Samstag, 17. Dezember 2011

Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden

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Die Verheißung der Geburt Jesu



Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel. (Lk 1,26-38)


Engel haben Hochkonjunktur. Engelfiguren und Engelbilder werden in allen Variationen angeboten. Menschen sammeln Engel und stellen sie in Vitrinen ins Wohnzimmer. Das wäre nicht weiter schlimm, aber wenn man dann etwas tiefer nachfragt kommen nicht selten die abwegigsten Vorstellungen betreffend die Engel zu Tage. Aus dem Christusglauben wird ein Engelglaube fabriziert, der jeglicher theologischen Grundlage entbehrt. Das Kreuz an der Wand wird durch einen Engel in der Vitrine ersetzt. Hört man sich dann noch an, was Menschen über diese kleinen Püppchen im Schrank glauben, entpuppt sich das ganze als purer esoterischer Quatsch.

Liebe Christen, diese kleinen Figürchen aus Stein, Holz oder Keramik, mögen zwar schön und schnuckelig sein, sie erinnern auch an die Engel die wir aus den biblischen Geschichten kennen, aber das was inzwischen von vielen getauften Christen bezüglich der Engel geglaubt wird, hat nichts mehr mit den Engeln aus der heiligen Schrift zu tun.

Der Engel Gabriel spielt im heutigen Evangelium beim genauen hinschauen zwei Rollen. Er ist zunächst einmal etwas ganz anderes als eine kleine Kuschelfigur, sondern vielmehr ein Bote Gottes und die Botschaft, die er überbringt, hat es in sich. Der Engel Gabriel ist kein Kuschelbär, sondern ein Engel mit einer Botschaft und an dieser Botschaft, die er Maria bringt, hat sie schon sehr zu knabbern.

Das was der Engel da von ihr verlangt stellt eine Lebenswende für Maria dar.  Das ist nicht gerade so, als ob sie entscheiden muss, ob sie sich ein blaues oder ein rotes Kleid kaufen soll. Nein, ihre Entscheidung betrifft nicht nur sie selbst, sondern ist für den Rest der Welt von großer Bedeutung. Die Verkündigung der Geburt des Sohnes Gottes ist der Beginn einer neuen Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Ja sogar der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Denn wir zählen seitdem unsere Jahre nach der Geburt Jesu Christi.


Auch in diesen Tagen vor Weihnachten werden Menschen Nachrichten bekommen, die sie regelrecht ‚aus der Bahn werfen’, so wie Maria. Die ihr Leben auf den Kopf stellen. Es werden Nachrichten darunter sein, die sie nicht hören wollen, mit denen sie aber umgehen müssen. Nachrichten oder Botschaften, die eine Herausforderung sind und die kein anderer Mensch ihnen abnehmen kann.

Und hier sind wir bei der zweiten Rolle die der Engel zu spielen hat: Den Menschen, zu denen er gesandt ist die notwendige Kraft zu schenken, die Botschaft anzunehmen, mit ihr zurecht zu kommen, mit dieser Botschaft zu leben. Denn die Bewältigung und die Verarbeitung mancher Botschaft kann für einen einzelnen Menschen eine Überforderung sein. Sie kostet sehr viel Kraft. Eine Kraft, die wir aus uns selbst nicht haben können, sondern Gott wird uns stärken für unsere Aufgabe, mit seinem Geist. Darum auch der Gruß des Engels Gabriel an Maria. „Fürchte dich nicht, Maria, du hast bei Gott Gnade gefunden“. „Bei Gott Gnade gefunden“ bedeutet, Gott ist mit dir, Gott steht auf deiner Seite.

Solche Engel brauchen wir heute sehr dringend, die uns sagen: fürchte dich nicht. Denn es ist durchaus manchmal zum fürchten. Angst wird uns von allen Seiten gemacht. Denken wir nur an Stichworte wie Umweltzerstörung, Genmanipulation, Risiken der Kernenergie, unbekannte Krankheitserreger, soziales Gefälle zwischen arm und reich, Bankenkrisen, Zukunftslosigkeit usw.

Brauchen wir da nicht ganz dringend „Engel“, die uns zurufen: „Fürchtet euch nicht!“? Engel für unsere Gesellschaft, Engel für unsere Kirche, Engel für unseren Freundes- und Familienkreis, Engel für uns selber?

Wenn wir meinen, es geht nicht mehr, oder wenn wir meinen wir seien überfordert, schauen wir auf zu Maria: Wenn Gott uns vor schwierige Aufgaben stellt, sendet er auch die helfenden Engel, die trösten, die aufbauen, die Kraft spenden und die eine neue Tür öffnen, die man vorher nicht gesehen hat. Er sendet uns seine Kraft, dass wir an ihm und an den Anforderungen, die das Leben uns stellt, nicht zerbrechen.  

Freitag, 16. Dezember 2011

"Lieber Gott, mach mich fromm...“

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"Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ Ein altes Kindergebet. Es klingt harmlos. Aber ganz so harmlos ist es nicht.   "Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ - das heißt doch: Wenn ich nicht fromm bin, komme ich nicht in den Himmel! Allein von meinem Tun hängt es ab, ob ich gerettet werde oder nicht. Also: Streng dich an und sei ein braves Kind! Und wenn diese Botschaft alles ist, was ein Mensch über den Glauben hört, dann wird’s problematisch. Denn dann wird der Glaube nur als etwas Mühsames erfahren, versehen mit dem erhobenen Zeigefinger: Du musst, du sollst, du darfst nicht! - und Gott als der, der ständig aufpasst, ob der Mensch auch wirklich brav ist. Das schlechte Gewissen ist vorprogrammiert - wer ist schon ein vollkommener Mensch? Wer ist schon immer brav? “Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ - ein gut gemeintes Kindergebet, manchmal aber mit fatalen Folgen.

Der Apostel Paulus schreibt: Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden. Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben.  Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben. 

Was der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt, das spricht von einem ganz anderen Gott und von einer ganz anderen Glaubenserfahrung. Dieser Gott ist nicht erst dann gnädig und versöhnt, wenn wir brav sind, sondern Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Hier ist die Reihenfolge genau umgekehrt! Nicht: Ich bin gut und fromm, und deswegen liebt mich Gott; sondern Gott liebt mich, und deswegen versuche ich, so zu leben, wie Der es will und für richtig hält, der mich so sehr liebt - alles andere wäre unehrlich. Noch einmal Paulus: „Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben“. Also: Wir sind gerettet, wir müssen uns unsere Rettung nicht erst noch erkämpfen!

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Ich könnte jetzt sagen: Da ich sowieso mein Schäfchen im Trockenen habe, kann ich tun und lassen, was ich will, ohne Rücksicht auf Moral und Gebote - ich bin ja gerettet! Wer so denkt, hat Paulus gründlich missverstanden. Ich kann die Liebe Gottes nicht damit beantworten, dass ich seine Schöpfungsordnung missachte. Das hieße, Liebe mit Füßen zu treten.   Andererseits, und das ist das Befreiende, was aus der Feststellung des Paulus folgt: Da ich bereits gerettet bin durch Christi Leben und Sterben, ist für mich der Glaube nicht eine Zuchtanstalt, die mich häufig überfordert und mir dann ein schlechtes Gewissen einredet; der Glaube ist vielmehr eine Beziehung, die mich in meinem Leben trägt, bereichert und ermutigt. Weil Gott sich bereits für mich entschieden hat, habe ich nun Kopf, Herz und Hände frei für ein menschlicheres Leben, für ein Leben mit mehr Liebe, Gelassenheit und Barmherzigkeit: Glaube als Befreiung, nicht als Einengung und Zwang; Glaube als Genuss, nicht als Leistung. Und das alte Kindergebet: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“! - es müsste, wenn ich die Aussage von Paulus im Römerbrief wirklich ernst nehme, eigentlich so heißen: “Lieber Gott, weil du mich liebst, du mir auch den Himmel gibst“.


Donnerstag, 15. Dezember 2011

Friede auf Erden – Utopie oder reale Möglichkeit

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Auch in diesem Jahr wird an Weihnachten millionenfach der Wunsch ausgesprochen: Friede! Ich wünsche dir Frieden! Frieden mit den anderen Menschen aber auch Friede mit dir selbst. Wohl zu keiner Jahreszeit ist der Wunsch nach Frieden größer als zur Weihnachtszeit. Zu keiner Zeit des Jahres werden wir uns des Unfriedens auf der Welt so sehr bewusst wie an Weihnachten. 


In der Weihnachtsbotschaft lässt der Evangelist Lukas neben den Engeln eine große himmlische Schar den Lobgesang auf Gott ausrufen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade (vgl. Lk 2,14)“. Ja, dazu war er, der Messias (auch) in die Welt gekommen, um Frieden zu bringen, einen allumfassenden Frieden. Diesen Frieden kündigte der Prophet Jesaja in einer großartigen Vision an: Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. (Jes 11,1-10)


Böses wird nicht mit Bösem vergolten, sondern mit Gutem.
Da wird eine Welt sein, wo Vertrauen statt Angst herrscht!
Friede statt Krieg!


Eine einzige Einschränkung macht Jesaja: Das wird nur geschehen, wenn die Menschen bereit sind, Gott in ihre Mitte zu stellen und nach seiner Weisung, d. h. nach seinen Geboten zu leben. Dann wird es einen umfassenden Frieden geben. Aber der Prophet ist Realist. Er weiß, dass die Menschen das nicht aus eigener Kraft schaffen, darum sagt er einen Heilsbringer an, der von Gott kommt. Es wird kein König sein und auch kein Revolutionär, der gut mit Waffen umgehen kann. Jesaja sieht diesen Retter in seinen Visionen eher als etwas kleines, etwas zartes. Ein Reis wird aus einem Baumstumpf sprießen, sagt er.

Sicher haben schon manche von uns einen solchen Baumstumpf gesehen, an dessen Seite sich ein neuer Trieb, ein Zweig, entwickelt hat und nach oben strebt. Manchmal sind es auch mehrere. „Stockausschlag“ nennt man diese Triebe mit dem Fachbegriff. Sie können sogar wieder zu einem richtigen – mitunter mehr-stämmigen – großen Baum auswachsen.


Der Geist Gottes wird auf ihm ruhen.
Er ist mit großer Weisheit und Klugheit ausgestattet.
Er ist es, der dem Volk den Frieden schafft,
den sie selber nicht fertig bringen.

Jesaja sagt: Er wird mitten unter seinem Volk wohnen, aber nur wenige werden ihn als den Gesandten Gottes erkennen. Und dann beschreibt Jesaja in bildreichen Worten, wie die Welt aussehen wird, wenn alle sich diesem Gesandten Gottes anschließen. Von wilden Tieren ist da die Rede, die friedlich miteinander umgehen und vom Kind, das vor dem Schlupfloch der Natter spielt, wobei ihm nichts geschieht.

Seien wir ehrlich: Geht es in diesem Text nicht um tiefe Sehnsüchte des Menschen, die auch im Herzen des Menschen des 21. Jahrhunderts verankert sind? Sind wir es nicht manchmal leid, in den Nachrichten nichts anders zu hören, als den ewigen Streit politischer Parteien? Nichts anders zu sehen als die blutigen Spuren des Bombenterrors, dem die Menschen widerstandslos ausgesetzt sind?


Die Sehnsucht nach Frieden ist groß!

Wenn man genau hinhört, ist die Kritik des Jesaja an den gesellschaftlichen Zuständen in Israel nicht zu überhören. Scheinbar erlebt der Prophet, dass Menschen allzu oft nach dem Augenschein beurteilt werden, dass keiner für das Recht der Hilflosen und der Armen eintritt und dass auf der anderen Seite Gewalttätige und Schuldige ungestraft davonkommen.

Jesaja könnte das auch für uns Leute von heute geschrieben haben! So wie er die Situation einschätzt, braucht es wohl etwas mehr als bloß einen neuen König. Der Prophet hofft auch, dass er das Volk zur Umkehr bewegen kann, denn wenn sie bereit sind Gott in ihre Mitte zu stellen werden sie den Frieden haben.

Sind das nicht schöne Worte, Träume, Utopien, die so nie Wirklichkeit werden? Ein indischer Priester überliefert uns folgendes: Ein Mensch habe mit Gott gehadert, warum er zulasse, dass so viele Menschen hungern und unter Ungerechtigkeit leiden. Da habe Gott lange geschwiegen und schließlich gesagt: „Ich habe schon etwas dagegen getan, ich habe doch Dich erschaffen“!

Lassen wir es zu, dass der Messias in unsere, in meine Welt kommt, damit er dort, bei uns, bei mir, bei dir, sein Reich Wirklichkeit werden lassen kann.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 15. Dezember 2011


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Fürchte dich nicht, du wirst nicht beschämt; schäme dich nicht, du wirst nicht enttäuscht. Denn die Schande in deiner Jugend wirst du vergessen, an die Schmach deiner Witwenschaft wirst du nicht mehr denken.

Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, «Herr der Heere» ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, «Gott der ganzen Erde» wird er genannt. Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott.

Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim. Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber mit ewiger Huld habe ich Erbarmen mit dir, spricht dein Erlöser, der Herr.
(Jes 54,4-8)

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Liebesgeschichten sind eine spannende Lektüre! Vom Geheimnis eines Menschen, von seinem Innersten, wird darin offenbart. Wir schauen „hinter die Kulissen“, schauen unter die Oberfläche, ins Herz eines Menschen! Die Bibel scheut sich nicht, die Beziehung Gottes zu seinem Volk als eine Liebes- und Beziehungsgeschichte zu deuten! „Dein Schöpfer ist dein Gemahl“ hieß es in der Lesung, und: „Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?, spricht dein Gott.“



Hintergrund dieser Verheißung ist das babylonische Exil. Israel war von seinem Gott verstoßen wie eine untreue Frau von ihrem Mann. Aber der Zorn Gottes dauert nur einen Augenblick, seine erbarmende Liebe währt ewig. Gott schließt mit der zurückgerufenen Gemahlin einen Bund. In Vers 9-10 wird dieser Bund angesprochen, der mit dem Noach-Bund (Gen 9-11) verglichen wird:

Wie in den Tagen Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten.

Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen und die Hügel zu wanken beginnen - meine Huld wird nie von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir.
 
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Uns Heutigen ist diese Betrachtungsweise der Beziehung Gott – Mensch  eher fremd, gar unangenehm. Ist nicht oft unser Bild von Gott geprägt von Distanz? „Ich glaube, dass es Gott gibt!”, sagen wir dann – aber eine persönliche Beziehung, gar Liebesbeziehung? Geht das nicht zu weit? Aber genau das drückt unser Christenglaube aus! Wir glauben an einen Gott, dem unser Los und Schicksal, dem unser Heil nicht gleichgültig sind. Der in Jesus Christus zu uns kommt, uns auf Augenhöhe begegnen will!



Das Fest der Geburt Christi drückt dies aus. Darauf gehen wir zu. Und er sendet gar einen Vorläufer, einen Wegbereiter, damit er auch wahrlich bei uns ankommt. Jesus hält es seinen Zuhörern damals vor, zitiert die prophetische Verheißung: „Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.“



Bleibt für uns die Frage: Wo kann ich noch Hindernisse auf meinem Lebensweg ausräumen, damit Jesus Christus, unser Heiland, bei mir ankommen kann? Damit seine Liebesgeschichte mit mir verlebendigt oder neu geschrieben werden kann, seine Liebe mein Leben durchdringen kann?

Dienstag, 13. Dezember 2011

Montag, 12. Dezember 2011

Die „Seherin von Banneux“, Mariette Beco, verstorben


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Ein realistisches Mädchen mit wenig Erfindungsgabe

Von Lothar Klinges

Am Morgen des 2. Dezember verstarb im Alter von 90 Jahren in einem Seniorenheim in Banneux Mariette Beco, die „Seherin von Banneux“. Ihr ist die Jungfrau Maria zwischen dem 15. Januar und dem 2. März 1933 achtmal erschienen. Die Begräbnisfeier findet am heutigen Mittwoch, um 11 Uhr in der großen Pilgerkirche statt.


Auch 78 Jahre nach den Ereignissen von Banneux führte die Seherin Mariette Beco, die viele Leiden durchstehen musste, ein ruhiges Leben. Sie lebte eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Sohn und den Enkelkindern. Mariette hat sehr unter dem Tod ihrer beiden Töchter gelitten, eine Tochter starb als Baby, die andere 2008. Gegenüber dem vorigen Rektor von Banneux, Joseph Cassart, äußerte sie sich wie folgt: „Es ist mir gegeben, all das zu leben, damit ich alles verstehen kann.“ So lebte sie zurückgezogen ihren Glauben in aller Diskretion, nur wenige Kilometer von Banneux entfernt, weiterhin dem Heiligtum verbunden. Ihrem Wort ist sie dabei treu geblieben: „Meine Aufgabe war lediglich eine Botschaft zu überbringen und wie ein Briefträger, nachdem er den Brief abgegeben hat, mich wieder zurückzuziehen.“


„Ich bin die Jungfrau der Armen. Ich bin die Mutter des Erlösers, die Mutter Gottes.“ Mit diesen Worten stellt sich die Jungfrau Maria vor, als sie Mariette Beco erscheint. „Diese Quelle ist mir vorbehalten; sie ist da für alle Nationen, für die Kranken. Ich komme, das Leiden zu lindern.“ So beschreibt sie ihren Auftrag. „Tauche deine Hände in das Wasser! Bete viel!“ Das ist die Bitte, die sie 1933 an die damals elfjährige Mariette richtet. Es ist 78 Jahre her, dass die Jungfrau der Armen dem kleinen Mädchen aus äußerst bescheidenen Verhältnissen, der ältesten Tochter einer kinderreichen Familie, erschienen ist. Am 15. Januar 1933 hat die elfjährige Mariette Beco zum ersten Mal die Erscheinung einer lichtstrahlenden Frauengestalt. In insgesamt acht Erscheinungen bis zum 2. März sagt die Lichtgestalt dem Mädchen, sie sei „die Jungfrau der Armen“ und gekommen, um „Leid zu lindern“. Sie zeigt dem Kind im Wald eine Quelle, die sie ausdrücklich „für alle Nationen“ und „für die Kranken“ bestimmt.

Am 22. August 1949 hat Bischof Kerkhofs offiziell die Echtheit der Erscheinungen erklärt. Der Bischof hat sich somit sechzehn Jahre Zeit gelassen, einerseits um das Dossier genauestens untersuchen zu lassen, aber auch um zu sehen, was sich in Banneux abspielte.

Die Skepsis des Bischofs rührte daher, dass bereits zwischen November 1932 und Januar 1933 die Mutter Gottes angeblich sechsundzwanzig Mal in Beauraing erschienen war. „Da kam die Frage auf, ob Mariette Beco nur eine Trittbrettfahrerin war“, erläutert Leo Palm. „Könnte da nicht ein Mädchen auf den Gedanken kommen, sich vielleicht eine Erscheinung der Mutter Gottes herbeizusehnen.“ Die Experten waren sich aber einig, dass Mariette Beco „ein sehr realistisches Mädchen mit wenig Erfindungsgabe war.“ Dies bezeugten alle Experten, die sie untersucht haben: „Mariette Beco ist ein Kind ohne jegliche Fantasie.“

Hinzu kommt, dass ihr Vater bezeugte, dass sie ihn noch nie angelogen habe. „Das waren doch zwei Bemerkungen, die für die Echtheit der Erscheinungen sprachen“, folgert Leo Palm. „Der damalige Bischof hat gut daran getan, die Sache nicht zu schnell anzuerkennen.“

Moralisch sicher

Von Seiten des Papstes habe der Bischof auch Richtlinien erhalten, denn Rom habe ein Mitspracherecht. Im Jahr 1949 habe der Vatikan dem Bischof freie Hand gegeben, so dass er die Erscheinungen anerkennen konnte. Im Hirtenbrief vom 22. August 1949 habe der Bischof geschrieben, dass er guten Gewissens und ohne Einschränkung die Erscheinungen anerkennen könne. „Es ist für mich moralisch gesehen sicher, dass die Mutter Gottes der kleinen Mariette Beco achtmal erschienen ist“, bestätigte Bischof Kerkhofs.

Der Bischof habe hier einen Unterschied zwischen „moralisch“ und „wissenschaftlich sicher“ gemacht. Wenn jemand etwas bezeuge, wo der Glaube mitspielt, könne er nur moralisch sicher sein. Niemand könne wissenschaftlich beweisen, dass die Mutter Gottes in Banneux erschienen ist. Es handele sich hierbei um die Sicherheit, die man Zeugen gibt, denen man wahrhaft vertrauen kann.

War Mariette Beco eine Trittbrettfahrerin?


Als es im Jahr 1933 zu den angeblichen Erscheinungen in Banneux kam, glaubte man zunächst, die Seherin Mariette Beco sei eine Trittbrettfahrerin.

Der damalige Kaplan von Banneux, Louis Jamin, war überdies überrascht. Er war Anfang Januar 1933 nach Beauraing gepilgert. Beim Verlassen des Ortes hatte er seinen Mitpilgern gegenüber geäußert, dass sie gemeinsam eine Novene beten sollten, damit die Mutter Gottes ein Zeichen gebe, dass sie in Beauraing wirklich erschienen sei. „Im Traum hat er nicht daran gedacht, dass dieses Zeichen die Erscheinungen von Banneux sein sollten“, erzählt Rektor Leo Palm.


Dann ist es am 10. Tag nach der Pilgerfahrt zu der ersten Erscheinung in Banneux gekommen. Der Priester wird sich wohl gedacht haben, das sei des Guten zu viel. Er hatte um ein Zeichen gebeten, an dem man erkennen konnte, dass Maria in Beauraing wirklich erschienen war, aber dass sie direkt nach Banneux kommen und einem kleinen Mädchen erscheinen würde, hat er sich nicht erträumen lassen. Er hat sich gesagt, das sei wohl zu schön, um wahr zu sein. So ist er auf Distanz und dem Geschehen in Banneux gegenüber skeptisch geblieben. Er hat Mariette zwar nach jeder Erscheinung befragt, so auch am 21. Januar, nach der vierten Erscheinung, als Mariette Beco einen Ohnmachtsanfall erlitte, nachdem ihr Maria die Hände aufgelegt hatte, um sie zu segnen. Rektor Leo Palm berichtet weiter, der Kaplan sei davon ausgegangen, dass sich die Mutter Gottes nunmehr verabschiedet habe und nicht wiederkomme. Trotzdem habe es die kleine Mariette jeden Abend zum Rosenkranzgebet nach draußen gezogen. Drei Wochen lang habe sie im Gebet ausgeharrt. Am 11. Februar sei die Mutter Gottes wiederum erschienen und habe ihr dann die Kernbotschaft mitgeteilt: „Ich komme das Leid zu lindern.“ Mariette sei glücklich gewesen, dass der Kaplan nicht recht behalten habe. Bei der letzten Erscheinung am 2. März, habe Maria ihr nochmals die Hände aufgelegt und sie gesegnet und dann nicht „Auf Wiedersehen“, sondern „Adieu“, „Lebe wohl“, gesagt.


Bei der sechsten Erscheinung habe Kaplan Jamin der Seherin den Auftrag gegeben, um ein Zeichen zu bitten. Die Gottesmutter habe dem Mädchen gesagt: „Glaubt an mich, ich glaube an euch.“ Mit dieser Aussage seien dem Priester die Augen aufgegangen und sie habe ihn mitten ins Herz getroffen, da er die Erfahrung gemacht habe, dass es zunächst des Glaubens bedarf. Er, der bis dahin so skeptisch war, sei zum Befürworter der Erscheinungen geworden. Kurz vor seinem Tod habe er gesagt, das größte Wunder von Banneux sei seine eigene Bekehrung gewesen.

Kaplan Jamin steckte nämlich damals in einer Glaubenskrise, weil sich einer seiner Mitbrüder das Leben genommen hatte. Die Erscheinungen von Banneux machten ihn zu einem im Glauben gefestigten Menschen und Priester.

Für den aus Wirtzfeld stammenden Banneux-Rektor Leo Palm sind diese Aussagen hilfreich, um zu verstehen, warum der Kaplan zunächst reserviert war. Auf die Bitte um ein Zeichen bekam er die Antwort „Glaubt“. So wünscht sich der Rektor, dass die Menschen, die nach Banneux kommen, nicht zunächst Zeichen sehen wollen, um glauben zu können, sondern erst einmal zu glauben versuchen und danach möglicherweise die Zeichen erhalten. (kli)



Vom 15. Januar bis zum 2. März 1933

Die acht Erscheinungen im Einzelnen

Als die erste von insgesamt acht Erscheinungen am 15. Januar 1933 gegen 19.00 Uhr auf sie zukam, erwartete Mariette Beco etwas ganz anderes als Visionen. Ihr zehnjähriger Bruder sollte nämlich nach Hause kommen. Sie stand am Fenster und schaute nach ihm in die dunkle Nacht hinaus. Da sah sie draußen im Garten eine leuchtende Frauengestalt. Daraufhin winkte die fremde Gestalt sie zu sich. Die Mutter aber verbot ihrer Tochter hinauszugehen und schloss die Haustür ab.

Drei Tage später, am 18. Januar, fühlte Mariette sich gedrängt, gegen 19.00 Uhr in den Garten hinauszugehen und dort bei minus 12 Grad kniend den Rosenkranz zu beten. Sie erlebte die zweite Erscheinung, und zwei weitere an den beiden folgenden Tagen. Wieder machte die Gestalt Mariette bei der zweiten Erscheinung ein Zeichen, ihr zu folgen und führte Mariette über die Straße bis hin zu einer kleinen Quelle, die dort in der Nähe entspringt.

Unterwegs ist das Mädchen zweimal auf die Knie gefallen. Nach diesem Schema liefen auch die nachfolgenden Erscheinungen ab. An der Quelle sagte Maria an diesem Abend zu Mariette: „Tauche Deine Hände ins Wasser“ und weiter: „Diese Quelle ist für mich reserviert.“

Am folgenden Abend fragt die Seherin gleich beim Erscheinen Marias im Garten: „Wer sind Sie, schöne Frau?“ – Antwort: „Ich bin die Jungfrau der Armen.“ An der Quelle angekommen, will Mariette eine Sache vom Vortag aufgeklärt haben, die ihr schleierhaft ist. Die Aussage „Diese Quelle ist für mich reserviert“ hat sie, wie alle Aussagen Marias, wiederholt, und dann ist der Satz ihr im Gedächtnis haften geblieben. Daher fragt sie jetzt: „Schöne Frau, Sie haben gestern gesagt: Diese Quelle ist für mich reserviert. Warum für mich?“, und zeigt dabei auf sich selbst. Auf ihre Frage hin erklärt die Dame, wozu sie, Maria, die Quelle gebrauchen kann: „Diese Quelle ist reserviert für alle Nationen“ – und dann, nach einer Pause: „… um den Kranken Linderung zu verschaffen.“ Anschließend sagt Maria: „Ich werde für dich beten“ – das einzige Mal, wo sie das Mädchen duzt.

Bei der vierten Erscheinung fragte Mariette: „Was wünschen Sie, schöne Frau?“ – Die Antwort: „Ich wünschte mir eine kleine Kapelle.“ Dann legte die Erscheinung eine Pause von drei Wochen ein. Mariette aber ging jeden Abend um 19.00 Uhr hinaus, betete und wartete bis zum 11. Februar.

Bei der fünften Erscheinung tauchte Mariette noch einmal die Hand in das Wasser der Quelle und zeichnete mit dem Kreuz ihres Rosenkranzes ein Kreuz über sich. Dann empfing sie ein Wort Mariens: „Ich komme, um das Leiden zu lindern.“

Die sechste Erscheinung am 15. Februar brachte als Neuheit, dass Mariettes Mutter erstmals dabei war. Die Seherin sagte zu Maria: „Der Herr Kaplan hat mich gebeten, Sie um ein Zeichen zu bitten.“ – Die Antwort: “Glaubt an mich, dann glaube ich an euch. Betet viel.“

Am 20. Februar sagte Maria zu Mariette: „Mein liebes Kind, beten Sie viel“, bei der achten und letzten Erscheinung am 2. März erklärte sie: „Ich bin die Mutter des Erlösers, Mutter Gottes. Beten Sie viel.“ Dann fügte sie hinzu: „Adieu“, indem sie das Kind durch Handauflegung und Kreuzzeichen segnete.