Samstag, 28. April 2012

"Ich bin der gute Hirte".


 
Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten (Joh 10,11-16).

Das Evangelium des vierten Ostersonntags führt uns in eine Welt, die wir nur noch gelegentlich kennen. Hier und da sieht man noch Schafe und Hirten, wenn auch nicht mehr so oft.

In der Welt der Zuhörer Jesu waren Schafe und Hirten allgegenwärtig. Und so ziehen sich diese Bilder auch durch die antiken Schriften und die Bibel von Schafen, die Hirten brauchen, vor allem, wenn sie keine Orientierung haben oder krank und verwundet sind; von Hirten, die für ihre Schafe sorgen und sie fetten Weiden und frischen Quellen zuführen; aber auch von Völkerherrschern, die ihre Untertanen wie Schafe behandeln, ihnen die Wolle nehmen und das Fell über die Ohren ziehen, sie ausbeuten und abschlachten; von Knechten, die nur gedungen und gezwungen die Schafe hüten, die bei Gefahr und im Notfall die Herde im Stich lassen und abhauen; von Wölfen, die hinter den Schafen her sind, sie angreifen, reißen und zersprengen.

Eine ganze Welt von Bildern ist es, die sich hier auftut. Auch Jesus benutzt die Gleichniswelt von Schafen und Hirten, Wölfen und bezahlten Knechten. Und weil er gerne prägende Worte wählt, um seine Botschaft und seine Sendung auszudrücken, sagt er von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte.“

Oft und schnell wird aber dieses Bild vom guten Hirten ermahnend verstanden und ausgelegt. Dann klingt das so: Ein Christ soll selber so ein guter Hirte sein für seine Mitmenschen. Er muss vorangehen und sich anstrengen ein guter Christ zu sein. Andere soll er für den Glauben gewinnen, durch Gebet und Gottesdienst Vorbild sein. So ausgelegt aber macht das Evangelium vom guten Hirten Stress und kann bedrückend wirken. Und so etwas sagt das Evangelium vom guten Hirten eigentlich gar nicht! Jesus trägt nicht irgendjemand irgendetwas auf, sondern er spricht von sich und sagt uns: ‚Ich bin der gute Hirt, der sein Leben gibt für die Schafe’. ‚Ich bin der gute Hirt, der die Seinen kennt’.

Das Evangelium vom guten Hirten ist nicht Mahnung und Forderung, sondern Zuspruch und Verheißung: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen …“ (Ps 23)

Das Leben des Christen kennt neben Schönem auch Mühsal, Kummer und Leid. Und in diese Situation hinein verkündet uns Christus die Zuwendung Gottes, seine Zuwendung. Ich bin der gute Hirt, steht im Evangelium. Jesus meint konkret: ich bin dein guter Hirte, deiner, ja, deiner.  Ich kenne die meinen und sie kennen dich.  Jesus meint: Ich kenne dich, ja dich, du brauchst nichts zu verbergen vor mir. Ich kenne dich besser als du dich selber. Du bist kostbar in meinen Augen, mit allen deinen Anlagen, Fähigkeiten. Auch mit deinen Schwächen habe ich dich gern. Ich will dich immer wieder neu ansprechen und dich auf gute Weide führen, denn ich möchte dass keiner verloren geht. Leb dein Leben mit mir! Dann brauchst du nicht allein zu gehen.

Wenn wir Christen uns vom guten Hirten umsorgt, geliebt und geführt wissen, dann kann uns nichts mehr passieren. Dann können wir auch das Schwere und Mühevolle in unserem Leben viel eher annehmen. Uns allen gilt: Wenn wir aus der guten Beziehung zum guten Hirten Jesus leben, dann kann unser Leben gelingen. Wer sich von Jesus Christus geführt weiß, der kann die Freuden des Lebens als ein Geschenk erfahren und in den Schwierigkeiten des Alltags durchhalten. Er wird sich nie allein und verlassen vorkommen. Jesus, der gute Hirte, hat noch Platz auf seiner Schulter für Menschen, die erlahmt sind, die niedergeschlagen sind, für Menschen, denen die Puste ausgeht und die nicht mehr mitkommen! Jesus, der guter Hirte, sieht du auch diejenigen, die so gern übersehen werden, an denen man vorbeischaut, die kein Ansehen in der Gesellschaft haben.

Der Weg, auf den uns der „gute Hirte“ Jesus Christus ruft, ist ein Weg zum Heil, ein Weg hinein in ein Leben von unvorstellbarer Fülle. So können auch wir mit dem Beter des Psalms sprechen: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.“

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