft und sie voll Liebe und Umsicht formt. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei der Weise, wie Jesus seine engsten Mitarbeiter berufen hat, das Reich Gottes zu verkünden (vgl. Lk 10,9). Vor allem ist ersichtlich, dass der erste Schritt das Gebet für sie war: Bevor er sie berief, verbrachte Jesus die ganze Nacht allein im Gebet und im Hören auf den Willen des Vaters (vgl. Lk 6,12), in einem inneren Aufstieg über die Dinge des Alltags hinaus. Die Berufung der Jünger entspringt geradezu dem vertrauten Gespräch Jesu mit dem Vater. Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben sind primär Frucht eines beständigen Kontakts mit dem lebendigen Gott und eines beharrlichen Gebets, das sich zum „Herrn der Ernte“ sowohl in den Pfarrgemeinden als auch in den christlichen Familien und bei den Berufungskreisen erhebt.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt ...

Es ist ein Angebot, anspruchsvoll und begeisternd, das Jesus denen macht, zu denen er „Folge mir nach“ sagt: Er lädt sie ein, mit ihm Freundschaft zu schließen, sein Wort aus der Nähe zu hören und mit ihm zu leben. Er lehrt sie, sich ganz Gott und der Verbreitung seines Reiches hinzugeben entsprechend dem Grundsatz des Evangeliums: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Er lädt sie ein, aus ihrer Verschlossenheit herauszutreten, aus ihrer eigenen Vorstellung von Selbstverwirklichung, um in einen anderen Willen, den Willen Gottes, einzutauchen und sich von ihm führen zu lassen. Er lässt sie eine Brüderlichkeit leben, die aus dieser totalen Verfügbarkeit für Gott entspringt (vgl. Mt 12,49-50) und die zum unverwechselbaren Kennzeichen für die Gemeinschaft Jesu wird: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,35).

Auch heute ist die Nachfolge Christi anspruchsvoll. Es bedeutet zu lernen, den Blick auf Christus gerichtet zu halten, ihn sehr gut zu kennen, ihn in seinem Wort zu hören und ihm in den Sakramenten zu begegnen. Es bedeutet zu lernen, den eigenen Willen seinem Willen anzugleichen. Es handelt sich um eine wahre und eigentliche Schule für alle, die sich unter der Führung der zuständigen kirchlichen Verantwortlichen auf den priesterlichen Dienst oder auf das geweihte Leben vorbereiten.

Der Herr unterlässt es nicht, in allen Lebensaltern zu rufen, seine Sendung zu teilen und der Kirche im Priesteramt oder im gottgeweihten Leben zu dienen.

Die Kirche „ist gerufen, dieses Geschenk zu hüten, es hochzuschätzen und zu lieben: Sie ist verantwortlich für das Entstehen und Heranreifen der Priesterberufe.

Besonders in unserer Zeit, in der die Stimme Gottes von „anderen Stimmen“ erstickt zu werden scheint und der Vorschlag, ihm zu folgen und ihm sein eigenes Leben hinzugeben, als zu schwierig gilt, müßte jede christliche Gemeinschaft, jeder Gläubige bewußt die Aufgabe übernehmen, Berufungen zu fördern. Es ist wichtig, diejenigen, die eindeutige Zeichen einer Berufung zum Priestertum oder zum geweihten Leben zeigen, zu ermutigen und zu unterstützen, damit sie das Wohlwollen der gesamten Gemeinschaft spüren, wenn sie ihr „Ja“ zu Gott und der Kirche sagen. Ich selber ermutige sie, wie ich auch diejenigen ermutigt habe, die sich für den Eintritt ins Seminar entschieden haben und denen ich geschrieben habe: „Ihr habt gut daran getan. Denn die Menschen werden immer, auch in der Periode der technischen Beherrschung der Welt und der Globalisierung, Gott benötigen – den Gott, der sich uns gezeigt hat in Jesus Christus und der uns versammelt in der weltweiten Kirche, um mit ihm und durch ihn das rechte Leben zu erlernen und die Maßstäbe der wahren Menschlichkeit gegenwärtig und wirksam zu halten“ (Brief an die Seminaristen, 18. Oktober 2010).