Sonntag, 1. Juli 2012

Bischof Aloys Jousten begeht sein 50. Priesterjubiläum


„Ich hatte von Kindesbeinen an den Wunsch, Priester zu werden“

Von Lothar Klinges

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im Pfarrverband Amel geht es derzeit zu wie in einem Taubenschlag. Der Anlass: Am 8. Juli jährt sich zum 50. Mal der Tag der Priesterweihe von Bischof Aloys Jousten. An diesem Tag feiert er im Rahmen eines großen Pfarrverbandsfestes unter dem Leitgedanken „Unsere Pfarren feiern. Wir sind dabei!“ in seiner Heimatpfarre Amel sein goldenes Priesterjubiläum

Auf die Frage, wie er seine Berufung entdeckt hat, antwortet Aloys Jousten: „Es war vor allem der Kontakt mit anderen Priestern und das Leben in der Pfarrgemeinde, die mich meine Berufung entdecken ließen. Schon als ich zehn Jahre alt war, sagte ich einem jungen Kaplan in Amel, dass ich Priester werden wolle. Ich bin dann zunächst Messdiener geworden und hatte viel Freude an diesem Dienst. An der Bischöflichen Schule St.Vith hat mich die Präsenz vieler Priester in meinem Wunsch und in meiner Berufung bestätigt. So entschloss ich mich dann zum Eintritt ins Seminar. Das war damals ein eher klassischer und heute ein für viele Jugendliche wohl unverständlicher Weg; es scheint ja fast unmöglich, dass jemand von Kindesbeinen an den Wunsch hat, Priester zu werden. Aber es war mein Weg.“

Priesterweihe

Am 8. Juli 1962 empfing Aloys Jousten – mit insgesamt 38 Diakonen, aus den Händen von Bischof Wilhelm-Maria van Zuylen in der Kathedrale von Lüttich die Priesterweihe und feierte am 15. Juli seine Primiz in Amel.

Von September 1964 bis Juni 1975 unterrichtete der junge Theologe am Priesterseminar in Lüttich Moraltheologie. Im Juni 1975 wurde Aloys Jousten Schulleiter des Heidberg-Instituts (heute Pater-Damian-Schule) in Eupen, das in die Trägerschaft des Bistums übergegangen war. Von 1970 bis 1985 war er Sonntagskaplan in seiner Heimatpfarre Amel.




Bischofsvikar und Bischof

Ende Juni 1985 ernannte Bischof van Zuylen den Schulleiter zum Pfarrer und Dechanten von St.Vith. Mit Pfingsten 1986 wurde er Bischofsvikar für Ostbelgien und Mitglied des Bischofsrates. Im August 1990 führte Bischof Albert Houssiau seinen Bischofsvikar als Dechant und Pfarrer in Eupen St. Nikolaus ein.

Am 2. Mai 2001 erreichte Aloys Jousten die Neuigkeit aus Rom, dass Papst Johannes Paul II. ihn aus drei vorgeschlagenen Kandidaten als Nachfolger von Bischof Albert Houssiau, ausgewählt hatte. Am 9. Mai 2001 erfolgte die offizielle Ernennung zum 91. Bischof von Lüttich. Gemäß dem kirchlichen Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici) ist ein Diözesanbischof, der das fünfundsiebzigste Lebensjahr vollendet hat, gebeten, dem Papst seinen Amtsverzicht anzubieten, der dann nach Abwägung aller Umstände entscheiden wird.


Interview mit dem Goldjubilar, Priester und Bischof Aloys Jousten
Der Dienst des Priesters wird noch geschätzt

Wir führten aus Anlass des goldenen Priesterjubiläums ein Gespräch mit dem Priester und Menschen Aloys Jousten. Der Eibertinger, der seit elf Jahren mit Leib und Seele seine Aufgabe als Bischof ausfüllt, gilt auch über das eigene Bistum hinaus als ein Hirte, der die Nähe zu den Menschen sucht. Ungeachtet seiner mittlerweile 74 Jahre ist er täglich unterwegs zu den Menschen vor Ort.

Herr Bischof, die Menschen in ihrer Heimatpfarre freuen sich riesig auf ihr goldenes Priesterjubiläum. Was bewegt Sie als Goldjubilar angesichts der großen Freude, die in Amel und darüber hinaus lebt?
Sie lässt uns Priester erkennen, dass unser Dienst an der Kirche und damit an den Menschen noch geschätzt und anerkannt wird.

Vor 50 Jahren sind Sie zum Priester geweiht worden. War es damals leichter als heute, „Ich bin bereit“ zur Berufung zu sagen?
Ja, ganz bestimmt. Seitdem haben sich Gesellschaft, Welt und Kirche sehr gewandelt und verlangen klare Entscheidungen auf vielen Gebieten.

Was hat Sie glücklich gemacht? Was ist das Schöne und Frohmachende am Priestersein?
Ich habe nie bedauert, Priester zu sein. Im Gegenteil. Den Menschen die Botschaft Jesu verkünden, ihnen die Beziehung zu Jesus Christus ermöglichen, mit ihnen die Sakramente feiern – das ist schön und beglückend.

Was hat Sie entmutigt? Worunter haben Sie besonders gelitten? Welche schwierigen Momente haben Sie bisher in Ihrem Priesterleben durchzustehen gehabt?
Wenn der Glaube angefochten wird, wenn die Kirche zu Recht oder zu Unrecht kritisiert wird, lässt mich das nicht gleichgültig. Ich habe mehrere schwierige Zeiten gekannt und erfahren.

Welches war Ihre schönste Zeit und warum?
Ich war sehr gerne Schulleiter, weil es wunderbar ist, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und Entfaltung zu erleben und zu begleiten.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz nach 50 Priesterjahren aus?
Ich bin dankbar für jeden Tag – dankbar dem Herrn, der mich berufen hat; dankbar den Menschen, für die ich Priester sein durfte und darf, dankbar für die priesterlichen Mitbrüder.

Seit 11 Jahren sind Sie nicht nur Priester, sondern auch Bischof. Was bedeutet das für Sie?
Bischof sein unterscheidet sich vom Priester sein in mancherlei Hinsicht. Als Bischof sehe ich noch besser all das Schöne und Gute, den Glauben und die Hingabe von noch mehr Menschen als in der Pfarre.

Das Ende Ihres Dienstes als Bischof von Lüttich fällt zeitlich fast zusammen mit Ihrem goldenen Priesterjubiläum. Was bedeutet das für Sie?
Es war eine gefüllte, eine gesegnete Zeit. Der liebe Gott hat es gut mit mir gemeint. Schön wär’s, wenn der Samen, den ich mit vielen anderen ausgestreut habe, irgendwie und irgendwann aufgehen würde.

Der Priestermangel macht auch vor dem Bistum Lüttich nicht Halt. Gehen wir auf eine priesterlose Zeit zu?
Es wird weniger Priester geben. Dennoch setze ich meine Hoffnung auf die Vertiefung und Erneuerung des Glaubens und damit auf einen Neustart der Kirche bei uns über kleine Gemeinschaften. Das Endresultat werden neue Priesterberufe sein.

Was verbindet Sie noch heute mit Eibertingen?
Man kann seine Wurzeln nicht vergessen, und das waren und sind auch heute noch konkrete Menschen. Sie haben dazu beigetragen, dass ich heute Priester bin.

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