Sonntag, 22. Juli 2012

Neues aus der Weltkirche


Ex-Kammerdiener soll allein gehandelt haben

Paolo Gabriele ist vorläufig aus der Haft entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstagabend vor Journalisten mit. Der ehemalige päpstliche Kammerdiener saß fast zwei Monate in einer vatikanischen Arrestzelle ein, weil er möglicherweise Geheimdokumente vom Schreibtisch Papst Benedikts gestohlen und weitergegeben hat. Gabriele befindet sich nun provisorisch auf freiem Fuß, wie Lombardi bei der Pressekonferenz erläuterte:

„Der vatikanische Untersuchungsrichter Piero Bonnet hat nach einer abschließenden Befragung entschieden, den Beschuldigten nach 60-tägigem Gefängnisaufenthalt unter Hausarrest zu stellen. Die vatikanische Justiz muss nun in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie ein förmliches Verfahren gegen Gabriele eröffnet oder den Fall zu den Akten legt. Die von Benedikt XVI. eingesetzte Kommission der Kardinäle, die die Hintergründe des Falles untersucht, hat ihre Befragungen und Nachforschungen ebenfalls abgeschlossen.“

Der – vertrauliche - Abschlussbericht der Kardinäle liegt Papst Benedikt bereits seit mehreren Tagen vor, sagte Lombardi. Dass Paolo Gabriele weder Hintermänner im Vatikan noch außerhalb hatte, das bekräftigte einer der beiden Anwälte des früheren Kammerdieners, Carlo Fusco, im vatikanischen Pressesaal.

„Paolo Gabriele hat aus rein persönlichen, inneren Motiven gehandelt, aus Liebe zum Papst und um diesem zu helfen. Mein Mandant hat allein gehandelt, er gehört nicht zu einem Netzwerk oder zu einer inner- oder außer-vatikanischen Verschwörung. Und Gabriele hat weder Geld noch sonstige persönliche Vorteile erhalten. Zudem hat er seit seiner Verhaftung umfassend mit der vatikanischen Justiz kooperiert.“

In den vergangenen Monaten waren Dutzende teils brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, so zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Papst Benedikt oder über das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Ein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Butler würde frühestens im Herbst beginnen, informierte Lombardi. Laut Vatikangesetz wäre ein solches Verfahren öffentlich. Sollte Gabriele des schweren Diebstahls für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu acht Jahre Haft. Vorerst wird sich das Leben des dreifachen Familienvaters in sehr engen Kreisen abspielen. Lombardi:

„Paolo Gabriele wird nun mit seiner Familie wohnen. Er darf sein im Vatikanstaat gelegenes Haus aber nur verlassen, um zum Gottesdienst zu gehen.“
(rv/kna/nzz 22.07.2012 mg)



Vatikanzeitung mit Frauenbeilage: Den Unbekannten eine Stimme geben


Der Heilige Stuhl gibt neuerdings eine Frauenzeitschrift heraus. Genauer gesagt, handelt es sich um eine Beilage zur italienischen Ausgabe der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ mit dem Titel „donna, chiesa, mondo“, also: Frau, Kirche, Welt. Nächste Woche erscheint die Beilage zum dritten Mal und wird unter anderem ein längeres Interview mit Brigitta Klieber enthalten, der langjährigen Finanz-Chefin der Erzdiözese Wien. Verantwortlich für die Frauenbeilage zeichnet Lucetta Scaraffia, Jahrgang 1948, Journalistin und Dozentin für Zeitgeschichte an der staatlichen römischen Universität „Sapienza“. Den Frauen der Kirche eine Stimme zu geben: das ist erklärtes Ziel der neuen Medien-Initiative. Denn innerhalb wie außerhalb wird die weibliche Seite der Kirche immer noch viel zu oft übersehen, sagt Lucetta Scaraffia.

„Beim geweihten Leben zum Beispiel setzt sich die Kirche zu zwei Dritteln aus Ordensfrauen zusammen. Dann gibt es zahllose weibliche Laien, die mit der Kirche in vielfältiger Form zusammenarbeiten. Alle diese Frauen sind oft unbekannt, nicht nur für jene, die außerhalb der Kirche leben und sich die Kirche als männliche Welt vorstellen, als Welt von Priestern. Sondern oft sind sie nicht einmal in der Kirche selbst bekannt. Und das ist schwerwiegend! Die Frauen in der Kirche sind wie ein versteckter Schatz, und wir möchten helfen, ihn zu heben und zu nutzen.“

Die mangelnde Wahrnehmung des Wirkens von Frauen in der Kirche hat aus Sicht von Lucetta Scaraffia mehrere Gründe. Sie nennt zwei davon:

„Erstens, dass nur die Männer Karriere machen können. Ich befürworte nicht das Priestertum der Frau und diese Art der Karriere; aber ich denke, es gibt beispielsweise Ordensfrauen, die einmal Generaloberinnen waren und genug Erfahrung und Kompetenz haben, die sie dazu befähigen würden, ein Dikasterium der römischen Kurie zu leiten. Es gäbe Frauen, die dazu in der Lage wären, eine wichtige Rolle in vatikanischen Ämtern zu spielen. Und das, ohne den Aspekt Priestertum zu berühren. Ich glaube, wir würden andere Standpunkte einbringen. Ich denke auch, dass die Frauen gewissermaßen freier wären, denn Karriere können sie ohnehin nicht machen, sie können ja nicht Papst werden…! Das gibt viel Freiheit, auch Freiheit im Denken und Reden.“

Der zweite Grund für die Unsichtbarkeit der Frauen in der Kirche: Gerade Ordensschwestern nehmen das Gelübde der Demut oft sehr ernst.

„Sie stellen niemals zur Schau, was sie tun, sie schreiben wenig, sind nicht gewohnt, von ihrem Wirken zu erzählen. Ihre Arbeit ist ein immenses verborgenes Werk, das nur diejenigen kennen, die sie zufälligerweise im Leben treffen. Ich glaube, das man die Arbeit dieser Ordensfrauen bekannt machen muss - weil sie wichtig ist, weil sich die Kirche ja auch darauf gründet, dass ganze Lebensentwürfe ihr gewidmet sind, wenn wir etwa an die Nächstenliebe oder das Gebet der Frauen denken. Und sie selbst sagen das nicht! Im Gegenteil, sie sehen es als Teil ihrer Sendung, sich nicht selbst für ihr Wirken zu loben. Aber andere können das für sie tun. Das ist ein wichtiger Auftrag, den wir uns mit dieser Beilage stellen.“

Die Deutsche Bischofskonferenz hat bereits Interesse an einer Übersetzung und Verbreitung der Frauenbeilage des Osservatore in Deutschland angemeldet. Vorerst erscheint sie auf Italienisch einmal monatlich. Gedruckt ist die Beilage auf solidem weißem Papier, darauf hat Scaraffia gepocht, weil das Blatt vier Wochen lang halten muss. Es finanziert sich auch über Werbung, und es ist – das im Gegensatz zu fast allen konventionellen Frauenzeitschriften – extrem international ausgerichtet.
(rv 22.07.2012 gs)


Benedikt beim Angelus: Ruheplatz für die Seele suchen


Die Kirche blickt „mit Sympathie und Aufmerksamkeit“ auf die Olympischen Spiele, die am kommenden Freitag in London beginnen. Beim Angelusgebet am Sonntag widmete Papst Benedikt XVI. dem „größten Sportereignis der Welt“ einige Worte auf Italienisch. An der 30. Ausgabe der Olympiade „nehmen Athleten sehr vieler Nationen teil“, die Spiele hätten „auch einen hohen symbolischen Wert“. „Beten wir, damit nach dem Willen Gottes die Spiele von London eine echte Erfahrung der Brüderlichkeit zwischen den Völkern der Erde seien“, sagte der Papst den Pilgern und Besuchern in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo.

Auf Deutsch lud Papst Benedikt dazu ein, im Gebet zur Ruhe zu kommen:

„Herzlich grüße ich die Gäste deutscher Sprache hier in Castel Gandolfo und alle, die über Rundfunk und Fernsehen am Angelusgebet teilnehmen. „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,11), sagt der Herr heute im Evangelium zu seinen Jüngern. Auch wir brauchen, jeder von uns, einen Ort der Ruhe und der Gemeinschaft mit dem Herrn. In der Stille wächst unsere Beziehung zu Gott und werden wir selber mit uns wieder eins. Denn wenn wir beim Herrn sind, sind wir auch bei uns. Seine Gegenwart verwandelt uns von innen her, damit wir recht leben und Gutes tun können. Suchen wir daher diesen „Ruheplatz“ für unsere Seele im Gebet und in der Anbetung vor dem Tabernakel. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag.”
(rv 22.07.2012 gs)

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