Dienstag, 7. Februar 2012

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 8. Februar 2012





Das Evangelium berichtet uns heute eine merkwürdige Geschichte: (Mk 5,1-20) Sie kamen an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa, in ein heidnisches Gebiet. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen. Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht! Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Mann, du unreiner Geist!

Ein bedauernswerter Mensch!

Es scheint ein besonders schwieriger Fall zu sein. Die Dämonen halten den Mann gefangen, sie wirken zerstörerisch auf sein Leben. Seine sozialen Kontakte sind so gut wie auf dem Nullpunkt angelangt. Er ist isoliert, lebt in einer Grabhöhle, in seiner eigenen Welt. Eine Heilung ist für Menschen wahrscheinlich unmöglich. Dass es ein besonders
schwieriger Fall von Besessenheit ist, das wird deutlich in der Antwort des Besessenen: Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele. Der Name Legion weist auf die größte römische Heereseinheit hin, die aus 6000 Soldaten bestand.

Jesus ist Herr über das Zerstörende

Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Lass uns doch in die Schweine hineinfahren! Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere und alle ertranken. Hier wird deutlich, dass die unreinen Geister Jesus gehorchen. Er ist Herr über das Zerstörende.

Die Heilungstat weckt Neugierde bei den Bewohnern der umliegenden Dörfer, aber auch Verunsicherung:
Die Hirten flohen und erzählten alles in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war. Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. Da fürchteten sie sich. Die, die alles gesehen hatten, berichteten ihnen, was mit dem Besessenen und mit den Schweinen geschehen war. Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen. Die Heilung selbst bewirkt, dass der Mann ordentlich gekleidet und wieder bei Verstand war. Der Mann ist nun nicht mehr isoliert, er braucht den menschlichen Kontakt nicht mehr zu scheuen, Jesus hat ihn wieder sozial integriert‘. Aber seine Mitmenschen tun sich schwer damit. Bei ihnen ist er noch nicht wieder 'Gesellschaftsfähig'. Anstelle sich zu freuen, fordern sie Jesus auf, ihr Gebiet zu verlassen. Sie haben die Schweineherde verloren, also materiellen Schaden erlitten. Das wiegt bei ihnen schwerer als die Heilung des Mannes. Sie brauchen Zeit das Geschehene zu verarbeiten.

Jesus schenkt Zukunft, ermöglicht einen Neubeginn!

Eine letzte Merkwürdigkeit dieser Geschichte: Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, bei ihm bleiben zu dürfen. Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause und berichte deiner Familie alles, was der Herr
für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat. Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten. Wir erleben den Beginn des christlichen Glaubens in heidnischem Gebiet. Glaube wird hier nicht weiter gegeben durch Verkündigung des Wortes Gottes, sondern aufgrund heilender Erfahrung und durch Weitererzählen davon.

In der Begegnung zwischen Jesus und den dunklen Mächten, den Dämonen wie sie die Bibel nennt, wird deutlich, wer der Stärkere ist. So wie Jesus bei der Stillung des Seesturms den Wellen und dem Wind gebietet, ist selbst angesichts der Legion von Dämonen sein Wort wirkmächtig. Die dunklen Mächte fliehen und das Leben kommt wieder in geordnete Bahnen.

Finden wir uns in dem befreiten und geheilten Menschen wieder? Gab es in unseren Leben schon solche heilvollen Momente und Erfahrungen, in denen wir aufatmen konnten und einen Neuanfang gewagt haben?

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