Samstag, 23. Juli 2011

Suchend fällt uns das Himmelreich zu

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Es ist Ferienzeit. Erwachsene Menschen nutzen die Urlaubszeit auf verschiedene Weise. Viele fahren in Urlaub ans Meer, oder in die Berge oder weit weg in ein fernes Land, andere bleiben zu Hause und verbringen die Ferien in Balkonien. Für die Kinder sind die Ferien eine Zeit zum Spielen mit Freunden. Wir haben früher in den Ferien oft Schatzsuche gespielt. Dabei ging es darum, im Boden vergrabene Steine zu suchen, die wir vorher mit Gold- und Silberbronze angemalt hatten.


Es ist übrigens ein uralter Traum der Menschen auf Schatzsuche zu gehen und ungeahnte Reichtümer zu entdecken. Dieser Gedanke hat sicher nicht nur für Kinder seinen Reiz. Jesus greift diese Sehnsucht der Menschen heute im Evangelium auf. Im Gleichnis vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle deutet Jesus an: Das größte Glück besteht darin Gott zu finden, an ihn zu glauben, für sein Reich zu wirken.

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.


Es gibt Chancen im Leben die bekommt man nur einmal und nie wieder. Man kann sich nicht immer alle Türen offen halten. Wenn es darauf ankommt, darf man nicht zögern. Im Gleichnis will Jesus seinen Zuhörer damals und uns heute klar machen, dass es mit dem Himmelreich genau so ist: Wer für sich entdeckt, wie unendlich wertvoll der Schatz des Himmelreiches ist, der wird mit größter Freude alle Anstrengungen unternehmen, um diesen Himmelsschatz zu bekommen. Also nicht Entsagung und schmerzliches Opfer, nicht Verlust und ermüdende Kraftanstrengung kennzeichnen den Christen auf der Schatzsuche seines Lebens , sondern unbändige Vorfreude auf das was er schon im Blick hat: die herrliche Aussicht auf das spätere Himmelreich! Das Beispiel des Schatzsuchers und des Perlenhändlers sollen uns zeigen: Lass dich nicht abbringen von dieser Suche!


Um sicher zu gehen, dass er auch verstanden wurde, macht Jesus wieein guter Lehrer am Schluss seiner Erklärungen sogar eine Lernkontrolle. Er fragt ausdrücklich nach: „Habt ihr das verstanden?“

Die Jünger haben ihn verstanden, so versichern sie ihm zumindest. Und wir, haben wir verstanden? Das Himmelreich ist da – glänzend wie eine kostbare Perle. Es wird uns zufallen. Jedoch nicht indem wir warten, bis wir zufällig darauf stoßen, sondern indem wir suchen.

Freitag, 22. Juli 2011

Für Sie gelesen:

Katholiken wollen mehr Liebe erlauben

Ginge es nach der großen Mehrheit der Kirchengemeinderäte im Landkreis
Ludwigsburg dürften Priester eine irdische Ehe eingehen und Geschiedene wieder heiraten, ohne kirchenrechtliche Folgen befürchten zu müssen. Das hat eine aktuelle Erhebung des Dekanats ergeben.
Fast zeitgleich zur bundesweiten Eröffnung des kirchlichen Dialogprozesses in Mannheim haben auch die Katholiken im Landkreis Ludwigsburg begonnen, über den Erneuerungsbedarf in der katholischen Kirche zu beraten. Im Dekanatsrat, der die Katholiken im Kreis vertritt, sind jetzt die Ergebnisse einer Erhebung unter den Kirchengemeinderäten vorgestellt und diskutiert worden.

Demnach sprechen sich 82 Prozent der Kirchengemeinderäte für die Abschaffung des Pflichtzölibats aus, 72 Prozent setzen sich dafür ein, dass auch Geschiedene, die wieder heiraten, die Sakramente gespendet bekommen, und 64 Prozent sähen es gerne, wenn Priester mehr Zeit für die Seelsorge aufwenden könnten.
Bei der Erhebung wurden Themen gesammelt und gewichtet, die aus der Sicht der Kirchengemeinderäte für eine Erneuerung der Kirche besonders bedeutsam sind.

Lioba Stehmer, die stellvertretende Vorsitzende des Dekanatsrats aus Hemmingen, freute sich über die hohe Beteiligung: "Es haben sich 395 von insgesamt rund 500 Kirchengemeinderäten beteiligt", berichtete sie. Neue Themen kamen bei der Erhebung allerdings nicht zur Sprache. Viele Anregungen stünden schon seit Jahren auf der Agenda und verlangten nach Lösungen, heißt es in einer Stellungnahme des Dekanats. Bemerkenswert seien allerdings die zum Teil hohen Zustimmungsraten, die belegten, dass sich die Katholiken in vielen wichtigen Reformanliegen in der Mehrheit einig seien.
Quelle: "Leonberger Kreiszeitung", vom 20.07.2011 Mehr Informationen im Internet unter www.drs.de

Junge Familien stärken

Der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. in Stuttgart (SkF) sucht ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, die als Familienpatinnen für bestimmte Zeit Neueltern mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. Die Suche findet im Rahme des vom Deutschen Caritasverband bundesweit an 80 Standorten ins Leben gerufenen Projekts „Frühe Hilfen“ statt.

Alleinerziehende, junge Familien und werdende Eltern sind heutzutage vielen Belastungen ausgesetzt. Armut, Arbeitslosigkeit, psychische Probleme oder einfach
nur die neue Lebenssituation mit einem Baby bringen sie häufig an den Rand ihrer Belastungsgrenze. Das Projekt „Frühe Hilfen“ soll helfen, dass Eltern und Alleinerziehende mit kleinen Kindern im Alltag so früh wie möglich unterstützt werden. Der SkF in Stuttgart nimmt seit März diesen Jahres zusammen mit vier weiteren Trägern im Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart an diesem bundesweiten Projekt teil. Übergreifendes Ziel ist es eine ehrenamtliche Unterstützungsstruktur für Familien im Übergang von der Schwangerschaft zur Elternschaft bis zum Kleinkindalter vor Ort aufzubauen sowie die lokalen Akteure der verschiedenen caritativen Dienste und Zugänge zu vernetzen. Weiterhin sollen Qualifizierungsbausteine für ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen erprobt werden.

Die Aufgaben einer Familienpatin können sehr vielfältig sein. Oft reicht es schon, wenn jemand da ist, der zuhört und Verständnis zeigt. Aber auch Unterstützung beim Umgang mit den Kindern, in der Freizeitgestaltung, beim Organisieren des Haushalts oder die Begleitung bei Terminen und schwierigen Gesprächen können die Familiensituation entlasten und sehr hilfreich sein. Für die Aufgabe einer Familienpatin werden keine Fachkräfte gesucht, sondern aktive Frauen jeden Alters
und aller Nationalitäten, die flexibel, tolerant, offen für neue Erfahrungen, sensibel für Menschen in belastenden Lebensverhältnissen und kinderlieb sind.

Finanziell ermöglicht wird das auf drei Jahre angelegte Projekt durch eine Förderung der Aktion Mensch sowie einen Zuschuss der diözesanen Stiftung Mütter in Not und Spenden von insgesamt 112.000 Euro. Wer sich für eine Aufgabe als Familienpatin interessiert, wird gebeten mit der Projektkoordinatorin Margit Schilling Kontakt aufzunehmen unter: Tel.: 0711/92562-23 oder E-Mail: margit.schilling@skf-drs.de
Quelle: www.drs.de


Erstmals
wird eine Moschee nach 'Jesus' benannt

Amman (kath.net) „Die Moschee von Jesus Christus“. So nennt sich eine neue Moschee in Madaba, im Süden von Jordaniens Hauptstadt Amman. Die Moschee
steht nahe bei einer berühmten christlichen Kirche. Die berichtete „La Stampa“.

Die ungewöhnliche Idee hatte der Imam Jamal Al Sufrati: „Mir war aufgefallen, dass die arabische Welt voll von Moscheen ist, welche nach allen Propheten benannt sind, nur nicht nach Jesus“. Er erklärte weiter, dass die Moschee damit „eine Zeichen der Gemeinschaft und Toleranz geben möchte“, besonders nach den Spannungen zwischen den beiden Religionen wegen zwei beleidigenden Karikaturen über den Propheten Mohammed. Der Imam möchte damit „eine Zeichen der Gemeinschaft und Toleranz“ setzen.


Vatikanzeitung "Osservatore Romano": Benedikt XVI. verbringt Urlaub mit Nachdenken über Konzilsjubiläum und Arbeit an Jesus-Buch

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Benedikt XVI. bereitet sich während seines Sommerurlaubs in Castelgandolfo auch auf die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vor. Angesichts des bevorstehenden 50. Jahrestages der Konzilseröffnung am 11. Oktober 2012 sei "das Nachdenken über den Glauben" ein zentrales Thema, dem sich Benedikt XVI. in diesen Tagen widme, schreibt die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Freitag).

Hauptsächlich arbeite der Papst während seines Aufenthalts in Castelgandolfo jedoch am letzten Band seines "Jesus von Nazareth"-Trilogie. Auch die Vorbereitung auf die Papstreisen zum Weltjugendtag im August nach Madrid und im September nach Deutschland stehe auf dem Programm. Dafür seien "viele Unterlagen und Bücher" aus dem Vatikan mitgebracht worden, schreibt die Vatikanzeitung.

Kirche in Not: Papst Benedikt XVI. bittet um Hilfe

Papst Benedikt XVI. hat die internationale Gemeinschaft zur sofortigen Hilfe für die von Dürre bedrohten Gebiete Afrikas aufgerufen. Durch die anhaltende Trockenheit sind nach Angaben der Vereinten Nationen eine halbe Million Kinder in Kenia, Äthiopien und Somalia vom Hungertod bedroht.

Pater Werenfried van Straaten (Gründer von "Kirche in Not") hat immer betont, dass ein Wunsch des Heiligen Vaters ein Befehl für KIRCHE IN NOT zu sein hat, darum
arbeiten unsere Länderreferenten zur Zeit mit Hochdruck daran, über die kirchlichen Strukturen vor Ort Soforthilfen für die Hungerflüchtlinge bereitzustellen.

Helfen Sie uns, in dieser großen Not zu helfen! Spenden Sie online oder direkt bei:

KIRCHE IN NOT
Kontonummer: 215 200 2
BLZ: 750 903 00
IBAN: DE63750903000002152002

BIC: GENODEF1M05
LIGA Bank München

Kennwort: Flüchtlingshilfe Afrika

Donnerstag, 21. Juli 2011

Maria Magdalena - Wegbegleiterin Jesu

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Heute erinnern wir uns an die heilige Maria Magdalena. Neben Maria, der Mutter Jesu, sicherlich die bekannteste Frau im Neuen Testament. Wenn ich ihre Charaktereigenschaft in einem Wort zusammenfasse, dann fällt mir der Begriff „Unruhe“ ein. Maria Magdalena hatte ein unruhiges Herz, ein suchendes, ein trauerndes und begeisterungsfähiges Herz, ein Herz voll Sehnsucht nach dem, der ihr so viel gegeben hat, der ihr so viel bedeutet hat.

Diese Sehnsucht kann sich nicht in die Ruhe der Nacht fallen lassen, sondern muss aufstehen, suchen und fragen: Wo ist er, der Geliebte? Jeder, der liebt, weiß, dass es solche unruhigen Momente der Liebe gibt. Aus Sorge, Zweifel oder um das Wohlgefühl der Nähe wieder neu zu erfahren oder weil die Beständigkeit der Liebe noch nicht gefunden wurde.

So geht es auch Maria Magdalena. Sie kennt Jesus, seit er sie von ihrer zerstörerischen Unruhe, so würde ich ihre „Besessenheit“ einmal deuten, geheilt hatte. Sie ist unterwegs mit ihm und den Jüngern. Maria Magdalena war immer auf der Suche nach der Nähe Jesu. Anders als die Zwölf bleibt sie bei ihm bis zum Kreuz. Und sie geht in der Nacht ihrer Trauer zum Grab.

Maria Magdalena weint. Die Schleier der Tränen sind gut vorstellbar, ihr Stottern und Schluchzen. In solchen Momenten sind wir Menschen blind und gleichzeitig sehr aufmerksam. Wer einem gut tut und wer nicht, wer nur leere Floskeln hat und wer tröstet, das spüren wir genau. Nicht unbedingt mit den Augen und Ohren, sondern mit dem Herzen. Es sind auch Momente, in denen sich das Irdische relativiert. Die Botschaft von der Auferstehung braucht diese Offenheit des Herzens. Wer nur mit dem Kopf die Worte von neuem Leben am Grab hört, der würde zweifeln. Maria Magdalena ermutigt, Gefühlen zu trauen und sie als „Sehhilfe“ zu gebrauchen. Vielleicht war deshalb gerade sie die richtige, um die Botschaft von der Möglichkeit des Unmöglichen als Erste zu hören: Jesus ist nicht tot, er lebt.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Das Ziel des menschlichen Lebens

Als die ersten Glaubensboten nach England kamen, mussten sie beim König um die Erlaubnis zum Predigen nachsuchen. Der König versammelte seine Ratgeber in der Königshalle, um die Missionare anzuhören. Da kam ein Vogel aus der Dunkelheit in die Halle geflogen, schwirrte eine Zeitlang umher und flog auf der anderen Seite hinaus in die Nacht. Da sagte einer der Männer: „War das nicht ein Zeichen des Himmels? So ist es doch auch bei uns Menschen: Wir kommen aus der Dunkelheit in die lichte Halle des Lebens und fliegen wieder hinaus in die Dunkelheit. Woher kommen wir, wohin gehen wir? Wenn uns diese Männer auf diese Fragen eine gute Antwort geben können, wollen wir sie hören.“

Wer sind wir, wohin gehen wir, was erwartet uns?,
so fragen wir.

Wie viele Bücher sind über diese Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen schon geschrieben worden: Warum bin ich da, woher komme ich, was ist mein Ziel? Wozu dieses ganze Leben, wenn ich am Ende doch sterben muss? Wie viele Antworten sind schon versucht worden! Die Wissenschaft kann uns keine Antwort geben, hier kann nur der Glaube antworten. lm Tagesgebet (vom 15. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B) heißt es knapp und lapidar „Gott, du bist unser Ziel.“ Auf dieses Ziel muss der Mensch hin leben. Der Mensch kann dieses Ziel aber verfehlen, er kann vom rechten Weg abkommen. Deshalb gibt uns das Tagesgebet drei Wegzeichen, drei Weisungen auf unseren Lebensweg mit:

1. Der sich verirrt hat, ist nicht verloren:

„Gott, du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit und führst sie auf den rechten Weg zurück.“ Gott stellt an unsere Irrwege „das Licht der Wahrheit“ , damit wir nicht
als „Geisterfahrer“ in den Tod rennen. Dieses Licht ist auf rot gestellt, ein Warnlicht, das uns sagt: Du bist auf dem falschen Weg, kehr um! Diese Warnlichter können die verschiedenste Gestalt haben. Einen Saulus warf der Herr vom Pferd in den Staub. Ein Augustinus hörte das Wort, das sein Gewissen aufwachen ließ: „Es ist Zeit, vom Schlafe aufzustehen !“ Die Krankheit kann ein solches Licht sein oder der Tod eines lieben Menschen. Oder auch die große Enttäuschung, die falsche Götter entlarvt. Ein junger Mann meinte: „Herr Pfarrer, Sie brauchen um mich keine Angst zu haben. Ich finde immer wieder auf den rechten Weg, weil ich eine so wunderbare Mutter habe !” Gott bedient sich vieler Lichter, um „den Irrenden auf den rechten Weg zurückzuführen”.

Das Kirchengebet sagt uns auch, wir sollen:

2. "meiden, was dem Namen eines Christen widerspricht".

Das Tagesgebet fährt fort: „Gib allen, die sich Christen nennen, die Kraft, das zu
meiden, was diesem Namen widerspricht” Im Lateinischen heißt es „respuere - ausspeien”. Was unserem Körper schadet, speien wir sofort aus. Wer Gift getrunken hat, tut alles, um dieses Gift loszubringen. Es gibt Dinge, die unserm Christ-sein widersprechen. Paulus wird nicht müde, alle diese Dinge aufzuzählen, die zu einem, der mit Christus in der Taufe gestorben und auferstanden ist, nicht mehr passen: Hass, Streit, Habgier, Unzucht, Lieblosigkeit ... Wir sind als Christen Söhne und Töchter Gottes geworden. Solcher Adel verpflichtet. Weiterhin sagt uns das Tagesgebet, wir sollen

3. „tun, was unserem Glauben entspricht“:

Das Tagesgebet fährt fort: „Gib uns die Kraft, zu tun, was unserem Glauben entspricht!“ Thomas von Aquin sagt:
,,agere sequitur esse” - „das Handeln folgt aus dem Sein”. Jedes Wesen muss so handeln, wie es seinem Wesen entspricht. Das Tier lebt, wie es ihm als Tier entspricht. Der Mensch muss leben und handeln, wie es ihm als Menschen, also als Geschöpf und Ebenbild Gottes, zukommt. Der Christ, der erlöste, der neue Mensch, muss also so leben, wie es ihm als Christen entspricht. Paulus drückt das so aus: ,,Ihr seid Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichtes” (Eph 5, 8).

Dienstag, 19. Juli 2011

Beim Namen gerufen - Was ist der Sinn des überwiegend katholischen Brauchs, den Namenstag zu feiern?


Der Brauch, das „Namensfest“ zu begehen, ist heute zumal bei Jüngeren weitgehend ausgestorben. In einem Internetforum zur Frage „Feiert ihr euren Namenstag?“ kannten die meisten Teilnehmer gar nicht dessen Datum. Einige waren über die neue Idee hoch erfreut. „Super! Hatte vorher nie davon gehört. Jetzt kann nächsten Monat eine riesen Party steigen“, schrieb einer. Eine Teilnehmerin sorgte sich allerdings, dass die Gratulanten, die ihr schon am Geburtstag lästig sind, nun womöglich auch noch am Namenstag anrufen. Auf jeden Fall könnte der Namenstag ein Anlass sein, sich einmal mit seinem Namenspatron zu beschäftigen.

Geburtstag hat jede Kuh“, sagen manche Katholiken und feiern lieber ihren Namenstag. Bei Jüngeren gerät dieser Brauch immer mehr in Vergessenheit. Thomas Bastar, Journalist aus Hamburg, geht seinen Ursprüngen und seiner spirituellen Bedeutung nach. Als Kind fand ich meinen Vornamen langweilig. Allein in meiner Grundschulklasse trafen sich vier Thomasse. Nie wusste ich, ob ich gemeint war, wenn jemand meinen Namen rief. Schätzen lernte ich ihn erst, als ich begann, mich mit meinem Namenspatron zu beschäftigten - mit dem Apostel Thomas, der die Auferstehung Jesu erst nicht glauben will, dann aber als einziger der Jünger ein offenes Gottesbekenntnis ablegt („Mein Herr und mein Gott“). Sowohl seinen kritischen Geist wie seine Glaubensstärke kann ich mir zum Vorbild nehmen.

Beim Namen gerufen

Goethe schrieb: „Der Eigenname eines Menschen ist nicht etwa wie ein Mantel, der bloß um ihn her hängt, (…) sondern ein vollkommen passendes Kleid, ja wie die Haut selbst ihm über und über angewachsen, an der man nicht schaben und schinden darf, ohne ihn selbst zu verletzen.“ Tatsächlich: Der Name sitzt wie angegossen. Wenn wir glauben, dass unser Leben in Gottes Hand steht, wieso dann nicht auch unser Name? Jesus selbst rät seinen Jüngern, sich darüber zu freuen, „dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“. Er nennt sich selbst den guten Hirten, der seine Schafe einzeln beim Namen ruft.

Der Name jedes Menschen ist heilig

Der Name jedes Menschen ist heilig, heißt es im Katechismus der katholischen Kirche, denn jeder ist von Gott bei seinem Namen gerufen. Das zu glauben mag schwer fallen bei Namen wie Pumuckl und Rasputin, Pepsi-Carola und Solarfried - so nennen manche deutsche
Eltern tatsächlich ihre Kinder. Aber auch wenn Gott bei Ikea, Caramel und Chardonney (aktuelle britische Kindernamen) keine Ausnahme macht, wäre es für die Betroffenen sicher besser, sie trügen Namen, die ihnen auch anregendes Vorbild sein könnten.

Taufe unmittelbar nach der Geburt

Vielleicht war es kein schlechter Brauch, dass in früheren Jahrhunderten das Kind nach dem Heiligen benannt wurde, dessen Gedenktag - scheinbar zufällig - auf seinen Geburts- oder Tauftag fiel. Im Mittelalter war dies oft derselbe Tag, da die Kinder direkt nach der Geburt getauft wurden. So bestimmten gewissermaßen die Kinder, nicht die Eltern den Namen. „Das Kind bekommt den Namen, den es in der Faust mitbringt“, sagte man früher in Kärnten. Übrigens erhielt auch Martin Luther den Namen vom Heiligen seines Tauftages. Hätten ihn seine Eltern gleich an seinem Geburtstag, dem 10. November, taufen lassen, wäre er womöglich als Respicius in die Geschichte eingegangen.

Patron und Vorbild

Magie war nicht im Spiel, wenn Eltern ihre Kinder nach heiligen Menschen benannten. Aber sie wussten wohl um die tiefe spirituelle Bedeutung der Namensgebung. Denn damit stellten sie den Getauften unter den besonderen Schutz seines Namensheiligen. Wie Paten für ihre Patenkinder sorgen, so auch die Patrone im Himmel. Sie bitten für sie bei Gott, dem sie ja - so der Glaube - näher sind, als es
Menschen auf Erden sein können. Zugleich soll der Namenspatron ein Vorbild dafür sein, wie christliche Liebe gelebt werden kann. Der „heilige“ Name gliedert den Täufling zudem ein in die Gemeinschaft der Heiligen. So feiern Katholiken - sofern sie den Namenstag noch feiern - dabei nicht sich selbst, sondern eigentlich ihren heiligen Namensgeber. Quelle: Thomas Bastar, freier Journalist und Redakteur in Hamburg, in www.pfarrbriefservice.de

Montag, 18. Juli 2011

Loslassen: Gewinn oder Verlust?

Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen (Mt 10,37-39).

Erinnern Sie sich an Bhagwan, jenen indischen Guru, der Frauen und Männer nahezu jeden Alters dazu bewegte, alles zurückzulassen, Heimat, Arbeit, Familie, um seiner Person willen?

Erinnern Sie sich an die Tragödie einer amerikanischen Sekte, deren Führer die
Sektenangehörigen dazu brachte, im Gehorsam gegenüber seiner Person kollektiven Selbstmord zu begehen?
Erinnern Sie sich an Hitler, oder näherliegend vielleicht Ceausescu, die mit Berufung darauf, dass sie wissen, worin das Heil der Menschen besteht, diesen unsägliche Opfer bis hin zum eigenen Leben abverlangten?

Sagen wir hier nicht mit Überzeugung, dass diese religiösen und politischen Führer das Recht der Menschen auf Selbstbestimmung und Selbstverantwortung missachtet, dass sie Menschen massiv beeinflusst und fremdbestimmt haben? Klingt nicht der Satz aus dem Evangelium ,,Wer sein Leben um meinetwillen ...” (V 39) fatal ähnlich?

Um meinetwillen: Hoffnung auf das geglückte Leben

Wer genauer hin schaut wird merken, dass das Wort Jesu „Wer um meinetwillen ...“ natürlich anders klingt. Dann geht es nicht darum, ob und inwieweit ich mich von einem anderen Menschen bestimmen lasse, sondern dann stehen wirklich mein Heil, das Gelingen meiner Existenz auf dem Spiel. Und dann ist Jesus der Garant dafür, dass die Sehnsucht nach Ganzheit und die Hoffnung auf das geglückte Leben nicht illusionär sind. Nehmen wir genauer in den Blick, was den Weg dorthin kennzeichnet:

Verstrickung in familiäre Bindungen lösen (V37)

Jeder Mensch muss sein Ziel des Lebens finden, dabei sind andere Menschen, besonders natürlich die Familie unverzichtbar wichtig. Aber wieviel Unglück ist auf der anderen Seite nicht schon daraus entstanden, dass erwachsene Kinder geglaubt
haben, sich nicht aus familiären Bindungen lösen zu dürfen, aus Rücksicht auf Vater und Mutter?

Wenn jemand seine Aufgabe im Leben erahnt und sich nicht auf den Weg macht aus der Befürchtung heraus, vielleicht nun Vater, Mutter, aber auch Sohn und Tochter zu enttäuschen, allein zu lassen - wie viel Trauer, Wut, ungestillte Sehnsucht wird sich hier ansammeln! Natürlich tut es weh, wenn ich meinen Weg gehe und dabei das Nichtverstehen der Menschen, die mir nahe sind, aushalten muss. Auch Jesus hat dieses Unverständnis seiner Familie, wie es sich an manchen Stellen des Evangeliums zeigt, aushalten müssen. Aber nur dieser Aufbruch aus abgelebten Beziehungen bringt mich der aufgegebenen Ganzheit meines Lebens näher.


Sein Kreuz auf sich nehmen (V 38)

Und dann werde ich nicht umhin können, mein Kreuz auf mich zu nehmen so
wie Jesus es im wörtlichen Sinn getan hat. Es kann hier nicht darum gehen, sich möglichst viel Leid zu wünschen - es gibt auf dieser Erde viel zu viel Leid bei Christen und Nichtchristen - aber es geht um eine Grundhaltung, aus der heraus Christen bereit sind, um der Heilsamkeit und Ganzheit des Lebens willen auch die Schmerzen auf dem Weg dorthin auf sich zu nehmen. Was dies für den einzelnen bedeutet, wird so unterschiedlich und vielfiätig sein, wie es Lebensschicksale gibt.

Gewinn und Verlust im Leben (V 39)

Aber jeder neue Schritt bedeutet zunächst Verlust: Verlust von Sicherheit der
gebahnten Wege, Verlust von Weggefährten, Verlust von Vertrautem, aber erst, wenn ich mich auf dieses Risiko der Freiheit einlasse, kann sich die Verheißung des Neuen
zeigen. „Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren“, d. h. wer mit krampfhaften Händen durch das Leben geht, damit ja nichts von dem bereits Erreichten, sei es Geld oder Status, seien es Überzeugungen oder Beziehungen verlorengeht, wird vielleicht irgendwann mit leeren Händen dastehen, denn das Festhaltenwollen macht blind für das Neue, Heilsame, das sich uns im Glauben an die Verheißung Jesu vom Reich Gottes immer wieder eröffnen kann.

Wenn ich versuche, aus dieser Verheißung in der von Gott geschenkten Freiheit zu leben, so wie es die Evangelien von Jesus überliefert haben, dann habe ich keine Garantie dafür, dass mein Leben nach üblichen Maßstäben erfolgreich sein wird, ich kann es, wie Jesus sagt, verlieren. Aber ich habe, von Jesus verbürgt, die Gewissheit, dass es nicht sinnlos gewesen sein wird, es wird ein Schritt auf dem Weg gewesen sein zu dem, was die Bibel Glück, Heil, Erlösung nennt, ich werde das Leben gewinnen.
Brigitte Kast, in: Der Prediger und Katechet, Wewel Verlag, 1990