Dienstag, 4. September 2012

„Komm, sei mein Licht“ Zum Gedenken an den „Todesengel von Kalkutta“



Am 19. Oktober des Jahrs 2003, nur wenige Jahre nach ihrem Tod, sprach Papst Johannes Paul II. die albanische Ordensfrau Agnes Bojaxhiu selig. Sie ist nicht irgendeine weitere Person aus der großen Zahl der vom letzten Papst heilig und selig gesprochenen Männer und Frauen – sie ist eine der großen Heiligengestalten unserer Zeit und war es für viele Menschen schon während ihres Lebens. Denn bekannt wurde Agnes Bojaxhiu als „Todesengel von Kalkutta“, als „Mutter Teresa“.

Die bloßen Lebensdaten sagen über einen Menschen nie viel aus und über diese Frau, die bereits bald nach ihrem Tod eine moderne Heilige der Nächstenliebe genannt wurde, schon gar nicht. Am 26. August 1910 wird sie in Skopje geboren. Mit 18 Jahren schließt sie sich in Dublin den „Schwestern von der Jungfrau von Loreto“ an und nennt sich aus Verehrung der heiligen Theresia von Lisieux Teresa.

Das Ordenshaus in Kalkutta
Im indischen Darjeeling ist sie Lehrerin in einer höheren Schule für Mädchen, in deren Nachbarschaft ein Armenviertel liegt. Täglich begegnet ihr unvorstellbares Elend: Bettler, Kinder, die ausgesetzt, ja sogar in Mülltonnen geworfen werden, Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, Sterbende, die auf der Straße liegen.
1946 trifft sie im Zug von Kalkutta nach Darjeeling der Ruf Jesu, ihr Leben den Ärmsten der Armen zu widmen. Dringend bittet er Teresa: „Komm, trage mich in die Höhlen der Armen. Komm, sei mein Licht. Ich kann dorthin nicht alleine gehen. Sie kennen mich nicht, daher wollen sie mich nicht. Komm du und gehe zu ihnen. Trage mich mit dir in sie hinein.“ Teresa verlässt daraufhin ihr bisheriges Kloster, verzichtet auf eine Ordenstracht und kleidet sich in einen weißen Sari, die normale indische Frauenkleidung. „Gott hat mich gerufen“ , erklärt sie schlicht und einfach ihren Schritt, „ich muss das Loreto-Kloster verlassen und Christus in die Slums folgen, um ihm in den Ärmsten der Armen zu dienen

Mit den Armen möchte sie arm sein, um sie besser verstehen zu können. In Tiljala, einem der verrufensten Stadtteile Kalkuttas, beginnt sie sich um Kranke und Sterbende zu kümmern. Ihre Antwort auf den Anruf  Jesu: „Komm, sei mein Licht“, machte sie zu einer unübersehbaren Zeugin der Liebe Gottes, denn neben Medikamenten gibt sie Armen, was sie am meisten brauchen: Wertschätzung und Liebe. Für sich selbst stellt sie den Grundsatz auf, nach dem sie von jetzt an leben wollte: „Lass nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“

1949 schließt sich ihr ein Mädchen an, ein halbes Jahr später waren es bereits so viele, dass sie eine Gemeinschaft bilden kann, die sie die „Missionarinnen der Nächstenliebe“ nennt. Neben den drei üblichen Ordensgelübden legen die Schwestern ein Viertes ab: den Ärmsten der Armen zu dienen.

1952 stellte man den Schwestern eine Halle neben dem Tempel der Hindu-Todesgöttin Kali zur Verfügung. Aus ihr wird das erste Haus für Sterbende. „Kalighat“ ist zwar das bekannteste Haus Mutter Teresas, doch ist es nur das erste von vielen. Mit der Zahl der Schwestern wächst auch die Zahl der Aufgaben. Sie sind in Pflegestationen, weiteren Sterbehäusern, Kinderheimen sowie in der ambulanten Krankenpflege tätig – zunächst in Kalkutta, dann auch in anderen indischen Millionenstädten, in asiatischen Nachbarländern, schließlich auch in Europa, Afrika und anderen Teilen der Welt.

1977 gründet sie zusammen mit Angelo Devananda die „Brüder des Göttlichen Wortes“ als männlichen Zweig ihrer Ordensgemeinschaft. 1979 erhält Mutter Teresa den Friedensnobelpreis „in Anerkennung ihrer Tätigkeit, der leidenden Menschheit Hilfe zu bringen“, wie es in der Verleihungsurkunde heißt.

„Ich bin ein kleiner Bleistift in der Hand Gottes“, sagte sie einmal von sich. Mit diesem Bleistift hat Gott deutlich seine Liebe in unsere Zeit geschrieben. In ihrem Geist sind heute über 3500 Frauen und Männer tätig. Im Jahr 2003 unterhielt der Orden 710 Häuser der Nächstenliebe in 133 Ländern der Erde. Doch nicht nur den Angehörigen ihrer Gemeinschaft, sondern allen Christen gilt, was Mutter Teresa über ihre Gemeinschaft sagt: „Unsere Berufung besteht darin, Gott zu gehören, überzeugt zu sein, dass nichts und niemand uns von Christi Liebe trennen kann. Und es ist unsere Aufgabe, unsere Liebe zu Jesus in die Tat umzusetzen.“

Mutter Theresa starb am 5. September 1997 in Kalkutta. Der Todestag ist zugleich ihr Gedenktag im Heiligenkalender (5. September).

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