Mittwoch, 16. Mai 2012

„Unsere Heimat ist im Himmel“



40 Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Diesen Satz aus der Himmelfahrtserzählung möchte man heute am liebsten umdrehen: Ihr Christen des 21. Jahrhunderts, was schaut ihr nur noch auf euch und eure Welt? Blickt doch auch mal zum Himmel empor!

Vielleicht ist es die große Versuchung unserer Zeit, dass wir unseren Blick nicht mehr lösen können von den Problemen der Politik und Gesellschaft, den Sorgen des Alltags, dass wir ganz fixiert sind auf die Schrecken unserer Zeit und fast darin untergehen.

Das Fest Christi Himmelfahrt könnte uns die Augen öffnen: Es gibt noch etwas anderes als das was wir vor uns sehen, es gibt noch etwas über uns, es gibt vor allem ihn, unseren Herrn, der in der Wirklichkeit Gottes lebt, um uns ein bleibendes Zuhause zu bereiten.

„Unsere Heimat ist im Himmel“

Ihr kennt alle den Evergreen von Freddy Quinn: „Heimatlos“. Heimatlos sind viele auf der Welt, stellt Freddy Quinn in dem Lied fest, das 1957 zu einem großen Hit wurde. Eigenartig, dass dieser Song so viele anspricht, dass vielen dabei recht eigenartig ums Herz wird. Wir ahnen: heimatlos zu sein ist etwas sehr Schweres. Heimatlos sein - ohne Zuhause, ohne festen Wohnsitz, ohne Menschen, die auf einen warten, die für einen sorgen. Wer die Heimat verlassen musste, der kennt das.

Wir haben (so hoffe ich), Gott sei Dank, unser Zuhause: eine Wohnung, ein Haus und damit zugleich einen Ort, wo wir uns wohl fühlen und geborgen sind. Diese Geborgenheit, dieses Sich-Wohlfühlen ist wichtiger als die schönste Einrichtung oder der herrlichste Palast. Gerade dann aber, wenn wir uns wohl und daheim fühlen, dann mag in uns eine neue Sehnsucht aufbrechen: wir sehnen uns nach einer Heimat, die man nie aufgeben muss; nach einem Zuhause, das unverlierbar und unzerstörbar ist. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, die nie endet.

Unsere Wohnungen geben uns nur eine Ahnung davon, 
was es heißt: für immer daheim zu sein

Wenn wir im Urlaub sind, vielleicht in einem fremden Land, dann spüren wir
ähnliches: es ist schön dort, wunderbar vielleicht. Aber nach einiger Zeit sehnen wir uns wieder nach unserem Zuhause. Wir wollen wieder heim. So ist unser Leben hier in dieser Welt: ein Dasein auf Zeit. Das heißt, wir dürfen und können uns hier nicht fest einrichten.

Wir wissen alle um das bekannte Kirchenlied: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ Das Fest Christi Himmelfahrt möchte uns sagen: Jesus ist uns vorausgegangen zum Vater. Und er hat seinen Freunden gesagt: „lch gehe hin, um euch eine Wohnung herzurichten“ (Joh 14,2); ein Haus, das nicht von Menschenhand gebaut ist, das deshalb unzerstörbar ist; eine Heimat für immer, die all eure Sehnsucht erfüllt, ja bei weitem übertrifft. Denn: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9). Christlicher Glaube sagt: Jesus wird uns eine Heimat schenken, ein Zuhause bei Gott für immer. Für uns hier und heute bedeutet dies: wir müssen das Loslassen lernen. Wir dürfen uns nicht verkrampfen, weder in Dinge noch in Menschen, so als wären sie unser Besitz.

Wir Christen sind nicht heimatlos: „Unsere Heimat ist im Himmel. 
Von dort erwarten wir den Retter, den Herrn Jesus Christus“ (Phil 3,20).

So lebt in uns Christen immer die Sehnsucht, die sich erst einmal erfüllen wird, wenn wir für immer bei Gott sind. Aber schon Jetzt dürfen wir ein Stück Himmel unter uns erleben: Christus selbst ist bei uns in seinem Wort, in seinem Mahl, in der Gemeinschaft der Glaubenden. Wenn wir heute die Himmelfahrt des Herrn begehen, dann sind wir uns bewusst: dieses Fest ist eine Vorstufe für das Fest Gottes, das er selbst uns bereiten wird, das kein Ende hat, in dem alles Leid und alle Angst aufgehoben sind.

An einem Fest wie diesem spüren wir: „Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, wir sind aber eingeladen und sehen schon die Lichter und hören die Musik” (Cardenal). Das Fest Christi Himmelfahrt gibt uns die Zuversicht: Unsere Heimat liegt vor uns, die Heimat bei Gott.

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