Samstag, 24. Dezember 2011

Frohes Weihnachtsfest!


Freitag, 23. Dezember 2011

„Nun ist die Fülle der Zeit gekommen, da Gott seinen Sohn in die Welt sendet.“

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So lautet der Eröffnungsvers unseres Gottesdienstes heute, am Vortag der Geburt Jesu. Nun, endlich ist es so weit! Vielleicht sind unsere Kinder diejenigen, die uns durch ihr Verhalten und ihre Vorfreude am Schönsten zeigen, was diese Worte ausdrücken wollen. Gottes Kommen kaum erwarten können, sich herzlich freuen, dass ein lange gegebenes Versprechen eingelöst ist, unter denen sein, die schauen dürfen, was anderen verheißen, versprochen war, auf Hoffnung hin, das ist die Stimmung dieses Verses. Und jetzt: mit Händen Gottes Liebe greifen können. Das ist das Geschenk auf dessen Empfang wir uns vorbereiten.


Mit Zacharias, von dem wir heute im Evangelium hören, und seiner Freude wollen wir uns einstimmen, damit unser Herz wirklich zur Wohnung Gottes, zu seinem Tempel wird:

Für Elisabeth kam die Zeit der Niederkunft und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben. Seine Mutter aber widersprach ihnen und sagte: Nein, er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt. Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb zum Erstaunen aller darauf: Sein Name ist Johannes. Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen, und er redete und pries Gott. Und alle, die in jener Gegend wohnten, erschraken und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa. Alle, die davon hörten, machten sich Gedanken darüber und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war. Sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden:

Nach seinem langen Stummsein singt Zacharias: Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen; er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David. So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten. Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen; er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat; er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage. Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten. Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden. Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,  und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens. Das Kind wuchs heran und sein Geist wurde stark. Und Johannes lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er den Auftrag erhielt, in Israel aufzutreten.



… Es hatte ihm einfach die Sprache verschlagen. Er konnte beim besten Willen nicht glauben, was Gott ihm angedeutet und verheißen hat. Lange Zeit, neun Monate, hat es gedauert, bis es nur so aus ihm heraussprudelt, bis er im Lobpreis Gottes Heilshandeln erzählt, in Worte fasst, die mit seiner ganz persönlichen Geschichte hinterlegt sind …

Vieles geht ihm durch den Kopf. Ganz sicher ist er sich, dass dieses Kind, sein Sohn Johannes,  eine große Berufung hat, ein Vorbote sein wird, einer, der Gottes Heil ankündigt …

Und es freut ihn, dass Gott seine Barmherzigkeit gezeigt hat: Ihm, seiner Frau, Nachbarn und Verwandten. Ganz vielen Menschen, die von ihm und alldem hören, was da geschehen ist, wird er eine Hoffnungsfigur dafür werden, dass Gott nichts schuldig bleibt, dass er sein gegebenes Wort einlöst, dass er Zukunft im Sinn hat und Heil für die Menschen will … Vielleicht sogar durch uns, vielleicht als Frucht unseres Lebens, unseres Vertrauens in ihn, trotz allem … 



Donnerstag, 22. Dezember 2011

Gute Vorsätze im Advent

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Die Schwätzerin und das Ei



Eine arme Frau fand ein Ei. Da rief sie ihre Kinder und sagte ihnen: „Kinder! Von nun an brauchen wir uns nicht zu sorgen. Es wird uns nichts mehr fehlen. Seht, ich habe ein Ei gefunden. Aber wisset, wir werden es nicht essen, sondern wir werden den Nachbarn bitten, dass er das Ei unter seine Henne legen soll, damit aus dem Ei eine Henne hervorkomme. Auch die Henne werden wir nicht essen, sondern wir werden sie auf Eier setzen, und von den Eiern werden neue Hennen hervorkommen, und die Hennen werden noch Eier legen, und wir werden viele Eier und viele Hennen haben. Wir werden aber weder die Eier noch die Hennen essen, sondern wir werden sie verkaufen und ein Kalb kaufen. Auch das Kalb werden wir nicht essen, sondern wir werden es großziehen, bis aus ihm eine Kuh wird. Aus der Kuh werden Kälber geboren werden, und wir werden eine ganze Herde haben. Wir werden die Herde verkaufen und ein Feld kaufen, wir werden verkaufen und kaufen, wir werden verkaufen und kaufen ...“ Während diese arme Frau so schwätzte, fiel das Ei aus ihrer Hand und zerbrach.



So sind auch wir wie jene Frau. Wenn die Adventszeit kommt, tun wir Buße und denken uns aus, was sich mit Weihnachten alles ändern wird in unserem Glaubensleben: „So und so werden wir handeln, das und das werden wir

Machen“. Aber die Tage gehen nur mit Geschwätz vorüber. Spätestens am Beginn des neuen Jahres haben wir unsere guten Vorsätze schon wieder vergessen. Nach einer Geschichte von Willi Hofsümmer. Kurzgeschichten, 3, S. 25.





Montag, 19. Dezember 2011

Wort Gottes für den Tag, 20. Dezember 2011

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Der Advent ist weit vorangeschritten, das Weihnachtsfest steht schon bald vor der Türe. Es ist selbst eine Tür, die Himmel und Erde verbindet. Um sie zu öffnen, müssen wir den richtigen Schlüssel finden. An unserem Schlüsselbund finden wir oft viele verschiedene Schlüssel. Haben wir noch Zeit, alle nacheinander ins Schloss zu stecken und zu prüfen welcher denn wohl der richtige ist? Jesus Christus selbst ist dieser Schlüssel, der Schlüssel Davids: Er öffnet, und niemand kann schließen; er schließt, und keine Macht vermag zu öffnen. Er ist der Schlüssel des Lebens und der Menschwerdung – der Menschwerdung Gottes und der Menschwerdung des Menschen. 



Heute hören wir im Gottesdienst noch einmal das Evangelium (vom vergangenen Sonntag) von der Verkündigung des Engels an Maria.

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.


Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.

Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Ich möchte nicht in der Haut Marias gesteckt haben, als der Engel zu ihr kam. Nichts ahnend wird sie aus dem Alltag gerissen und mit einer Botschaft konfrontiert, die ihr Leben völlig verändern wird. Maria hört geduldig zu, sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, so unerwartet und unglaublich die Nachricht des Engels auch ist. Ganz pragmatisch fragt sie nach: Wie soll das geschehen? Sie ist nicht leichtgläubig, sondern möchte es genauer wissen, dass die Botschaft, die ihr Leben ja vollkommen umkrempeln wird, auch eine Basis hat. Maria erfährt, dass es Gottes Wille ist, der sich an ihr vollziehen soll; Gott selbst ist es, der sie, die einfache junge Frau, auserwählt hat, um Mensch zu werden. Da spricht sie das eine Wort, das die Welt verändert; das eine Wort, das den Lauf der Zeit neu ordnet; das eine Wort das Himmel und Erde, Gott und Menschen unwiderruflich verbindet. „Mit geschehe nach deinem Wort.“ 

Wie steht es mit uns? Sind wir, wie Maria bereit uns Gottes Willen hinzuhalten? Sind wir bereit, die Dinge, die an uns herangetragen werden, zu hinterfragen wie Maria? Ihr Vorbild zeigt uns, nicht alles vorschnell als gottgegeben anzunehmen, sondern nachzufragen, nachzudenken. Wo wir aber erkennen, was Gott von uns will, wo wir erkennen, was Gott Großes oder Kleines mit uns vorhat, da können wir von Maria lernen zu sagen: Mir geschehe nach deinem Wort – ich bin bereit, mich in deinen Dienst zu stellen, auch wenn ich nicht genau weiß, was auf mich zukommt. Auch wenn mein Leben vom Kopf auf die Füße gestellt wird oder umgekehrt, auch wenn ich ängstlich und unsicher bin … Die Antwort Marias macht Mut, sich auf Gottes Wort und das seiner Boten einzulassen.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Laien leiten Begräbnisfeiern

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Am 1. Januar 2012 tritt das bischöfliche Dekret über die Leitung von Begräbnisfeiern durch Laien in Kraft.

Von Lothar Klinges

Beerdigungen durch Laien sind in manchen Diözesen mittlerweile eine schon seit längerer Zeit geübte und selbstverständlich gewordene Praxis. Auch im Bistum Lüttich ist bereits seit längerem ein Denkprozess im Gange. Am 1. Januar 2012 tritt nunmehr ein bischöfliches Dekret über die Leitung von Begräbnisfeiern durch Laien in Kraft.



Der Begräbnisdienst gehört zwar zu den besonderen Aufgaben eines Pfarrers, ist aber nicht an die Weihe gebunden. Daher können auch geeignete und beauftragte Laien Beerdigungen leiten.


Tote zu bestatten ist das Recht aller Getauften


Bereits die bischöflichen Orientierungen von Dezember 2010, die im Februar 2011 in Kraft traten, besagen, dass Eucharistie- und Begräbnisfeier entkoppelt werden sollen und so auch von Laien vollzogen werden können. Das jüngste Dekret ist im Grunde eine Ausführungsbestimmung die darauf hinweist, dass Laien zu dieser Aufgabe ausgebildet und beauftragt werden. „Das erste Dekret ist eigentlich die theologische Grundlage, die besagt, dass es Aufgabe der Gesamtgemeinde ist, ihre Toten zu bestatten“, erklärt Karl-Heinz Calles aus Eupen, Koordinator des Arbeitskreises „Kirchliche Erwachsenenbildung“ (AKE).



Der Auslöser dieses Dekretes sei zwar der Rückgang der Priester, aber das dürfe nicht der eigentliche Grund sein, betont der 62-jährige Priester. „Es wäre schade, wenn man es nur bei diesem Auslöser beließe.“ Grundsätzlich sei es das „angeborene Recht“ der Laien, Tote zu bestatten. Das Dekret verweise zwar auf die konkrete Notsituation, dass die anfallenden Beerdigungen nicht mehr alleine von den immer weniger werdenden Priestern geleitet werden können. Es müsse grundlegender über die Aufgabe der Christengemeinden nachgedacht werden, erklärt Karl-Heinz Calles.




Für den Leiter des Hauses „Samaria“ in der Eupener Judenstraße liegt der Hintergrund des Dekretes darin, dass es Auftrag der Christengemeinden ist, ihre Toten zu bestatten. Die Priester hätten diesen Dienst bisher immer als Vertreter der Gemeinde getan, aber jeder Getaufte dürfe diesen Dienst ausüben.



„Der Rückgang der Priesterzahlen eröffnet nunmehr die Gelegenheit, den Gläubigen dieses angeborene Recht der Getauften zurückzugeben.“ Das priesterliche Amt habe im Laufe der Zeit zu viele Aufgaben an sich gezogen, die eigentlich allen Getauften zukäme. „Tote bestatten ist nicht an Amtsträger gebunden.“ Als die Priester diese Aufgabe wahrnahmen, wurde die Bestattung mit einer Eucharistie verbunden. Die Eucharistie sei aber eine eigenständige Feier des Sonntags, die im Laufe der Zeit mit allen möglichen Anlässen verbunden worden seien, so zum Beispiel mit Beerdigungen und Trauungen.



„Mit dem Dekret kehren wir zu den Ursprüngen der Bestattung der Toten durch die Gemeinde zurück“, unterstreicht Karl-Heinz Calles. Die Priester könnten diese Aufgabe weiter ausüben, aber nicht Kraft ihres Weiheamtes, sondern als getaufte Christen.

Christen bereiten sich auf ihre Aufgabe vor



In der vergangenen Woche startete erstmals in Ostbelgien ein einjähriger Kurs zur Ausbildung von Laien für die Leitung der Begräbnisfeiern. Zwölf Personen, acht Frauen und vier Männer, nehmen an dem Lehrgang teil, um allmählich in diese neue Aufgabe hineinzuwachsen und sie mit Leben zu erfüllen, vier Personen aus dem Dekanat Eupen-Kelmis und acht Personen aus den beiden Eifeldekananten Büllingen und St.Vith. Die Treffen finden monatlich am Mittwochvormittag im Betanienraum an der Eupener St.Nikolaus-Pfarrkirche statt. Die meisten Teilnehmer/innen sind Rentner/innen, die sich am Vormittag frei machen können, da die Begräbnisse hierzulande (noch) vormittags stattfinden.




„Die Bestattungsleiter(innen) wachsen in eine neue Rolle hinein, die sie mit ihrer Person, Kreativität und Eigenart ausfüllen werden.“ Karl-Heinz Calles betont, dass es nicht nur darum geht, sich Wissen anzueignen, das man im Nachhinein einfach anwendet. Es gehe vor allem darum, seinen persönlichen Weg bei der Leitung von Begräbnisfeiern zu finden, um von seinem Glauben Zeugnis zu geben und die Riten und Hilfestellungen bei der liturgischen Feier mit Leben zu erfüllen.



Neben diesem ersten Aspekt komme noch die Aneignung inhaltlicher Kompetenzen hinzu, so zum Beispiel der Umgang mit der Bibel und die Auswahl von Schrifttexten, die Gestaltung der Begräbnisfeier und die Vorbereitung einer Beerdigungsansprache. Bei der Ausbildung wird auch großer Wert auf praktische Übungen gelegt, so z. B. das Segnen, das nicht wenigen Christen noch ungewohnt ist.

Voraussetzungen, um Begräbnisfeiern zu leiten

Aufgaben der Leiter(innen)

Vom Sterbebesuch bis zur Verabschiedung am Grab

Für Karl-Heinz Calles müssen die Leiterinnen und Leiter von Begräbnisfeiern zwei Voraussetzungen mitbringen. Zunächst müssen sie Menschen mit einem sicheren Glauben an das Ostergeschehen, an die Auferstehung Jesu und an die eigene Auferstehung sein. „Sie müssen im Glauben verwurzelt sein, dass wir mit Christus auferstehen und dass das Leben eine Zukunft über den Tod hinaus hat.“




Eine zweite Voraussetzung besteht darin, dass sie sich auch mit dem eigenen Tod konfrontiert haben oder bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen, um mit der nötigen Gelassenheit eine Sterbesituation, der sie begegnen, angehen zu können.



Alle anderen Kompetenzen wie das Eingehen auf die Trauer, das richtige Zuhören oder das Führen eines Gespräches können sich die Kursteilnehmer im Laufe der Ausbildung aneignen. Die Laien werden vom Bischof beauftragt, nachdem sie die nötige Ausbildung erhalten haben. Ihre Aufgabe wird vor allem bei der Leitung der liturgischen Feier sichtbar. Der Dienst greift aber über den Gottesdienst hinaus: vom Sterbebesuch in der Familie, wo es gilt, die Trauer der Familie aufzufangen, bis zur Verabschiedung am Grab. Die Situation ist dabei immer ganz verschieden, ob es sich um einen tragischen Sterbefall handelt oder um einen natürlichen Tod im hohen Alter. 
Pfarrkirche von Neundorf mit umliegenden Friedhof (B)

Das bischöfliche Dekret sieht vor, dass zwei Laien den Dienst gemeinsam ausüben. „Es ist dem Bischof wichtig, die Laien in dieser neuen Aufgabe zu bestärken. Zu Zweit fühlt man sich eben sicherer“, erläutert Karl-Heinz Calles, wenngleich diese Maßnahme auch auf Kritik gestoßen sei. „Wiegt denn ein Priester oder ein Diakon zwei Laien auf?“ Das könnte diskriminierend verstanden werden. Aber die Maßnahme ist ergriffen worden, damit die Laien in ihrer Aufgabe einander stützen und bestärken können.



In den vergangenen Wochen hat Karl-Heinz Calles in Vorbereitung auf den Kurs die Mitglieder des Seelsorgerates Ostbelgiens und die Priester und Pfarrassistenten in den Dekanatskonferenzen besucht. Die große Mehrheit der Priester sind für die neue Form offen und lassen sich darauf ein. Bei dem einen oder anderen habe es zwar auch Bedenken gegeben, den Dienst der Leitung von Begräbnisfeiern loszulassen, was verständlich ist. Für die Priester bietet ein Sterbefall die Möglichkeit zu einer tiefen Begegnung mit der Familie, für die der Tod eines Angehörigen ein wichtiger Augenblick ist. Der Seelsorger fühlt sich in besonderer Weise zu dieser Aufgabe berufen, hier kann er sich einbringen und seine Identität leben. Karl-Heinz Calles betont nochmals, dass der Begräbnisdienst Aufgabe eines jeden Seelsorgers sei, und das greife weit über die Amtsträger hinaus. Die meisten Priester haben sich bereit erklärt, an dem Mentalitätsumschwung mitzuarbeiten, die Bestattung ohne Eucharistie (Messe) zu feiern. Pfarrverbände, wo diese neue Form bereits praktiziert wird, haben damit bereits gute Erfahrungen sammeln können, „wenn die Menschen es einmal erlebt haben.“



Dem Bischof liegt es sehr am Herzen, dass auch in Zukunft würdige Begräbnisfeiern mit der nötigen Ruhe möglich bleiben. Nicht wenige Priester fühlen sich mit zu vielen Beerdigungsfeiern überfordert. Ein Sterbebesuch ist eine zeitintensive und herausfordernde Aufgabe. Wer das mehrfach am Tag machen muss, fühlt sich nicht selten überfordert. Auch das gehört mit zur würdigen Verabschiedung.



Für viele Menschen ist es noch ungewohnt, wenn ein Laie die Begräbnisfeier leitet. „In der Vergangenheit ist den Menschen immer wieder gesagt worden, dass der Vermittler zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen, nur der Amtsträger ist“, erklärt hierzu Karl-Heinz Calles. Jeder aber sei berufen Seelsorger am nächsten zu sein, so wie er auch sein eigener Seelsorger ist, d. h. Sorge um das Heil der eigenen Seele tragen soll. (kli)

Die Form ändert sich, die Botschaft bleibt

Ein würdiger Dienst am Menschen und keine Entsorgung

Die Kirche ist in unserer Gegend die einzige Institution, die für alle einen Abschiedsritus anbietet. Dabei leistet einen doppelten Dienst.



Einerseits bestattet sie die Menschen, die sich zur Christengemeinde zugehörig fühlen. Aber sie leistet auch vielen Fernstehenden, die einen lockeren Bezug zu Glauben und Kirche haben, den Dienst einer würdigen Bestattung. Viele Menschen würden sich zurzeit in unserer Gegend verloren fühlen, wenn sie alleine mit einem Sarg zum Friedhof gehen müssten, meint Karl-Heinz Calles. „Es ist sehr sinnvoll, dass die Kirche diese Aufgabe als einen Dienst am Menschen wahrnimmt“, betont der Eupener Priester. Es sei zudem eine Gelegenheit, den Menschen etwas von der Hoffungsbotschaft des Evangeliums zu vermitteln, ohne daraus eine Evangelisierung machen zu wollen. Gerade für diese Zielgruppe seien die Bestattungen ohne Eucharistie die bessere Form. Bei einer Eucharistiefeier würden diese Menschen etwas mitmachen, in das sie nicht einsteigen können, weil sie mit diesem Geheimnis nicht vertraut sind. Eine Begräbnisfeier ohne Eucharistie (Messe) ermöglicht viele Gestaltungsmöglichkeiten (Symbole, Beiträge, Musik, usw.). Für Fernstehende sei dies die angepasste Form, die sie nicht überfordert, und damit auch ein echter Dienst an diesen Menschen.





Mit der Entkoppelung der Begräbnisfeier von der Eucharistie (Messe) ändert sich zwar die Form, was aber bleibt ist die Botschaft Jesu, die in einem Gebetsrahmen sowohl für Kirchennahe als auch für Kirchenferne vermittelt wird. „Es geht um einen würdigen Dienst am Menschen aus der Glaubensperspektive heraus und nicht um dessen Entsorgung“, betont Karl-Heinz Calles. „Die Bestattung ist die Feier der Erfüllung eines Lebens.“ Hier kommt die Sinngebung der christlichen Botschaft zum Tragen. „Für die einen ist es eine Feier des Glaubens für andere eine Feier des Nachdenkens, des Suchens, des Hörens einer Trostbotschaft, die sie teils annehmen oder teils anzweifeln.“



In den Pfarrverbänden muss in der nächsten Zeit eine Einteilung gefunden werden, den Dienst zwischen Priester und beauftragten Laien zum Beispiel nach Wochen- oder Tagesplänen aufzuteilen. „Es wäre gut, einen sachlichen Verteilerschlüssel zu finden, an welchem Tag der Priester oder der Laie den Dienst ausübt, um den Eindruck von Bestattungen erster und zweiter Klasse, mit oder ohne Priester, zu verhindern“, meint Karl-Heinz Calles abschließend. (kli)