Samstag, 1. Oktober 2011

Vergiss das Danken nicht – Überlegungen zum Erntedankfest

„Unser tägliches Brot gib uns heute!“- So haben wir seit vergangenem Jahr als wir das Erntedankfest gefeiert haben oft gesprochen. Jesus lehrte den Jüngern damals diese Bitte, denn er wusste, wie Hunger weh tut, wie wichtig Brot ist. Gott hat unsere Bitte vielfach erhört, denn ich glaube keiner von uns brauchte im vergangenen Jahr zu hungern. Das Erntedankfest, das wir heute feiern, erinnert uns daran, dass wir über dem Bitten das Danken nicht vergessen sollen.

Die Älteren unter uns erzählen gern von den Zeiten des Hungers im und nach dem Krieg, da man nicht genug Brot zu essen bekam. Sie haben damals erfahren, wie Hunger sich anfühlt, wie wichtig und kostbar Brot ist.

In vielen Kirchen, überall auf der Welt, haben Menschen den Altar mit Lebensmitteln geschmückt. In der Pfarrkirche von Dürler, wo ich zur Feier der Vorabendmesse zum Sonntag war, hatte die Landfrauengruppe den Gottesdienst mit gestaltet und einen komplett gedeckten Tisch vor dem Altar aufgebaut. In Dürler – wie überall, wo Erntedank gefeiert wurde - wollen die Menschen damit ihren Dank sichtbar machen. Wir können Gemüse zwar anbauen, aber Gott lässt es wachsen. Wir können Brot zwar backen, aber wir können es nicht machen. Wir können die Weizenkörner der Erde anvertrauen, aber wir können ihnen nicht das Wachstum geben. Auch in unserer Welt der technischen Perfektion sind wir auf Sonne und Regen angewiesen, müssen wir geduldig warten, bis die Saat aufgeht. Wir können hoffen, dass die Ähren Frucht tragen, dass wir mähen, mahlen und Brot backen dürfen. Brot ist ein Geschenk Gottes. Darum bitten wir um das tägliche Brot. Darum danken wir für das tägliche Brot.

Wenn wir heute Erntedank feiern, so darf dies kein Alibi für die übrigen 364 Tage sein. Es geht nicht darum, einmal im Jahr Gott für seine Gaben zu danken, sondern darum, ein „dankbares Herz“ zu haben und das jeden Tag.

Das dankbare Herz beginnt beim Staunen. Beim Staunen vor dem Wunder der Schöpfung, vor jedem Geschöpf, vor dem Schöpfer selber. Wir Menschen von heute tun uns schwer mit dem Staunen. Wir sehen das Wunderbare der Schöpfung oft gar nicht mehr! Wir laufen blind daran vorbei.

Technische Produkte, Werke der Menschen, etwa schnelle Autos die wir Menschen geschaffen haben bestaunen wir zwar. Wer aber staunt noch über die Welt Gottes, die Wunder der Schöpfung, über den Schmetterling oder die fleißige Biene. Sie scheinen uns fremd geworden, und doch gilt, was Schopenhauer einmal gesagt hat: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber nicht alle Professoren der Welt zusammen können einen Käfer machen.“ 



Liebe Christen, heute am Erntedankfest wollen wir zu allererst für das tägliche Brot danken. Wir wissen alle wie wichtig das Brot ist, denn wir wollen keinen Hunger leiden, sondern jeden Tag uns, wenn möglich, wenigstens einmal satt essen. 

Es geht aber noch um mehr am Erntedankfest. Jesus sagt kurz nach seiner Taufe, bei der Versuchung durch den Satan in der Wüste: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Damit will er den Jüngern und uns sagen: Die Brot-Bitte meint nicht nur das Brot, sondern alles was wir zum Leben brauchen: Kleidung, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung; kurz, all das was wir zu einem menschenwürdigen Leben brauchen. Die Bitte um Brot kann auch die Bitte um eine Familie, um einen Freund, eine Freundin, um gute Beziehungen sein. Denn was nützt es mir wenn ich mir jeden Tag den Bauch voll schlagen kann, aber keinen Menschen habe mit dem ich vertrauensvoll reden kann? 


Unser Leben besteht weniger aus dem, was wir leisten, was wir uns erwirtschaften, sondern aus dem was wir empfangen. Gott hat uns mitten in seine Welt hineingestellt. Es gibt in dieser Welt so manches Unbegreifliche so manches was besser sein könnte, aber auch viel Schönes, Erfreuliches und Helles. Lasst uns darum heute, am Erntedankfest, für all das danken.

Gottesdienste im Monat Oktober

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Der Oktober - als der zehnte Monat des gregorianischen Kalenders - besteht aus 31 Tagen. Im antiken römischen Kalender war der Oktober der achte Monat, wie man an seinem Namen erkennen kann (lateinisch „octo“: acht). Als die Römer den 1. Januar als den Beginn eines Kalenderjahres festlegten, wurde der Oktober zum zehnten Monat.

Ein alter deutscher Name für den Oktober ist "Weinmonat". Dieser Name soll bereits im 8. Jahrhundert von Karl dem Großen eingeführt worden sein und deutet auf den Beginn der Weinlese und die sich anschließenden Weinverarbeitung hin.

Auch die Bezeichnung „Gilbhart" war gebräuchlich, da sich in diesem Herbstmonat das Laub der Bäume gelb und braun färbt. Bei den Jägern wird der Monat Oktober auch Dachsmond genannt. Liturgisch beinhaltet der Monat Oktober mehrere „Schwergewichte“, etwa den Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi, oder das Rosenkranzgebet das im Oktober einen größeren Stellenwert einnimmt als sonst. Mit einem weiteren „Schwergewicht“ beginnt der Oktober: 

Am ersten Sonntag im Oktober wird in vielen Kirchen das Erntedankfest gefeiert.


Einmal im Jahr - meist, wenn die Erntezeit abgeschlossen ist - stellen wir den Dank für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit besonders in die Mitte unseres Gottesdienstes. Wir tun dies, weil uns bewusst ist, dass diese Gaben der Natur, trotz der vielen Arbeit die Menschen dafür leisten müssen, letztlich ein Geschenk Gottes sind.

An diesem Tag danken wir Gott nicht nur für die Lebensmittel, sondern auch für all das, was unser Leben ausmacht, für Kleidung, für die Wohnung die wir haben, oder die Arbeit oder auch ganz einfach für die lieben Menschen, mit denen wir leben, die sich um uns sorgen.

4. Oktober: Gedenktag des heiligen Franz von Assisi  Die bunten Farben des Herbstes laden uns ein zum Lobpreis der Schöpfung, der menschenfreundlichen Welt Gottes, und zum Dank für ihre Gaben: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde; sie trägt und erhält uns, bringt vielerlei Früchte hervor und Kräuter und bunte Blumen.“ (Franz v. Assisi)

Die dunklen Farben erinnern uns daran, dass diese Welt nicht nur Leben und Blüte kennt, sondern auch Verwelken und Sterben. Wagen wir mit Franziskus auch diese Seiten anzunehmen: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihm entrinnen.“ (Franz v. Assisi)

7. Oktober: Unsere liebe Frau vom Rosenkranz. Heute steht eine strahlende Ikone der Gnade vor unseren Augen. Wir sehen Maria im festlichen Schmuck eines Kranzes von 150 Rosen – so die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Rosarium“. Er ist aus den kostbarsten Gebeten der Christenheit geflochten und seit fast tausend Jahren nicht mehr aus dem Gebetsschatz der Kirche wegzudenken. In 15 Geheimnissen (Papst Johannes Paul II. hat fünf weitere Gesätzchen dazugefügt) dürfen wir betrachtend auf die Lebens- und Heilsgeschichte Mariens und ihres Sohnes blicken.


Auch im Pfarrverband Reuland findet an fast jedem Abend in der Woche Rosenkranzgebet statt. Hier die Übersicht:

 


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18. Oktober: Lukas und sein Evangelium begleiten uns in dieser Woche in mehrfachem Sinn: Heute hat der Evangelist seinen Festtag. Der „Zweiteiler“ Lukasevangelium und Apostelgeschichte geht auf ihn zurück. Aus diesem Werk stammen alle Evangelientexte dieser Woche. Sie stehen etwa in der Mitte des Lukasevangeliums und zeigen: Jesu Lebensentscheidung ist bereits gefallen, sein Blick ist nach Jerusalem gerichtet. Dort wird er sein Leben vollenden (Lk 9,51). Gerade wegen seiner Zielgerichtetheit ist der gegenwärtige Augenblick wichtig.

Dass wir Heutigen tatsächlich mitgemeint sind, macht das Evangelium vom heutigen Fest klar. Da sendet Jesus ein zweites Mal Jünger aus. Die Zahl 72 zitiert das Buch Genesis und meint die Gesamtzahl aller Völker – heute wären es die 192 Nationen der Erde, wie sie die UN auflisten. Heute würde jesus also nicht 72 Jünger aussenden, sondern 192.

 


23. Oktober: Sonntag der Weltmission „Das Evangelium gehört nicht ausschließlich denen, die es empfangen haben, sondern es ist ein Geschenk, das wir weitergeben sollen, eine gute Nachricht, die wir mitteilen müssen". Mit diesem Auftrag wendet sich Papst Benedikt XVI. in der Botschaft zum Weltmissionssonntag 2011 (23. Oktober) an die Gläubigen der Welt, die er darum bittet, trotz aller wirtschaftlichen Probleme die jungen Kirchen zu unterstützen.

Am 30. Oktober findet die „Sommerzeit“ ihr Ende. Die Sommerzeit beginnt am letzten Sonntag im März um 02:00 Uhr Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Zu diesem Zeitpunkt werden die Uhren um eine Stunde von 02:00 auf 03:00 Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit endet am letzten Sonntag im Oktober um 03:00 Uhr (Sommerzeit = MEZ + 1 h). Zu diesem Zeitpunkt werden die Uhren von 03:00 auf 02:00 Uhr zurückgestellt.


Mit dem Erntedankfest haben wir den Monat begonnen, mit einem „Erntedankfest“ findet der Übergang zum nächsten Monat statt. Am letzten Sonntag im Oktober gedenken wir bereits in verschiedenen Kirchen des Pfarrverbands der Toten und besuchen die Friedhöfe.

Allerheiligen, das zwei Tage später (1. November) im Liturgischen Kalender steht, lässt sich als eine Art „Erntedankfest“ verstehen – Dank für die Ernte des Lebens so vieler Menschen vor uns, die wie wir gelebt, ihr Leben genossen, aber auch gekämpft und gelitten haben und die zur Vollendung bei Gott gelangt sind. Wir selbst haben auch schon so einiges in die Erntescheune unseres Lebens eingefahren, sind aber immer noch mitten im Pflügen, Säen und Schwitzen. Das Fest heute will uns Mut machen, im Blick auf das Ziel neue Kräfte zu sammeln und die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen.

Die vollständige Auflistung aller Gottesdienste des Pfarrverbans Reuland finden Sie HIER!


Donnerstag, 29. September 2011

Papst: Wir sind Kirche

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Der deutschen Kirche hat Benedikt XVI. bei seinem Besuch einiges ins Stammbuch geschrieben - deutliche Worte ohne Drumherum. Der Tenor: Reform der Kirche fängt bei uns selbst an. Zurück zu Christus, zurück zu den Quellen, zurück zu einer bescheideneren Kirche. Das ist das eine.

Das andere ist: Fühlt euch als Teil der Weltkirche, in Verbindung mit dem Papst. Was kaum einem auffiel: In einer Stegreif-Rede an Priesteramtskandidaten in Freiburg am Samstag deutete der Papst die Formel „Wir sind Kirche“ (so heißt auch ein kirchenkritischer Verband) auf seine Weise.

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Er riet den Seminaristen:



„das Hinausschauen über das konkrete, beschränkte „wir“ ins große „wir“ der Kirche aller Orte und Zeiten hinein; dass wir uns nicht allein zu Maß nehmen. Wenn wir sagen: Wir sind Kirche, ja - es ist wahr. Wir sind es, nicht irgendjemand. Aber das „wir“ ist weiter als die Gruppe, die das gerade sagt! Das „wir“ ist die ganze Gemeinschaft der Gläubigen, heute und aller Orten und Zeiten.Wir sind Kirche: Seien wir es, seien wir es gerade dadurch, dass wir uns öffnen und hinausgehen über uns selber und es mit den anderen sind.“(rv)


Glaube ist mehr als Tradition ...

In der volkskirchlich geprägten Eifel hatte katholisches Christsein eine große Breitenwirkung: Man wurde und blieb Christ allein durch Geburt und Tradition; der Glaube selbst stand fraglos da. Im derzeitigen Übergang zu einer neuen Weise, Kirche zu sein, wird man immer mehr Christ werden und vor allem bleiben aus Einsicht und Entscheidung. Wer Glaube nur als Tradition und ohne Inhalt wahrnimmt, wird auf Dauer nicht bestehen können.

Glaubensbildung geschieht heute immer weniger durch Tradition, dafür aber immer mehr durch Glaubensvertiefung: Denn der Glaube selbst ist fragwürdig geworden und verlangt nach neuen, zeitgemäßen Antworten. Christen sind deshalb heute mehr denn je eingeladen, eine eigene Sprache für ihren Glauben zu finden, auskunftsfähig zu werden, Rede und Antwort stehen zu können über das, was sie im Innersten bewegt.

Darum ist es wichtig sich in den Gremien der Pfarren bzw. des Pfarrverbands nicht nur mit Strukturfragen und organisatorischen Dingen zu befassen. Es sollte einmal wieder intensiv in den Blick genommen werden, was Kirche eigentlich ausmacht - nämlich der christliche Glaube selbst. Darum möchte ich noch einmal Papst Benedikt XVI.  zitieren: “
Zurück zu Christus, zurück zu den Quellen, zurück zu einer bescheideneren Kirche“.

Auf dem Gebiet der Glaubensvertiefung muss in nächster Zeit also noch einiges unternommen werden. Die Mitglieder der Kontaktgruppen (vormals Pfarrgemeinderäte) müssen die Gemeindemitglieder anregen, miteinander über ihren Glauben ins Gespräch zu kommen, darüber nachzudenken, neu zum Gebet und zum geistlichen Leben zu finden.  Diese  Gremien sollten sich bemühen, nach und nach diesbezüglich einige interessante Veranstaltungen anzubieten. 


Mit anderen Menschen über den Glauben reden
Hier ist ein Angebot für Sie:




Mittwoch, 28. September 2011

Dienstag, 27. September 2011

Wort Gottes für den Tag - Mittwoch 28. September 2011

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Jetzt ganz hier sein und nur das tun, was wir gerade tun: Dazu sind wir immer wieder eingeladen – und gleichzeitig scheint es manchmal eine der schwierigsten Aufgaben zu sein. Die Gedanken schweifen, die Probleme drücken, die Aufgaben warten. Jetzt ganz hier sein und sich ganz auf das Heute konzentrieren. Weder zurückschauen noch in die Zukunft planen, dazu fordert auch Jesus im Evangelium auf, wenn er sagt: Keiner, der zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.


Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann. Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. (Lk 9,57-62)


Verstehen Sie Jesus? Da möchte ihm ein Mensch nachfolgen und äußert den verständlichen Wunsch, zuerst noch seinen Vater zu begraben, und Jesus sagt einfach „Nein!“ Ein anderer möchte sich nur kurz verabschieden und es folgt ein ebenso klares „Nein!“

Ist es nicht ein Werk der Barmherzigkeit, die Toten zu begraben? Ist es nicht normal, wichtig und ein Zeichen der Achtung, sich von der Familie zu verabschieden?

Jesus sieht das hier wohl anders: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ Wie sollen wir das verstehen? Vielleicht kann das Wort von Kohelet: „Alles hat seine Zeit“ uns dabei auf die richtige Spur bringen. Die Tradition kennt hier den griechischen Begriff „kairos“, - den einen richtigen Moment für eine Entscheidung - ist er vergangen, kehrt er nicht wieder. Im Evangelium erscheint so ein Moment, der „kairos“. Zwei Männer treffen auf Jesus und haben hier und jetzt die Chance, ihm nachzufolgen. Doch sie sind so mit ihrer Vergangenheit beschäftigt, mit ihren Aufgaben, dass sie nicht erkennen können, was jetzt wichtig ist.

So können wir Jesu Wort als Hinweis darauf verstehen, dass es notwendig ist, den jetzigen Augenblick zu leben und mit wachem Blick immer wieder zu entscheiden, was hier und jetzt dran ist, damit der „kairos“ des Augenblicks, in dem er zu uns spricht, in dem er uns nahe sein will, nicht ungenutzt verstreicht. (Claudia Schneider )

Sonntag, 25. September 2011

Die Welt braucht Engel


Einem jeden Gläubigen steht ein Engel zur Seite als ein Erzieher und Hirte, der das Leben leitet.“ Der heilige Basilius der Große, Bischof und Kirchenlehrer im 4. Jahrhundert, von dem dieses Zitat stammt, hatte keinen Zweifel: Jeder Mensch hat einen Engel.

In Kitsch und Kunst haben Engel Hochkonjunktur. Wieweit sie im Glauben der Menschen von Bedeutung sind hängt wahrscheinlich vom Einzelnen ab. Wie auch immer - Ist es nicht wunderbar zu glauben, dass Gott jeden von uns im Blick und in der Hand hat?

Dass er sie so sehr liebt, dass sie nicht aus seiner Hand fallen, diese Zusage haben die Lascheider Christen gestern, am Festtag der Erzengel Michael, Rafael und Gabriel bedacht und gefeiert.

Nachdem am Samstag Jung und Alt das Tanzbein geschwungen hatte, fand sich die Christengemeinde am Sonntagmorgen zum Gottesdienst ein. Dieser wurde gesanglich gestaltet und verschönert durch den Kgl. Kirchenchor „St. Stephanus Reuland“ unter Leitung von Toni Kandels.

Die Lascheider Kapelle ist dem Erzengel Michael geweiht, dessen Festtag - zusammen mit den Engeln Gabriel und Raphael - am 29. September gefeiert wird. Sie sind die großen Botschafter Gottes. Sie zeigen und sagen uns, wie Gott ist. Ihr Name ist Programm: Michael = Wer ist wie Gott?, Rafael = Gott hat geheilt!, Gabriel = Gott hat sich stark gemacht!

Engel in der Kunst, als "Putte"



Die ,,Engel” sind wieder in. In den Buchhandlungen unserer Städte boomen die Titel von Engel-Büchern, allerdings nicht in der Abteilung Theologie, sondern
bei der Esoterik. 

Die Menschen sehnen sich offenbar nach Erfahrungen jenseits ihrer eigenen Erfahrungswelt und suchen daher den Kontakt zu den Außer- und Überirdischen. Und all diese Leute welche diese Bücher kaufen haben ihre eigenen Vorstellungen von Engeln. Diese Ansichten decken sich aber nicht immer mit dem, was die heilige Schrift über Engel aussagt.

Alles in allem betrachtet sind es zwei Weisen, in denen die Bibel von den Engeln redet: einmal, dass Gott die Fülle und Vielfalt des Lebens um sich herum will. Deshalb redet man von Engelheeren, die um den Thron Gottes herumschwirren, die Gott dienen und sein Lob singen und das Tag und Nacht und immerfort ohne Ende. Das schöne Lied  - GL 605 - besingt diese Vorstellung, besonders in der vierten Strophe wo es heißt: „Mit Weisheit sind sie angetan, sie brennen, leuchten, beten an. Ein großes Lob ertönt im Chor: ihr Heilig, Heilig steigt empor“.

Das ist die eine Vorstellung von Engeln, wie die heilige Schrift sie uns vermittelt. Die zweite Redeweise besagt, dass Gott sich um die Menschen kümmert und ihnen seine Boten sendet. Ich stelle mir das so vor dass diese himmlischen Wesen, die sonst nichts anders tun als um Gott herum schwirren, singen, tanzen und Gott Freude bereiten, nun auch einmal zu richtiger Arbeit herangezogen werden.  Gott schickt sie nämlich zur Erde. Zunächst um sein Wort zu den Menschen zu bringen. Denken wir an Maria, bei der Verkündigung, der Engel spricht nicht für sich, sondern überbringt Gottes Wort. Er schickt sie aber auch in allen möglichen Lebenssituationen, da, wo Menschen in Not und Gefahr sind.

Auffälligerweise beginnen die biblischen Engelbegegnungen nahezu immer mit dem Gruß „Fürchte dich nicht“ Damit ist nicht das menschliche Erschrecken über das plötzliche Auftreten, über ein leuchtendes Antlitz, über ein weißes Gewand gemeint, sondern wegen der Situation in welcher der Mensch sich befindet, denn oft treten Engel dann auf, wenn der Mensch in Angst und Ratlosigkeit, in Mutlosigkeit oder in Verzweiflung steckt.

Solche Engel brauchen wir heute sehr dringend. Angst wird uns von allen Seiten gemacht. Denken wir nur an Stichworte wie Umweltzerstörung, Genmanipulation, Risiken der Kernenergie, unbekannte Krankheitserreger, Bankenkrisen, Zukunftslosigkeit usw.

Brauchen wir da nicht ganz dringend „Engel“, die uns zurufen: „Fürchtet euch nicht!“? Engel für unsere Gesellschaft, Engel für unsere Kirche, Engel für unseren Freundes- und Familienkreis, Engel für uns selber?

Nach der Messe zog die Festgemeinde zum Kriegerdenkmal, wo Vertreter des Junggesellenvereins „St. Michael Lascheid“ einen Kranz nieder legten. Dieses Jahr war der Weg dorthin allerdings steiniger als in den anderen Jahren, denn die Ortsdurchfahrt wird zur Zeit gründlich saniert.


Am Ehrenmahl, wo ein Kranz seitens des Junggesellenvereins nieder gelegt wurde,  erinnerte Kaplan Ludwig Hilger an die vielen Soldaten und Zivilkriegsopfer, die in den beiden letzten Weltkriegen ihr Leben verloren haben. “An einem solchen Tag sind es besonders die älteren Menschen unter uns, deren Gedanken zurückgehen an Orte wie Stalingrad, Leningrad, die Normandie, oder wie sie sonst heißen, wo sie selber Kriegsdienst geleistet haben und ihre Kameraden sterben sahen”.

“Heute gehen die Gedanken der Angehörigen von gefallenen und vermissten Vätern, Ehegatten und Söhnen zurück,  zu Orten auf der ganzen Welt, wo das Leben, die Zukunft dieser Angehörigen auf tragische Weise ein Ende gefunden hat”.

“Heute gehen die Gedanken zurück, zu den Menschen die ihr Leben durch Kriegseinwirkung zu Hause, in den Konzentrationslagern oder durch Spätfolgen des Krieges eingebüßt haben”.

“In Erinnerung an den Krieg und die Not in der Nachkriegszeit ziehen wir Bilanz. Eine traurige Bilanz unserer Geschichte. Diese Bilanz sagt uns, dass viele, viel zu viele Menschen die Irrtümer der Politik mit ihrer Gesundheit oder mit ihrem Leben bezahlen mussten. Niemand von uns kann sagen, dass sich solche Geschehnisse nicht wiederholen. Darum ist die Mahnung zum Frieden dringender denn je”!


Nach der Feier am Kriesopferdenkmal zog der Musikverein zum Dorfeigenen Saal wo er zum Frühschoppen aufspielte. Den ganzen Nachmittag über wurde Kurzweil geboten getanzt und die Menschen freuten sich am geselligen Beisammensein.