Donnerstag, 5. Januar 2012

6. Januar: Erscheinung des Herrn

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Wenn von Erscheinungen die Rede ist, denken wir sehr schnell an Übersinnliches, Mystisches. Wenn wir heute, an Epiphanie bzw. am Dreikönigstag, die „Erscheinung des Herrn“ feiern, geht es jedoch um Handfestes: Gott ist Mensch geworden und zeigt sich als einer von uns. Die Weisen aus dem Morgenland erkennen in einem kleinen Kind den verheißenen König und Messias, das Licht, das die ganze Welt erleuchtet.

Dickköpfig glauben – wie die Sterndeuter

„Du mit deinem Dickkopf“ - das ist kein Lob, das hört man nicht gerne. Leute mit Dickköpfen sind unangenehme Zeitgenossen, meistens wenigstens. Aber mit einer gehörigen Portion Dickköpfigkeit kann man auch etwas erreichen - das ist die andere Seite. „Du mit deinem Dickkopf“ - das ist kein Lob, doch ich wünschte mir, man könnte dies von möglichst vielen Christinnen und Christen sagen, denn ein gewisses Maß an Dickköpfigkeit - oder besser: Beharrlichkeit - gehört zum Glauben dazu, unbedingt.

Die Sterndeuter im Evangelium sind ein Beispiel dafür. Sterndeuter - Menschen, die Nacht für Nacht in die Sterne schauen und Versuchen, aus dem Stand der Gestirne etwas Bedeutsames für ihr Leben herauszulesen, und die dann einem ganz bestimmtem Stern folgen, wenn sie meinen, er habe eine wichtige Botschaft für sie; Menschen, die auf ihrem Weg durch die Nacht ein Sinnbild sind für jeden, der nach dem Sinn seines Lebens sucht. Sterndeuter gab und gibt es viele - die Sterndeuter des Dreikönigstages fallen durch ihre Dickköpfigkeit auf.


Man muss schon etwas dickköpfig sein, Wenn man einen neugeborenen König sucht und der Stern einen in die Wüste führt - spätestens hier hatten andere aufgegeben. Man muss schon etwas dickköpfig sein, Wenn man im königlichen Palast zu hören bekommt, man wisse nichts von einem Neugeborenen - spätestens hier hätten andere aufgegeben. Und man muss schon etwas dickköpfig sein, wenn man trotz dieser Enttäuschungen weiterhin dem Stern folgt, obwohl er einen genau dahin führt, Wo nun wirklich kein König zu vermuten ist: nach Betlehem, zu armen Leuten, die noch nicht einmal eine anständige Wohnung haben.


Aber es ist genau diese Dickköpfigkeit, die die Sterndeuter zum Ziel führt: diese Beharrlichkeit, diese Treue zu dem, was sie einmal als richtig erkannt haben.

„Du mit deinem Dickkopf!“ - Wir brauchen so etwas wie eine Dickköpfigkeit im Glauben, wir brauchen Beharrlichkeit und Treue. Das, was wir nach langem Suchen und Ringen als richtig erkannt haben, das gilt es auch zu leben. Dickköpfigkeit, Beharrlichkeit und Treue z.B. dann, wenn man mit seiner Gewissensentscheidung alleine dasteht: auch in der Wüste hielten die Sterndeuter an ihrer Überzeugung fest, dass der Stern ihnen den richtigen Weg zeigt. Dickköpfigkeit, Beharrlichkeit und Treue auch dann, wenn Glaube und Frömmigkeit als altmodisch abgetan werden: Die Arroganz der Meinungsmacher, wie sie sich damals in Jerusalem zeigte, ist ja nicht ausgestorben.

Folge ich dem Weg, den mir mein Stern zeigt? Habe ich eine Grundlinie in meinem Glauben und in meinem Leben? Welche ist das? Kann ich sie mit einem Wort oder Satz umschreiben? Und welches Wort, welcher Satz wäre das? Wer dem Stern folgt, kommt zum Kind an der Krippe und findet das, was augenblicklich für ihn wichtig ist. Allerdings, dazu braucht es eine gehörige Portion Dickköpfigkeit.  Alfons Gerhardt

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