Dienstag, 28. Februar 2012

GLAUBENSGESTALTEN: Joseph Kardinal Frings (1887-1978)



Joseph Frings ist einer der deutschen Bischöfe der jüngeren Vergangenheit, welcher die katholische Kirche in Deutschland und der Welt nachhaltig geprägt haben. Frings wurde vor 125 Jahren am 6. Februar 1887 als zweites von insgesamt acht Kindern einer Fabrikantenfamilie in Neuss geboren. Nach seinem Schulabschluss schlug er im Alter von achtzehn Jahren seinen konstant und stetig verlaufenen Weg als Theologe und Priester ein. Er studierte Katholische Theologie in München, Innsbruck, Freiburg und Bonn und war in verschiedenen Studentenverbindungen aktiv. Seine Priesterweihe erfolgte 1910, seine Promotion sechs Jahre später. Seine erste eigene Pfarrei war in den Jahren 1915 bis 1922 St. Marien in Köln-Fühlingen. Es folgten weitere pastorale Tätigkeiten in anderen Gemeinden sowie als Leiter eines Waisenhauses und als Regens des Kölner Priesterseminars von 1937 bis 1942.

Überraschend erfolgte Im Frühjahr 1942 Berufung und Weihe von Joseph Frings zum Erzbischof von Köln. In der Hochphase des „Dritten Reiches“ zum
Bischof berufen, schützte seine Popularität Frings vor Repressalien. Er nannte den Holocaust öffentlich ein „himmelschreiendes Unrecht“ und setzte sich
nach Kriegsende für die Wiedereinstellung von NSDAP-Mitgliedern ein. Besondere Bekanntheit erlangte seine Silvesterpredigt im Jahr 1946, in der er in gewissem Maße den Kohlenklau aus existenziellen Nöten heraus legitimierte („Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“). Im Nachhinein wurde dafür der Begriff „fringsen“ geprägt.

Weitere bedeutende Stationen seines Lebens waren seine Ernennung zum Kardinal im Februar 1946, der Vorsitz der späteren Deutschen Bischofskonferenz von 1945 bis 1965 und seine Initiativen zur Gründung der Hilfswerke Misereor 1958 und Adveniat 1961. Im Zweiten Vatikanischen Konzil spielte er besonders bei der Reform der Glaubenskongregation eine bedeutende Rolle. Im Februar 1969 legte Joseph Frings sein Bischofsamt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde Joseph Höffner. Der volksnahe und humorvolle Rheinländer starb am 17. Dezember 1978 im Alter von 91 Jahren.

Anekdoten
Zusammen mit dem Bischof von Münster, Graf von Galen, reiste Frings im Winter 1946 nach Rom zur Kardinalserhebung. Das englische Militärflugzeug
konnte wegen widrigen Wetters nicht starten, deshalb wurden sie zunächst von britischen Soldaten im Auto gefahren, bevor es dann mit dem Zug weiterging.

Nachdem man mehrfach im Schlamm der schlechten Straßen steckengeblieben war, zwischendurch im Auto übernachtet hatte und dann der geplante Zug ab Karlsruhe ausfiel, sagte Frings entnervt zu dem begleitenden Offizier: „Herr General, ich kann leben, ohne Kardinal zu sein. Ich bitte Sie, bringen Sie mich nach Köln zurück.“ Das machte Eindruck, plötzlich ging alles besser.

Als bei einem von Prälat Mund organisierten Katholikentag das Pontifikalamt im Freien von einem heftigen Unwetter heimgesucht wurde und sich im Durcheinander auflöste, sagte Frings nur: „Sic transit gloria mundi.“ (Lat.: „So vergeht der Ruhm der Welt.“).

Nach einer Akademie-Rede wurde ihm vorgehalten, dass er vor seiner Bischofsweihe noch ganz anders (liberaler) gesprochen habe, und Frings gab zurück: „Werden Sie einmal Bischof, dann sagen Sie auch nicht mehr alles, was Sie vorher gesagt haben!“

Einmal auf sein schlechtes Augenlicht angesprochen, soll Frings in Kölsch geantwortet haben: „Jot lure kann isch schläch, ävver schläch hüre, dat kann
isch jot.“ („Gut sehen kann ich schlecht, aber schlecht hören, das kann ich gut.“).

Im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte Frings in Genua einen Vortrag mit dem Titel Das Konzil auf dem Hintergrund der Zeitlage im Unterschied zum Ersten Vatikanischen Konzil gehalten. Als Papst Johannes XXIII. nachträglich das Manuskript des Vortrags zu lesen bekommen hatte, ließ er Frings zu einer Audienz in den Vatikan bestellen. Frings, der sich nicht sicher war, ob dem Papst seine Ausführungen gefallen hatten, sagte in seiner humorvollen kölschen Art zu seinem Sekretär Dr. Hubert Luthe, dem späteren Bischof von Essen: „Hängen Se mʼr noch ens dat ruude Mäntelche öm, wer weiß, ob et nit et letzte Mohl is.“ („Legen Sie mir noch einmal das rote Mäntelchen um, wer weiß, ob es nicht das letzte Mal ist.“) Der Papst jedoch zeigte sich von den Ausführungen des Kölner Kardinals begeistert und bereitete ihm einen herzlichen Empfang.

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