Sonntag, 1. Januar 2012

Papst zum Jahresschluss: „Keine Angst vor der dahineilenden Zeit

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„Te Deum laudamus“: Traditionell erklingt dieser Hymnus im letzten Gottesdienst des Jahres in der Petersbasilika. Auch am 31. Dezember 2011 leitete Benedikt XVI. die Vesper mit Te Deum unter der Kuppel des Michelangelo.  Benedikt: „Ein weiteres Jahr geht zu Ende, während wir ein neues erwarten – wie immer mit Bangen, mit Wünschen und Erwartungen. Wenn man an die Erfahrung des Lebens denkt, staunt man, wie kurz und flüchtig es im Grunde ist. Darum stellt sich einem nicht selten die Frage: Welchen Sinn können wir unseren Tagen geben? Welchen Sinn können wir im besonderen den von Mühe und Leid geprägten Tagen geben? Das ist eine Frage, die sich durch die ganze Geschichte hindurchzieht, ja, die das Herz jeder Generation und jedes Menschen beschäftigt. Doch es gibt eine Antwort auf diese Frage: Sie steht im Antlitz eines Kindes geschrieben, das vor zweitausend Jahren in Bethlehem geboren wurde und heute der Lebende ist, der für immer vom Tod erstanden ist.“

Benedikt XVI. ging in seiner Predigt auch auf das Thema der Neuevangelisierung ein, dem im Oktober 2012 die Bischofssynode im Vatikan dienen wird. Es gehe darum, „in sich selbst und in den anderen die Sehnsucht nach Gott wieder wachzurufen“. Ausgangspunkt dafür sei die „sehr persönliche Frage: Warum glaube ich?“ Vor allem den jungen Leuten müsse der Glaube „mit neuem missionarischem Eifer verkündet“ werden: gegen ihre „Orientierungslosigkeit“ in einer „Krise, die nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern ebenso eine Krise der Werte ist“.

Große Neujahrsmesse in St. Peter

 „Die Jugend zur Gerechtigkeit und zum Frieden erziehen“: Das ist das Motto des 45. Weltfriedenstages, den die Kirche an diesem 1. Januar feiert, und das war auch das Motto der Papstpredigt bei der Neujahrsmesse in St. Peter. Wie üblich waren zu diesem ersten Termin des Kirchenoberhaupts im neuen Jahr die meisten der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten erschienen – aber auch drei Könige waren da: Verkleidete Sternsinger aus dem Bistum Würzburg. Ihnen allen stellte Benedikt XVI. das Vorbild der Hirten von Betlehem vor Augen, die den neugeborenen König in einem einfachen Baby erkannten.

„Sie haben die Erfahrung gemacht, in der Gegenwart Gottes zu sein, unter seinem Segen zu stehen nicht im Saal eines imposanten Palastes oder im Angesicht eines großen Herrschers, sondern in einem Stall, vor einem „Kind, das in der Krippe lag“ (Lk 2,16). Gerade von diesem Kind strahlt ein neues Licht aus, das im Dunkel der Nacht leuchtet, wie wir auf vielen Gemälden, die die Geburt Christi darstellen, sehen können. Und von ihm kommt nun der Segen: von seinem Namen – Jesus, das bedeutet: „Gott rettet“ – und von seinem menschlichem Angesicht, in dem Gott, der allmächtige Herr des Himmels und der Erde, Fleisch annehmen und seine Herrlichkeit unter dem Schleier unseres Fleisches verbergen wollte“.

Die erste, die von diesem Segen erfüllt wurde, sei Maria gewesen, so der Papst unter Verweis auf das Hochfest der Gottesmutter Maria am Jahresbeginn. Maria sei „Mutter und Urbild der Kirche“, weil sie sich Gott als „guter Boden“ dargeboten habe, „in dem er sein Geheimnis der Erlösung weiter vollbringen kann“.

Benedikt XVI. erinnerte an „die Schatten, die heute den Horizont der Welt verdunkeln“: Wer vor einem solchen Hintergrund Verantwortung für die Erziehung von Jugendlichen zu grundlegenden Werten übernehme, der sorge dafür, dass man „mit Hoffnung in die Zukunft blicken“ könne. Ganz wesentlich sei heute die Erziehung zur Gerechtigkeit und zum Frieden.

„Die Jungen und Mädchen von heute wachsen in einer Welt auf, die sozusagen kleiner geworden ist, in der beständige, wenn auch nicht immer direkte Kontakte zwischen den verschiedenen Kulturen und Traditionen bestehen. Für sie ist es heute mehr denn je unerläßlich, den Wert und den Weg des friedlichen Zusammenlebens, der gegenseitigen Achtung, des Dialogs und des Verstehens zu lernen.“ 
 
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Ohne solche Erziehung könnten „die gesellschaftlichen Gegebenheiten, in denen sie aufwachsen, Jugendliche dazu bringen, in ihrem Denken und Handeln eine ... intolerante und gewalttätige Weise anzunehmen“, mahnte der Papst. Besondere Verantwortung für solche Erziehungsarbeit komme den Religionsgemeinschaften zu.
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Papst beim Angelus: Gebet um Frieden


50.000 Menschen haben am Sonntagmittag am ersten Angelusgebet des Papstes im neuen Jahr teilgenommen. Unter den Gästen beim Angelusgebet auf dem Petersplatz waren auch die Teilnehmer eines Friedensmarsches der römischen Gemeinschaft Sant Egidio. Auf deutsch sagte Papst Benedikt: „Einen herzlichen Neujahrsgruß richte ich an die Pilger und Besucher aus den Ländern deutscher Sprache. Ganz besonders grüße ich die Sternsinger aus dem Bistum Würzburg und alle, die in diesen Tagen als Heilige Drei Könige die Weihnachtsbotschaft verkünden. Das erste liturgische Fest des Jahres ehrt Maria, die Mutter Gottes. Voll Freude schauen wir auf Maria, die Mutter des Erlösers, die der Herr auch uns zur Mutter gegeben hat. In kindlicher Liebe wollen wir uns in diesem Jahr dem mütterlichen Schutz Marias anvertrauen, damit sie uns immer mehr zu Jesus, ihrem Sohn, führe. Gott segne euch alle!”


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