Donnerstag, 26. April 2012

Für immer und ewig JA: Das Sakrament der Ehe


Für die katholische Kirche ist die Ehe ein Stück Himmel auf Erden. In ihr leben Mann und Frau ihre tiefe Sehnsucht nach einem Ja zu sich selbst und zu einem anderen: Ja, ich nehme dich so an wie du bist. Ja, ich stehe zu dir in guten und schweren Zeiten. Ja, du kannst dich auf mich verlassen. Den Katholiken gilt die Ehe als ein Sakrament, als ein Zeichen, das Gottes bedingungslose Liebe zeigen möchte. Können das zwei Menschen schaffen?

Die Ehe als Sakrament
Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen ist nicht nur von Worten geprägt, sondern auch durch symbolische Handlungen. Diese leibhaftigen Begegnungen mit Gott sind besondere Heilszeichen, die wir Sakramente nennen. Sakrament bedeutet „religiöses Geheimnis, Weihe, Verpflichtung“. Zentral ist die Berührung beispielsweise durch die Salbung mit Öl oder das Handauflegen.

Durch die Sakramente begegnen Christen der besonderen Nähe Gottes, erfahren seine Güte und werden in ihrem persönlichen Glaubensweg gestärkt. Ihren Ursprung haben die Sakramente im Handeln Jesu Christi. Das, was Jesus vor 2000 Jahren gelehrt und bewirkt hat, wird in unserer Lebenswirklichkeit lebendig. Bezogen auf das Sakrament der Ehe will die Liebe Jesus heilen, wenn die Partnerschaft zweier Menschen in die Krise gerät.

Das Sakrament der Ehe spendet sich das Paar im Traugottesdienst gegenseitig. Nach dem katholischen Eheverständnis ist die Ehe ein unauflöslicher Bund, mit dem das Ehepaar seine Lebensgemeinschaft begründet. Das Brautpaar verspricht sich am Altar die Treue in guten und schlechten Tagen. Zum Sakrament der Ehe gehören die Freiwilligkeit, die Überzeugung von der Unauflöslichkeit, Treue, der Wille zur Elternschaft sowie die Zuwendung Gottes.

Im Gegensatz zur katholischen Kirche versteht die evangelische Kirche die kirchliche Trauung nicht als Sakrament, sondern segnet im Rahmen des Traugottesdienstes die standesamtlich geschlossene Ehe.
Quelle: Gunda Ostermann, www.katholisch.de

Bedingungslos lieben - mit Gottes Hilfe

Die Ehe ist für die katholische Kirche ein Sakrament, das sich Mann und Frau gegenseitig spenden. Was bedeutet das? Klaus Schmalzl, Pastoralreferent im Bischöflichen Gericht und in der Eheberatungsstelle in Würzburg, gibt Auskunft.

Bei einer kirchlichen Hochzeit versprechen sich Braut und Bräutigam lebenslange Treue. Viele Paare scheitern heute daran. Wieso macht dieses Versprechen dennoch Sinn?
Klaus Schmalzl: Dieses Versprechen macht auch heute Sinn, weil es der tiefsten Sehnsucht des Menschen nach Angenommensein und Geborgenheit entspringt. Auch wenn heute viele Paare an diesem Anspruch scheitern, so ändert das nichts an dieser Sehnsucht der Menschen.

Die Shell-Jugendstudie zeigt, dass der Wunsch bei vielen jungen Menschen nach dauerhaften und verlässlichen Beziehungen in Ehe und Partnerschaft sehr stark ausgeprägt ist, ob sie nun näher kirchlich gebunden sind oder nicht. Und nicht zu vergessen: Viele von ihnen haben oft schmerzhaft die Scheidung der eigenen Eltern erlebt und möchten dies in der eigenen Ehe unbedingt vermeiden.

Die katholische Kirche lehrt, dass sich beim Eheversprechen zwei Menschen gegenseitig ein Sakrament spenden. Wie ist das zu verstehen?
Klaus Schmalzl: Während für Martin Luther die Ehe nur ein „weltlich Ding“ darstellt und damit nicht zu den Sakramenten gehört, ist nach der Lehre der katholischen Kirche die Ehe eines der sieben Sakramente. Ein Sakrament ist ein Zeichen der unverbrüchlichen Treue und Liebe Gottes zu uns Menschen. Im Sakrament nehmen sich die Eheleute gegenseitig bedingungslos an und schenken sich gegenseitig. Die Liebe der Eheleute wird somit in die göttliche Liebe zu uns Menschen hinein genommen.

Was meint Sakrament im Unterschied zum Segen für die Ehe?
Klaus Schmalzl: Dadurch, dass die Ehe zu den sieben Sakramenten in unserer Kirche zählt, wird die Bedeutung der ehelichen Partnerschaft betont. Wenn Frau und Mann ein Leben lang durch alle Widrigkeiten und Enttäuschungen hindurch ihre Liebe leben und zeigen, dann flackert in dieser Liebe ein Schimmer der grenzenlosen Liebe Gottes zu jedem Menschen auf. Und immerhin: Auch, wenn jede dritte Ehe heute scheitert, so gibt es doch auch noch viele Ehepaare, die ihre Liebe ein Leben lang erfolgreich und mit Ausstrahlung kultivieren.

Was ist dann sozusagen der Mehrwert der sakramentalen Eheschließung?
Klaus Schmalzl: Der „Mehrwert“ der sakramentalen Eheschließung liegt dann sozusagen in der mit dem Sakrament verbundenen unverbrüchlichen Zusage Gottes an die beiden Brautleute: Ich steige in das Boot eurer Liebe ein und verspreche euch, nie mehr auszusteigen, wohin auch immer eure Reise euch beide führen mag.

Welchen Rat geben Sie Menschen, die sich trauen, für immer Ja zueinander zu sagen?
Klaus Schmalzl: Sie sollten sicher sein, dass sie sich wirklich beide gut geprüft haben, und sich dann mit Mut und Zuversicht auf Gottes Zusage verlassen: „Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens.“ Daneben sollten sie in ihrer Ehe auch immer Zeit für Fort- und Weiterbildung finden, z.B. durch den Besuch eines Kommunikationsseminars, wie „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm EPL“. Denn: Eine Ehe geht heute - trotz Gottes großer Zusage - nicht mehr automatisch gut, sondern braucht Pflege und Fortbildung.

Klaus Schmalzl ist seit 27 Jahren verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Die Fragen stellte Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.

Keine Kommentare: