Dienstag, 24. Januar 2012

25. Januar Fest der Bekehrung des hl. Paulus


Den Willen Gottes erkennen, das ist nicht immer einfach. Jemand hat einmal gesagt: „Wir müssen gut aufpassen und versuchen gut zu unterscheiden, ob eine Sache Gottes Wille ist, oder ob es unser eigener Vogel ist, der uns das eingibt.“



Paulus war jedenfalls der Überzeugung, dass es Gottes Wille ist, die Christen zu verfolgen und hinter Gitter zu bringen. Er nennt sie die ‚Anhänger der neuen Lehre’. Sie waren ihm ein Dorn im Auge, denn sie hielten sich nicht an das, was Paulus für richtig hielt. Auf spektakuläre Art und Weise gab Gott Paulus zu verstehen, dass es nicht sein Wille ist, was er da tut. Paulus bekehrt sich, lasst sich taufen und Jesus Christus wird von nun an sein Herr, Meister und Vorbild und wird zum großen Völkerapostel.


Nicht Umkehr oder Bekehrung, sondern ‚Kehrtwende’

Die Bekehrung des Saulus (Apg 9,1-22)

Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.

Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.  Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.  Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.  Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.  Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht.  

In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur sogenannten Geraden Straße und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen.  

Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften.

Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;  und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes. Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen?  Saulus aber trat um so kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist.


Was wäre aus der Kirche geworden ohne die heilsame Unterbrechung der

Dienstreise eines viel beschäftigten Mannes? Was wäre geworden ohne den rastlosen Juden Saulus, dem sich Christus nach seiner Auferweckung einfach in den Weg stellt, damit seine Sache weitergeht? Ohne den "Ruck", der durch das Leben dieses Einen geht, wäre vielleicht auch der "neue Weg", wie Paulus die Religion der Christen nannte (Apg 9,2) wie eine Sekte im Wüstensande verlaufen, und wir wären heute vielleicht keine Christen.



Die barocken Maler, welche das Bekehrungserlebnis sehr oft dargestellt haben, stellen dieses sehr dramatisch dar. Sie malen Saulus, wie er am Boden liegt, weil sein Pferd ihn abgeworfen hat, denn das Pferd war wohl genau so geblendet von dem grellen Licht am Himmel wie Saulus und hat gescheut, und hat ihn abgeworfen. In Wirklichkeit müssen wir aber wissen, dass in der Apostelgeschichte, wo diese Begebenheit erzählt wird, nichts von einem Pferd zu lesen ist. Die Maler haben hier absichtlich dramatisiert.




Wollen sie dem Betrachter mit ihrer dramatischen Darstellung sagen: Hier ist Einer der damaligen religiösen Obrigkeit, einer der ganz großen vom hohen Ross genommen worden, auf den Boden der Wirklichkeit. Die Dramatik der Barocken Malerei passt zu der bewegten Existenz des Paulus.


Wir feiern das Fest einer Verwandlung.

Ein Mann stößt zur Kirche, dessen Kommen nicht zu erwarten war. Ein Mensch bleibt nicht der Alte; er verwandelt sich unter dem Ruf Jesu! Auf offener Straße und aus heiterem Himmel wird Paulus überwunden, mitten aus seinem alten Leben gerissen. Wenn Gott in das Leben eines Menschen einbricht, ist das nichts Harmloses, sondern er kommt, wie am Pfingstfest, mit umwerfender Wucht (Röm 1,16).



Paulus hat die einschneidende Kraft Gottes erfahren und zugelassen und sie hat ihn regelrecht umgerissen. In jedem Gottesdienst setzen wir uns dieser Kraft aus; und hören vielleicht unangenehme Fragen wie: Warum vergisst du mich? Was treibt dich? Wonach jagst du? An wen hängst du dein Herz?

Das Wunder des Unvorhersehbaren geschieht!

Christus greift zu und sucht sich ein Werkzeug, sondert einen neuen "Mitarbeiter" und Knecht aus (Röm 1,1). Spät zwar, aber nicht zu spät wird der "dreizehnte Apostel" berufen: der Unerwartete, die Missgeburt, wie er selber im Rückblick über sich sagen wird, der Mann mit belastender Vergangenheit und dunklen Flecken! Ein unverbesserlicher Verfolger wird ein verbesserlicher Mensch und Zeuge. Diese Sternstunde der Geschichte der Christenheit ist ein starkes Stück!





Wir feiern den Herrn, dem auch die Umkehr eines solchen Menschen nicht unmöglich ist. Und der mir und uns allen das schier Unmögliche zutraut: meine, unsere Bekehrung.

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