Freitag, 10. Februar 2012

„Und führe uns nicht in Versuchung.“


So beten wir im Vaterunser. Eigentlich scheint es widersinnig, Gott darum zu bitten: Versuchungen schreiben wir doch dem Bösen zu. Und dennoch gibt es in unserem Leben vielfache Bedrängnis, schwierige Erfahrungen und Glaubensnöte, die wahrlich zur Versuchung werden können. Eine Versuchung die uns immer wieder in Bedrängnis bringt und die für unsere Beziehung zu Gott gefährlich werden kann scheint mir der Wohlstand zu sein.

Von ihm gehen Verlockungen und Verführungen aus, die den Glaubenden heimtückisch in Bedrängnis führen können. Karriere machen beispielsweise, viel Geld verdienen: faszinierend. Die Kehrseite davon ist Stress und Hektik, Arbeitsdruck und Ruhelosigkeit.

Oder die Verführungen unserer Freizeitgesellschaft. Die ständige Suche nach Wellness und Freizeitprogramm geht oftmals zu Lasten von Beziehungen und der Entfaltung eigener Kreativität.

Oder die Überflutung mit sexuellen Reizen, die Sexualität zur Ware macht und die Mühe um echte Beziehung herabsetzt.

Auch der Glaubende ist diesen Versuchungen ausgesetzt. Die Folgen werden in der heutigen Lesung angedeutet: Trennung, Spaltung, Angst. Weil Jesus um all das weiß, lehrt er seine Jünger im Vaterunser zu beten: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ Wer so betet, bittet Gott um einen klaren Blick für die Versuchungen des Wohlstands. Er bittet um die Gabe der Unterscheidung der Geister, um Ehrlichkeit zu sich selbst, um die Kraft, eigene Anfälligkeit zu erkennen und im Vertrauen auf Gottes guten Geist ein Leben zu führen, das sich in der Gemeinschaft mit Gott geborgen weiß.


Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens (Gen 3,1-8).

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