Sonntag, 29. Januar 2012

Unser tägliches Brot gib uns heute



Die Bitte die wir im Vater unser aussprechen hat eine besondere Position inne. Sie steht genau in der Mitte dieses Gebetes und sie ist der Übergang von den Bitten die Gott betreffen zu denjenigen die uns Menschen betreffen. Ging es bisher um die Bitten dass der Name Gottes verherrlicht werde oder dass sein Reich komme oder sein Wille in der Welt geschehe, so geht es nun um unsere Nöte. Es geht genau gesagt um das tägliche Brot, um das satt werden. Wir wissen alle wie wichtig diese Bitte ist, denn wir wollen keinen Hunger leiden, sondern jeden Tag uns, wenn möglich, wenigstens einmal satt essen.


Es geht also zunächst um das tägliche Brot, das wir uns vom Bäcker besorgen oder eventuell selber backen. Wenn wir diese Bitte aber richtig verstehen wollen müssen wir uns lösen von der reinen Brotbitte. Jesus sagt kurz nach seiner Taufe, bei der Versuchung durch den Satan in der Wüste: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Damit will er den Jüngern und uns sagen: Die Brot-Bitte meint nicht nur das Brot, sondern alles was wir zum Leben brauchen: Kleidung, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung; kurz, all das was wir zu einem menschenwürdigen Leben brauchen.

Das Zitat Jesu, das er dem Teufel entgegenhält „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ will darüber hinaus noch sagen, dass wir uns bei dieser Bitte auch ein wenig lösen müssen von dem rein materiellen. Die Bitte um Brot kann auch bedeuten, dass Gott mir den Sinn meines Lebens erschließt. Es kann bedeuten die Bitte um eine Familie um Freunde, um gute Beziehungen. Denn was nützt es mir wenn ich mir jeden Tag den Bauch voll schlagen kann, aber keinen Menschen habe mit dem ich vertrauensvoll reden kann?

Und noch etwas: Diese Vater unser Bitte „unser tägliches Brot gib uns heute“ spricht von unserem Brot. Also nicht nur von meinem Brot. Es ist also wichtig, dass man betet um das tägliche Brot für alle. Denn wir wissen, es gibt viel Hunger in der Welt. Es gibt viele Kinder, die hungrig zur Schule gehen und abends hungrig zu Bett. Es ist ein Skandal, dass eine kleine Minderheit auf der Welt die Reichtümer der Erde in Händen hält und kontrolliert, während andere nichts zu essen haben. Dabei ist die Fruchtbarkeit dieser Erde  durch bessere Arbeitsmethoden und durch Düngemittel im letzten Jahrhundert so erstaunlich gestiegen, dass jeder Mensch satt werden könnte.

Wir hören oft die Frage: Wie kann Gott das zulassen? Wie kann Gott zulassen, dass kleine Kinder vor Hunger sterben? Ich glaube, die Frage ist falsch gestellt. Gott hat die Welt reich genug erschaffen, um die Menschen zu ernähren. Gott hat seinen Tisch reich genug gedeckt, damit es für alle reicht. Vom Willen des Schöpfers her hat der Hunger keine Daseinsberechtigung auf der Erde. Aber: Die gerechte Verteilung des Reichtums seiner Schöpfung hat er dem Menschen anvertraut und da liegt das Problem. Es gibt da einige, Raffer, die den Rachen nicht voll bekommen.

Erinnern wir uns an die schöne Geschichte aus der Heiligen Schrift, als die Israeliten durch die Wüste zogen, da hatten sie Hunger. Sie murrten gegen Mose und gegen Gott.  Moses betete zu Gott und dieser ließ während der Nacht Manna auf die Erde fallen, so dass die Israeliten satt wurden. Gott gab ihnen aber die Anweisung immer nur soviel zu sammeln wie sie für einen Tag für ihre Familie brauchten, alles andere würde verderben. Hier wird schon deutlich: Wir sollen nicht raffgierig werden, sondern Gott zutrauen, dass er jeden Tag für uns sorgt. Beten wir also jeden Tag voll Vertrauen: Unser tägliches Brot gib uns heute.

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