Samstag, 21. April 2012

Plädoyer für eine "Kultur des Lebens"


In jenen Tagen wandte sich Petrus an das Volk: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter; hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.

Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders gefordert. Den Urheber des Lebens habt ihr getötet; aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt. Dafür sind wir Zeugen.

Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Führer. Gott aber hat auf diese Weise erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten im voraus verkündigt hat: dass sein Messias leiden werde. Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden (Apg 3,12a.13‑15.17‑19).


Der Vorwurf ist hart, und er sitzt, der da in der Lesung aus der Apostelgeschichte ausgesprochen wird: ,,Den Urheber des Lebens habt ihr getötet. Petrus nimmt da kein Blatt vor den Mund: Ihr, die ihr damals am Karfreitag lauthals „Kreuzige ihn!“ gerufen habt, ihr steht auf der Seite des Todes!

Wir könnten uns jetzt getrost zurücklehnen und sagen: ja die damals! Heute wäre das nicht passiert! Wer bei uns als Verbrecher angeklagt ist, den bringen wir höchstens ins Gefängnis, nicht aber an den Galgen. Wir stehen selbstverständlich auf der Seite des Lebens! ,Pro Vita" heißt das sehr vornehm.

Ist das so? Ist es heute anders?

Sicherlich, die Todesstrafe ist in unserem Lande abgeschafft. Aber haben wir damit schon eine „Kultur des Lebens" erreicht? Gerade an seinem Beginn und an seinem Ende ist menschliches Leben heute bedroht, mehr denn je.

Stichwort: Abtreibung! Stichwort: Stammzellenforschung mit getöteten Embryonen! Das ist keine Kultur des Lebens, das ist eine ,Kultur des Todes!“ Und auch im übertragenen Sinne ist die „Kultur des Lebens“ in Gefahr: dann nämlich, wenn ein Mensch durch sein Verhalten dem anderen die Luft zum Atmen nimmt. Oder wenn er ihn demütigt und runterputzt und mobbt.

Frage sich jede und jeder einmal: Wie ist das bei mir, wenn ich einem anderen
Menschen begegne? lst dieser Mensch nachher getröstet, also zum Leben ermutigt? Oder ist er niedergedrückt, verängstigt, weil ich ihn - oft ohne es bewusst zu wollen - klein gemacht habe?

„Den Urheber des Lebens habt ihr getötet“ so lautet der Vorwurf des Petrus damals. Den Vorwurf, den wir uns heute machen lassen müssen, heißt: Ihr seid in manchen Dingen einer „Kultur des Todes“, verhaftet! Wenn ich zum Beispiel sehe und erfahre wie manche Zeitgenossen sich auf der Straße als Autofahrer benehmen, kommt mir manchmal auch das Wort von einer „Kultur des Todes“ in den Sinn.

Petrus zeigt einen Weg auf!

Gott sei Dank, Petrus bleibt nicht bei seinem Vorwurf. Er baut eine Brücke und
zeigt einen Weg. „Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandeIt“. Das ist die Brücke. „Also kehrt um und tut Buße“ - das ist der Weg. Auf den Vorwurf an uns bezogen, heißt die Brücke: Werdet endlich hellhörig und kümmert euch mit aller Kraft um eine „Kultur des Lebens“!

Das Gesundheitswesen ist teuer, ja. Aber wenn es um das Leben geht, darf Geld keine Rolle spielen. Alte Menschen zu pflegen ist aufwendig, ja. Aber wenn es um ein menschenwürdiges Lebensende geht, darf nicht gespart werden. Jemand hat einmal sinngemäß gesagt, dass man den kulturellen Wert eines Volkes daran messen kann, wie es mit den Schwächsten in seiner Gesellschaft umgeht. Der Überlebenskampf in unserer Gesellschaft wird für manche Menschen immer schwieriger. Im Beruf und manchmal auch schon in der Schule geht es hart zu. Wer sich diesem System nicht anpasst wird schnell zum Verlierer. Seit Ostern gilt nicht mehr eine „Kultur des Todes“, sondern allein die ,Kultur des Lebens“. Seit Ostern gibt es nur noch eine Frage: Was führt zu mehr Leben und Lebendigkeit - bei mir und bei den Menschen, mit denen ich augenblicklich zusammen bin?

Jesus zeigt den Weg

Wir Menschen kommen selber zu mehr Leben und ermöglichen anderen mehr
Leben, wenn wir uns entschließen, den Weg Jesu nachzugehen . Was heilst das konkret?

Den Weg Jesu nachgehen heißt: gesinnt sein wie Jesus gesinnt war; es heißt, die Liebe zum Grundprinzip und zur gestaltenden Kraft des Lebens machen. Den Weg Jesu nachgehen heißt glauben wie Jesus, sein Dasein radikal in Gott gründen. Den Weg Jesu nachgehen heißt den Lebensentwurf Jesu übernehmen, mein Leben als Geschenk und Verpflichtung ansehen, es unter den Willen Gottes stellen. Das heißt alles im Leben, auch das Kreuz in allen seinen Formen annehmen. Wissend, dass nichts, auch nicht der Tod, uns von der Liebe Gottes trennen kann.

Den Weg Jesu nachgehen heißt immer wieder fragen: Was würde Jesus an meiner Stelle, in meiner Situation tun? Wie würde er sich verhalten? Die Nachfolge Jesu wird hier ganz persönlich, ganz konkret und ganz praktisch. Dieser Weg zum Leben ist möglich geworden, weil Jesus ihn vorausgegangen ist und er wird für uns gangbar, weil uns Jesus Christus auf all unseren Wegen begleitet.


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