Samstag, 3. März 2012

Die Prüfung Abrahams – Wort Gottes für den Tag. Sonntag 04. März 2012


In der Lesung am heutigen 2. Fastensonntag hören wir  heute eine Geschichte zwischen Vater und Sohn, die einen Vater an die Grenze seiner Vaterliebe führt, ja die so unglaublich anmutet, dass sie zu allen Zeiten auch Unverständnis und Empörung hervorgerufen hat. Es geht um Abraham, den Stammvater des Volkes Israel, und um seinen einzigen Sohn Isaak:

In jener Zeit stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.

Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar und schichtete das Holz auf. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.

Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.

Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.

Der Engel des Herrn rief Abraham zum Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen.

Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

Die Lesung gehört sicher zu den am schwersten verständlichen Texten der Bibel. Wir sind schockiert über die Gewalt, die von Gott ausgeht und die zum Glauben dazugehört. Diese Geschichte irritiert um so mehr, vor allem wenn man um die Vorgeschichte weiß: Abraham und seine Frau Sara waren bis ins hohe Alter hinein kinderlos geblieben. Dann hatte Gott sie losgeschickt in ein ihnen unbekanntes Land. Und er hatte ihnen zwei Versprechen mitgegeben: seinen Segen, also seinen Schutz in allen Lebenslagen, und dann: ein Kind, einen Nachkommen, aus dem dann wiederum weitere Nachkommen hervorgehen sollten, so dass schließlich Gottes Volk daraus erwachsen würde. Nun jedoch muss Abraham ja förmlich den Eindruck bekommen: mit dieser Verheißung ist es aus und vorbei: ohne Isaak keine weiteren Nachkommen und erst recht kein großes Volk.

Abraham: Ein Willenloses Werkzeug?

Noch etwas ist an dieser Geschichte das irritiert: die Geschichte wird total mechanisch erzählt: Gott ruft Abraham, der meldet sich zur Stelle: „Hier bin ich“. Gott gibt ihm einen schier ungeheuerlichen Auftrag, und Abraham packt seine Sachen samt Isaak und macht sich auf. Kein Wort des Erstaunens, von Rückfragen oder gar  Protest ganz zu schweigen! Im Gegenteil: All seine Vatergefühle erscheinen wie ausgeknipst. – Was Abraham hier tut, würden wir „Kadavergehorsam“ nennen, und dieses Wort hat völlig zu Recht keinen guten Klang in unserer Sprache!

So drängt sich förmlich der Gedanke auf, Abraham sei von vornherein alles andere als ein guter Vater; so sehr erinnert sein Verhalten an das eines klassischen Befehlsempfängers und Vollstreckers. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, schickt Abraham sich an, etwas zu tun, das wir nur als Verbrechen der perversesten Art verstehen können.

Weil diese Abgründe uns schockieren fragen wir: Was ist das für ein Gott, der für sich das Leben des Menschen beansprucht? Was soll der Glaube, wenn er letztlich in die Vernichtung dessen führt, das mir das Liebste ist: meinen Sohn?

An Gott glauben
bedeutet auch: immer wieder „geprüft“ zu werden

Hier bringt uns die Bibel ein Beispiel wie gerade der Fromme, weil er sich an Gottes Wort hält, gefährdet ist. An Gott zu glauben, auf Gott zu vertrauen, bedeutet immer wieder auch versucht zu werden oder sagen wir besser von Gott geprüft zu werden. Er stellt unsere Liebe und vor allem unseren Glauben an ihn auf eine manchmal harte Probe, die bis an die Grenze des Zumutbaren gehen kann.

Hier, in dieser Geschichte, spinnt sich eigentlich der rote Faden dessen weiter, was für Abraham seit Beginn seiner Geschichte gilt und was der Apostel Paulus einmal so auf den Punkt bringt: „Abraham hat gehofft, wo nichts zu hoffen war.“ (Römer 4.18) Das gilt im Hinblick darauf, dass er sich im hohen Alter auf den Weg an ein unbekanntes Ziel macht; es gilt im Hinblick auf Gottes Versprechen, er werde ihm und seiner Frau Sarah sogar in dieser Lebensphase, wo das eigentlich nicht mehr normal ist, noch einen Sohn schenken und damit eine unzählbar große Nachkommenschaft, und es gilt auch und sogar in unserer Geschichte: Abraham hat geglaubt: wenn Gott mir etwas aufträgt zu tun, dann kann ich darauf bauen, dass das richtig ist, was er von mir will, auch wenn ich am Beginn nicht weiß wohin er mich führt. Denn wir müssen bedenken: Abraham hat Gott bisher in seinem Leben erfahren als der, der alles zu einem guten Ende führt. Und nur in diesem Glauben kann er sich aufmachen in das Land Morija, um dort auf einem der Berge, seinen Sohn als Brandopfer darzubringen.

Diese Geschichte muss sein!

Viel gescheitere Menschen als ich ha­ben sich über diese Geschichte den Kopf zerbrochen und haben verschiedene Theorien und Thesen aufgestellt, was es mit diesem biblischen Text auf sich hat. Dennoch glaube ich, dass sie eine wichtige Geschichte in der Bibel ist. Denn sie sagt uns: Gott ist nicht immer so leicht zu verstehen. Wie kann es sein Wille sein, dass schreckliche Unfälle ge­schehen, dass junge Menschen auf tragische Weise ums Leben kommen oder Menschen schwer leiden müssen und Schmerzen haben. Welcher Sinn verbirgt sich hinter dem Sterben eines Familienvaters von fünf Kindern? Ich weiß es nicht genau!

Unser Gottesbild überprüfen

Aber diese Geschichte kann uns etwas zu unserem Gottesbild sagen. Wenn wir heute oft ein Gottesbild haben, demzufolge Gott immer „lieb“, ausschließlich nett und freundlich ist, so werden wir hier eines Anderen belehrt – und ich möchte auch sagen: eines Besseren. Denn ein immer nur „lieber Gott“ hätte unserer Welt, die leider allzu häufig alles andere als „lieb“ ist nichts entgegenzusetzen. Ein Gott ohne Ecken und Kanten wäre wie ein zahnloser Tiger, so nach dem bekannten Motto: „Der macht nichts, der will nur spielen.“ Und das hielte ich für noch viel schlimmer als die Vorstellung eines manchmal auch dunklen, unverständlichen, ja sogar auch eines „bösen“ Gottes.

Abraham hat seinen Glauben an Gott nicht verloren, obwohl er bestimmt ganz schlimme Stunden durchmachen musste. Abraham wurde von Gott einer harten Prüfung unterzogen und ich würde sagen: Abraham hat die Prüfung mit der Bestnote bestanden.

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