Dienstag, 21. Februar 2012

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium (Mk 1,15)


Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die österliche Bußzeit. In dieser Zeit bereiten wir uns auf das Osterfest vor. Es ist eine Zeit der Besinnung, des Verzichts und auch des ehrlichen Blicks auf uns selbst. Das Aschenkreuz, das uns auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein kleines äußeres Zeichen dafür. Allerdings bleibt dieses Zeichen nur wenige Stunden sichtbar. Wir sind eingeladen und herausgefordert, das Anliegen der Fastenzeit für uns selbst aufzugreifen und es zu verinnerlichen. Die heutigen Lesungstexte geben uns dafür entscheidende Hinweise und Anregungen: Gott blickt durch alles Sichtbare hindurch auf das Unsichtbare und Verborgene. Er kennt unser Herz.

Im Evangelium ruft uns Jesus heute zu: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Mit diesen Worten beginnt Jesus im Markusevangelium die Verkündigung seiner Heilsbotschaft. Mit dem Kommen Jesu bricht ein neues Zeitalter an, das Zeitalter der Gnade und des Heils. Und seine ersten Worte sind eine Einladung, uns mit der überwältigenden Neuigkeit anzufreunden, nämlich mit der Wirklichkeit des Reiches Gottes, welches er allen Menschen zugänglich macht.

„Aschermittwoch feiern heißt Gnade zulassen, die Gnade der Rettung sich schenken lassen. Nicht das Dunkel des Lebens übergehen, sondern in das Dunkel das Wort der Versöhnung hineinsprechen lassen. Das, was uns niederzieht, was uns bedrängt, was die Bibel dann in der Kirche in der Folge Sünde nennt, darf im Feuer der Lebendigkeit unseres Gottes gereinigt werden.“ Alois Schwarz (*1952), Bischof von Gurk
Die Propheten des Alten Bundes weisen die Menschen wiederholt darauf hin, dass Gottesdienste und gute Werke sinnlos sind, solange das Herz davon unberührt bleibt und sich z. B. Lüge, Betrug und Unterdrückung genauso fortsetzen. “Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.“ So schreit der Prophet Amos in die Menge, denn das reale Leben passt nicht zu den äußerlich beeindruckenden Frömmigkeitsübungen. Recht und Gerechtigkeit fordert er, und das setzt eine innere Hinwendung der Menschen zu Gott voraus. Der Prophet Hosea richtet den Menschen aus: “Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ Und der Prophet Joël ruft den Israeliten zu: “Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider!“ 


Wenn wir heute nach dem Gottesdienst nach Hause gehen, werden wir Gezeichnete sein. Wir tragen ein Kreuz aus Asche auf unserer Stirn. Das Kreuz - heute am Aschermittwoch - ein Zeichen dafür dass wir uns auf einen besonderen Weg, auf eine besondere Zeit einlassen. Eine Zeit des Verzichts, der Reduzierung und der Neubesinnung auf das Wesentliche, eine Zeit der Gnade.

Wichtiger als alles, was wir tun und wichtiger als alle unsere Anstrengungen ist es, unser Herz Gott wieder zuzuwenden. Dann wird Gott sich uns zuwenden, auf dass es uns gut geht, auf dass wir heil werden. Und so wünsche ich uns allen, dass wir heil werden an Leib und Seele.

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