Samstag, 29. Oktober 2011

Gott zieht uns zur Rechenschaft

-->
 Einige Gedanken zur Sonntagslesung am 31. Sonntag im Kirchenjahr
-->
Lesung

aus dem Buch Maleachi (Mal 1,14b – 2,2b.8-10 )

-->
-->
Ein großer König bin ich,

spricht der Herr der Heere,

und mein Name ist bei den Völkern gefürchtet.



Jetzt ergeht über euch dieser Beschluss, ihr Priester:

Wenn ihr nicht hört

und nicht von Herzen darauf bedacht seid,

meinen Namen in Ehren zu halten

spricht der Herr der Heere -,

dann schleudere ich meinen Fluch gegen euch.



Ihr seid abgewichen vom Weg

und habt viele zu Fall gebracht durch eure Belehrung;

ihr habt den Bund Levis zunichte gemacht,

spricht der Herr der Heere. Darum mache ich euch verächtlich

und erniedrige euch vor dem ganzen Volk,

weil ihr euch nicht an meine Wege haltet

und auf die Person seht bei der Belehrung.



Und wir, haben wir nicht alle denselben Vater?

Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen?

Warum handeln wir dann treulos, einer gegen den andern,

und entweihen den Bund unserer Väter?


Es sind harte Worte, die der Prophet Maleachi im Namen Gottes den Priestern seiner Zeit entgegen schleudert: Von Fluch ist die Rede und vom Erniedrigt werden, von heftigen Vorwürfen Gottes gegen seine Priesterschaft.



Was war geschehen? Wir blicken hier in die Zeit weit nach dem Babylonischen Exil, etwa 515 v. Christus. Der von den Babyloniern zerstörte Tempel in Jerusalem war wieder aufgebaut - aufgrund der wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation aber in wesentlich kleinerem Stil. Und weil die Zeiten schlecht waren, wurde auch sonst an der Religion gespart. Das ganze Buch Maleachi schlägt sich damit herum, dass das Volk meint, es mit dem Gottesdienst nicht mehr so genau nehmen zu müssen. Der Prophet Maleachi macht es unmissverständlich deutlich: Das Fehlverhalten im Gottesdienst und die Missstände in der Gesellschaft hängen eng zusammen. Rechter Gottesdienst und gerechtes Handeln im Alltag hängen zusammen. In beiden Bereichen ist es offenbar zu schweren Verfehlungen gekommen. Nicht nur der Kult funktioniert nicht mehr, auch das Zusammenleben in den Familien ist zerrüttet, die sozialen Verhältnisse sind von Ausbeutung, Unterdrückung und Armut gekennzeichnet.
 

Den Priestern am Tempel macht Maleachi in Form der Gottesrede besonders heftige Vorwürfe. Gerade die Priester, die Gottes Weisung an der Hand haben, sollten es besser wissen. Doch sie haben das Volk falsch belehrt und sind vom rechten Weg abgewichen.Priester hatten damals nicht nur den Kult am Tempel zu versorgen, sondern waren auch Lehrende und hatten ein wichtiges Wort in der Gesellschaft, auch in der Politik mit zu reden. Ihr Amt hatte also einen gewissen Vorbild - Charakter. Darum können wir diesen Text durchaus anwenden auf alle Menschen, die im Beruf oder auch privat, ein Vorbild für andere sind. Wir können und müssen Maleachis Worte in unsere Zeit übertragen: Es geht darum, dass Menschen eine Verantwortung für einen bestimmten Dienst übernommen haben und darin scheitern bzw. das Amt missbrauchen.



Leider gibt es das heute auch. Bestechlichkeit, Korruption, Bereicherung, Vernachlässigung der Dienstpflichten, Abweichen von den wichtigen Grundsätzen - immer wieder hören wir davon, dass hochgestellte Persönlichkeiten der Öffentlichkeit in Skandale verstrickt sind und zu Fall kommen. Das gibt es in der Politik wie in der Kirche, leider.



Zwei Lehren können wir aus dem Maleachi-Text für unsere heutige Zeit ziehen, je nach dem, zu welchem Bevölkerungskreis wir uns zählen wollen oder müssen.



1. Maleachi stellt uns heute die ernste Frage, ob wir, wenn wir Macht haben und Verantwortung tragen, damit sorgfältig und gewissenhaft umgehen. Gerade wenn wir als Politiker, als Lehrende, als Seelsorger für andere Orientierung und Maßstab sein wollen, müssen wir einen Lebenswandel führen, der dieser Verantwortung entspricht. Wer Wasser predigt, aber selbst Wein trinkt, wirkt unglaubwürdig und verunsichert viele. Verfehlungen von Personen der Öffentlichkeit sind nicht einfach als ,Kavaliersdelikte‘ abzuhaken - das Problem ist, dass solche ‘Vorbilder‘ die Maßstäbe und die Moral der Gesellschaft insgesamt unterhöhlen. Viele fragen sich dann, warum sie denn selbst anständig sein sollen, wenn die da oben doch machen, was sie wollen und sich nehmen, was sie kriegen können. Maleachi kämpft gegen ein solches Denken.



2. Nicht nur Kritik ist in Maleachis Rede zu hören, sondern auch etwas Aufbauendes für diejenigen, die sich selbst um Anstand und Gerechtigkeit bemühen. Gott ist es nicht egal, wie „die da oben“ in Politik oder Kirche ihren Dienst verrichten, ob sie sich bereichern oder ihre Pflichten verletzen. Gott wird sie zur Verantwortung ziehen, sagt er. Ihm sollten wir es dann auch überlassen über die „Frevler und Überheblichen“ zu urteilen. Wir selber sollten uns fragen, ob wir uns zu den Gerechten rechnen dürfen, die nach Gottes Weisung leben. Der Prophet Maleachi ermuntert uns, es jedenfalls immer wieder neu zu versuchen, nach der Weisung Gottes zu leben und uns nicht entmutigen zu lassen, wenn wir Missstände in der Gesellschaft entdecken.



Unsere Aufgabe ist es, Misstände anzusprechen und nicht unter den Teppich zu kehren.  Wir - und damit meine ich alle Christen -  können durch unser Tun mit helfen, dass der Glaube wächst und wir können andere durch unser Vorbild zum Guten ermuntern. In diesem Vertrauen können wir auch die Be - oder die Verurteilung anderer getrost Gott überlassen. Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber sicher.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Vorbereitungstreffen zur 28. Sternsingeraktion in Bütgenbach


-->
-->
Sternsinger bald wieder als Türöffner unterwegs


von Lothar Klinges

Am Dienstagabend fanden sich etwa 70 Verantwortliche aus vielen Ortschaften der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu einem Treffen im Franziskanerinnenkloster „Jungfrau der Armen“ in Bütgenbach ein, um die Sternsingeraktion 2012 vorzubereiten.


Müssten Sternsinger wie beim heiteren Berufe-Raten eine typische Handbewegung machen, läge es nahe, ein Klopfzeichen zu geben. Jeder Hausbesuch, den jährlich etwa 1200 Kinder aus 57 Dörfern und Städten in Ostbelgien mit dem Stern von Bethlehem machen, beginnt damit, an Haus- und Wohnungstüren anzuklopfen bzw. anzuklingeln.

Im Januar 2012 werden die Sternsinger(innen) zum 28. Mal durch die neun ostbelgischen Pfarrverbände ziehen – gleichzeitig geht die Aktion neue Wege. Die Rede ist vom Aktionsplakat zum Thema Kinderrechte, das sich in Optik und Ansprache von seinen Vorgängern unterscheidet.

Im Mittelpunkt der Sternsingeraktion stehen die Kinder: Kinder in Entwicklungsländern, aber auch Kinder in Ostbelgien, die bereit sind, sich für Gleichaltrige in den Ländern des Südens stark zu machen. „Gerade im Brückenschlag der Solidarität von Kindern für Kinder liegt die Seele des Sternsinger-Gedankens“, erklärte Myriam Hennes,

Die Sternsinger sind mit ihrem tatkräftigen Einsatz für andere Kinder Türöffner. Sie klopfen in den Häusern an die Herzenstür vieler Menschen. Mit ihrem Einsatz verstärken sie den O-Ton des Herzensanliegen Jesu für eine gerechtere Welt, damit Kinder zu ihrem Recht kommen. Ihr Anklopfen ist wie ein Pochen, das nicht verhallen will.

Wie in den vergangenen Jahren oblag es wieder Pfarrer Claude Theiss aus Schönberg die Träger(innen) der Aktion 2012 anhand einer Katechese „zur Mitte zu führen“ und sie inhaltlich auf das Ereignis vorzubereiten. Das Motto der diesjährigen Aktion knüpft an das biblische Leitwort an: „Wer anklopft, dem wird geöffnet.“ Anklopfen – öffnen. Bitten – erhören. Diese klaren Bilder in den Worten Jesu sind nah am Leben der beteiligten Kinder und Jugendlichen, betonte Claude Theiss. „Die Sternsinger gehen von Haus zu Haus, klopfen an und bitten um Gehör. Wenn ihnen Türen geöffnet werden, erleben sie, dass Menschen sich bewegen lassen, anderen zu helfen.“ So verbinde das Motto der Aktion das Tun der Sternsinger mit dem Einsatz für Kinder in der Einen Welt.

Nicht zuletzt auch anhand eines eindrucksvollen und hoffnungsfrohen Dokumentarfilms wurde deutlich, wie Türen für Kinder in Not in Nicaragua geöffnet werden. „Abschaum der Menschheit“ werden Straßenkinder in diesem Land genannt. In verschiedenen Zentren wird ihnen die Möglichkeit geboten, ihrem harten Leben zumindest zeitweise zu entfliehen.


Die Sternsinger/innen in Ostbelgien unterstützen mit ihrer Aktion im Januar 2012 den Neubau eines Mädchenheims in Nicaragua. „Vor allem Mädchen leiden unter Missbrauch und Gewalt“, erklärte Myriam Hennes. In diesem Haus finden Mädchen Schutz und Hilfe. Ein zweites Projekt, das von Ostbelgien aus unterstützt wird, ist der Bau eines Zentrums für Kinder, die bereits in jungen Jahren hart arbeiten müssen und denen es verwehrt ist, eine Schule zu besuchen. Das Zentrum möchte diese Kinder fördern, damit sie bei einer späteren schulischen Ausbildung den Anschluss nicht verpassen.

Die Sternsingeraktion erbrachte im Januar 2011 insgesamt 79.741,73 Euro in Ostbelgien. Im Jahr 2010 wurden bei der Aktion 65.530,75 Euro in der DG gesammelt. Damit lag der Betrag 2011 um 14.210 Euro über den Erlös von Januar 2010.

ECHOS

Elvira Schoffers-Küpper (46) aus Weywertz leitet seit vier Jahren zusammen mit Doris Henkes die Sternsingeraktion in ihrer Pfarre. „Durch meine eigenen Kinder bin ich mit der Sternsingeraktion in Berührung gekommen. Ich habe mich mitverantwortlich gefühlt, die Aktion auch mit den anderen Kindern tatkräftig zu unterstützen. Seit einigen Jahren wird diese Aktion auch mit einem Film den Kindern sehr nahe gebracht, was mir sehr gut gefällt. Die Kinder spüren noch besser, worum es im Grunde geht. Ich freue mich, dass zahlreiche Eltern die Aktion bei uns mit unterstützen. Ich stelle fest, dass die Kinder viel seltener abgewiesen werden, wenn sie von Erwachsenen bei der Aktion begleitet werden. In vielen Häusern werden sie herzlich aufgenommen, man bietet ihnen Kakao und sogar ein Essen an. Wichtig ist mir bei der Aktion, dass die Kinder genau wissen, weshalb sie daran teilnehmen.“

Caroline Spoden aus Montenau nahm zum ersten Mal am Vorbereitungstreffen in Bütgenbach teil. Für die 17-jährige Schülerin am Maria-Goretti-Institut St.Vith ist es vor allem die Gemeinschaftserfahrung der Sternsinger, die ihr zusagt. „Ich finde es gut, dass die Kinder und Jugendlichen nicht allein, sondern in Gruppen von Haus zu Haus gehen. Wichtig ist es, dass die Kinder genau informiert werden, aus welchem Geist heraus sie an der Aktion teilnehmen.“

Horst Reiter (42) aus Manderfeld leitet seit fast zwanzig Jahren die Sternsingeraktion in der Lambertuspfarre. Als Verantwortlicher der örtlichen Ministrantengruppe lag es nahe, diese Aktion zu organisieren, nachdem sie von der Schule der Messdienergruppe übertragen wurde. „Es ist eine sehr gute Sache, dass Kinder Kindern in Not helfen. Die Katechese, die wir mit den Jungen und Mädchen in der Vorbereitung auf die Aktion durchführen, ist sehr wichtig, um sie gut auf das Projekt vorzubereiten.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Hören – Tiefer Hören – Mit dem Herzen hören - Den Anruf Gottes in meinem Leben hören


--> -->
-->
Stille


Wenn heute die Forderung nach Stille stärker geäußert wird, verbirgt sich dahinter kein methodischer Trick, unruhige und nervöse Kinder ruhig zu bekommen und zu disziplinieren. Vielmehr ist die Erfahrung prägend, dass nur aus der Stille heraus ein tiefes Hören möglich wird, dass die Stille die Voraussetzung für ein tieferes Aufnehmen und Bedenken unserer Wirklichkeit ist.

Stille hat eine innere Kraft, die den Menschen ganz zu sich selbst führt und zugleich weit über ihn hinausweist. Stille kann heilen und stärken, kann die innersten Fähigkeiten und Gefühle bewusst machen, die innere Kraft eines Menschen erwecken. Stille räumt die Oberflächlichkeit des Alltags beiseite: Hinter all den Alltagsgeräuschen, hinter der beständigen Kulisse von Lärm und akustischen Reizen, die uns in unserer Kultur heute umgibt, wird etwas Tieferes erfahrbar. Stille ist die Chance zu geistigem Wachstum.

Stille als Weg

Somit ist die Stille nicht selbst das Ziel. Es geht nicht um Stillsein als eigenen Wert, sondern darum, durch die Stille zu tieferen Werten zu finden. Stille ist also der Weg, nicht das Ziel. Alle Religionen, die östlichen in besonderer Weise, aber auch Teile der christlichen Tradition, haben die Stille so erfahren und für religiöse Erfahrungen nutzbar gemacht.

Den meisten Menschen ist Stille zuerst einmal fremd, leben sie doch in einer Welt vielfältiger Geräusche auf, in der es richtige Stille kaum gibt. Dennoch lassen sich die meisten überraschend gern auf Stilleübungen ein, sind dann sogar dankbar für solche „stillen Zeiten“. 



Hören

 
Wo Stille ist, dort erst kann gehört werden. Es geht auch bei der Begegnung des Menschen mit Gott zuerst einmal nicht um das Reden des Menschen, sondern darum, dass er still wird, dass er „ein Hörer“ wird, ein „Hörer des Wortes“. Erst in der Stille wird der Mensch offen für das in unserer lauten Welt oft unscheinbare Wort Gottes, für den inneren Frieden, für den Weg der Religion.





-->
Gott, Lass, mich still werden,
um uns sind viele Geräusche und Stimmen.
Und du bist leise.

Gott,
in mir ist oft so viel Lärm,
Melodien, Träume, laute Sehnsüchte,
Streit, Rede und Widerrede.
Und du bist leise.

Viele Menschen rufen jeden Tag nach mir.
Was wollen sie schon wieder?
Manchmal ist es schön und gut,
manchmal ist es schwer und lästig.
Und du bist leise.

Lass mich still werden,
dass ich innen höre,
mit dem Herzen höre,
und wenn es noch so dunkel ist,
wenn ich mutlos oder lustlos bin.

Rufe mich,
-->
ich will hören.
Sag mir, dass du da bist.

Und ich will hören,
ich will auf dich hören,
ich will tun, was ich höre.
 

Dienstag, 25. Oktober 2011

Hospiz - Dem Sterben Leben geben

-->

-->
Wohnen im Hospiz - Wohngemeinschaft auf Zeit


Durch das geöffnete Fenster weht der Wind und bauscht die sonnengelben Organzavorhänge auf. Es riecht nach Marmelade und Kaffee. Am Frühstückstisch sitzen Margarete Rieder und Pfleger Stefan Buchgeister, der mit seinen Scherzen für Heiterkeit sorgt. Sie plaudern mit den beiden fleißigen Helfern Benno und Christian, die sich derweil um den Abwasch kümmern.

Eine Atmosphäre beinahe wie in einer Wohngemeinschaft. Doch für die Menschen im Hospiz St. Vinzenz in Köln-Nippes ist es ein Wohnen auf Zeit. Sieben Schwerstkranke im Alter zwischen 60 und 80 Jahren verbringen hier ihren Lebensabend. Die meisten von ihnen können ihr Bett nicht mehr verlassen. Margarete Rieder kann noch aus eigener Kraft aufstehen, doch sie ist wackelig auf den Beinen. Heute hat sie ihre Hausschuhe vergessen und sitzt nun barfuß in der Wohnküche. Ihre kurzen, grauen Haare sind noch von der Nacht zerzaust. Sie zappelt unruhig auf ihrem Stuhl, denn nach dem Frühstück gönnt sie sich immer eine Zigarette. "Wo ist denn mein Feuerzeug?" fragt die 73-Jährige und sucht unruhig ihre Hosentaschen ab. Das türkisfarbene T-Shirt betont die von blauen und roten Flecken übersäten Arme. Eine Nebenerscheinung ihrer schweren Krankheit: Margarete Rieder hat Krebs im Endstadium. Ein weit fortgeschrittener Tumor und Hirnmetastasen haben den Körper der kleinen, stämmigen Frau gezeichnet.

-->
Einschlafen, nicht mehr aufwachen

Trotz starker Schmerzen liegt sie nicht im Bett, sondern sitzt mit Zigarette stundenlang im Raucherzimmer. Selbst nachts, wenn die Kölnerin nicht schlafen kann, schleicht sie hinüber, um heimlich zu rauchen und Ablenkung zu finden. "Es ist mein Hobby. Was habe ich denn sonst noch", fragt sie und zieht die Augenbrauen hoch. "Ich muss jeden Moment damit rechnen, dass ich tot umfalle und aus ist es." Vor dem Tod hat sie weniger Angst, als vor dem Leiden. Das einzige, woran sie denkt und was sie sich wünscht, ist, am letzten Tag einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.

-->
Geballte Ladung Leben

"Wer hierher kommt, weiß, dass er sterben wird", sagt Pflegedienstleiterin Martina Mann. Die gelernte Krankenschwester arbeitet seit der Eröffnung 1999 im St. Vinzenz-Hospiz. Nach 20 Jahren als OP-Schwester wollte sie weg von der Technik. "Der Kontakt zu den Patienten hat mir gefehlt", erzählt sie. Die 47-Jährige lernte über die Palliativmedizin Behandlungsmethoden zur Linderung von Schmerzen bei unheilbar Kranken. Martina Mann und ihre Kollegen stoßen nicht selten auf Unverständnis, wenn sie Fremden oder Bekannten sagen, wo sie arbeiten. Die Gesellschaft tabuisiert Sterben und Tod. Dennoch sieht Pfleger Stefan Buchgeister seine Arbeit als Bereicherung. "Ich erlebe täglich eine geballte Ladung Leben", sagt er. Denn im Hospiz wohnen sieben ganz unterschiedliche Menschen, die alle ihre eigene Lebensgeschichte haben. Ob Frühaufsteher oder Nachtschwärmer, Talkshow-Fan oder Brettspiel-Liebhaber - sie alle leben gemeinsam unter einem Dach. Jeder von ihnen wird auf seinem letzten Lebensabschnitt individuell begleitet: palliativ-medizinisch, psychosozial und spirituell. "Die Bewohner entscheiden, was sie wollen und was nicht, je nach ihren Bedürfnissen", erklärt Martina Mann.

-->
Behütet und doch selbstbestimmt


Gemeinsam mit elf weiteren Pflegerinnen und Pflegern betreut sie in Wechselschichten die Hospizbewohner. Ein Dutzend stationäre, ehrenamtliche Helfer unterstützen sie stundenweise in der Wohngemeinschaft. Es gibt keine Dienstkleidung. "Wir wollen den Menschen hier ein Stück Normalität vermitteln", erklärt die Pflegedienstleiterin. In Jeans, Hemd oder Shirt umsorgen sie und ihre Mitarbeiter, helfen bei der täglichen Körperpflege oder bringen den Bewohnern das Essen. Nur die rutschfesten Arbeitsclogs deuten auf ihre Tätigkeit hin. Drei Mahlzeiten gibt es am Tag, aber wann und was der Bewohner essen möchte, kann er selbst bestimmen. Menschen mit Krebs im Endstadium kämpfen mit Übelkeit und Ekel, Appetitlosigkeit und haben keinen Durst mehr. Margarete Rieder kann sich heute nicht zum Abendessen durchringen.

Viele mögen bei Hospiz das Bild von einem Wartesaal des Todes vor Augen haben. Doch es ist alles andere als das. Vielmehr gibt es Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein Zuhause, umsorgt, behütet und doch selbstbestimmt. Leben im Hospiz bedeutet auch, sein Zimmer nach seinem individuellen Geschmack einzurichten. Einige der Bewohner auf Zeit bringen sogar ihr eigenes Porzellan mit oder den leuchtend-bunten Weihnachtsmann, der in der Ecke vor sich hin strahlt.

-->
Lernen, los zu lassen

Individualität wird nicht nur gelebt beim abendlichen Schlummertrunk oder beim Briefe schreiben am schweren Holzschreibtisch, sondern auch an Festtagen. Dabei liegen Freud und Leid Tür an Tür. "Einmal feierte ein Bewohner in seinem Zimmer Geburtstag während nebenan jemand verstorben ist. Als die Trauernden das Zimmer verließen, wurden sie von den Angehörigen des feiernden Zimmernachbarn getröstet", erzählt Martina Mann. Die Gewissheit, dass ihnen allen das Gleiche bevorsteht, ruft Solidarität und ein "Wir"-Gefühl hervor. Trauerarbeit beginnt schon, bevor der geliebte Mensch gestorben ist. Die Pflegedienstleiterin spricht viel mit den Verwandten. Die Angehörigen sollen lernen, los zu lassen. Das fällt schwer. Martina Mann kann das gut verstehen: "Viele Verwandte veranlassen alles medizinisch Mögliche, um den Vater oder die Mutter doch noch zu retten. Aber das Festhalten erschwert den Abschied." (…)

-->
Gemeinsam aushalten

Margarete Rieder hat sich schon oft gefragt, was das alles noch für einen Sinn hat. Genauso, wie ihre Mitbewohner. Diese Frage - sie taucht nachts auf, wenn es still und dunkel ist, aber auch am Morgen beim Waschen vor dem Spiegel. Wenn der seelische und körperliche Schmerz unerträglich ist, kapituliert irgendwann jeder vor der tödlichen Krankheit und sucht nur noch nach Erlösung. Stefan Buchgeister weicht diesen Situationen nicht aus: "Ich setze mich zu ihnen und wir schweigen gemeinsam. Ich habe auch keine Antwort." Dieses Aushalten sei das Schwerste in seinem Beruf, sagt er und Martina Mann ergänzt: "Es geht nicht um schöner Sterben, sondern darum, dass im Moment tiefer Resignation jemand da ist, der einem die Hand reicht." Denn bei allem medizinischen Fortschritt, gegen die Angst vor Leid und Tod gibt es keine Pille.

Quelle: Saskia Gamradt, www.katholisch.de; in: www. Pfarrbriefservice.de

Montag, 24. Oktober 2011

Das Gleichnis vom Senfkorn - Das Gleichnis vom Sauerteig

-->
Jesus sagte: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen?  Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.  Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?  Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war. (Lk 13,18-21)

Die beiden Gleichnisse über das Reich Gottes finden wir auch in den Evangelien von Markus und von Matthäus. Lukas setzt aber eigene Akzente. Beide Gleichnisse werden mit einer rhetorischen Frage eingeleitet: Wem ist das Reich Gottes ähnlich, womit soll ich es vergleichen? Diese Frage steigert die Aufmerksamkeit für die Antwort.

Das Senfkorn wuchs und wurde zu einem Baum

Kleiner Anfang, großes Ende


Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen. Das Senfkorn galt als Symbol des kleinen Anfangs, der sich zu großer Entfaltung auswuchs. Als unscheinbares Samenkorn entwickelt es sich bis zu einer Staude, die die Vögel des Himmels – etwas übertrieben formuliert - zum Nisten in seinen Zweigen benutzen.

So wird es auch mit dem Reich Gottes sein, das sich mit Jesus angebahnt hat, unscheinbar zunächst, aber mit der Kraft zum großen Ende. Lukas liegt jedoch mehr an einem anderen Akzent dieses Gleichnisses, nämlich am allmählichen, aber stetigen Wachsen des Samenkorns. Dieser Akzent ist ihm wichtig fur seine Zeit. Die erwartete Durchsetzung und Vollendung der Herrschaft Gottes ist ausgeblieben, manche werden skeptisch geworden sein. Da macht Lukas die Christen seiner Gemeinde auf das Wachsen aufmerksam.

Sicher: Das Reich Gottes steht mit seiner Vollendung für die Zukunft aus, aber das von Jesus gelegte Samenkorn wächst. Die Herrschaft Gottes lässt sich nicht aufhalten oder gar beseitigen.

Lasst euch nicht beirren. Habt Vertrauen und Geduld.
Schaut auf die Zeichen, die sich in jeder Zeit darbieten
im eigenen Leben, im Leben der anderen.

In der gleichen Weise ist das nächste Gleichnis zu verstehen, das im Gegensatz zum vorigen bewusst dem Arbeitsbereich der Frau entnommen ist. Die Botschaft des Evangeliums gilt beiden Geschlechtern ohne Unterschied. Das Reich Gottes ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, his das Ganze durchsäuert war: Was die deutsche Übersetzung mit einem Trog Mehl angibt, entspricht in etwa dem Volumen von vierzig Litern, einer großen Menge also. Noch deutlicher als vorhin liegt der Akzent auf dem Prozess des Durchsäuerns. So Wie der Sauerteig das Mehl durchdringen wird, so wird es mit der Kraft des Evangeliums sein. Als Christen befinden wir uns mitten in dem Prozess, dass Gottes Herrschaft die Kräfte dieser Welt prägt und prägen wird bis zu dem unberechenbaren Augenblick, in dem sie sich vollends durchsetzen wird.

 

Diese Wirklichkeit Gottes unter uns zeigt sich meist in der Stille. Wir können sie deshalb leicht übersehen und ihre Macht unterschätzen. Aber sie ist da und wächst, wie das Senfkorn, das zu einem Baum wurde, und wie der Sauerteig, der das Ganze durchsäuert hat. Jeder von uns kann und soll dazu beitragen, dass das Reich Gottes sichtbarer wird: durch sein Gebet und Handeln, seine Lebensweise.