Sonntag, 4. März 2012

Wort Gottes für den Tag, 5. März 2012


Wir stehen am Beginn der zweiten Fastenwoche. Fasten, das war ursprünglich der Verzicht auf Fleischspeisen, Milchprodukte und Eier. Viele Menschen gestalten diese Zeit heutzutage als „Sieben-Wochenohne“ und verzichten auf das Rauchen oder das Fernsehen. Die Fastenzeit soll den Menschen nicht quälen, sondern ihm gut tun, Freiräume schaffen, um das Leben neu zu entdecken. So ist diese Zeit auch eine Zeit der Barmherzigkeit.

"Barmherzigkeit will ich, nicht Schlachtopfer,
Gotteserkenntnis statt Brandopfer."
(Hos 6,6)

Die Barmherzigkeit Gottes (lat. misericordia) bedeutet, dass der Schöpfer jede Sünde dem Menschen verzeiht, wenn er sich bekehrt und die Sünden bereut vor allem in der Beichte. Die Barmherzigkeit Gottes gehört neben der Heiligkeit Gottes und der Gerechtigkeit Gottes zu den drei wesentlichen Eigenschaften Gottes.

Ziel des geistlichen Lebens eines gläubigen Menschen sollte es daher sein auch im eigenen Leben die Barmherzigkeit Gottes nachzuahmen. Im Evangelientext des heutigen Tages (Montag der 2. Fastenwoche) sagt Jesus: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! (Lk 6,36). Diese Weisung soll allem unserem Umgang im Miteinander zugrunde liegen. Die Christen sollen in allem so sein, wie der himmlische Vater zu ihnen ist. Diesen Zusammenhang kannte schon das Alte Testament, wenn es heißt: Seid heilig, denn ich, der Herr euer Gott, bin heilig (Levitikus19,2) .

Die Weisung zur Barmherzigkeit kann auch als Überschrift über das Richten verstanden werden:  Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden (lk 6,36-37).

Richten und Urteilen bzw. Verurteilen bedeuten hier das Gleiche. An dieser Stelle wird nun mancher fragen: Darf man nicht beanstanden, was nicht in Ordnung ist? Kann man Menschen nicht auch spüren lassen, dass man ihr Tun missbilligt?

Im Evangelium geht es um eine Grundhaltung.
Richten und Verurteilen sind in einem Sinn gemeint,
der nur Gott zusteht, nicht aber Menschen,
die weder die Liebe noch die Einsicht Gottes aufbringen.

Wir können und müssen sicherlich Ansichten und Taten beurteilen und wohl auch verurteilen. Etwas anderes aber ist es, einen Schuldiggewordenen endgültig zu verurteilen und ihm quasi vor Gott und den Menschen keine Chance mehr zu lassen. Es kommt auf die Haltung an, in der wir anderen begegnen, die sich verfehlt haben: in gnadenloser Strenge, die ein gewisses Rachegefühl befriedigt, oder mit der Bereitschaft der Vergebung, die verlangt, dass ich dem anderen helfe.


Es geht nicht darum, Dinge unter den Teppich zu kehren oder zu verharmlosen. Schuld bleibt Schuld und eine mehr oder weniger große Störung der Beziehung zu Gott und unter den Menschen. Aber wir sollen, besser: dürfen damit umgehen, wie Gott damit umgeht, großzügig und nicht engherzig. Gott gibt dem Gebenden wie ein hochherziger Bauer: mit reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß, und nicht wie ein Geizhals, der das Maß flach streicht. –

Ein plastisches Bild, mit dem wir unseren Umgang mit anderen bemessen können.

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