Mittwoch, 1. August 2012

August: Ein Monat voller liturgischer Höhepunkte


Der vor uns liegende Monat August präsentiert sich uns als der letzte Sommermonat bevor wir im September dann mit großen Schritten auf das Ende des Jahres zugehen. Hoffen wir, dass der August seinem Namen alle Ehre macht, gilt er doch allgemein als der wärmste und trockenste Monat des Jahres.

Der August ist auch der Monat, in dem die meisten Kräuter ausreifen und gesammelt werden können. Mit Mariä Himmelfahrt am 15. August beginnen die so genannten "Frauendreißiger“. Diese 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt galten und gelten als diejenigen, an denen Kräuter die meiste Kraft besitzen und deshalb gesammelt werden sollten. Besonders die Heilkräuter : Königskerze, wilder Majoran, Haselnusszweige, Johanniskraut, Getreideähren, Schafgarbe, Wermut, Rainfarn und Kamille gilt es pflücken und zu einem Strauß oder Kranz zu binden und auf dem Dachboden aufzuhängen. Dann, so heißt es, sind Haus und Bewohner ein Jahr lang vor allem Übel geschützt. Bekannt ist auch die Kräuterweihe mit speziellen Formeln, die teilweise aus dem Mittelalter  überliefert sind. Das Christentum übernahm die Kräuterweihe. Dabei wurde die Muttergottes als "Blume des Feldes und Lilie der Täler“ bezeichnet und in ihrem Namen die Kräuterweihe betrieben. 

Viele Heiligengedenktage begehen wir im August. Ich habe in der folgenden Übersicht einige aufgelistet. Viel Freude beim Lesen und bei der Betrachtung wünscht Ihr Webmaster Ludwig Hilger.

Mittwoch, 1. August: Hl. Alfons von Liguori
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Kaufmann, der eine schöne Perle suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie“ (Mt 13,45f). Dieses Gleichnis Jesu trifft auf den heiligen Alfons von Liguori (1696–1787) zu. Sein Vater war Admiral bei der Marine. Mit 16 Jahren promovierte er inStaats- und Kirchenrecht und wurde ein sehr erfolgreicher Anwalt. Diesen Beruf hängte er aber an den Nagel und wurde Priester. Um armen Hirten und Bauern helfen zu können, gründete er die „Genossenschaft vom Allerheiligsten Erlöser“, die Redemptoristen. Sie schulte er zu erfinderischen Volksmissionaren. Er wollte den Menschen die Liebe Gottes nahebringen. Er sammelte Volkslieder und verfasste geistliche Schriften. Mit 66 Jahren wurde er Bischof eines kleinen Bistums. Mit 91 Jahren starb Alfons.

Freitag, 3. August: Herz-Jesu-Freitag; Hl. Lydia
Heute, am Herz-Jesu-Freitag, hören wir im Evangelium: „Jesus kam in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und Kraft, Wunder zu tun?“ (Mt 13,54). Doch statt sich ihm zu öffnen, lehnten sie ihn ab. Anders die heilige Lydia: Sie staunte, als Paulus das Evangelium verkündete (Apg 16,13-15), begann zu glauben und ließ sich mit ihrem ganzen Haus taufen. Lydia war eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit Luxusgütern handelte. Sie lud die Missionare ein, in ihrem Haus zu bleiben, um ihren Glauben zu vertiefen. Später diente ihr Haus der jungen
Gemeinde als Versammlungsort. Sie war die erste Christin Europas.

Montag, 6. August : Verklärung des Herrn
feiern wir heute gemeinsam mit der orthodoxen und der anglikanischen Kirche. Die Kirche stellt uns ein noch viel größeres Licht vor, als es die Sonne im Hochsommer bieten kann: Christus, das Licht der Welt, die „Sonne aller Sonnen“. Die Verwandlung Jesu in eine Lichtgestalt geschieht, als klar ist, dass er auf das Leiden zugehen muss. Da steigt er auf einen „hohen Berg“, seit alters ein Ort besonderer Gottesnähe, und tritt ins Gespräch mit den zwei großen Führergestalten: Mose und Elija. Und schließlich lässt sich noch DIE Stimme vernehmen, die Jesus als Sohn Gottes bestätigt.

Mittwoch, 8. August: Hl. Dominikus
Die Lesung verspricht einem geschlagenen Volk neues Leben: Es wird wieder fröhlich sein, pflanzen und ernten, Gottesdienst feiern. Das Evangelium erzählt, wie eine heidnische Frau bei Jesus Hilfe für ihre kranke Tochter erhofft. – Mit Notsituationen umgehen musste auch der Tagesheilige Dominikus: Als Student verkaufte er seine wertvollen Bücher, um Hungernden zu helfen, und als Begleiter seines Bischofs kam er in Kontakt mit den die Kirche spaltenden Katharern. Nahe Toulouse gründete er mit Gleichgesinnten eine Missionsstation, gewann viele Gläubige für die Kirche zurück und legte den Grundstein für den Dominikanerorden, der 1217 vom Papst anerkannt wurde. Der Rosenkranz als Attribut weist Dominikus als Beter und Liebhaber Marias aus.

Donnerstag, 9. August: Hl. Edith Stein
Heute stellt uns der Heiligenkalender die geborene Jüdin, wissenschaftliche Lehrerin und Karmelitin Edith Stein vor Augen. Sie fand als äußerst begabte Philosophin zum Glauben. 1938, im Jahr der Judenpogrome, legte sie ihre Gelübde als Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz im Kölner Karmel ab. 1939 floh sie nach Holland, drei Jahre später wurde sie dort bei einer Aktion gegen konvertierte Juden verhaftet, mit ihrer Schwester nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 1999, im Jahr nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie zur dritten Patronin Europas erhoben.

Freitag, 10. August: Diakon Laurentius, Freund der Armen
Was sind die wahren Schätze der Kirche? Aus der Frühzeit der Kirche wird überliefert, dass Kaiser Valerian, um an den Kirchenschatz zu kommen, den Bischof von Rom enthaupten ließ. Sein Diakon Laurentius wurde gefoltert und zur Herausgabe gezwungen, woraufhin dieser sich drei Tage Bedenkzeit erbat und in dieser Zeit alle Guter an die Armen verteilte. Die so Beschenkten präsentierte er dem Kaiser dann als „die wahren Schätze der Kirche“. Da ließ Valerian, der Christenverfolger, Laurentius besonders grausam foltern, doch der Diakon reizte den Kaiser und seine Henker bis zuletzt mit seinem Humor. Er starb am 10. August 258 und zählt zu den am meisten verehrten Heiligen, seine Gebeine ruhen zusammen mit denen des anderen Erzmärtyrers, des heiligen Stephanus, in der von Kaiser Konstantin rund 70 Jahre nach seinem Tod erbauten Kirche S. Lorenzo fuori le Mura.

Dienstag, 14. August: Maximilian Kolbe
„Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe“, sagt Gott zum Propheten Ezechiel. „Iss dieses Buch …, und rede zum Haus Israel!“ Das Leben des Maximilian Kolbe liest sich wie ein moderner Kommentar zur Berufungsvision Ezechiels. Kolbe „aß“ und er „redete“. Mit 17 wurde er Franziskaner Minorit, durfte in Rom studieren, promovierte in kurzer Zeit und war mit 24 Priester. Zurück in Polen lehrte er am Ordensseminar und gab erfolgreich katholische Blätter heraus. Nach schwerer Krankheit gründete er 1927 das Kloster Niepokalanów („Stadt der Unbefleckten“), das er zu einem Medienzentrum ausbaute. Drei Jahre später zog er als Missionar nach Japan, wieder mit dem Schwerpunkt Medienarbeit. Dazu passt sein Hobby, der Amateurfunk.

Ab 1936 war er wieder in „seinem“ Kloster, fiel 1939 den deutschen Besatzern schnell auf, wurde 1940 ein erstes Mal verhaftet und 1941 nach Auschwitz deportiert. Dort sprang er für einen Familienvater in die Bresche, der bei einem Racheakt als Opfer ausgezählt worden war. Heute vor 71 Jahren starb P. Kolbe im Hungerbunker. – Auch dieses strahlende Leben hatte dunkle Seiten: Wie viele in seiner Kirche war er Antisemit und wetterte gegen das „Weltjudentum“. Ob er angesichts seiner jüdischen Mitgefangenen dazulernte? Gott hat ihn zu einem Heiligen vollendet. Das macht auch uns Hoffnung.

Mittwoch, 15. August: Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund, und manchmal klammern wir uns an sie wie an einen Strohhalm. Der heutige Festtag offenbart uns die letztgültige Hoffnung. Was Maria erfahren hat, ist mehr als ein letzter Strohhalm; das ist der tragende Grund des Lebens, der sie allem Irdischen enthebt: Gott nimmt sie mit Leib und Seele in den Himmel auf. Sie ist in Liebe angenommen und dort angekommen, wo sie hingehört, ganz nah bei Gott. Die Mutter Gottes ist uns vorausgegangen und ebnet uns den Weg zu dem Ziel, das uns allen verheißen ist. Darum ist dieser Tag ein Fest unseres Glaubens und unserer Hoffnung, die auch am Ende nicht sterben wird, sondern ihre Erfüllung erfährt.

Donnerstag, 16. August: Heiliger Rochus
Wir schauen aber auf einen, von dem wir wenig wissen, der im Volk aber viel galt: Rochus von Montpellier. Der Legende nach pilgerte er nach Rom (1317), pflegte unterwegs Pestkranke und heilte sie mit dem Kreuz. Selbst infiziert, erhielt der Arme keine Pflege, lebte im Wald und wurde wundersam gesund. Daheim galt er als Spion, nach fünf Jahren Haft starb er – und wurde erkannt. Sehr bald wurde Rochus in Frankreich verehrt, dann in Venedig und von dort aus wurde er als „Nothelfer“ einer der volkstümlichsten Heiligen und Patron vieler Pest- und Seuchenspitäler.

„VSR“ – „Es lebe der heilige Rochus“ – steht in Frankreich bis heute an manchen Hauswänden. Darstellungen zeigen ihn als Pilger mit Pestwunde am Bein und oft rückt der Hund, der ihm täglich Brot brachte, mit ins Bild.

Mittwoch, 22. August: Mariä Königin
Dieses junge Fest, 1954 erstmals gefeiert, hat nicht zwingend eigene Lesungen. Die fortlaufenden Lesungen bieten Texte, aus deren Perspektive Maria als Vorbild, Wegweiserin und Fürbitterin erkennbar wird: Ezechiel, von Gott nicht nur für Israel als Mahner eingesetzt, sagt dem König von Tyrus, dass sein Hochmut Untergang bedeutet: „Du bist nur ein Mensch und kein Gott in der Hand deiner Mörder.“ Eine Warnung wie diese hatte Maria nicht nötig. Ihre hohe Stellung – wenn sie ihr denn je bewusst war – hat sie nicht hochmütig gemacht. Sie blieb ganz auf Gott hin orientiert. Himmlische Throne verheißt das Evangelium für die, die Jesus im Leben nachfolgen, die um seinetwillen ihr gewohntes Leben zurücklassen. Das hat Maria getan.


Donnerstag, 23. August: Hl. Rosa von Lima
Gott wird aktiv, verkündet der Prophet Ezechiel: „Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Völker – Spruch des Herrn – werden erkennen, dass ich der Herr bin.“

Dass Gott aktiv wird, können wir in der Geschichte öfter bemerken, z.B. an Rosa von Lima, der ersten Heiligen und Patronin Südamerikas. Schon als Kind fühlte sie sich zum kontemplativen Leben gerufen, und weil es in Peru kein Kloster gab, in das sie eintreten hätte können, gründete sie eines mit der Hilfe einer reichen Freundin. Ihr strenges Leben verstand sie als Sühne für die Gewalt der spanischen. 1617 starb Rosa, 1671 wurde sie heiliggesprochen.

Freitag, 24. August: Hl. Bartholomäus
Bartholomäus war ein von Jesus erwählter Apostel. Das ist aber auch schon alles, was wir sicher über ihn wissen. Seit etwa 1.000 Jahren wird er mit Natanael identifiziert, dessen Berufung das Evangelium uns heute erzählt (Joh 1,45-50); Exegeten stellen das aber infrage.

Der Legende nach trug er die Frohbotschaft nach Persien und Indien, auch nach Ägypten und Armenien, wo er das Martyrium erlitten habe. Viele Orte rühmen sich, Reliquien von ihm zu besitzen, u.a. auch Frankfurt am Main. Ob wir „etwas von ihm haben“ bzw. seinen Tag recht feiern, entscheidet sich daran, wie sehr wir meinen, Jesus eh schon zu kennen oder uns neu von Jesus rufen und senden zu lassen.

Montag, 27. August: Hl. Monika
Eine Frau, die in unsere Tage passen könnte. Eine Mutter, die stolz ist auf ihre Familie, ihre Kinder, ihren ältesten Sohn. Voll Spannung verfolgt sie seinen Werdegang – und zugleich voll Sorge. Karrieremäßig läuft alles glatt, doch sein Glaube, seine Seele scheinen auf der Strecke zu bleiben. So betet sie für ihn, sie weint um ihn. Keine Frau aus dem 21., sondern aus dem 4. Jahrhundert – die heilige Monika, Mutter des heiligen Augustinus. Sie hat in der Bekehrung ihres Sohnes und seiner Taufe durch Ambrosius von Mailand die Erfüllung ihrer Sendung und ihres Lebens gesehen. Ihr Beispiel kann Mut machen, auch heute, wo manches in unseren Familien und in unserer Kirche hoffnungslos scheint.

Dienstag, 28. August: Hl. Augustinus
Gestern die Mutter, Monika, heute der Sohn, Augustinus. Die Kalenderreform des II. Vatikanischen Konzils hat es gut gefügt, beide nacheinander zu feiern. Die Frucht der Liebe und Sorge, der Gebete und Tränen Monikas wird in Augustinus geradezu greifbar. Der, dessen Herz lange stolz und verschlossen gegen die Botschaft der Erlösung und den Erlöser war, wird zu einem seiner größten Zeugen und Bekenner. Den bedeutendsten lateinischen Kirchenvater nennt ihn die Theologie; „Bekenntnisse“ überschreibt er selbst sein Leben in der Rückschau. Sein Leben macht uns Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben und im Gebet treu zu bleiben. Vertrauen wir uns Christus, dem Heiland, an und bekennen auch wir uns zu ihm!

Mittwoch, 29. August: Enthauptung Johannes des Täufers
Weil ein Mächtiger es nicht wagt, der Stimme seines Herzens zu folgen, muss ein anderer sterben. Herodes hat Angst, sich vor den Gästen zu blamieren (Lies: Markus, 6,17–29).

Heute gedenkt die Kirche der Enthauptung des Täufers Johannes durch Herodes. Es war kein Mord aus seinem Vorsatz, aber doch eine Hinrichtung, die er selbst veranlasst hat: König Herodes hatte Johannes bewundert, seine Predigt geschätzt. Aber dann bleibt ihm nach seinem vollmundigen Versprechen scheinbar keine andere Wahl … Die Berufung des Täufers war es, für Recht und Wahrheit Zeugnis zu geben. Das trifft sicher für ihn im Besonderen zu – ist aber Aufgabe für uns alle als Glaubende. Recht und Wahrheit sind Werte, die wir immer wieder abzuwägen haben, damit unsere Worte und Taten deckungsgleich sind, damit unser Glaube wirksam werden kann.

Freitag, 31. August
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen weckt unseren Widerspruch: Wo bleibt die Solidarität der „Klugen“? Biblischer Forschung zufolge sind mit den Lampen Fackeln
gemeint, die mit Öl getränkt oder mit ölgetränkten Lappen umwickelt werden mussten. Wer kein Öl hat, kriegt sie überhaupt nicht zum Leuchten. Die Dummheit der Dummen besteht also nicht darin, dass sie zu wenig Öl mitgenommen hätten. Nein, ihre Dummheit ist noch viel dummer: Sie haben kein Öl besorgt, mit dem sie ihre Lampen anzünden könnten! Sie haben nichts getan. Buchstäblich gar nichts. Auf Solidarität im letzten Moment zu hoffen, warnt das Evangelium, geht daneben. Es drängt zur persönlichen Entscheidung. Wir müssen heute damit anfangen – ohne zu wissen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Wie bereiten wir uns also vor?

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