Samstag, 30. Juli 2011

Aus der Fülle Gottes leben

Hunger und Durst erleben - das ist keinem von uns fremd. In der Hitze des Tages, während der Arbeit. In diesen Sommermonaten, auf ihren Reisen suchen Menschen eine Raststätte, um sich zu stärken.

Es gibt noch einen tieferen Hunger und Durst nach einem Lebenssinn, nach bleibendem Glück, nach Geliebtsein und lieben, es gibt einen tieferen Hunger nach Gott. Auch damals, zur Zeit Jesu, suchten Menschen. Sie hatten Hunger und Durst. Sie erhofften Brot für den Leib und das gute Wort für die Seele. Er ließ sie nicht ziehen ohne Stärkung und Trost (vgl. das Evangelium von diesem Sonntag (Mt 14,13-21). ähnlich der Prophet Jesaja in der Lesung:


Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen. Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies (Jes 55,1-3).

Mit einem ungewohnten Angebot knüpft der Prophet Jesaja an menschliche Grundbedürfnisse an. Wer Hunger leidet, weiß das Brot zu schätzen; wen der Durst quält, verlangt nach Wasser! Welche Anstrengungen unternimmt doch der Mensch um den Hunger nach Liebe und Glück zu stillen? Wieviel lässt er es sich „kosten“ den Durst nach Gerechtigkeit und Geborgenheit zu löschen? Bargeld und Kreditkarte - samt und sonders überflüssige Dinge! Man muss schon zwei- oder dreimal hinhören, dennn solche Botschaft ist fast nicht zu glauben. „Das kingt zu schön“, meinen die einen und gehen ihres Weges. „Es kostet doch alles seinen Preis“, wissen die andern und schalten zur Tagesordnung um. „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“ ist doch eine uralte, durch tausend Erfahrungen gedeckte Volksweisheit!

Dabei muss der Mensch aber auch immer wieder ernüchtert feststellen, dass teuer Erworbenes unzureichend ist, minderwertig und den Preis nicht wert. Jetzt aber kann für einmal jeder kommen, jeder ist eingeladen und angenommen, alle dürfen zugreifen, so oft und so viel sie wollen. Großzügig steht alles zur Verfügung, was Leben, Kraft, Erfüllung und Freude schenkt. Schlicht und einfach, eine wirklich außergewöhnliche Einladung!

Nur eine Voraussetzung müssen die geladenen mitbringen: leere Hände und ein offenes Herz. „Ich erbringe meine Eigenleistungen und bezahle meine Sache.“ Wer so denkt und handelt, ist hier nicht gefragt. Für den, der stolz auf Bezahlung vertraut und blind ist für das Bleibende, gilt das Angebot nicht, denn die Gaben Gottes kann
man nicht um Geld kaufen. wer unbedingt bezahlen will geht leer aus, muss weiterhungern und -dürsten.

Die Gaben Gottes für den Menschen sind nicht kleinlich bemessen. In überreichem Maß stehen sie für uns bereit - und kostenlos! Es ist auch nie zu spät, denn Gott kennt keinen „Ladenschluss“. Vertrauen auf Gott kennt keine falsche Bescheidenheit oder Ausgrenzungen. Es sind einfach alle geladen. Ansehen der Person ist kein Kriterium und erbrachte Leistungen zählen nicht, wenn Gott seine Gaben verteilt. Was zählt sind offene Hände und ein offenes Herz.

Freitag, 29. Juli 2011

Wort für den Tag 30.07.2011

Geh auf Gottes Wegen

Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir außer dem einen: dass du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf allen seinen Wegen gehst, ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dienst; dass du ihn fürchtest, indem du auf die Gebote des Herrn und seine Gesetze achtest, auf die ich dich heute verpflichte. Dann wird es dir gut gehen. (Dtn 10,12-13)

Viele Forderungen stellt das Leben an uns. Es beginnt schon in der Schule: Lernen, Hausaufgaben, Prüfungen. Später dann: Leistung erbringen in Lehre und Beruf, sein Bestes geben. Oder der Haushalt: Putzen, Kochen, Waschen. Oder die Kinder: alle Termine im Kopf behalten, ihnen beistehen, sich um sie kümmern. Oder der Staat: Steuern, Sozialabgaben, Behördengänge. So viel ist notwendig, so viel ist zu tun.

Die vielen Anforderungen engen uns ein, hindern uns oft an der eigenen Entfaltung, werden nicht als Herausforderung, sondern als Belastung empfunden.

Auch Religion wird für viele als Belastung und Einengung empfunden: am Sonntag in die Kirche gehen, Spendenaufrufe, mahnende Worte von Papst, Bischof und Pfarrer, und viele Gebote und Verbote, nach denen man sich richten muss.
Geh auf Gottes Wegen! Das ist keine zusätzliche Forderung, das ist eine Aufforderung, eine Einladung zum Glücklich-Sein. Wenn wir der Liebe mehr Raum geben als der Selbstsucht, wenn wir dankbar und zufrieden unser Leben annehmen, weil uns jeden Tag so viel Gutes und Schönes begegnet, wenn wir vertrauensvoll unsere Sorgen und alles Schwere, das wir nicht ändern können, in die Hand Gottes legen, und wenn wir versuchen, unser Leben nach seinen Geboten auszurichten – dann wird unser Leben gelingen. „Geh auf Gottes Wegen!“

Montag, 25. Juli 2011

Vater Unser- Weit mehr als nur ein Gebet

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Das Vaterunser verbindet rund 2,3 Milliarden Christen auf der ganzen Welt Protestanten wie Katholiken, Orthodoxe wie Freikirchen. Das gesamte Wertesystem des europäischen Abendlandes fußt auf der Lehre Jesu, die kurz und prägnant im Vaterunser zusammengefasst ist.


Jesus Christus selbst soll das Vaterunser seinen Jüngern gelehrt haben. Davon zeugt das Neue Testament, das seit Jahrhunderten seinen Wortlaut bewahrt und überliefert hat. Auf einem Hügel oberhalb des Sees Genezareth soll der Herr Jesus Christus einer Schar Gläubigen dieses "Herrengebet" gelehrt haben. Er wollte ihnen beibringen, sich im Gebet kurz zu fassen und mit wenigen Worten all das zu erbitten, wonach sich Menschen im Leben sehnen.

Vor rund zweitausend Jahren, als Jesus dieses Gebet formuliert hat, wussten seine Jünger sehr genau, worum es in den sieben Fürbitten ging. Aus ihnen sprachen die Sorgen und Ängste aber auch die Hoffnungen der Menschen seiner Zeit.

Und heute? - Fürbitten wie "Dein Reich komme" oder "Dein Wille geschehe", sind schnell heruntergebetet. Aber wer denkt noch darüber nach, was mit dem "Reich" Gottes gemeint ist? Wo befindet sich dieses Reich? Jenseits der Wolken? In den Herzen der Menschen?

Der Bayrische Rundfunk hat in seinem Fernsehprogramm
- BR-alpha- im Mai unter dem Titel „VaterUnser“ in neun Beiträgen sich des Themas angenommen und versucht auf die Fragen der Menschen einzugehen. Zwei ausgewiesene Experten hat man verpflichtet: Maria Jepsen, bis Juli 2010 Bischöfin von Hamburg-Lübeck, und Kardinal Walter Kasper, ehemaliger Ökumene-Chef der katholischen Kirche. Als Theologen und Seelsorger bauen die beiden seit Jahrzehnten Brücken zwischen gelehrter und gelebter Religion.

Die neun Folgen kann man als Video-Beiträge unter folgendem Link anschauen: www.br-online.de

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In den – jeweils 15 Minuten langen - Folgen führen Jepsen und Kasper den Zuschauer auf eine ganz persönliche Entdeckungsreise zu den Ursprüngen des christlichen Glaubens. Sie erklären die Leitgedanken des Vaterunsers, seine jüdischen Wurzeln, seine Überlieferung und seine Botschaften, die über die Jahrhunderte ihre Gültigkeit behalten haben. "Es ist das Gebet, das uns mit Jesus verbindet", so Maria Jepsen, "aber auch mit dem Judentum. Es ist ein jüdisches Gebet, der christlichen Gemeinschaft geschenkt."



Über Jahrhunderte und Konfessionen hinweg hat das Vaterunser nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Denn die zeitlosen Lehren Jesu können gerade in einer säkularisierten Welt Halt und Orientierung bieten. "Wenn man nur in der Gegenwart lebt, wird das platt und oberflächlich und auch schwierig, das Leben zu bewältigen", so Kardinal Walter Kasper. "Wenn ich dagegen Beispiele habe von früher, wo es ja oft schwieriger war als für uns heute, dann hilft das, gibt das auch Kraft. Die haben's damals geschafft. Warum soll ich's heute nicht auch schaffen?"


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Die Folgen im Überblick:
1 Ursprung und Tradition
2 Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name
3 Dein Reich komme
4 Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
5 Unser tägliches Brot gib uns heute
6 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
7 Und führe uns nicht in Versuchung
8 Sondern erlöse uns von dem Bösen
9 Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen