Dienstag, 8. Mai 2012

Jedes Ende ist gleichzeitig ein neuer Anfang


Dann sagte Jesus zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ ( Mk 16,15-16.19-20).

Es kann ein sehr befreiendes Gefühl sein, wenn man eine Sache abgeschlossen hat, wenn man eine Aufgabe geschafft hat. Eine solche positive Erfahrung stellt sich ein, wenn man die Lehre beendet oder das Abitur gut bestanden hat.

Hinter diesem Abschluss steht dann aber ein neues Ziel oder eine neue Aufgabe. Ein bestandenes Abitur ist also nicht gleichbedeutend damit ist, dass man sich auf den erreichten Lorbeeren ausruhen kann. Wer den Führerschein in der Tasche hat, der lernt erst in der Fahrpraxis das Autofahren.

Mit einem neuen Lebensabschnitt ändern sich Umstände in unserem Leben. Es geht etwas verloren, aber dadurch eröffnen sich neue Lebensräume, es öffnen sich neue Perspektiven, deren Tragweite wir in dem Moment noch gar nicht abschätzen können.

Mit dem Abschnitt, den wir eben im Evangelium gehört haben, endet das Markusevangelium. Es ist abgeschlossen. Nicht nur der Text endet hier. Für die Jünger Jesu ist ein Lebensabschnitt abgeschlossen. Sie haben ihre „Lehrzeit“ bei ihrem Rabbi und Meister
absolviert. Mit klammen Gefühlen und vielleicht mit ängstlichem Herzen sehen sie in die Zukunft. Für sie ist die Zeit mit Jesus endgültig vorbei. Aber wie bei jedem Abschluss, der ein Abschied von gewohnten Lebensabläufen ist, eröffnen sich auch den Jüngern neue Möglichkeiten und Perspektiven. Sie spüren, dass es ein Abschluss mit neuen Herausforderungen ist. Sie sind nicht fertig mit diesem Jesus aus Nazaret. Sie haben ihre Ausbildung in der Schule Jesu durchlaufen und er hat ihnen einen Auftrag mitgegeben, den sie erfüllen sollen. Jetzt beginnt mit diesem Abschied ihr Jüngersein auf einer anderen Ebene ganz neu. Jetzt müssen sie auf eigenen Beinen stehen und, ohne ihren Meister, das Reich Gottes verkünden und in die Tat umsetzen. Das Rüstzeug haben sie empfangen, nun gilt es, das anzuwenden, was Jesus ihnen anvertraut hat.

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