Mittwoch, 27. Juni 2012

"... und fange bei mir an": Umweltschutz konkret


Umweltschutz ist längst kein Randthema mehr, seine Notwendigkeit ist wohl allgemein anerkannt. Was aber nicht automatisch bedeutet, für sich selber und für seinen persönlichen Lebensstil Konsequenzen zu ziehen. Dabei liegt in den kleinen Veränderungen, die jeder und jede als Verbraucher leisten kann, ein großes Potenzial. Die Materialien des neuen Monatsthemas möchten zum Mitmachen einladen und ein Bewusstsein dafür wecken, dass die Bewahrung der Schöpfung vor allem auch ein Thema für Christen ist.


Die Erde - Gottes Mitschöpferin
„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward es Abend und Morgen der dritte Tag.“ (Gen/1. Mose 1, 9-13)

„Die Erde lasse aufgehen Gras und Kraut“. Die Erde! Merken Sie, wie hier die Erde zur Selbsttätigkeit aufgerufen wird?! Nicht eigentlich Gott erschafft die grüne Vegetation. Die Erde tut es! Auf Gottes Geheiß. Gott – kein Allesmacher. Er delegiert Schöpfungsmacht, gibt ab, teilt. Teilt mit der Erde. Lässt die Erde selbst kreativ werden.

Die biblische Schöpfungserzählung sieht nicht erst im Menschen den Mitarbeiter Gottes. Bereits die Erde darf es sein, darf sich selbsttätig und schöpferisch entfalten. Welch eine Aussage über die Wertschätzung der Erde! Die Erde – Gottes tätige, schöpferische Mitarbeiterin! Die große Mutter, die Leben hervorbringt. Keine Göttin. Auch sie von Gott geschaffen. Aber Gott hat ihr eine mitschaffende Rolle zugewiesen.

Die „Mutter Erde“ – welch ein Bild! Ein Bild, das einen ehrfürchtigen, dankbaren und liebevollen Umgang mit ihr nahelegt.

Der Mensch - von Erde genommen
„So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker ...“ (Gen 2, 4-7)

Erde sind wir. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Adam – der Erdling. Wir gehören zu ihr. Und zu den Tieren, die ebenfalls aus Erde gemacht werden. Erdverwandte sind wir. Mehr noch: Wir sind Erde. Wir tragen das alles in uns: Die Fruchtbarkeit, die Kraft des Wachstums, aber auch die Dürre und das Absterben.Erde sind wir. Wir tragen sie noch in uns, die erdverhafteten, elementaren Triebe und Kräfte. Wir brauchen sie, um zu leben.

Spüren wir sie noch in uns, die Säfte und Kräfte unseres erdverhafteten Fleisches, seines Spürens und Empfindens, seiner Lust und seiner Wildheit und Unbändigkeit, aber auch seiner Schwäche und Ohnmacht, seiner Schmerzen und Grenzen? Ja, seiner Grenzen bis hin zur letzten Begrenztheit, einer Grenze, die weder von der Erde noch von des Menschen Wollen und Wirken überwunden werden kann: dem Tod. „Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden.“

 

 

Das Leben der anderen schützen

Notwendig ist ein neuer Lebensstil, der nicht das individuelle Lebensglück, sondern den Erhalt und den Schutz der Erde als Lebenshaus für alle, insbesondere für die armen Völker dieser Erde, zum Maßstab der politischen, gesellschaftlichen und individuellen Entscheidungen macht. Es genügt nicht, dass jeder nur die sein eigenes Leben störenden Faktoren bekämpft, sondern es kommt künftig vor allem darauf an, die das Leben der anderen Menschen und das Leben der Natur insgesamt schützenden und entfaltenden Faktoren zu verteidigen und zu fördern.
Die biblische Schöpfungstheologie fordert, dass wir uns vom neuzeitlichen Weltmodell verabschieden, das die Natur vorwiegend als Nutzbringerin für menschlichen Wohlstand behandelte und dementsprechend misshandelte. Es wird höchste Zeit, dass wir Menschen nicht länger als Herren und Ausbeuter der Natur sowie als rücksichtslose Konsumenten ihrer Ressourcen agieren, sondern dass wir unsere Verantwortung für die Erde ernstnehmen, und zwar durch Konsumverzicht, Maßhalten und Rücksichtnahme. Wir sind nicht Herren, sondern Diener der Schöpfung Gottes, der uns die Erde als Gabe übergibt.


Die Erde lieben
Eine Aufgabe für Christen
Die Erde ist eine wunderbare Gabe des uns alle liebenden Gottes. Wir sollen staunen über ihre Schönheit sowie über den Reichtum und die Vielfalt des Lebens auf ihr. Und vor allem sollen wir sie als Gottes Schöpfung lieben, in den vielen alltäglichen Entscheidungen unseres Lebens auf und mit ihr. Nicht der Eigenprofit, nicht der Konsum, nicht die Gedankenlosigkeit, sondern der liebevolle Blick auf die Erde und ihre Güter, auf die Pflanzen und auf die Tiere, und nicht zuletzt der liebevolle Blick auf die notleidenden Menschen und Völker der Welt soll unseren Lebensstil und unser Bewusstsein prägen und verändern.

Die uns heute zukommende Auf-Gabe hat der 2002 verstorbene Biochemiker Erwin Chargaff im ersten Kapitel seines Buches „Serious Questions“ / „Ernste Fragen“ folgendermaßen auf den Punkt gebracht:  „Wenn die Welt noch gerettet werden kann, wird sie durch Amateure gerettet.“ Er meint dabei das Wort „Amateur“ in dessen ursprünglicher Bedeutung: wer liebend bei der Sache und offen für sie ist, weil er nicht durch die Vorurteile der Meinungsindustrie und durch die Dogmen der Wissenschaft blockiert ist.

Er sagt: „Formulieren wir es provokativ: Naturwissenschaftler, deren Hinwendung zur Natur die Qualität eines Jobs in einer Goldgräberstadt hat, Experten, in denen die Zweifel des Liebenden an sich selbst und an seinem Tun abgestorben sind, Spezialisten, die blind sind für den Reichtum und die Hinfälligkeit des Ganzen“ (E. Chargaff) und Konsumenten, die die ökonomische Wertsphäre für eine ethische Werteskala halten: sie alle sind zum Schutz des Klimas, zur Rettung der Umwelt und zur Förderung der Lebenszusammenhänge auf der Erde untauglich.

Tauglich dafür werden wir, wenn wir wieder lernen, die Welt als Gottes Schöpfung zu sehen und sie als solche zu lieben – als Ausdruck unserer Gottesliebe, inspiriert von Worten aus dem 1. Johannesbrief:
„Wenn jemand sagt: ich liebe Gott,
aber seine Schwester, die Erde, misshandelt,
ist er ein Lügner.
Denn wer seine Schwester nicht liebt, die er sieht,
kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.
Wer Gott liebt,
soll seine Schwester, die Erde, lieben und achten“ (vgl. 1 Joh 4,20f).
Erich Zenger

aus: Theologische Grundlagen: Gottes Schöpfung – Lebenshaus für alle. in: Michael Kappes (Hg.): Gottes Schöpfung feiern und bewahren. Materialien zur Gestaltung des Schöpfungstages und der Schöpfungszeit 1. September bis 4. Oktober. Eine Arbeitshilfe der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen, 2010, S. 18.

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