Samstag, 4. August 2012

„Unser tägliches Brot gib uns heute“. Eine Bitte um mehr als nur um Brot


Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.

Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.

Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben (Joh 6,24-35).



Wir alle kennen das Vater unser. Es ist das Grundgebet für uns alle, die wir uns Christen nennen. Es ist ein ganz wertvolles und wichtiges Gebet. Wir alle beten es im Gottesdienst ob wir katholisch, evangelisch oder orthodox sind.

Das Vaterunser hat sieben Bitten. Nicht umsonst! Sieben – das ist die heilige Zahl. Die drei ersten Bitten sind auf Gott gerichtet: “Geheiligt werde dein Name“. Wir beten weiter: „Dein Reich komme“. „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden“. Dann geht es um uns: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ so beten wir weiter. „Und führe uns nicht in Versuchung!“ sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Vielleicht ist euch etwas aufgefallen: Eine Bitte hat eine besondere Position inne. Sie steht genau in der Mitte dieses Gebetes und sie ist der Übergang von den Bitten die Gott betreffen zu denjenigen die uns Menschen betreffen. Ging es bisher um die Bitten dass der Name Gottes verherrlicht werde oder dass sein Reich komme oder sein Wille in der Welt geschehe, so geht es nun um unsere Nöte. Es geht genau gesagt um das tägliche Brot, um das satt essen. Wir wissen alle wie wichtig diese Bitte ist, denn wir wollen keinen Hunger leiden sondern jeden Tag uns, wenn möglich, wenigstens einmal satt essen.

Am vergangenen Sonntag hörten wir im Evangelium, wie 5000 Menschen Hunger hatten und die Jünger wussten nicht wie sie die alle satt bekommen sollten, so dass Jesus ein Wunder wirkte. Heute hörten wir die Fortsetzung. Die Menschen laufen Jesus nach. Aber nicht weil sie an ihn als den Messias glauben, sondern weil sie von den Broten gegessen haben, weil er sie versorgt hat. Sie sind durchweg arme Menschen, die Jesus nachfolgen, darum ist das gut zu verstehen. Er ist ihnen sympathisch, weil er ihren Hunger stillt und sie sich noch mehr von ihm erhoffen.

Aber Jesus weist sie zurecht! Sie sollen sich nicht um die verderbliche Speise bemühen, sondern um die unvergängliche, die ewige. Aber sagt das einmal zu Menschen denen der Magen knurrt, die Hunger haben!!! So ist es nicht verwunderlich, dass sie nicht viel von dem verstehen was Jesus meint und fordern ein weiteres Zeichen von ihm. Damit machen sie deutlich: Sie bleiben zu sehr am Vordergründigen, am unmittelbar sichtbaren hängen. Jesus spricht darauf hin vom wahren Brot. Er offenbart sich ihnen als das Brot des Lebens. Wer zu ihm kommt wird nie mehr hungern.

Wenn wir Jesus richtig verstehen dann müssen wir uns bei der Vaterunser-Bitte lösen von der reinen Brotbitte. Es geht zwar zunächst um das tägliche Brot, das wir uns vom Bäcker besorgen oder eventuell selber backen. Jesus meint aber mehr! Jesus sagt kurz nach seiner Taufe, bei der Versuchung durch den Satan in der Wüste: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Damit will er den Jüngern und uns sagen: Die Brot-Bitte meint nicht nur das Brot, sondern alles was wir zum Leben brauchen: Kleidung, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung; kurz, all das was wir zu einem menschenwürdigen Leben brauchen.  Die Bitte um Brot kann auch bedeuten, dass Gott mir den Sinn meines Lebens erschließt. Es kann bedeuten die Bitte um eine Familie um Freunde, um gute Beziehungen. Denn was nützt es mir wenn ich mir jeden Tag den Bauch voll schlagen kann, aber keinen Menschen habe mit dem ich vertrauensvoll reden kann?

Brot stillt unseren Hunger und gibt Kraft. Aber es gibt noch einen anderen Hunger, den man nicht mit Brot stillen kann. Es ist der Hunger nach Liebe und Geborgenheit, den alle Menschen haben. Auch unser Inneres, unser Herz braucht Nahrung. Wer zu Jesus kommt, „wird nie mehr hungern, und wer an ihn glaubt, wird nie mehr Durst haben“. Jesus stillt unseren Hunger und Durst nach Liebe und Geborgenheit, wenn wir ihm glauben und vertrauen. Viele Menschen versuchen zwar, den Hunger oder die Sehnsucht in ihrem Inneren durch eigene Anstrengung zu stillen. Aber es gelingt ihnen nicht. Die einen arbeiten bis zum Umfallen und werden dabei nicht zufrieden, sondern erschöpft und oft einsam. Die anderen häufen Geld und Reichtum an und werden doch nicht froh im Herzen. Wieder andere wollen unbedingt berühmt werden. Aber viele, die berühmt geworden sind, fühlen sich innerlich trotzdem leer und unzufrieden und enden oft im Selbstmord.

Jesus hat uns gezeigt, dass wir ganz im Vertrauen auf Gott leben können und dabei glücklich, froh und zufrieden werden können! Beten wir also jeden Tag voll Vertrauen: Unser tägliches Brot gib uns heute.

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