Sonntag, 19. Februar 2012

... ein Gott und Vater aller


„Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,  ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,1-6)

Jeder soll nach seiner eigenen Facon selig werden! 
Diesen Ausspruch hören wir oft. Ich glaube im Grunde ist das Zitat von Friedrich II., König von Preussen, gar nicht so falsch! Es gibt doch viele Wege im Leben, die man gehen kann; warum soll also nicht jeder den Weg gehen, den er ganz persönlich für richtig hält? Das gleiche gilt für unseren Glauben.

Unterschiedliche Gottesbilder
Es gibt eine Vielfalt von christlichen Bekenntnissen und von Religionen und eine Fülle von daraus resultierenden Gottesbildern und Lebensentwürfen. Jede und jeder von uns hat ein eigenes Gottesbild. Dieses Gottesbild ist entstanden  aus Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens mit Gott und mit Menschen gemacht haben. Teilweise ist es uns auch anerzogen worden.

Bei all der Unterschiedlichkeit der Bilder, die wir uns von Gott machen, und der daraus resultierenden Lebensentwürfe dürfen wir jedoch nicht die Aussage des Paulus  vergessen, die er im Epheserbrief macht, nämlich: Gott ist und bleibt ein und derselbe.

Niemand darf also den Anspruch erheben, dass sein Gottesbild und seine Art und Weise zu glauben die einzig wahren seien. Wir alle können am Ziel unseres Lebens- und Glaubensweges nur ein und demselben Gott begegnen. Dem Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist, wie Paulus sagt.

Die Wege zu Gott sind so verschieden wie die Menschen verschieden sind
Vielleicht hilft es, unseren Weg als Glaubende mit einer Bergwanderung zu vergleichen: Es gibt verschiedene Wege zum Gipfel, und es gibt eine Fülle von Erfahrungen, die man unterwegs machen kann, aber das Ziel ist allen gemeinsam. Falsch wäre es, bei allem Streit über den richtigen Weg, das Ziel aus den Augen zu verlieren, denn auf das Ziel kommt es an! Viel wichtiger ist es, sich bewusst für einen Weg zu entscheiden und diesen Weg gemeinsam mit anderen konsequent dem Ziel entgegenzugehen.

Ich denke, es ist nicht an uns, zu beurteilen, ob unsere Mitmenschen auf dem richtigen Weg sind, wenn sie einem anderen Gottesbild trauen und einer anderer Konfession oder Religion angehören. Für uns ist entscheidend, dass wir unserem Gottesbild trauen und uns von ihm prägen lassen, dass wir uns beherzt als Gemeinschaft in unserer Gemeinde und in unserer Kirche auf den Weg machen und dass wir das Ziel nie aus den Augen verlieren: die Begegnung mit dem einen, lebendigen Gott, dem Vater aller.

Wer fest steht in seinem Glauben, der kann offen, geduldig und voller Respekt und Wohlwollen mit seinen Mitmenschen umgehen, wie Jesus es getan hat. Der braucht auch keine Angst vor anderen Religionen zu haben, sondern darf in ihnen einen möglichen Weg zu Gott sehen.

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