Samstag, 3. Dezember 2011

Erwarten wir den Herrn? Überlegungen zum 2. Adventssonntag

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Darf ich fragen: Wie steht's mit euren Weihnachtsvorbereitungen? Habt ihr das meiste schon erledigt? Oder fehlt noch was? Vielleicht noch Weihnachtskarten, Christbaumschmuck, ein Geschenk für die alte Tante, eine Postanweisung für ein Blinden- oder ein Kinderheim oder für die Leprakranken? Und wolltet ihr nicht noch vor Weihnachten die alte, leidige Feindschaft bereinigen und euch endlich versöhnen? Und hattet ihr euch nicht auch noch vorgenommen an der Bußfeier im Advent teilzunehmen und einmal war euch sogar der Gedanke gekommen, dass auch einmal eine ehrliche Beichte wieder sinnvoll sein könnte.

Advent heißt: für Christus offen sein.
Alles in meinen Möglichkeiten stehende tun,
damit er gut bei mir ankommen kann.


Wenn wir einen lieben Gast erwarten, setzen wir uns auch nicht bequem in den Lehnstuhl; sondern wir richten her, wir bereiten vor. Unser Warten darf also nicht tatenlos sein. Johannes sagt uns: „Bekehrt euch, damit eure Sünden vergeben werden“ (Mk 1,4). Christus kann nicht kommen, wenn wir die Barrieren nicht wegräumen, die ihm den Weg zu uns versperren. „Jeder Berg soll abgetragen und jedes Tal aufgefüllt werden.“ Christus kann in uns nicht geboren werden, wen wir ihm die Türe versperren oder wenn unser Haus schon mit allen möglichen anderen Gästen besetzt ist. Wir müssen entrümpeln. Die Tore aufreißen, damit frische Luft rein kommt. 
In vielen Familien wird das Wichtigste, das Jesuskind, zugedeckt von Bergen von Geschenken und Nebensächlichkeiten. Vielleicht kennt ihr die Geschichte: Nach der Taufe legte man das Kind in irgend eine Ecke und setzte sich zum Taufkaffee. Die Gäste merkten das Kind gar nicht und legten ihre Mäntel darauf, so dass das Kind erstickte. Ich weiß nicht, ob sich diese Geschichte wirklich zugetragen hat. Jedenfalls ereignet sie sich jeden Heiligen Abend unter vielen Christbäumen: man vergisst das Wesentliche, das Kind, und erstickt es unter lauter Geschenken und Nebensächlichkeiten.

Wollen wir das Einbrechen des Herrn auch wirklich?

Machen wir also Platz für den Herrn! Oder wollen wir den wirklichen Advent, die wirkliche Ankunft Christi gar nicht? Kommt er uns vielleicht ungelegen? Fürchten wir seine Ankunft, weil wir wissen, dass wir dann einiges ändern müssten? Ist unsere Bitte: „O komm, o komm, Emanuel“  gar nicht so ernst gemeint? Rechnen wir mit der Wirklichkeit Gottes, mit seinem Gericht?  Oder meinen wir vielmehr: Lass dir noch Zeit! Stör uns bitte nicht!


Vielleicht denken wir: Wozu soll er überhaupt kommen? Fehlt uns etwas ohne ihn? Wir haben doch alles: unsere Schränke sind voll, auch unsere Kühltruhen; das Konto stimmt einigermaßen. Wozu soll er also kommen?

Eine tiefe Sehnsucht in uns sagt:
„Wir möchten mehr, als Lametta und Lebkuchen!“

Aber vielleicht gehören wir zu jenen anderen Menschen, die mit all dem allein nicht zufrieden sind, denen die gefüllten Kühltruhen und der Glühwein nicht genügen? Gehören wir zu denen, die vor all diesem irdischen Besitz und vor all den Weihnachtsgeschenken fragen: Ist das alles? Wir möchten mehr! Wir möchten und ersehnen eine Welt, in der Gerechtigkeit und Liebe herrschen, in der die Tränen der Hungernden und der Gefolterten getrocknet werden, in der alle Menschen sich als Brüder wissen.

Liebe Mitchristen, Advent heißt: Mit der Ankunft Gottes rechnen. Besser noch: Mit der Ankunft Gottes so rechnen, dass wir uns ihm gegenüber verantworten müssen. Eine solche adventliche Haltung nimmt uns etwas vom Gemütlichen und Rührseligen. Wenn wir die Zeit des Advents ernst nehmen, dann werden wir auch den Ruf des Täufers am Jordan ernst nehmen müssen: „Baut dem Herrn eine Straße; bereitet ihm einen Weg ! Macht gerade seine Pfade!” (vgl. Mk 1,3)

Freitag, 2. Dezember 2011

Seht euch also vor und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist (Mk 13,33).

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Heute! Nicht morgen!

In einer alten Legende wird von drei Teufelslehrlingen erzählt, die eines Tages auf die Erde kamen, um hier ihre Ausbildung abzuschließen. Sie unterhielten sich mit Satan, dem obersten der Teufel, über ihre Pläne, die Menschen in Versuchung zu führen und zu verderben.

Der erste Lehrling sagte: “Ich werde den Menschen beibringen, dass es keinen Gott gibt.“ Satan entgegnete: „Damit wirst du nicht viele für uns gewinnen. Denn die meisten Menschen ahnen, dass Gott existiert. Sie haben

eine Neigung in ihrem Herzen, an Gottes Dasein zu glauben. Diese Neigung wirst du nicht leicht aus ihrem Herzen reißen können.“

Der zweite Lehrling sprach: »Ich werde den Menschen sagen, dass es keine Hölle gibt und dass sie für ihre Sünden keine Strafe zu fürchten brauchen.“ Satan erwiderte: „Auf diese Weise wirst du kaum jemand in die Irre führen.

Kluge Menschen wissen längst, dass es eine Hölle gibt und dass jede böse Tat die ihr gemäße Strafe nach sich zieht!“

Der dritte Lehrling erklärte „Ich werde den Menschen einreden, dass man alles verschieben kann; dass es nichts gibt, was hier und jetzt getan werden muss.“

„Geh ans Werk“, sprach der Satan, „du wirst Erfolg haben. Tausende wirst
du betrügen und uns in die Arme treiben.“






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In der Stadt Ropschitz wohnen - wie überall - die reichen Leute einsam am Rande der Stadt. Sie bestellen Männer zum Schutz gegen Diebe. In dieser Stadt wohnt auch Rabbi Naphtali.
Er geht eines Tages am Rand des Waldes spazieren. Dabei stößt er auf einen solchen Wächter auf seinem Patrouillengang. „Für wen gehst du?“ fragt er den Wächter. Der gibt ihm Bescheid, stellt jedoch die Gegenfrage: „Und für wen geht ihr, Rabbi?“
Das Wort trifft den Rabbi wie ein Pfeil.
„Noch gehe ich für niemand“, bringt er mühsam hervor und geht lange schweigend zusammen mit dem Wächter auf und ab. Schließlich fragt der Rabbi unvermittelt: „Willst du mein Diener sein?“
„Das will ich gern“, erwidert der Wächter, „aber was ist meine Aufgabe, was habe ich zu tun?“ “Mich erinnern“, sagt Rabbi Naphtali und geht heim.
Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten 3, S. 12-13.

 

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Gottesdienstordnung für den Monat Dezember



Zur Gottesdienstordnung

geht es HIER

Messdiener: Im dienst an der Gemeinde

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Rund 440.000 Jungen und Mädchen engagieren sich in Deutschland im Ministrantendienst – Tendenz steigend. Dr. Hahnen von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz sieht die Ministrantenpastoral als „eine der stärksten Säulen der kirchlichen Jugendarbeit, die sich großer Beliebtheit und Aufmerksamkeit erfreut“.

Meist sind es Kinder und Jugendliche - Mädchen wie Jungen -, die nach der Erstkommunion Ministranten werden und es häufig bis zum Ende ihrer Schulzeit bleiben. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es aber nicht. In vielen Gemeinden dienen auch Ältere und Rentner als Ministranten in den Gottesdiensten, besonders in den Messen und bei Beerdigungen an Wochentagen, wenn für Kinder der Schulbesuch ansteht.


"Haupteinsatzort" der Ministranten ist der Sonntagsgottesdienst in der Kirchengemeinde: die Heilige Messe. Die Ministranten halten beim Tagesgebet dem Priester das Messbuch vor, sie bereiten den Altar und bringen für die Eucharistiefeier die Gaben Brot und Wein herbei. In feierlichen Gottesdiensten tragen sie das Vortragekreuz und Kerzen und bedienen das Weihrauchfass. Ansonsten können Ministranten auch in jedem anderen Gottesdienst dienen: bei Sakramentenspendungen wie Taufe oder Eheschließung, bei Beerdigungen, feierlichen Prozessionen u.a.m.



Wie wird man Ministrant und was sind die Aufgaben?


Jeder getaufte Katholik kann Ministrant/in werden. In den deutschsprachigen Diözesen ist es möglich und üblich, nach der Erstkommunion in den Dienst einzutreten. Das sollte mit einer gewissen persönlichen „Reife“ verbunden sein. Eine Grundkenntnis vom Gottesdienst, der Messfeier, ihrem Aufbau, Form und Sinn der liturgischen Zeichen ist hilfreich. Oft stellen Gruppenleiter aber fest: Die Offenheit, das Interesse sind da, aber es fehlt an Grundlegendem. Dann ist die Katechese umso mehr gefragt.

Das Angebot im Anschluss an die Erstkommunion zu machen, hat sich bewährt: Durch die Erstkommunionvorbereitung haben die Kinder gelernt, katechetisch zu arbeiten. Viele Kinder sind nach der Erstkommunion hoch motiviert, sie wollen sich einbringen und haben erste konkrete Erfahrungen in einer Gruppe und mit dem Feiern von Gottesdiensten gemacht. So kann es – für den, der will – nahtlos weitergehen.

Weibliche Ministranten: Fest etabliert und geschätzt

Da der Ministrantendienst lange Zeit im Zusammenhang mit der Klerikerausbildung gesehen wurde, war der Dienst bis in die 1970er Jahre nur männlichen Katholiken vorbehalten. Seit dieser Zeit aber wurden in vielen Gemeinden der westlichen Welt auch Frauen und Mädchen für den Dienst zugelassen, ohne dass dies von Rom explizit gestattet worden wäre – andererseits wurde es aber auch nicht sanktioniert. Die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung billigte dann 1994 allen Bischöfen das Recht zu, in ihren Diözesen auch Frauen und Mädchen zum Dienst am Altar zuzulassen.

Bereits das Zweite Vatikanische Konzil hatte klargestellt, dass es sich beim Dienst der Ministranten um einen liturgischen Dienst handelt, der im Sinne der tätigen Teilnahme an der Messfeier allen Getauften zukommt. Es lag somit kein theologischer Grund vor, Frauen und Mädchen vom Altardienst auszuschließen. Der Dienst von Ministrantinnen ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz mittlerweile fest etabliert und geschätzt, Gemeinden, in denen nur Jungen dienen, sind eine Ausnahme. In Deutschland belief sich 2008/09 der Anteil der weiblichen Ministranten auf 51,6 Prozent.

Das Ministrantengewand

Der Ministrant hat ein besonderes Gewand. Es erinnert uns an ein Kleid, das jeder übergestreift bekommt, wenn er in die Gemeinschaft mit Jesus Christus aufgenommen wird. Ich meine das Taufkleid, dessen tiefere Bedeutung der heilige Paulus erklärt: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angezogen" (Gal 3,27). Auch wenn ihr, liebe Ministranten, aus dem Taufkleid herausgewachsen seid, so habt ihr dafür gleichsam das Ministrantengewand angelegt. Ja, die Taufe ist der Ausgangspunkt eures "wahren liturgischen Dienstes" … Papst Johannes Paul II., Internationale Ministrantenwallfahrt, August 2001 Quelle: www.pfarrbriefservice.de

Mittwoch, 30. November 2011

Bereitet dem Herrn den Weg – Eine Übersicht der Gottesdienste im Monat Dezember

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Die Lesungen der beiden ersten Adventssonntage klingen recht herb und herausfordernd. Da passen die Schrifttexte der ersten Werktage viel eher zu unserem gewohnten Adventsgefühl – und genau das mahnt zur Vorsicht: Vorsicht, dass wir nicht nur das Gewohnte erhoffen und erwarten und ganz vergessen und übersehen, dass in diesem Advent Gott selber auf uns zukommen will, dass er das Leben von Grund auf verändern und erneuern möchte.

 

Donnerstag, 1. Dezember

Wir sind mitten in der 2. Adventswoche. In den Lesungen spricht der Prophet Jesaja zum Volk Israel (und zu uns): „Öffnet die Tore, damit ein gerechtes Volk einziehen kann, das die Treue wahrt und dessen Sinn standhaft ist. Vertraut allezeit auf den Herrn, denn der Herr ist ein ewiger Fels.“ Dieses alte Lied bei Jesaja (26,2.4) ist viel mehr als das Signal zum Öffnen des ersten Türchens im Adventskalender. Es spricht von einem Gott, der den Unterdrückten und Armen Recht verschafft. Das Vertrauen auf Gott, der kommt, der unerwartet kommt, der schon da ist, der uns begegnet in den Menschen, die mit uns leben, in den vielen Völkern und Rassen – auch in den Menschen, die durch HIV infiziert oder schwer erkrankt sind.

Heute, am Weltaidstag, rufen uns verschiedene Organisationen rund um den Globus dazu auf, Solidarität mit Infizierten, Kranken und den ihnen Nahestehenden zu zeigen. Solidarität schaut nicht zuerst auf Erfolg; Solidarität hält die Treue. So verkündet sie einen Wesenszug Gottes, der „ein ewiger Fels“ ist.

Freitag, 2. Dezember

Es ist, als würde der weltliche Kalender die Themen des Advent aufgreifen: Der Internationale Tag zur Abschaffung der Sklaverei fällt auf den Herz-Jesu-Freitag im Advent und fordert uns auf, die Unantastbarkeit der Würde aller Männer, Frauen und Kinder zu betonen. „Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.“ So steht es im Artikel 4 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Abschaffung der Sklaverei bleibt höchste Priorität der Vereinten Nationen. Dabei geht es keineswegs bloß um rechtliche und strafrechtliche Schritte: Wir können zur Abschaffung der Sklaverei beitragen, indem wir die sozialen Bedingungen verändern helfen, die Menschen für Ausbeutung anfällig machen, und indem wir Menschen helfen, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu erlangen. Menschen sind kein Eigentum.

Treffendes sagt dazu Jesaja in der Lesung: Allen Armen und Demütigen, allen Ausgebeuteten, Blinden und im Dunkeln Sitzenden, allen ungerecht behandelten Menschen wird das Heil verkündet. „Nur noch kurze Zeit, dann verwandelt sich der Libanon in einen Garten“ (Jes 29,17).

„Nur noch kurze Zeit“ – bei Gott gibt es keine Zeit, dennoch birgt jeder neue Tag die Chance, an der Verwandlung zur Freiheit, zum Licht, zur Freude, zum Leben mitzuwirken.

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2. Woche im Advent:

Vertraut auf den Herrn, schöpft Kraft



Montag, 5. Dezember

1985 erklärten die Vereinten Nationen den 5. Dezember zum Welttag des Ehrenamts. Genau genommen heißt er „Internationaler Tag der Freiwilligen für wirtschaftliche und soziale Entwicklung“. Dieser Tag würdigt den Einsatz und das Engagement aller Freiwilligen weltweit.

Stellen wir uns eine Welt ohne Freiwillige vor! Es wäre eine Welt, in der jeder alles nur noch für Geld erledigt. Gewiss auch eine Welt, in der noch viel weniger gelacht wird, in der lokale Gemeinschaften auseinanderfallen. Laut einer Umfrage von 2006 sind drei von zehn Europäern ehrenamtlich tätig. Eine Studie der John Hopkins Universität (USA) zählt in 37 Ländern über 140 Millionen Menschen, die in Vollzeit ehrenamtlich tätig sind. Würden die Ehrenamtlichen also einen eignen Staat bilden, gehörte er zu den bevölkerungsreichsten Staaten der Welt! Gäbe es keine Ehrenamtlichen, würde die Weltbevölkerung deutlich schrumpfen, ebenso die globale und unsere lokale Wirtschaft, und Millionen Angestellte wären ihre Jobs los. Obwohl das Ehrenamt so große soziale, wirtschaftliche und menschliche Bedeutung hat, wird es von der Allgemeinheit und den Entscheidungsträgern gerne übersehen. Dabei sind Freiwilligenarbeit und Ehrenamt „in“!


Dienstag, 6. Dezember / Hl. Nikolaus


Über viele Christen auch von denen der ersten Jahrhunderte sind wir gut informiert. Es gibt Märtyrerakten und andere schriftliche Zeugnisse. Vom heiligen Nikolaus, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts lebte, gibt es keine zeitgenössischen Schriften. Erst einige Jahrhunderte später hat ein Mönch eine Nikolausvita geschrieben.


Auf Grund dieser Vita lässt sich für uns nicht mit letzter Sicherheit sagen, welche der zahlreichen Geschichten, die wir von Nikolaus kennen, historisch ist, welche nicht. Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, Nikolaus war weder ein Schreckgespenst, so wie er zumindest in der Vergangenheit immer wieder hingestellt wurde. Er war auch keine farblose, maskenhafte Gestalt, wie es die heutigen Weihnachtsmänner sind, sondern ein Christ, dem es ernst war mit seinem Glauben und der mit beiden Beinen auf der Erde gestanden ist und der deshalb auf seine Mitmenschen einen großen Eindruck machte. „Nikolaus“ feiern bedeutet, uns damit auseinanderzusetzen, was Nachfolge Jesu bedeutet.


Mittwoch, 7. Dezember

Ein Bienenkorb symbolisiert seinen Fleiß und seine Gelehrsamkeit; das Buch kennzeichnet ihn als Lehrer und Kirchenvater, die Geißel als erfolgreichen Kämpfer gegen Irrlehren: Wir feiern den heiligen Ambrosius.

„Den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen“, dieses Wort aus dem Epheserbrief kann als Leitwort über dem Lebenswerk des heiligen Ambrosius stehen. Ambrosius empfand sein Bischofsamt nicht  als etwas wofür er sich rühmen müsste, sondern als große Aufgabe und als Dienst für Gott und die Menschen. Von ihm wird berichtet, dass er ein hervorragender Redner gewesen sei und kompromisslos den Glauben der Kirche verteidigte. Als Bischof von Mailand hat er das kulturelle Leben seiner Zeit wie kein zweiter geprägt: als Hymnendichter und Prediger ebenso wie als Seelsorger und Kirchenpolitiker. Er zog mit seinem Charisma Menschen in seinen Bann. Er war ein begnadeter Prediger und gehört zu den vier großen abendländischen Kirchenvätern. Seit dem 11. Jahrhundert wird der Tag seiner Bischofsweihe als sein Gedenktag gefeiert.

Das ist schon sehr viel, was wir über Ambrosius wissen. In den Verzeichnissen der Heiligen der Kirche wird Ambrosius als der Patron der Wachszieher und Bienenzüchter aufgelistet. Mit dem Honig und mit dem Imkern hat Ambrosius aber nie etwas zu tun gehabt. Vielleicht hat er ja gerne Honig gegessen, wir wissen es nicht. Aber fleißig wie die Bienen war er, der Patron der Imker auf jeden Fall.

Donnerstag, 8. Dezember


Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau
und Gottesmutter Maria


Maria ist aller Ehren wert – aber unbefleckt, makellos, ohne Erbsün­de empfangen: diese Ausdrücke machen uns zugegebenermaßen etwas hilflos. Das heutige Marienfest wurde zwar erst durch den Franziskanerpapst Sixtus IV. 1476 für die ganze Kirche übernommen, aber der feste Glaube und die Verehrung der Gottesmutter sind we­sentlich älter. Maria ist eine von uns, ganz Mensch. Glanz und Ehre hat sie nur von ihrem Sohn Jesus Christus her. In ihr feiert die Kirche die Mütterlichkeit in Reinform. In Maria ist die ganze Menschheit dem Gottessohn Jesus Christus unmittelbar nahe, hautnah sozusagen. Wir feiern heute Maria als die von uns, die uns wie niemand sonst zur Heiligkeit und Christusliebe einlädt.

Samstag, 10. Dezember

Der Prophet Elija, ein „Mann wie Feuer“, trat auf, um den Glauben an den lebendigen Gott wiederherzustellen. Die Lebendigkeit Gottes wird sichtbar, indem wir Menschen mit Würde, Liebe und Anerkennung begegnen. Das ist unsere Lesart des Internationalen Tages der Menschenrechte. „Der Mensch braucht auf der Welt nicht irgendeine Sache, sondern irgendjemanden, der ihm Bedeutung und Wertschätzung schenkt“, sagte Msgr. Etchegaray zur Eröffnung des Weltkongresses von Justitia et Pax 1998. 


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3. Woche im Advent:

Ein neuer Himmel, eine neue Erde

 

 

 

Mittwoch, 14. Dezember

Jesaja spricht uns heute Trost und Hoffnung zu: Gott wird kommen. Er ist unser Gott, und außer ihm gibt es keinen Gott, der uns Heil und Kraft schenkt, der sich uns zuwendet in seiner Größe und in seiner Demut. Seine Liebe wird sichtbar in den vielen Gaben, die uns tagtäglich stärken, die uns durch Finsternis und Leere tragen, die uns die Schöpfung als Gabe Gottes erfahrbar machen.

Juan de Ypes, besser bekannt als Johannes vom Kreuz, dessen Gedenktag wir heute feiern, war erfüllt vom Glauben an den einzigen Gott. Der Mann schloss sich Mitte des 16. Jahrhunderts dem Karmeliterorden an und unterstützte als Eremit das Reformwerk der Teresa von Avila. Gott war seine Kraft gegen alle Widerstände und machte ihn frei, immer wieder der neuen Vision zu folgen. Die von Juan betriebene Reform führte im Orden zu einem Konflikt, dem die Trennung in „beschuhte“ und „unbeschuhte Karmeliter“ folgte.

Juan wirkte als Seelenführer und verfasste viele Werke der Mystik. Sein Beiname „vom Kreuz“ deutet die Mühen und feindseligen Behandlungen an, die sich durch sein ganzes Leben zogen. 1591 starb er im Kloster Úbeda, erst 1726 wurde Johannes vom Kreuz durch Papst Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer ernannt.

Donnerstag, 15. Dezember

Der schiefe Turm von Pisa ist der bekannteste Glockenturm der Welt. Schon 1173, gleich zu Beginn seines Baus, begann er sich einseitig zu senken, weil das Fundament in zu weichem Boden gelegt war. Über Jahre hat man ihn immer wieder zu stützen versucht; zuletzt neigte sich der Turm mehr als fünf Meter aus seiner Achse. 1990 wurde er aus Sicherheitsgründen geschlossen; den Restauratoren gelang es, die Neigung um 44 Zentimeter zu korrigieren, sodass die Turmspitze (wie 1838) „nur noch“ 4,1 Meter aus dem Lot steht.

Warum ich das alles erzähle? Weil heute beide Bibeltexte vom „Wanken“ und „Schwanken“ reden: Die Lesung zeichnet das Bild eines erbarmenden Gottes, dessen Zorn nicht von Dauer ist, wohl aber sein Bund. Der wankt nicht. Darum bietet Gott jedem Menschen eine Chance, will jeden „aufrichten“. Das ist auch die Sendung Johannes des Täufers, der alles andere ist als ein schwankendes Schilfrohr: Der Bote Gottes ruft mit aller Klarheit Gottes Bund in Erinnerung, bahnt Gott den Weg. Das ist für die einen Verheißung, für die anderen Gericht.


4. Woche im Advent: Selig ist die, die geglaubt hat


Das Geheimnis von Weihnachten: Um in das Geheimnis des Kommens Gottes in unsere Welt hineinzufinden, schenkt uns die Kirche die Wochen der Adventszeit. Am Sonntag hat nun die vierte und letzte Woche begonnen. Wir sind diesem Geheimnis nun schon sehr nahe. Spüren wir schon etwas davon? Ahnen wir schon etwas von dem kostbaren Geschehen, das wir in wenigen Tagen feiern werden? Maria steht im Mittelpunkt der Überlegungen der nächsten Tage.

Dienstag, 20. Dezember

Es ist die Liebe, die Maria so werden lässt, wie sie uns erscheint: Sie kann ganz von sich absehen, sie ist ganz offen für das, was kommt. Sie vergisst ihre Selbsteinschätzung und ihr eigenes Kleinsein und kann ein neuer, ein ganz anderer Mensch werden. Sie ist fähig, über sich – das junge jüdische Mädchen – hinauszuwachsen, sich von Gott berühren zu lassen. So wird sie zu einem Urbild menschlicher Existenz. Nur wer sich selbst wagt, kann gewinnen. Nur wer sich nicht selbst festhält, gewinnt sich selber. Wer so lebt, wer JA sagt zu seinem Leben, der lebt in Gott. Glücklich der Mensch, der das Ja-Sagen in seinem Leben gelernt hat. Glücklich der Mensch, der sich – wie Maria – einmal seinem Gott schenken kann.

Mittwoch, 21. Dezember

„Selig, die geglaubt hat“ – dieses Wort steht über beiden Frauen, Elisabeth und Maria. Maria, die Frau, die JA gesagt hat zu der Zumutung Gottes, wird zur Lichtträgerin. Ihr Gesicht kann strahlen, weil ihr Herz sich entschieden hat. Noch trägt es Maria in sich: das Wort Gottes, das Mensch werden will; das Wort Gottes, das eine Chance bekommen hat durch ihr JA. Elisabeth, die alte, gesegnete Frau, spürt das und bringt es zum Ausdruck: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt was der Herr ihr sagen ließ.“ Maria antwortet: „Der Mächtige hat Großes an mir getan.“ Gott ist der Handelnde, der kommt, der da ist – und der Mensch ist Gottes Acker, ist Erdreich, in das Gottes Wort hineinfällt, wächst und zur Frucht reift.

Gott wird Mensch in dieser Frau Maria. Gottes Gnade wird für alle Geschlechter erfahrbar, weil Gott Mensch wird und uns so zeigt, wie sehr er uns liebt, achtet und annimmt. Im Mensch gewordenen Wort Gottes ist alles gesagt, was Gott sagen kann. Gott ist Liebe, Licht, Leben in Fülle. Aus dieser „Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade“ (vgl. Joh 1,16).

Donnerstag, 22. Dezember

„Mein Herz ist voll Freude über den Herrn.“ Der Glaube Marias schafft Begegnung und erfüllt auch sie selbst mit Freude. Ihr Lied ist ein Lobpreis, ein kraftvoller Dank für die „Wirkung“ ihrer Begegnung mit Gott.


Selig, der Mensch, der die Wunder in seinem Leben sieht, der an Wunder glaubt und Gott dafür preisen kann: Tritt bei uns ein, Herr, bleibe bei uns. Von dir erleuchtet wollen wir anfangen, selbst Licht zu werden und anderen zu leuchten. Alles Licht kommt von dir. In uns und durch uns willst du andere erleuchten. Lehre uns, dein Lob, deine Wahrheit und deinen Willen zu verkünden. Lass uns dich verkünden – nicht durch Worte, sondern durch unser Handeln, durch unseren Dank, unser Lob, wie Maria es jubelt im Lobgesang des Magnifikat: Das Erbarmen, das er dem Abraham verheißen hat und all seinen Kindern – an mir ist es wahr geworden!


Quelle  1. bis 22. Dezember:  Gabriela Lochmann RSCJ in Liturgie für die Wochentage und besondere Anlässe. Verlag Bergmoser und Höller


Bereitet dem Herrn den Weg! Dieser Ruf hat uns durch den Advent begleitet. Wie ernst haben wir ihn genommen? Der Rummel der Welt, in den wir in diesen letzten Tagen zwangsläufig eingebunden sind, darf uns nicht davon abbringen, immer wieder an den zu denken und dem den Weg zu bereiten, für den das Weihnachtsfest eigentlich gedacht ist. 


Die Sehnsucht nach dem Kommen des Messias wurde vor 2000 Jahren erfüllt. Das feiern wir übermorgen. Ist unser Advent heute dann nur noch ein Nachspielen dieser biblischen Erwartung von damals? Die liturgischen Texte der vergangenen Wochen zeigen, dass der Advent noch eine zweite Erwartung beinhaltet, nämlich das Warten auf das Kommen des Herrn am Ende der Zeit. Und in diesem Advent stehen wir heute. Christus wird wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Er wird wiederkommen, um die Welt zu vollenden. Dafür braucht er auch Propheten, dafür braucht er Vorläufer, dafür braucht er uns. Das ist der Auftrag der Kirche, das ist der Auftrag an jeden von uns: Dem Herrn den Weg bereiten. Und das ist in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft gar nicht so einfach. Der liturgische Advent geht morgen zu Ende. Der Advent unseres Lebens geht weiter.

Sonntag, 25. Dezember


Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Bei der Menschwerdung seines Sohnes hat Gott sicher nach guten Partnern Ausschau gehalten. Und es fällt auf, er hat sie vor allem unter den Kleinen und Geringen gefunden. Angefangen mit Maria und Josef, kommen heute die Hirten dazu. Ihnen, den Hirten, nach denen keiner fragt, den Hirten, die von den meisten schief angesehen wurden, gerade ihnen wird eigenartiger Weise die Botschaft von dem göttlichen Kind im Stall als erste anvertraut.

Jene Botschaft, die für die ganze Welt bestimmt ist und die uns Gott heute von neuem ans Herz legen will. In die Dunkelheit von Schuld und Leid bringt er Licht und Vergebung. In das Spannungsfeld von Hass und Gewalt kommt er als versöhnendes Zeichen der Liebe und des Friedens.

Montag, 26. Dezember: Hl. Stephanus


St. Stephanus-Pfarrkirche in Burg Reuland
Gestern noch feierten wir die Geburt des göttlichen Kindes im Stall von Betlehem. Heute schon feiern wir den Gedenktag des ersten Märtyrers, der für das Bekenntnis zu diesem Kind sein Leben ließ. Ein Kontrast, wie er größer nicht sein könnte. Aber so ist das: Leben und Sterben liegen nahe beieinander.

Die Parallelen zwischen seinem Tod und Jesu Tod sind überdeutlich. Beide sind für die Wahrheit des Glaubens eingetreten und haben für diese Wahrheit ihr Leben hingegeben. Stephanus hat wie Jesus im Angesicht des Todes Gott um Erbarmen für seine Verfolger gebeten. Ein Mensch mit christusähnlichem Antlitz. Solch ein Mensch der Liebe und der Wahrheit kann den Himmel offen sehen, der für andere verschlossen bleibt.


Freitag, 30. Dezember / Fest der Heiligen Familie


Der Friede und die Ruhe des Weihnachtsfestes liegen über diesen Tagen. Die berufliche Arbeit kommt ein paar Tage zum Erliegen. Die Familie rückt in den Mittelpunkt. Nochmals in besonderer Weise am heutigen Tag, am Fest der heiligen Familie. Doch auch das Leben der Familie Jesu ist nicht nur von Glück und Seligkeit geprägt: Das Kind kommt in einem armseligen Stall zur Welt, von König Herodes verfolgt, müssen sie nach Ägypten fliehen und später: Jesus trennt sich von seinen Eltern und kann erst nach langer Suche im Tempel wieder gefunden werden, wie wir heute im Evangelium hören werden. Und zum Schluss: Er stirbt am Kreuz. Eine Familie mit sicherlich vielen schönen gemeinsamen Zeiten, über die kaum etwas in der Heiligen Schrift zu finden ist, aber eben auch mit der Erfahrung von Schicksalsschlägen, die einen in tiefe Zweifel stürzen können. – Wenn wir uns das vor Augen halten, ist die weihnachtliche Idylle vorbei und unsere Welt mit ihren Sorgen und auch unseren eigenen Erfahrungen hat uns wieder.

Dienstag, 29. November 2011

30. November: Gedenktag des Hl. Apostels Andreas


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Gleich zu Beginn des Advents feiern wir einen Menschen, für den die Ankunft des Herrn das ganze Leben umwarf: “Als Jesus am See von Galiläa entlang ging, sah er zwei Brüder, Petrus und Andreas. Er sagte zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach!”  “Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.”


Am Tag darauf stand Johannes wieder dort (am Jordan) und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus).  Joh 1,35-42).


Jesus lockt und Andreas wagt das Abenteuer mit ihm. Erst nach und nach geht ihm auf, worauf er sich da eingelassen hat – und er bleibt und führt auch andere zu Jesus.

Der Name des Apostels Andreas könnte sein Programm gewesen sein. Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet „mannhaft“ oder „tapfer“. Also ein richtiger Mann auf den man sich verlassen kann, kein Draufgänger und Wichtigtuer, sondern jemand, der in Freud und Leid zu seinen Überzeugungen steht.

Solche Menschen sind ein Segen für eine Gemeinschaft und für das Gemeinwesen. Menschen, die sich nicht wie ein Fähnchen im Wind drehen, sondern zu ihren Überzeugungen stehen und dies auch bestimmt und überzeugend versuchen zu vertreten. Andreas macht uns Mut, die eigenen Überzeugungen in den Blick zu nehmen und kritisch auf unser Leben zu schauen, auf welche Überzeugungen wir uns stützen und wie wir sie in unserem Alltag vertreten.

In der johanneischen Berufungserzählung (Joh 1,37–39) wird noch ein weiterer wichtiger Wesenszug deutlich. Auf die Einladung Jesu, zu sehen wo er wohne, geht Andreas ein und bleibt den Tag über bei Jesus. Die Botschaft Jesu hat ihn wohl beeindruckt und vielleicht auch unruhig gemacht. Er nimmt sich Zeit, um mehr zu erfahren und tiefer zu erkennen, wer dieser Jesus ist. Danach macht er sich auf und gibt seine eigene Erfahrung weiter.

Advent: Jesus kommt auf uns zu, ruft: “Kommt her, folgt mir nach!” Und er wartet auf unser Kommen. Wer wagt das Abenteuer?