Donnerstag, 8. März 2012

“Seid stets bereit jedem Rede und Antwort zu stehen“ Wort Gottes für den Tag, 9. März 2012


Auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr selig zu preisen. Fürchtet euch nicht vor ihnen und lasst euch nicht erschrecken sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen. Es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist, als für böse. Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen; dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht (1 Petrus 3,15-18).

Im ersten Petrusbrief hören wir  die Aufforderung: “Seid stets bereit jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“.

Sicher wurden euch auch schon Fragen gestellt, mit denen ihr nicht gerechnet hattet.  Solche Fragen überraschen, bringen uns in Verlegenheit oder zum Nachdenken über Dinge, die vielleicht für uns selber noch nicht ganz klar sind. Fragen jeder Art können uns ganz schön  herausfordern. Besonders schwierig ist es, wenn es um so persönliche Dinge wie unsere religiöse Überzeugung  geht.

Wie geht es euch mit solchen Fragen? Versucht ihr, euch so elegant wie möglich aus der Schlinge zu ziehen und euere Verlegenheit zu verbergen mit der Begründung, das sei Privatsache und gehe niemanden etwas an? Oder seid ihr bereit, die Herausforderung anzunehmen und eine persönliche Antwort zu versuchen, auch wenn ihr vielleicht etwas ins Stottern kommt?

Soll ich antworten oder nicht? Oder soll ich meine Überzeugung besser für mich behalten? Mit dieser Unsicherheit und Hemmung sind wir zum Glück in guter Gesellschaft. Schon die ersten Christen kannten sie, wie wir aus dem 1. Petrusbrief, den wir eben hörten, schließen können. Sie hatten guten Grund dazu, vorsichtig zu sein: Es war damals gar nicht ,in‘, Christ zu sein. Im Gegenteil, Christen mussten wegen ihres Glaubens viele Nachteile in Kauf nehmen und wurden sogar verfolgt. Das verunsicherte und verwirrte sie und machte ihnen Angst. Viele wagten kaum, mit Unbekannten über Jesus zu reden. Am liebsten hätten sie sich - wie viele heutige Christen auch - ins sichere Schneckenhaus ihrer Privatsphäre zurück gezogen nach dem Motto: nur nicht auffallen!

Aber klar und deutlich holt Petrus sie und uns heraus aus dem Rückzug: ,Seit stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. - Das ist viel verlangt, eine Zumutung, damals wie heute!

Und doch entspricht es genau dem, was Jesus selber gepredigt und vorgelebt hat. ‘Ihr seid das Licht der Welt. Man zündet kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern auf einen Leuchter, damit es allen leuchtet!‘ (Mt 5,14f). Jesus und Petrus sagen eigentlich genau dasselbe: Behaltet das Licht eures Glaubens, eurer Hoffnung nicht für euch, sonst wird es früher oder später ersticken! Redet darüber, gestaltet daraus euren Alltag - habt keine Angst! Alle sollen die gute Nachricht von der Liebe Gottes erfahren! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

Vielleicht denkt ihr jetzt: Heute ist doch alles anders! Ist wirklich alles anders? Sind Christen, die ihr Leben aus dem Glauben gestalten, mit ihrem Glauben nicht hinter dem Berg halten, heute nicht auch fast ‘Exoten‘, werden mehr und mehr zu Außenseitern unserer Gesellschaft? Ist es heute wirklich leichter und ungefährlicher, seinen Glauben im Alltag zu leben? Sind nicht auch wir häufig verunsichert und verwirrt und wagen es kaum mehr, über unsere Glaubenshoffnung zu sprechen - vielleicht auch deswegen, weil wir selber oft so wenig davon spüren, oder weil wir gar nicht richtig wissen, was wir denn eigentlich glauben! 

Ich denke, wie die Christen von damals, vielleicht sogar noch mehr als sie, brauchen wir auch heute Menschen wie Petrus, die uns aus unserer Ängstlichkeit herausrufen. Und noch etwas brauchen wir: Zeit uns um unseren Glauben zu kümmern. In Zukunft wird es nicht mehr genügen, einmal in der Woche am Gottesdienst teilzunehmen, sondern es wird erforderlich sein, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. Nicht weil die Kirche neue Glaubenssätze herausgelassen hätte, nein! Weil wir in einer Welt leben, die nicht mehr gleichförmig ist, wo alle das selbe glauben, sondern wo eine Vielzahl von Glaubensrichtungen in unserem engeren Lebensumfeld existieren. Darum ist es wichtig, zu wissen, wo man steht, was man glaubt, wenn wir stets bereit sein sollen, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt!“.

Ohne das Zeugnis der ersten Christen gäbe es heute kein Christentum mehr. Und vielleicht ist gerade darum das Christentum am verschwinden, weil es nur noch wenige Zeugen gibt, die bereit sind, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Wenn es niemanden gibt, der seinen Glauben öffentlich kund tut, dann gibt es auch keinen mehr der von der Hoffnung spricht, die wir Christen in uns tragen: dass es einen Gott gibt, der die Menschen liebt und dass diese Liebe stärker ist als der Tod.  Eine Hoffnung, die trägt, auch und gerade in schwierigen Lebenslagen, in Angst und im Tod!  

Darum: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.

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