Samstag, 17. März 2012

In Memoriam



In dieser Woche sind wir alle Zeugen eines grausamen Geschehens geworden. Bilder von einem verunglückten Reisebus, voll besetzt mit Kindern und einigen Erwachsenen,  die auf der Heimreise von ihrer Schneeklasse waren.

Ihr Tod gibt uns viele Rätsel auf: Warum mussten zweiundzwanzig Kinder und sechs Erwachsene gerade in dieser Form sterben? Warum kam der Bus nicht
zum Stehen? Warum konnte der Fahrer den Unfall nicht verhindern? Es ist wie ein Albtraum. Eine furchtbare Vorstellung! Das Leben von so vielen meist jungen Menschen wurde ausgelöscht. Wir können auf den Fahrer wütend sein, weil dieser vielleicht leichtsinnig gehandelt hat. Wir wissen es aber nicht! Es ist nur eine Vermutung! So bleibt unsere Wut ohnmächtig und ohne Adressat. Oder wollen wir Gott anklagen: Warum hast du dies nicht verhindert? Du bist allmächtig!

Ein Zirkel von Fragen – und kein Ende. Aber eines wissen wir Christen bestimmt: Gott hat diesen Tod nicht gewollt. Er braucht keine kleinen Engel. Gott leidet ohnmächtig mit uns. Er weint mit uns.

Nein, dieser Tod liegt in jenem großartigen, aber auch furchtbaren Rahmen
unserer menschlichen Freiheit und Möglichkeit. Wir sind sehr mobil, wir modernen Menschen. Täglich reisen Millionen Menschen rund um die Erde in allen möglichen Verkehrsmitteln. Und da müssen wir mit solchen Unfällen rechnen. Wir hören immer wieder von Flugzeugabstürzen mit hunderten von Toten. Vor einigen Wochen kenterte ein Kreuzfahrtschiff und riss mehr als zwanzig Menschen in den Tod.

Aber dieses Busunglück hat uns doch erschüttert. Es hat uns inne halten lassen in unserer Geschäftigkeit. Dieses Unglück berührte uns mehr als andere. Eltern, deren Kinder auch täglich mit dem Bus unterwegs sind sagten mir: „Ich habe manchmal das Gefühl, es hätte eines von den unseren dabei sein können.“ Ja, wir können uns sehr gut in die Situation hinein versetzen. Wir spüren den unsagbaren Schmerz der Angehörigen, besonders der Eltern der Kinder. Hilflos sind wir, wenn wir tröstende Worte finden sollen. Vielleicht ist es sogar besser zu schweigen und still zu beten.

Wir dürfen aber auch getrost sein: Die Jahre der Kinder waren nicht umsonst. Sie waren ein Geschenk der Liebe Gottes für ihre Eltern. Und vielleicht sehen wir alle die Kinder wieder ein wenig anders: kostbarer, beschützenswerter, liebevoller - auch wenn sie uns manchmal ärgern oder uns auf den Geist gehen. Wir, und die Eltern im besonderen, werden dieses Ereignis vielleicht nie begreifen, aber wir werden lernen damit umzugehen und versuchen, sensibler für die Kinder zu sein, in denen uns ja Gott selbst anblickt. Wir wollen Gott danken für ihr Leben für alles, was sie ihren Eltern und Bekannten geschenkt haben. Aber auch die Erwachsenen wollen wir nicht vergessen, welche die Kinder während ihres Aufenthalts in der Schweiz begleitet haben. Sie alle sind jetzt in der Liebe Gottes, das mag uns trösten - bei allem Schmerz.

Gebet
Du, unser Gott,
bist uns jetzt im Schmerz besonders nahe.
Das Kreuz Jesu ist für uns das Zeichen,
das alle Pläne durchkreuzt hat
und jetzt unsere Zuflucht ist.
Jesus hat die Kinder geliebt,
weil er deine Liebe, Gott, in ihren Augen sah.

Wir wissen,
dass die Verunglückten jetzt bei dir sind.
Wir wissen sie aufgehoben und geborgen.
Sei du mit den Eltern und Bekannten, 
sei du auch mit der Familie des Fahrers.
Lass uns alle die Kinder hüten und pflegen,
und gib uns Kraft,
das Unerklärliche zu tragen.
So beten wir durch Christus, unsern Herrn.           

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