Sonntag, 13. Mai 2012

"An Gottes Segen ist alles gelegen"


Heute beginnen die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt

Die drei Tage vor dem Fest Christi Himmelfahrt werden nach alter Traditionals Bitttage begangen. Schon seit dem 5. Jahrhundert ist dieser Brauch bezeugt. Der Ursprung des Bittens an diesen Tagen ist der Gedanke an die Bitte um Gottes Segen für das Wachstum der Saat und um eine gute Ernte.



Es wäre falsch zu verschweigen, dass das Interesse daran deutlich nachgelassen hat. Als Grund ist hier sicher die veränderte Lebensweise des heutigen Menschen gegenüber früher zu nennen. Die wenigsten Menschen beziehen ihren Lebensunterhalt noch aus der Landwirtschaft. Viele wissen nicht mehr welche Anzahl Stunden Arbeit und wie viel Schweiß erforderlich sind, um ausreichend Nahrungsmittel für die ganze Familie zu erzeugen, für ein ganzes Jahr. Ganz zu schweigen von den Unbilden der Natur, mit denen der Bauer zu rechnen hatte. Wochenlange Trockenheit oder ein Hagelschauer konnten dem Landbewohner das Leben schwer machen und sein Bemühen zu Nichte machen. Kein Wunder, dass sich die Menschen Schutzlos diesen Unbilden der Natur ausgeliefert sahen und daher ihrem Herrgott ihr Bemühen anvertrauten und ihn um seine Hilfe und seinen Segen baten. Weltweiter Handel mit Nahrungsmitteln garantiert heute – auch nach Unwettern und Katastrophen - ein ausreichendes Angebot zu jeder Jahreszeit. Dagegen war das Vertrauen der Bevölkerung in diese Bittgänge in früheren Zeiten groß.


An den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt gehen die Menschen hinaus in Gottes Natur. An diesen Tagen ziehen die Prozessionen jeweils in eine andere Himmelsrichtung aus.Auch die Gebetsanliegen sind an jedem Tag anders ausgerichtet:

  • Am ersten Tag, Montag, steht besonders der Gedanke an die Bitte um Gottes Segen für das Wachstum  der Saat  und um eine gute Ernte.

  • Am zweiten Tag, Dienstag, steht die Sorge um Arbeit im Mittelpunkt. Keine Arbeit zu haben, bedeutet häufig auch, sich nutzlos zu fühlen und keinen Sinn in seinem Leben zu sehen.

  • Das Anliegen der Beter am dritten Tag, Mittwoch, ist die Bitte um Frieden. Gott sei Dank leben wir in unserem Land schon viele Jahre im Frieden, doch die Nachrichten aus der Welt zeigen uns, wie brüchig in vielen Ländern dieser Friede ist.





Bittgänge sind ein Jahrtausend altes und geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden. Noch heute besteht dieser Brauch in Reuland, so führen die Bittprozessionen an den Tagen vor Christi Himmelfahrt nach Weweler, Alster und Lascheid.  Stationen dieser Bittprozessionen sind Flurkreuze. Dort wird im Gebet daran erinnert, dass der Mensch zwar vieles auf den Fluren und Feldern säen kann, dass aber alles was wächst Gottes Werk ist. An der letzten Station endet dann der Flursegen mit dem Lied „Großer Gott wir loben Dich“.In Weweler endet er mit einer Eucharistiefeier in der altehrwürdigen St. Hubertus-Kapelle (frühere Pfarrkirche von Reuland).


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