Mittwoch, 30. Mai 2012

Neues aus der katholischen Kirche


Papst: „Die Konzilstexte wiederlesen“

Papst Benedikt XVI. ermuntert dazu, zum 50. Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils dessen Texte wieder zu lesen. Das sagte er an diesem Donnerstag der Italienischen Bischofskonferenz. Wenn man die Konzilsdokumente durch die Brille „der Kontinuität und der Reform“ lese und nicht durch die des „Bruchs“, dann könne die Kirche „eine Antwort auf die großen sozialen und kulturellen Umwälzungen unserer Zeit geben“. Diese Umwälzungen hätten allerdings „Folgen, die auch im religiösen Bereich sichtbar sind“, so der Papst, der das Konzil als Berater selbst miterlebt hat.

„Der Säkularismus wird zu einem Merkmal vor allem der Gesellschaften, die eine alte christliche Tradition haben. Dadurch wird das kulturelle Gewebe zerstört, das bis vor kurzem ein einigender Faktor war und die ganze menschliche Existenz zu umspannen vermochte. Auch ein fruchtbarer Boden kann irgendwann mal zur unwirtlichen Wüste werden, wo der gute Same erstickt, zertreten, verloren wird! Das zeigt sich am Rückgang in der religiösen Praxis, vor allem was das Beichtsakrament betrifft. Viele Getaufte kennen die wesentlichen Glaubensinhalte nicht mehr oder glauben, ohne kirchliche Vermittlung auszukommen. Manche lassen das Reich Gottes auf ein paar große Werte zusammenschnurren, die zwar etwas mit dem Evangelium zu tun haben, aber nicht den zentralen Kern des christlichen Glaubens betreffen.“

Doch das Reich Gottes „ist eine Gabe, die uns übersteigt“, so der Papst. Es sei, so zitierte er seinen Vorgänger, den Konzilspapst Johannes XXIII., „kein Konzept, kein Lehrgebäude, sondern vor allem eine Person, nämlich Jesus, das Bild des unsichtbaren Gottes“.  (rv 24.05.2012 sk)

Hildegard von Bingen wird Kirchenlehrerin

Benedikt XVI. erhebt Hildegard von Bingen noch in diesem Jahr zur Kirchenlehrerin. Das hat der deutsche Papst an diesem Pfingstsonntag beim Mittagsgebet angekündigt. Am 7. Oktober, zum Beginn der Bischofssynode zur Neuevangelisierung, werde er die erst kürzlich offiziell zur Heiligen erklärte Benediktinerin zur Kirchenlehrerin machen, gemeinsam mit dem Spanier Johannes von Avila.

„Hildegard, Benediktinernonne im deutschen Hochmittelalter, war eine wahre Meisterin der Theologie, darüber hinaus eine Gelehrte der Naturwissenschaften und der Musik. Johannes, Diözesanpriester in den Jahren der spanischen Renaissance, erlebte die bewegten Zeiten der kulturellen und religiösen Erneuerung der Kirche und des sozialen Gefüges in der Morgendämmerung der Neuzeit. Die Heiligkeit ihres jeweiligen Lebens und die Tiefe ihrer Einsichten machen beide aktuell: Denn die Gnade des Heiligen Geistes versetzte sie in die Erfahrung des umfassenden Verstehens der göttlichen Offenbarung und des intelligenten Dialogs mit der Welt, die den permanenten Horizont des Lebens und Handelns der Kirche bestimmt.“

Mit Hildegard von Bingen und Johannes von Avila verlängert sich die Liste der katholischen Kirchenlehrer auf 35. Hildegard wird die vierte Frau mit diesem Titel, neben Katharina von Siena, Teresa von Avila und Therese von Lisieux.  (rv 27.05.2012 gs)


 Vatileaks: „Immer noch in der Untersuchungsphase“

Die formalen Ermittlungen gegen den inhaftierten päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele werden noch mindestens bis Ende der Woche dauern. Das hat Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Dienstag bei einem Pressebriefing vor Journalisten erklärt. Neben dem Kammerdiener seien im Zug der Ermittlungen „mehrere andere Personen“ angehört worden, aber es gebe vorerst keine weiteren Verhaftungen.

„Im Zug der Vorerhebungen ist als Delikt schwerer Diebstahl formuliert worden. Es gab aber bisher keine Erhebungen über die Motivation, die Schwere des Delikts, die Absichten. Es handelt sich noch nicht einmal um einen regulären Strafprozess, geschweige denn ein Urteil. Wir sind immer noch in der Untersuchungsphase.“

Gabriele habe sich in den sechs Jahren, die er als Kammerdiener des Papstes wirkte, immer korrekt verhalten, es habe niemals Anzeichen für gegenteiliges Verhalten gegeben, sagte Lombardi. Der unerlaubte Besitz der vertraulichen Dokumente – zu deren Art und Umfang Lombardi aufgrund des Prozessgeheimnisses keine Angaben machen wollte – sei andererseits „eine objektive Tatsache“.

„Wir sind alle entsetzt. Man hätte sich eine solche Lage nicht leicht vorstellen können. Man muss ihm zuhören, was er zu sagen hat, und das wird ja eben getan. Deshalb ist es so wichtig, dass er seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit erklärt hat. Es handelt sich ja nicht um einen simplen Einbruchsdiebstahl.“

Etliche der ins Kraut schießenden Spekulationen wies der Vatikansprecher in dem Briefing zurück, etwa, dass gegen fünf Kardinäle „ermittelt“ würde. Die Affäre „Vatileaks“ sei jedenfalls „eine Prüfung, eine schwere Prüfung für den Papst und die Kurie“, so Pater Lombardi wörtlich. Jeder könne sehen, dass es sich „um schwerwiegende Dinge“ handle, die auch nicht erst mit der Verhaftung des Kammerdieners begannen.

„Der Papst ist Zeuge einer Angelegenheit, die ihn von ganz nah betrifft; es ist eine schmerzliche Angelegenheit. Und es gibt den Wunsch, Klarheit zu schaffen, die Wahrheit zu finden. Das gilt nicht nur für die Verhaftung Paolos. Der Papst hat Mitte März die Kardinalskommission [zur Untersuchung des „Dokumentenschwundes“] eingesetzt, ein nicht alltäglicher Vorgang. Das heißt, der Papst war sich bewusst, dass es hier eine gründliche Aufklärung und Bewertung der Vorgänge brauchte. Sicher, die letzte Episode ist für ihn besonders leidvoll, weil sie eine ihm nahestehende und von ihm geschätzte Person betrifft.“ (rv 29.05.2012 gs)

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