Samstag, 8. Oktober 2011

Glaube ja, Kirche nein? - Warum der Glaube die Gemeinschaft braucht

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, betont Jesus im Matthäusevangelium (18,20). Die Gemeinschaft bekommt damit für den Glauben eine besondere Rolle. Leben im christlichen Glauben heißt Gemeinschaft mit Christus und mit den Glaubensgeschwistern. Besonderer Ausdruck dieser Gemeinschaft ist die Eucharistiefeier.

Schon in der frühen Christenheit bilden sich Gemeinden. Die Apostelgeschichte wie die Briefe des Neuen Testaments berichten darüber. Christen treffen sich, um gemeinsam Eucharistie zu feiern und Jesus Christus zu gedenken. Hier hören sie das Wort Gottes, das Evangelium. Hier lernen sie den Glauben kennen und gestalten daraus ihr Leben neu. Die frühen Gemeinden zeigen, was gelebte Nächstenliebe bedeutet. Sie sorgen sich um die Armen und Schwachen in ihrer Gemeinde und wirken trotz Verfolgung nach außen und helfen Bedürftigen.
Heute hingegen schrumpft die Gottesdienstgemeinde kontinuierlich. Gingen 1990 noch 21,9 Prozent der Katholiken regelmäßig zur Sonntagsmesse, waren es 2010 nur noch 12,6 Prozent. Zugleich schlägt sich die Individualisierung der Gesellschaft auch auf die Religiosität der Menschen nieder. Nicht selten ist zu hören: „Jesus ja, Kirche nein“ oder: „Für meinen Glauben brauche ich keine Kirche, brauche ich keine Gemeinschaft. Das mache ich mit mir selbst aus“. 

Warum der Glaube von der Gemeinschaft lebt
Interview mit Monsignore Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes

„Gott ja, Kirche nein“ - in Gesprächen mit Menschen, die der Kirche skeptisch gegenüber stehen, ist diese Aussage immer wieder zu hören. Was sagen demgegenüber Menschen dazu, die sich um eine Gemeinschaft im Glauben bemühen? Im Interview verdeutlicht Monsignore Georg Austen, der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, weshalb der Glaube die Gemeinschaft braucht.


Welche Bedeutung hat Gemeinschaft für den Glauben?


Austen: Gemeinschaft ist ein wesentlicher Grundzug unseres Glaubens. Sie zeigt sich schon im dreieinen Gott in besonderer Weise. Gott sucht die Begegnung mit dem einzelnen persönlich und die Gemeinschaft mit dem Menschen. Er schließt einen Bund mit seiner Schöpfung. Das Ziel unseres Glaubens ist die Gemeinschaft mit Gott. In ihr liegt das Heil des Menschen. In der Gemeinschaft der Gläubigen verwirklicht sich die Gemeinschaft mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. 


Warum braucht der Glaube Gemeinschaft?


Austen: Glaube lebt von der Gemeinschaft - mit Gott und mit anderen Menschen. „Ein Christ ist kein Christ“, wie schon im dritten Jahrhundert Tertullian formulierte. Christsein funktioniert nur in Gemeinschaft. In der Gemeinschaft lernen wir unseren Glauben kennen und können ihn reflektieren. In der Gemeinschaft erfahren wir Stärkung im Glauben und wirken fruchtbar in die Welt hinein. Die gegenseitige Ermutigung, das gemeinschaftliche Erzählen und das gemeinsame Erleben prägen das Miteinander und lassen andere Menschen an der eigenen Überzeugung teilhaben. Ohne ein „Du“ würde ich verkümmern.


Heute heißt es oft: Jesus ja, Kirche nein...

Austen: „Für meinen Glauben brauche ich keine Kirche, brauche ich keine Gemeinschaft. Das mache ich mit mir selber aus oder muss ich selbst wissen“, das höre ich immer wieder. Eine schwierige Einstellung zeigt sich mit dieser Aussage, die meines Erachtens nicht funktionieren kann. Denn für einen Menschen als einzelne Insel ohne Verbindung zu anderen Gläubigen bleibt der christliche Glaube persönlich isoliert und letztlich in seiner Ganzheit ungelebt. Und zugleich bricht die Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation ab. Die Fragen stellte Alfred Herrmann vom Bonifatiuswerk.



Erfüllung finden in Beziehungen







Unser Leben findet Erfüllung in Beziehungen - zu anderen Menschen und zu Gott. Wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, allein zu sein und allein zu bleiben. Der christliche Glaube und die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen gehören deshalb untrennbar zusammen. Genauso läuft die Glaubensweitergabe Gefahr, stumm zu bleiben, wenn sie nicht eine Resonanz in der Gemeinschaft findet, die den Glauben in die Praxis umsetzt und ihn so lebendig und anziehend für andere macht - auch in solidarischem und karitativem Handeln.

Der christliche Glaube überträgt sich nicht automatisch. Er braucht Christen, die von ihrem Glauben erzählen und andere zum Glauben ermutigen. Nur so geben wir ihnen die Möglichkeit, eine eigene Glaubenserfahrung zu machen. Unsere Aufgabe als Kirche ist es,
durch unsere authentisch gelebte Gemeinschaft und unseren lebenswert gelebten Glauben in dieser Welt, andere Menschen zu inspirieren und einzuladen.

Gottes Botschaft gilt uns allen. Keiner ist ausgeschlossen von der Zuwendung Gottes, die in Jesus Christus ein Gesicht bekommen hat. Ebenso ist kein getaufter und gefirmter Christ von der Verantwortung ausgenommen, mit seinem Leben auf Gottes Liebe zu antworten und die Einladung des Himmels an andere Menschen weiterzugeben. Alle haben die Freiheit, sich für oder gegen den Glauben entscheiden zu können. Aber es ist unsere Berufung als Christen, dem Ruf Gottes eine Stimme zu geben. Keiner soll ohne das Lebensangebot von Glaube, Hoffnung und Liebe leben müssen.

Quelle: http:/pfarrbriefservice.de

Freitag, 7. Oktober 2011

Wort Gottes für den Tag, 8. Oktober 2011





Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus. Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung. (Gal 3,26-29)

Mit uns Menschen ist es oft wie im Märchen „Des 
Kaisers neue Kleider“: Wir tragen stolz unsere Anständigkeit, unsere Leistungen, unsere Fähigkeiten vor uns her, aber am Ende genügt manchmal ein Kind, um hinter die Fassaden zu schauen, dann sind wir, wie der Kaiser im Märchen, am Ende nackt, steckt hinter all den Fassaden auch nur ein Mensch mit seinen Ängsten, seinem Versagen und Scheitern, mit seiner Schuld. Am Ende sind wir alle gleich und auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen. 

Dass alle Menschen gleich und gleichberechtigt sind, können wir schon im Alten Testament lesen, wo es heißt, dass der Mensch als Ebenbild Gottes erschaffen wurde. Damit erlangen alle Menschen auch im religiösen Sinn eine unantastbare Würde. Aber auch im Neuen Testament wird diese Thematik an
verschiedenen Stellen aufgegriffen: Heute hören wir den Völkerapostel Paulus, der in seinem Brief an die Galater davon spricht , dass durch den Glauben an Jesus Christus alle Unterschiede zwischen Menschen aufgehoben werden. Auch alle Unterscheidungen, die es zwischen den Menschen gegeben hat wie Mann und Frau, Jude und Grieche, Sklave und Freier, werden bedeutungslos. In der Urkirche herrschte die Überzeugung, dass es keine Unterschiede mehr zwischen den Menschen gibt; nach diesem Prinzip wurde in den ersten urchristlichen Gemeinden auch gehandelt. Von der Überwindung der Kluft zwischen Männern und Frauen zeugt die Tatsache, dass neben den Männern auch Frauen kirchliche Ämter übernahmen.

Für uns heute gilt zu überlegen, wo es in unserem Alltag Klüfte gibt und in welchen Bereichen wir selbst einen Beitrag leisten können, für die Einheit und Gleichheit aller Menschen im Namen Jesu Christi einzustehen. Letztlich wird es nur einen Weg geben, die zwischen den Menschen bestehenden Unterschiede und Spaltungen zu beseitigen: Nur wenn wir „einer in Christus sind“ dann und nur dann werden wir alle eins sein untereinander.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

7. Oktober Rosenkranzfest


-->Wer eine gefährliche Situation unerwartet gut überstanden hat, erinnert sich oft lebenslang an den entscheidenden Tag und an jene, die Hilfe geleistet haben. So wurde das Gedenken an den Sieg über die Türken in der Seeschlacht bei Lepanto im Jahr 1571 Anlass für das Rosenkranzfest. Der Dank richtete sich an die Gottesmutter Maria und durch sie an unseren gütigen Gott. Das Fest ist aber älter als der „Rosenkranzmonat“ Oktober, der erst 1883 eingeführt wurde. Alle Gläubigen sind eingeladen, gerade in diesem Monat privat oder gemeinschaftlich den Rosenkranz zu beten.
 


Das meditative, wiederholende Gebet, bei dem die Gebete mit einer Schnur abgezählt werden, ist in vielen Religionen verbreitet. Gebetsketten oder –schnüre sind in außerchristlichen Religionen, besonders im Hinduismus oder Buddhismus, weiter und früher verbreitet als es der Rosenkranz in der Katholischen Kirche ist. Im Christentum ist spätestens seit dem Hochmittelalter die sogenannte "Pater-Noster-Schnur" zum Gebet des Vaterunser bekannt. Aus ihr hat sich der Rosenkranz in seiner heutigen Form als marianisches Gebet entwickelt.

Die heute übliche Form des Rosenkranzes bzw. des Rosenkranzgebetes umfasst das Glaubensbekenntnis, das Ehre sei dem Vater sowie fünf Gesätze, die je ein Vaterunser und zehn Ave Maria enthalten, wobei beim Namen Jesu jeweils eines der vier Geheimnisse – des freudenreichen, des schmerzhaften, des glorreichen, des trostreichen oder anderer – eingefügt wird (vgl. Gotteslob Nr. 33 und 590). Die Rosenkranzschnur umfasst deshalb in der Regel 6 große und 53 kleinere Perlen, Steine oder ähnliches.

Über das Rosenkranzgebet gibt es unterschiedliche Meinungen. Die
einen mögen es gar nicht, viele andere schätzen es aber, und es ist ihnen lieb, wert und teuer. Die einen sehen im Rosenkranzgebet nur ein Heruntergeleier des ewig Gleichen, finden es langweilig und anstrengend, die anderen fühlen sich gerade im ständigen Wiederholen des Ave Maria geborgen.

Das Rosenkranzgebet ist ein Meditationsgebet. Die Wiederholung des Ave, die Betrachtung der eingeschobenen Christusgeheimnisse, lassen den Beter innerlich zur Ruhe kommen. Und genau hierin liegt die Chance des Rosenkranzes, denn nach Ruhe und Geborgenheit sehnt sich so manche aufgescheuchte Seele in unseren Tagen.




Mittwoch, 5. Oktober 2011

Mein Blog feiert seinen 3. Geburtstag

-->Vor genau drei Jahren, am 1. Oktober 2008, habe ich ein Experiment gestartet und zu bloggen begonnen. Aus der ursprünglich eher planlosen Idee ist ein mittlerweile umfangreicher Blog geworden, der nicht zuletzt mir als Nachschlagewerk dient. Der heutige Eintrag ist der 1041. und ich bin zuversichtlich, dass mir auch in Zukunft die Ideen nicht ausgehen. Über 100.000 Besucher, aus 115 Ländern der Erde, sind es inzwischen die sich hier bei mir eingeklickt haben und ich würde mich freuen, wenn Sie liebe Leser mir auch in Zukunft die Treue halten.

Somit möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Freunden und Lesern für Zuspruch, Anregungen und Äußerungen zu bedanken!


 

Und noch jemand feiert Geburtstag ...

Liebe Leser, verschiedentlich werden Sie am Anfang oder am Ende eines Artikels, hier in diesem Blog, folgenden Vermerk gelesen haben: „Alle Fotos von Ludwig Wirtzfeld“. Meinem Namensvetter und Freund Ludwig Wirtzfeld verdanke ich viele Fotos, die ich hier veröffentliche. Er ist bei verschiedenen, meist religiösen Feiern, mit seiner Kamera anwesend und stellt mir die eingefangenen Aufnahmen für meinen Blog zur Verfügung. Er feierte gestern am 5. Oktober seinen Geburtstag, wozu ich ihm herzlich gratuliere.






Montag, 3. Oktober 2011

Reicher Kaufmannssohn dreht durch und verzichtet auf sein Erbteil


--> So wird es sich damals herumgesprochen haben, als unser Tagesheiliger Franz von Assisi, von der Nachbarschaft für verrückt erklärt, sein Elternhaus verließ, um ein neues Leben zu beginnen. Sein Weltbild hatte sich ja tatsächlich so verrückt, dass er nicht einmal von seinen Eltern verstanden wurde. Und doch fanden sich bald zahlreiche Gleichgesinnte, die seine Christusnachfolge in Armut sowie seine Liebe zu allen Geschöpfen teilten. Bis heute gehört Franziskus zu den bekanntesten Heiligen, der Menschen jeden Alters fasziniert.
Sein Leben

Franz von Assisi wurde 1181 oder 1182 in der umbrischen Stadt Assisi am Fuße des Monte Subasio geboren. Seine Eltern waren der wohlhabende Tuchhändler Pietro Bernardone und dessen Frau Pica. Eigentlich auf den Namen Giovanni (deutsch: Johannes) getauft, gab ihm sein Vater – der sich zum Zeitpunkt der Geburt auf einer Handelsreise in Frankreich befunden hatte – nach seiner Rückkehr den Rufnamen Francesco (Franzose). 


Franziskus genoss eine für einen Bürgerlichen vergleichsweise hohe Bildung, offenbar weil sein Vater davon ausging, dass er als Kaufmann Lesen, Schreiben und Rechnen können müsse. Daher schickte er seinen Sohn in die Schule der Pfarrei San Giorgio, die vom Kapitel zu San Rufino unterhalten wurde; dort lernte Franz zumindest Lesen, Schreiben und etwas Latein. In seiner Jugend führte Franz ein ausschweifendes Leben, mit dem Geld seines Vaters hielt er seine Altersgenossen bei Festen frei und war solchermaßen oft der Mittelpunkt der jugendlichen Feiern.

Im November 1202 zog er mit Assisi in einen Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia, wobei Assisi unterlag (Gefecht bei Collestrada). Franz wurde daraufhin wie andere Kämpfer aus Assisi in Perugia eingekerkert und kam erst Anfang 1204 nach mehr als einem Jahr gegen ein Lösegeld seines Vaters wieder frei. Sein Jugendtraum, Ritter zu werden, und sein unbekümmertes Leben waren durch das Erleben des Krieges in Frage gestellt worden. Als er freikam, war er krank und innerlich zutiefst erschüttert. 
Berufung


Beim Gebet in San Damiano, etwa im Jahr 1205, fühlte sich
Franz von der dortigen Kreuzikone her persönlich angesprochen. Die Legende berichtet, Christi Stimme habe zu ihm gesprochen: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“

Auf diese Vision hin erbettelte er Baumaterial und begann nach Aussage seiner Biographen die kleine romanische Kirche eigenhändig wiederherzustellen. Später habe er in gleicher Weise San Pietro della Spina renoviert, eine heute nicht mehr vorhandene Kirche, sowie die etwa drei Kilometer von Assisi entfernte Kapelle Santa Maria degli Angeli.

Für wohltätige Zwecke und für seine baulichen Wiederherstellungsarbeiten an San Damiano nahm Franz
Waren und Geld aus dem Geschäft seiner Eltern. Dies führte zu Streit mit seinem Vater, der schließlich vor dem Richterstuhl des örtlichen Bischofs Guido II. einen Prozess gegen seinen Sohn führte. In dieser Gerichtsverhandlung, die im Frühjahr 1206 öffentlich auf dem Domplatz stattfand, entkleidete sich Franziskus vollständig, verzichtete mit dieser Geste auf sein Erbe und sagte sich von seinem Vater los. Die Legende überliefert seine Aussage: „Bis heute habe ich dich meinen Vater genannt auf dieser Erde; von nun an will ich sagen: »Vater, der du bist im Himmel«.

Danach begann Franziskus, außerhalb der Stadtmauern als Einsiedler zu leben. Er ging um Essen bettelnd von Haus zu Haus. Franziskus hielt sich zum Gebet häufig in den kleinen Kapellen im Umkreis Assisis auf, vor allem in Portiuncula. Er pflegte nach eigenen Angaben die Aussätzigen, die außerhalb der Stadtmauern leben mussten, was auch bei seinen Biographen vermerkt ist. In seinem Testament schreibt er: "So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: Denn als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt". (Testament 1-3) 



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Der Tod des Hl. Franziskus 
(Darstellung von Giotto do Bondone
Als Franziskus 1208 am 24. Februar dem katholischen Gedenktag des Apostels Matthias, in der kleinen Kirche von Portiuncula die Messe hörte, wurde er auf jene Stelle des Evangeliums nach Matthäus (10,5-14) aufmerksam, die von der Aussendung der Jünger erzählt: Geht aber und predigt […] Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. (Mt 10,8–10)

Die frühen Quellen berichten, dass Franziskus diese Worte
der Evangelien nicht nur im übertragenen Sinne verstanden habe, sondern immer versucht habe, sie zunächst wörtlich und direkt anzuwenden. So sei der Text für ihn eine Aufforderung gewesen, so zu leben und zu wirken, wie die zwölf von Jesus ausgeschickten Jünger, die Apostel nämlich in Armut zu leben und das Evangelium zu verkünden (auch apostolisches Leben genannt oder lat. vita apostolica). Ausgehend von diesen Bibelworten kleidete sich Franziskus von nun an in eine einfache Kutte, die mit einem Strick gehalten wurde, lehnte den Besitz und sogar den Kontakt mit Geld strikt ab und ging nach Möglichkeit barfuß.

Franziskus verstand sich selbst als Büßer. Als solcher ermahnte er seine Mitmenschen, Gott zu lieben und für ihre Sünden Buße zu tun. Durch diese Predigten und seine extreme Lebensweise stieß er bei vielen Menschen auf Spott und Ablehnung, doch etliche andere zog sein Beispiel an, so dass sich ihm im Laufe der Zeit viele Brüder anschlossen. Franz starb am Abend des 3. Oktober 1226. Schon am 16. Juli 1228 wurde er von Papst Gregor IX. heilg gesprochen.