Sonntag, 8. Januar 2012

Sternsinger schwärmten aus

Von Lothar Klinges

Selten waren in den ostbelgischen Straßen so viele königliche Hoheiten unterwegs wie am vergangenen Wochenende. Mit dem Beginn des neuen Jahres sah man die Sternsinger wieder überall in den Dörfern und Städten Ostbelgiens von Tür zu Tür ziehen. Traditionell zogen sie in kleinen Gruppen durch die Straßen, um den Bewohnern den Segen des menschgewordenen Gottes für das Neue Jahr zu bringen.

In vielen Pfarren und Familien wurden Königsgewänder genäht, Kronen gebastelt und schwarze Schminke organisiert. Etwa 1200 Sternsinger waren in Ostbelgien unterwegs. „Kinder finden neue Wege” hieß das Motto für dieses Jahr, und dazu hat jeder Sternsinger einen orangefarbenen Schnürsenkel erhalten.

Das Lied „Stern über Bethlehem“ und den Spruch, den sie an jeder Tür, die sich ihnen öffnete, aufsagten, kannten sie aus dem Eff-eff: „Wir schreiben den Segen von Jesus Christ im Jahr, das jetzt hat begonnen, als ein Zeichen, damit allen deutlich ist: Gott ist uns wohl gesonnen.“ An die Haustüren oder Türbalken schrieben sie mit geweihter Kreide die traditionelle Segensbitte 20*C+M+B+12. Dieser Segensspruch ist an vielen ostbelgischen Haustüren zu lesen. Ausgeschrieben bedeutet der Spruch „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“.

Die Sternsinger waren in den vergangenen Wochen bestens über das diesjährige Thema „Klopft an Türen, pocht auf Rechte“ und Nicaragua, das diesjährige Beispielland, informiert worden. Bei Vorbereitungstreffen hatten sie einen Film über das mittelamerikanische Land gesehen und wussten, welche Nöte diese Kinder leben und dass ihnen wichtige Kinderrechte vorenthalten werden.

Die Dreikönigsschar erfuhr bei ihrem Einsatz für eine gerechte Welt auch, dass Helfen Spaß macht. Denn auch für die vielen Leute in Ostbelgien waren sie Friedensbringer. Sie wurden dabei von Erwachsenen begleitet, die entsprechend der biblischen Geschichte als „Begleitkamele“ fungierten, wie eine Sternsingerin schmunzelnd und dankbar anmerkte.

„Als Sternsinger bringen wir die Kirche zu den Leuten, in dem wir ihnen den Segen an die Haustür schreiben“, erklärte eine junge Sternsingerin. „Schauen Sie, meine Hände sind ganz kalt“, bibberte sie bei der Rückkehr von der Sternsingertour. Aber sehr bald kam das Gefühl in die Finger zurück, als es darum ging, die vielen Süßigkeiten, die die Leute ihnen als Stärkung auf ihrem Weg mitgaben, aufzuteilen. Manche Leute freuten sich so sehr mit den Kindern vor ihrer Haustüre und boten ihnen ein warmes Getränk an: „Wollt ihr nicht reinkommen und euch bei einem warmen Kakao etwas aufwärmen?“

„Die meisten Leute waren total nett“, waren sich die Sternsinger einig. „Manche machten die Tür nicht auf, obwohl man sah, dass sie da waren“, wusste ein junger Sternsinger zu erzählen. „Das ist egal, denn ich finde es einfach schön, mit anderen an einer gemeinsamen Aktion für Kinderrechte teilzunehmen“, fügte er gleich hinzu.

Dankmesse der Sternsinger in Reuland


Heute trafen sich nun die Sternsinger der Pfarren Reuland, Steffeshausen und Ouren zu einem Dankgottesdienst in der Kirche von Reuland. Ludwig Wirtzfeld hat dieses Geschehen für Sie auf Fotos festgehalten.






Sehen Sie die vollständige Fotoserie HIER

Keine Kommentare: