Donnerstag, 2. Februar 2012

Da sagte der liebe Gott


Wieder einmal waren der liebe Gott und Petrus
auf Wanderschaft durch die Regionen der Erde.
Und weil sie sich verlaufen hatten, fragten sie einen
Schäfer, der faul auf dem Rücken lag und sich ausruhte.
Weil er zu bequem war, auch nur den Mund aufzumachen,
hob er bloß seinen rechten Fuß ein kleines bisschen in die Höhe
und zeigte damit die Richtung, in die der Weg weitergehe.

Petrus war empört: “Was für ein fauler Kerl!
Nur gut, dass man solche Leute nicht alle Tage trifft.
Das könnte einem ja die Freude an den Menschen verderben!”

Gottvater schmunzelte, sagte aber kein Wort.
Kurze Zeit darauf trafen sie ein Mädchen,
Das fleißig auf dem Feld arbeitete.
Sie fragten es nach dem Weg - und es war gerne bereit.
“Ihr könnt euch hier leicht verlaufen.
Ich will lieber ein Stück mit euch gehen ...”
Es legte die Hacke hin
und begleitete die beiden ein ganzes Stück Weges.

Als sie wieder allein waren, sprach Petrus:
“Welch ein nettes und fleißiges Mädchen,
so zuvorkommend und dabei so frisch und sauber!
Die muss aber auch einen guten Mann kriegen!”
Da sagte der liebe Gott: “Sie kriegt den Faulpelz von Schäfer!”
“Was”, rief Petrus, “den faulen Schäfer?
Warum denn das?”
“Der eine muss den anderen Ergänzen”, sagte der Herr und schmunzelte.

Westfälische Legende

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