Mittwoch, 6. Juni 2012

Fronleichnamsfest im Pfarrverband Reuland


Jesus Christus - Brot für das Leben der Welt

Zu Fronleichnam ( Das Fest wird bei uns auf den kommenden Sonntag verlegt) feiern wir die bleibende Anwesenheit Jesu Christi unter den Menschen. Jesus Christus ist nicht nur der Vergangene, der in den Himmel aufgefahren ist, oder derjenige, der einst, am Ende der Welt kommen wird; nein, wir feiern heute, Christus, als denjenigen, der mitten unter uns ist. Er gegenwärtig, wo sich zwei oder drei in seinem Namen versammeln; er ist gegenwärtig in seinem Wort; er ist gegenwärtig in den Sakramenten, besonders im Sakrament der Eucharistie.

Jesus Christus ist gegenwärtig, um für uns Brot zu sein.

Jesus Christus will unseren Hunger stillen:
- den Hunger nach Brot
- den Hunger nach Sinn
- den Hunger nach Liebe
- den Hunger nach unvergänglichem Leben - nach Gott

Hunger nach Brot - Brot für alle


Die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus alles, was sie getan hatten. Dann nahm er sie beiseite und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein. Aber die Leute erfuhren davon und folgten ihm. Er empfing sie freundlich, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten. Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen. Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen. Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten. Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll (Lk 9,11-17).

Wir hörten im Evangelium von der wunderbaren Vermehrung der Brote und der Fische. Trotz der Wohlstandsgesellschaft in vielen Ländern ist der Hunger nach Brot eine der brennendsten Fragen der Zeit. Es fehlt vielen Millionen von Menschen an den elementaren Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Jesus geht an keiner Not vorüber. Jesus hat Mitleid mit den Hungernden. Fünf Brote und zwei Fische genügen, um fünftausend Menschen satt zu machen. (Lk 9,11-17) Dieser Ausschnitt aus dem Lukas-Evangelium zeigt uns: Wo wir Menschen an unsere Grenzen stoßen, dort fangen die Möglichkeiten Gottes erst an. Wir müssen nur auf ihn vertrauen und ihn bitten.

Jesu Wort an seine Jünger: Gebt ihr ihnen zu essen, ist eine Zumutung, nicht nur für die Jünger, sondern auch den Leuten gegenüber. Aber sie nötigt die Jünger und die Menschen, offen zu legen, wie angewiesen sie auf Gottes gütige Hand sind. Die Menschen sollen sich öffnen, sollen bereit sein zu glauben, dass Jesus ihren Hunger stillen kann, sie sollen bereit sein zu glauben an die grenzenlose Fürsorge Gottes.


Die Frohe Botschaft Jesu lautet: Wo Menschen meinen, es gibt nichts mehr zu verteilen, teilt Jesus aus, und es bleibt noch viel übrig. Jesus lehrt uns um das tägliche Brot, um das, was wir lag für Tag notwendig brauchen, zu beten, zu empfangen und miteinander zu teilen. Wo das geschieht werden alle satt. Welch ein Gegensatz zu dem was Menschen heutzutage veranstalten. Viele Menschen verdienen ihr Brot nur unter großen Mühen oder was noch schlimmer ist: Sie bekommen es überhaupt nicht, weil es aus unterschiedlichsten Gründen keine bezahlte Arbeit für sie gibt. Diese Welt bietet einerseits Überfluss an Nahrung, an sonstigem Reichtum, andererseits tiefstes Elend, wo Menschen von allem ausgegrenzt sind, was lebensnotwendig ist. Jesus will das Brot für alle. Er ruft uns auf zum Teilen: "Gebt ihr ihnen zu essen!" (Mt 14,16)

Hunger nach Sinn - Der Mensch lebt nicht vom Brot allein


Fronleichnamsprozession war immer zugleich eine Flurprozession: Wir beten um den Segen Gottes für die Früchte der Erde. Wir bitten um den Segen Gottes für alle Bemühungen der Menschen, dass es Brot für alle gibt. Daneben hungert der Mensch aber noch nach etwas anderem. Früher oder später brechen die tieferen Fragen des Menschseins auf: "Was ist der Mensch? Was ist der Sinn und Zweck unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?"

Das will heißen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht Antworten auf die tieferen Fragen des Daseins. Der Mensch ist geboren zum Lieben. Das meint: Der Mensch ist nicht geboren zum Egoisten, sondern ist ein Lebewesen, das Gemeinschaft braucht, das sein Leben mit anderen teilt, das nach dem anderen fragt. Erst darin erfährt der Mensch den Sinn seines Lebens. Er braucht Liebe und Zuwendung, sonst verkümmert er. Auch hier bietet Jesus uns seine Hilfe an. Jesus hat uns diese Liebe vorgelebt, sie ging bis zum Äußersten. Zugleich will er uns zu einer solchen Liebe befähigen.

Hunger nach unvergänglichem Leben - nach Gott
Mit dem Bedürfnis nach Liebe hängt eng zusammen eine offene oder verborgene Sehnsucht nach unvergänglichem Leben; der Mensch hat das Verlangen, dass die Liebe, das Glück von Dauer ist...

Dem gegenüber steht die Tatsache, dass jeder Mensch das Brot des Todes essen muss. Der Mensch kann sich schwer abfinden mit dem Tod. Er versucht mit allen Mitteln das Leben zu verlängern; er verdrängt den Tod; er wagt nicht, ihm ins Antlitz zu blicken.

Auf diese Sehnsüchte nach unvergänglichem, ewigem Leben gibt Jesus auch eine Antwort, wenn er sagt: "Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben" (Joh 6,51, vgl. Joh 6,48-51). ER fordert uns auf IHN zu verkosten, ihn in uns aufzunehmen. Gottes Liebe sucht hier ein Gegenüber. Und dieses Gegenüber sind wir Menschen. Seine Liebe möchte uns durchfließen, sie möchte uns ausfüllen, uns heilen, uns neu gestalten, sie möchte uns erfreuen und erfrischen, sie möchte uns Kraft geben für unsere Aufgaben.
Wir Menschen haben die Möglichkeit, uns dieser Liebe zu öffnen, oder zu verschließen.

Viele der Leute, die Jesus zuhörten, lehnten seine Worte ab. Sie konnten ihm zu diesem Zeitpunkt nicht glauben, darum konnten sie auch seine Liebe nicht empfangen. Wenn wir dagegen Jesus und seinen Worte glauben, dann öffnen wir uns für seine Liebe, dann empfangen wir sie. Und ganz besonders empfangen wir sie, wenn wir den Leib Christi gläubig empfangen. Dann werden wir selber zu seinen Gefäßen der Liebe. Wir selber dürfen dann wie Brot und Wein werden und Menschen um uns herum mit seiner Liebe beschenken.

1 Kommentar:

Freiwirtschaftler hat gesagt…

(NHC II,2,56) Jesus sagte: Wer die Welt erkannt hat, hat einen Leichnam gefunden. Und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.

Wer das ganze Ausmaß der systemischen Ungerechtigkeit erkannt hat, in der wir (noch) existieren, kann mit "dieser Welt" nichts mehr anfangen und muss sprichwörtlich "über den Rand der Welt fallen". Darum fürchten sich die Allermeisten bis heute vor der Auferstehung, auch wenn das Wissen längst zur Verfügung steht und es seit dem Beginn der so genannten "Finanzkrise" (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) auch keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die absolute Gerechtigkeit und damit allgemeinen Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und den Weltfrieden zu verwirklichen. Die einzige "Alternative" wäre der Rückfall in die Steinzeit, denn je höher man auf der Stufenleiter der Arbeitsteilung nach oben kommt ohne eine stabile Makroökonomie, desto tiefer ist der Fall.

http://www.juengstes-gericht.net