Montag, 27. Februar 2012

Das Vater unser - Jesu eigenes Wort


Das Vaterunser, das uns heute im Evangelium vorgestellt wird (Mattäusevangelium 6,7-15), ist das christliche Grundgebet schlechthin. Es ist das Grundgebet für uns alle, das Jesus selber gesprochen hat. Es ist ein ganz wertvolles und wichtiges Gebet. Wir alle beten es im Gottesdienst oder zu Hause, ob wir katholisch, evangelisch Orthodox sind, wir beten es morgens oder abends. Das Vater unser, wenn wir es ruhig und bedächtig beten, schenkt uns eine innere Ruhe und gibt uns Gelassenheit. Es eignet sich für jede Situation. Wenn man in einer schwierigen Notsituation ist genau so wie wenn man in einer Schlange steht und warten muss. Wir können es mit Menschen anderer Sprachen gemeinsam beten. Vielleicht habt ihr das schon erlebt, an Wallfahrtsorten, wo viele Menschen verschiedener Kulturen zusammen sind, dann haben wir bisweilen den Eindruck, uns verbindet nichts mit diesen Menschen, wir sprechen ihre Sprache nicht, wir haben nichts gemeinsam. Und plötzlich, beim Vater unser Gebet, das jeder in seiner Sprache spricht, merken wir dass wir ganz dicht beieinander sind, dass wir etwas gemeinsames haben, das uns verbindet. Wir beten dieses Gebet nach dem Vorbild Jesu Christi. Er ist es, der uns durch das heutige Evangelium lehrt, dass wir nicht plappern sollen wie die Heiden. Was meint er damit? –

Wir sollen keine leeren Versprechungen machen. Wir sollen nicht so tun, als hätten unsere Worte keine Relevanz, als wären sie belanglos. Die heutigen Lesungen aus der Heiligen Schrift sagen nämlich etwas ganz anderes. Sie machen deutlich, dass unsere Worte tatsächlich etwas bewirken können. Auch Worte haben Kraft und können die Wirklichkeit verändern. man denke nur an die drei Worte „Ich liebe dich“. Wer das gesagt bekommt, für den verändert sich die Wirklichkeit. Dies gilt nicht nur für Worte der Zuneigung, sondern auch für Worte der Versöhnung nach einem Streit.

Jesus hat beim formulieren des Vater unser nichts völlig neues geschaffen, sondern auf jüdische Tradition zurück gegriffen, auf das Kadisch-Gebet und das 18-Bitten-Gebet, schließlich waren er und seine Jünger gläubige Juden, die viele Gebete kannten. Jesus hat diese Gebetstradition der Juden aufgegriffen, aber anders als die Juden, die meinten, man müsse Gott möglichst viele Worte machen wenn man betet, dass er es ja auch hört und versteht, hat Jesus gemeint, nein, das braucht man nicht. Er hat diese Gebete sehr konzentriert zusammengefasst im Vater unser.

Das Vater unser ist Jesu eigenes Wort, er hat es uns geschenkt.

Wir nennen das Vater unser nicht umsonst das Herrengebet, also das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat. Die Jünger sind zu ihm gekommen, haben gesehen, wie der Meister die ganze Nacht gebetet hat. Und sie haben sich gewünscht, dass sie das auch können. Und das ist was die Menschen heute auch noch interessiert.

Christen, Protestanten, Orthodoxe beten es. Ich möchte fast sagen, er hat es der ganzen Welt geschenkt, Millionen Menschen beten es jeden Tag. Es ist übrigens das einzige Gebet, das im NT überliefert ist. Wir finden es an zwei Stellen, einmal beim Evangelisten Matthäus bei der Bergpredigt (Mt 6,7-13) und einmal beim Evangelisten Lukas (Lk 11,1-4) im Gespräch mit den Jüngern. Es gibt leichte Unterschiede zwischen den beiden Varianten, aber wir müssen bedenken, es ist zuerst mündlich weitergegeben worden und da sind solche Abweichungen durchaus normal. Die Form die am meisten gebraucht wird ist die längere Version des Evangelisten Matthäus.

Für Jesus ist ganz klar, dass Gott jedes Gebet hört, dass jedes Wort bei Gott Gewicht hat. Wenn das wirklich so ist, dann dürfen wir keine leeren Phrasen dreschen, sondern dürfen uns vertrauensvoll an unseren Vater im Himmel wenden.

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