Montag, 23. Januar 2012

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 24. Januar 2012



Es ist manchmal erstaunlich, wieviel Fantasie Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken!

- Kümmert sich jemand um einen älteren, kränklichen Menschen, sagen sie: Der will sich doch nur das Erbe erschleichen!

- Engagiert sich jemand in der Gemeinde, entdecken sie: Das tut er doch nur, um sich aufzuspielen und von den Menschen bewundert zu werden!

- Versucht jemand, neue Wege zu gehen, sagen sie: Damit will er den anderen doch nur zeigen, dass sie alles falsch gemacht haben!



Es ist manchmal erstaunlich - nein, mehr noch: es ist traurig -, wieviel Phantasie manche Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken! Das erlebt auch Jesus heute im Evangelium: Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Er hilft den Menschen. Er befreit sie von bösen Geistern. Anstatt sich für die Geheilten zu freuen, anstatt in diesem Tun Jesu die helfende Hand eines guten Menschen oder die Heil wirkende Kraft Gottes zu sehen, wollen sie entdeckt haben: Das tut er in der Kraft des Oberdämonen (Mk 3,22-30)!

Mit für ihn seltener Schärfe wehrt sich Jesus gegen diese Denkart. In diesem

Zusammenhang spricht er von der Sünde gegen den Heiligen Geist, die nur schwer zu vergeben ist.



Diese Begebenheit aus dem Leben Jesu macht mich sehr nachdenklich, nicht zuletzt deshalb, weil das von Jesus entschieden zurückgewiesene Verhalten auch in unserer Zeit nicht gerade selten ist. Entdecke ich mich selbst nicht auch manchmal dabei, dass ich so denke (vielleicht sogar rede), wie die Schriftgelehrten heute im Evangelium?! Suche ich nicht geradezu oft nach dem „Haar in der Suppe”, obwohl die Suppe gut ist? Sind nicht bestimmte Menschen bei mir abgeschrieben, weil sie einmal etwas falsch gemacht haben und das hängt ihnen nun an, und wenn sie noch soviel Gutes tun? Unterstelle ich nicht manchmal sogar Gott Böses, weil ich im Augenblick nicht einsehen kann, was er mir oder anderen zumutet?



Diese Begebenheit aus dem Leben Jesu macht mich nachdenklich. Angesichts der reichhaltigen Phantasie, die Menschen entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken, möchte ich gern versuchen - und Sie dazu einladen -, das Gegenteil zu tun: Wenn schon Fantasie entwickeln, dann, um das Gute im Guten, um die positiven Gesichtspunkte im Unguten zu entdecken! Das ist auch die Denkart Jesu. So mancher Sünder hat erfahren, wie befreiend das ist: Zachäus zum Beispiel oder die Sünderin, von der die Evangelien erzählen.



In der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel wird immer wieder deutlich, dass dies die Denkart Gottes ist. Wie oft lag das Volk am Boden, wie oft hat es sich durch Schuld selbst ruiniert. Aber Gott hat den guten Kern dieses Volkes immer im Blick behalten. Das hat neue Anfänge für Israel ermöglicht.


Es ist manchmal erstaunlich, es ist traurig, wieviel Fantasie manche Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken. Wenn wir schon Fantasie entwickeln, liebe Schwestern und Brüder, dann dazu, das Gute im Guten und die positiven Ansatzpunkte selbst im Unguten aufzudecken. (Heribert Arens)

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