Samstag, 21. Januar 2012

„Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“ - Gedanken zur Sonntagslesung



„Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, so sagen wir umgangssprachlich und ahmen damit eine Redewendung der Politikersprache nach. In der Spannung zwischen Untergangsstimmung und der Hoffnung, dass der Untergang doch noch abgewendet werden kann, bewegen sich auch die Lesungen des heutigen Tages. Besonders anschauend und bewegend ist dabei die Geschichte des Jona. Sowohl Jona als auch Jesus rufen die Menschen zur Umkehr auf. Ihre Worte gelten uns! Kehren wir um, fangen wir HEUTE damit an. Fangen wir unsere Beziehung mit Gott, mit Jesus, jeden Tag neu an zu leben. Auch die Beziehung zu den Mitmenschen, die nicht immer leicht zu leben ist, sollen wir jeden Tag neu überdenken.


In der ersten der heutigen Lesungen des 3. Sonntags im Jahreskreis hören wir von dem Propheten Jona, der von Gott nach Ninive geschickt wird: Das Wort des Herrn erging an Jona: Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus (Jona 3,1-5.10).

 „Mach dich auf den Weg und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde“. Das hört sich ungefähr so an, als wenn der Vater zu den sich streitenden Kindern sagt: „Hört das bald auf mit den Streitereien, wenn ich komme, dann könnt ihr was erleben“.

Es wirkt so, als müsse sich Gott noch einfallen lassen, was er an Strafe vorgesehen hat für Ninive. Vielleicht vertraut er ja auch darauf, dass dem Propheten schon etwas einfallen wird. Auch darüber, was die Menschen der Stadt Ninive sich zu Schulden haben kommen lassen, schweigt das Buch Jona. Es wird am Beginn des Buches nur von der „Schlechtigkeit“ der Stadt Ninive erzählt, aber nichts konkretes.

Vielleicht ist es die dichterische Freiheit, die den Erzähler der Jonageschichte dazu veranlasst, ganz entscheidende Dinge wegzulassen. Das hat zur Folge dass jeder, der die Geschichte hört, sich so einiges darunter vorstellen kann, zum Beispiel seine eigene Schlechtigkeit. Die Geschichte will uns letztlich wegführen von den Niniveten hin zu uns.

Bisher hatte Jona sich immer gesträubt, nach Ninive zu gehen und Gott es Auftrag auszuführen. Er war geflohen und Gott hat ziemlich viel Aufwand  betreiben müssen, den Propheten doch noch nach Ninive zu bekommen.

Die Stadt Ninive wird uns als große Stadt vorgestellt. Drei Tage brauchte man, um sie zu durchschreiten. Jona geht einen Tag lang in die von Grund auf verdorbene Stadt hinein. Er kündigt ihnen an: „Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört“. Da geschieht etwas Unglaubliches. Die Bevölkerung bekehrt sich tatsächlich und kehrt um. Vom König bis zum armen Schlucker: alle sind bereit umzukehren, ihre Fehler einzusehen und einen Neubeginn zu machen. Damit hatte keiner gerechnet, am wenigsten Jona. Er hätte viel lieber gesehen, dass Gott ganz grausam dreinschlägt und die Stadt mitsamt allen Einwohnern zerstören würde.

Aber Gott ist anders! Als er merkt, dass die Einwohner von Ninive sich bekehren wollen, da gibt er ihnen eine neue Chance. Gott traut uns eine Kehrtwende zu.

Umkehr, so will uns das Buch Jona lehren, kann etwas sehr Vernünftiges sein. Wenn ich mit einem kleinen Boot auf einem See unterwegs bin und es braut sich ein Unwetter über mir zusammen, wäre es dumm und bedrohlich, nicht sofort umzukehren, Richtung Ufer. Umkehren ist weder eine Schande noch ein Zeichen mangelnden Mutes. Denn Umkehr kann in diesem Sinne etwas sehr Notwendiges für uns Menschen sein. Sie kann sogar Lebensnotwendig sein.

- Umkehren heißt für mich ganz konkret: in alltäglichen Dingen, in meinem Lebensumfeld bewusst hinzuschauen, wo etwas nicht stimmt, wo ein Schritt meinerseits getan werden müsste.

- Umkehren kann auch heißen: meine eigene Würde wieder neu zu entdecken. Was meine ich damit? Ich meine damit, dass ich in Essen und Trinken oder anderen Genussmitteln vielleicht die Kontrolle über mich verloren habe. - Oder in puncto Beziehungen: Kann ich meinem Ehepartner oder meiner Ehepartnerin noch ehrlich in die Augen schauen, oder muss ich bei mir einmal aufräumen und klare Verhältnisse schaffen?

- Umkehren kann auch heißen: mich neu auf Gottes Wort auszurichten, um die Kraft seiner Worte in meinem Alltag neu zu erfahren und noch mehr darauf zu vertrauen.


Umkehr ist, so gesehen, echte Lebenshilfe für uns, auch wenn es mitunter schwer fällt, sich neu zu orientieren. Eine Geschichte will uns das verdeutlichen: Ein Mann sitzt in einem Bummelzug. Bei jeder Station steckt er den Kopf zum Fenster hinaus, liest den Ortsnamen und stöhnt. Nach vier oder fünf Stationen fragt ihn sein Gegenüber besorgt: „Tut Ihnen etwas weh? Sie stöhnen so entsetzlich.” Da antwortete er: ,,Eigentlich müsste ich aussteigen, ich fahre dauernd in die falsche Richtung. Aber hier drinnen ist es so schön warm.”

Ja, wir wissen es oft selbst, dass wir im falschen Zug sitzen oder auf der falschen Straße unterwegs sind. Aber Umkehren setzt eine gewisse Kraftanstrengung voraus. Wenn wir uns aber einmal zum Umkehren entschlossen haben und die ersten Schritte auf dem richtigen Weg gegangen sind, dann merken wir auch, wie befreiend das sein kann.

Es lohnt sich das Buch Jona einmal ganz zu lesen. Es ist eines der kleinsten in der Bibel. In sehr menschlich gedachten Bildern erzählt es von der großen Güte Gottes. Gott ist barmherzig. Er verschont die Stadt Ninive auch wenn Jona das lieber anders gesehen hätte. Es will uns sagen Gott traut uns eine Kehrtwende zu. Umkehr ist immer möglich. Gott wartet nur darauf! Nutzen wir die Chance.



Mittwoch, 18. Januar 2012

Benedikt XVI.: "Einheit der Christen ist ein Geschenk"


Gestern erinnerte der Papst anlässlich seiner Generalaudienz an die Gebetswoche um die Wiedervereinigung im Glauben, 18. Bis 25. Januar. Jedes Jahr bitten die Christen aller Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften um die Gabe, für die der Herr während des Letzten Abendmahls gebetet habe und zwar: „Alle sollen eins sein“, so der Papst.

„Die Gebetswoche will uns zu Bewusstsein bringen, dass die Einheit, nach der wir streben, nicht von uns selber erwirkt werden kann, das sie ein Geschenk ist, das wir empfangen und um das wir immer wieder bitten müssen. In diesem Jahr lautet das Leitwort der Gebetswoche „Wir werden alle verwandelt werden durch den Sieg Jesu Christi, unseres Herrn“ (vgl. 1 Kor 15,51-58) und der Nachdruck liegt auf Verwandlung.“ Glaube verwandelt und Verwandlung allein könne Einheit wirken, fügte Benedikt an.

„Christus zeigt seinen Weg des Sieges, der anders ist, als der Sieg der Welt. Er ist nicht durch Macht und Gewalt errungen, es ist ein Sieg, der unter dem Zeichen steht „Wer der Erste sein will, soll der Letzte sein und der Diener von allen“ (Mk 9,35). Für uns ist Chrisus selbst, mit seinem demütigen Dienen, seiner Hingabe und seinem Leiden und Auferstehen der wirkliche Ausdruck des Sieges. Am Ostermorgen leuchtet der Sieg der Liebe über den Tod auf. Und wir erhalten daran Anteil, wenn wir uns von ihm in dieser Richtung umwandeln lassen. Einheit erfordert demnach Umwandlung, das heißt von uns her gesehen Umkehr, Bekehrung, eine immerwährende Bekehrung, sowohl persönlich, wie gemeinschaftlich.“ Bei der Ökumene ginge es nicht einfach um Nettigkeit, Zusammenarbeit, sondern sie benötige den tiefen Glauben an Gott, der die Gläubigen aus sich selbst herausreiße und Gott ähnlich mache. „In das neue Leben in Christus eintreten, das ist der Sieg Christi, das ist unsere Verwandlung und das schafft Einheit.“

Anschließend grüsste der Papst die deutschsprachigen Gäste in der Audienzhalle: „Von Herzen grüße ich alle deutschsprachigen Pilger, heute besonders eine Delegation von österreichischen Pfarrgemeinde-
ratsmitgliedern in Begleitung von Bischof Alois Schwarz, außerdem eine Gruppe katholischer Ordensschwestern, sowie eine Delegation der Mainzer Ranzengarde. Herzlich willkommen! Beten wir in dieser Woche um die Einheit aller Christen, damit das gemeinsame Zeugnis, die Solidarität und die Zusammenarbeit wachse und wir dann wirklich dem Tag entgegengehen dürfen, an dem wir miteinander den von den Aposteln überlieferten Glauben bekennen und die Sakramente der Umgestaltung in Christus feiern dürfen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“ (Quelle: Radio Vatikan / Deutschsprachige Redaktion  18.01.2012 mg)

Dienstag, 17. Januar 2012

Phil Bosmans gestorben


„ Wenn du müde bist, am Ende,
der Kopf tot wie ein Stück Holz
und das Herz ausgebrannt,
wenn alle Lichter ausgegangen sind
und du nicht mehr siehst,
wie es weitergehen soll,
wenn du gar nichts mehr siehst,
da kann ein Wort, ein Gedanke, ein Bild, eine Erinnerung
manchmal wie ein Stern in deiner Nacht aufleuchten ...“

Phil Bosmans


Phil Bosmans ließ viele Lichter im Leben der Menschen aufleuchten. Millionenfach sind seine Bücher gelesen und in viele Sprachen übersetzt worden. Licht, Güte, Liebe - diese einfache Grundmelodie durchzieht die Texte des flämischen Ordensmannes und Erfolgsautors Phil Bosmans, der am Dienstag, 17. Januar 2012, in einem belgischen Krankenhaus im Alter von 89 Jahren gestorben ist. Seine Bücher sind Vitamine fürs Herz - und verkauften sich millionenfach.

Rund zehn Millionen Mal sind seine Bücher - ganz ohne große Marketingstrategie - weltweit verkauft worden, vor allem in den 80er Jahren. Der Klassiker „Vergiss die Freude nicht“ erzielte zahllose Auflagen und rund eine Million verkaufte Exemplare allein in Deutschland.

Bosmans war Volksmissionar. Als Absolvent einer Ordensschule trat er 1941 in den Orden des Wanderpredigers Grignion de Montfort ein und wurde 1948 zum Priester geweiht. Er ging in die Arbeiterstädte Nordfrankreichs, zu Menschen, die mit der traditionellen Sprache der Kirche und mit Bürgerlichkeit nichts anzufangen wussten. Ab 1950 beteiligte er sich an der Volksmission in Belgien, zog mit einer mobilen Kapelle über Land, hielt Predigten und Versammlungen, fand Zeit für Hausbesuche.

Meister der Spruchkarten

Der Montfortaner wurde zum Meister der Spruchkarten, brachte Aphorismen und Texte heraus, die Markenzeichen für eine Lebenshilfe aus dem Geist des Evangeliums wurden. Mit Radioansprachen und „Hebelkarten“ - gedruckten Sinnsprüchen, die als geistiger Hebel dem Leben einen Impuls geben sollen - fing es an. Besondere Bekanntheit erlangte der Ordensmann aber durch die „Vitamine für das Herz“: Nachdem Bosmans über ein Jahrzehnt eine Art Telefon-Mission betrieben hatte, erschien eine Auswahl der Texte in Buchform. Das Werk wurde ein Bestseller.

Doch Bosmans war nicht nur ein Meister des Wortes: Er gründete die erste soziale Anlaufstelle in Belgien für Strafentlassene und Arbeitslose ohne Unterstützung, dann ein Haus für wohnsitzlose Frauen. In Deutschland ging 1988 aus der Organisation „Freunde schaffen Freunde“ ein deutschsprachiger „Bund ohne Namen“ hervor.
„Mein letztes Wort: Dankbarkeit“ 

1994 dann ein Schicksalsschlag: Durch einen Schlaganfall war Bosmans seitdem rechtsseitig gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. „Gott hat meinen Terminkalender durchgestrichen“, kommentierte er seine Behinderung, die ihn jedoch nicht verbitterte. Er lebte in den folgenden Jahren in einem kleinen Zimmer im Montfortaner-Kloster im belgischen Kontich. Es hing voller Clown-Darstellungen, die Bosmans so sehr liebte.

Das Schreiben hatte der Erfolgsautor schon in den vergangenen Jahren fast ganz eingestellt. Allerdings wurden noch weiter unveröffentlichte Texte von ihm veröffentlicht. Seine Werke wurden in 26 Sprachen übersetzt, er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 



In der vergangenen Woche wurde der 89-Jährige mit einer schweren Bronchitis und Fieber in das Sankt-Josefs-Krankenhaus im belgischen Mortsel aufgenommen. Rasch wurde klar, dass sein Zustand unumkehrbar war. Noch in den Dienstagsausgaben belgischer Zeitungen war zu lesen, dass jederzeit mit dem Abschied zu rechnen sein würde. „Mein letztes Wort: Dankbarkeit“ heißt der Satz, mit dem Bosmans sich von der Öffentlichkeit verabschiedete. Ganz im Geist seines jahrzehntelangen Wirkens.  
(Christoph Arens / kna)

Montag, 16. Januar 2012

Antonius "der Einsiedler"



Die Kirche gedenkt heute des Einsiedlers Antonius, der sich im 3. Jahrhundert in die Wüste Ägyptens zurückzog um Gott nahe zu sein. Gleichzeitig blieb er aber auch den Menschen nahe, denn er wurde von vielen gesucht und um Rat gefragt. Das Evangelium vom reichen Jüngling, dem Jesus den Rat gab, alles zu verschenken, hatte ihn in einem Gottesdienst so getroffen, dass er diesen Weg der Nachfolge Jesu wählte. So wurde er zum Vater des Mönchtums.

Von Reichtum und Nachfolge

Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. (Mt 19,16-22).

Es war ein reicher Mann ...

Finanziell war Antonius gut abgesichert, seine Familie war wohlhabend. Doch als seine Eltern plötzlich starben, entstand für ihn eine gewisse Leere. Es stellte sich für ihn die Frage nach dem Sinn des Lebens - mehr als bisher. Er stellte fest, dass das Materielle allein nicht glücklich macht. Als er dann auch noch in der Kirche, während der Messe, das Evangelium vom 'reichen Jüngling' hörte war auf einmal alles klar für ihn.

In diesem Evangelium fragt bekanntlich ein junger Mann den Herrn Jesus was er tun müsse um das ewige Leben zu gewinnen. Jesus antwortet ihm mit einem Verweis auf die Gebote, die er halten soll. Instinktiv scheint der junge Mann aber gespürt zu haben, dass das Halten der Gebote noch keine endgültige Erfüllung bringt; darum hakt er gewissermaßen nach und fragt weiter, indem er sich die Gebote von Jesus aufzählen lässt. Dieser nennt sie ihm: Du sollst nicht töten, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen, nicht falsch aussagen, Vater und Mutter ehren und den Nächsten lieben. Das scheint ihm aber nicht zu genügen, er weiß wie wichtig das Halten der Gebote für ein gelingendes Leben ist; er will von Jesus wissen, was er tun muss um das ewige Leben zu gewinnen. Er will sich einen Schatz im Himmel sichern, er will sicher gehen, dass er nach seinem Tod einen Platz bei Gott findet. Diese Sorge war ihm sehr wichtig.

Wir kennen die Antwort Jesu an den Jungen Mann: "Geh und verkaufe deinen Besitz, dann gib das Geld den Armen, dann komm und folge mir nach, dann wirst du einen Schatz im Himmel haben. Wir kennen auch die Reaktion des Jungen Mannes; er ging traurig weg, denn er hatte ein großes Vermögen, erzählt das Evangelium.

Antonius hat – nicht ohne Kämpfe – Gott auf den ersten Platz gewählt

Ganz anders aber die Reaktion des jungen Antonius, als er dieses Evangelium gehört hatte. Er hat das Evangelium ohne Zögern in die Tat umgesetzt. Er stellt Gott an die erste Stelle in seinem Leben. Seine kleine Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich war, hat er gutmütigen Menschen anvertraut, dann hat er alles verkauft, und hat sich in die Wüste zurückgezogen um in der Stille, in der Einsamkeit und in einem ganz schlichten, einfachen Leben Gott zu suchen, um sich einen Schatz im Himmel zu sichern.

Gott bringt die eigenen Vorstellungen des Antonius zum Schweigen ...
Es gilt Gottes Willen zu erkennen!

Aber dann geschieht etwas merkwürdiges, was mich an diesem großen Heiligen, so fasziniert. Ursprünglich war es sein Bestreben gewesen, sein eigenes endgültiges Glück zu finden, seinen Platz im Himmel wollte er sich sichern. Er ist in die Wüste gegangen, um unter großen Entsagungen und Kämpfen mit sich selbst, Gott zu finden. Er hat ihn auch gefunden, aber er hat nach einiger Zeit erkannt, dass er nicht bei sich selbst stehen bleiben kann. Dass es gar nicht Gottes Wille ist, ausschließlich als Einsiedler zu leben, um sich sein eigenes Seelenheil zu sichern. Denn Gott hat es so gefügt, dass viele Menschen den Einsiedler in der Wüste aufsuchen gingen, um von ihm Rat zu erbitten. Seine Weisheit und Güte hatte sich schnell herumgesprochen. Den vielen Menschen, die ihn in der Wüste aufsuchten, hat er sich nicht verschlossen, sondern hat auch ihnen die genauso wie er, nach Sinn und Orientierung im Lebens suchten, weitergeholfen und auf ihre Fragen geantwortet.

Daraus können wir schließen: Wenn wir uns bemühen Gott zu suchen dann ist das keine Angelegenheit, die sich ausschließlich in der Wüste oder in unserem stillen Kämmerlein abspielt, sondern wirkliche Gotteserkenntnis zielt letztlich auf die Gemeinschaft mit anderen Menschen hin. Unser Gott ist ein Gott der Beziehung, wer ihm wirklich nahe kommt, den führt er automatisch zu den Menschen.

Gott kennt uns am Besten und weiß was gut für uns ist.

Je mehr wir danach streben, Gottes „Stimme“ in Einzelheiten zu hören, ihn dabei nicht auf bestimmte Kanäle festlegen, desto wirksamer wird unser Dienst und um so sicherer unser Weg sein, da man so unnötige Wegstrecken vermeidet, die vielleicht der eigentlichen Berufung entgegenstehen.
Das musste Antonius erst lernen. Das können wir von ihm lernen. Wir brauchen dafür nicht alles zu verkaufen, wir brauchen nur einiges loszulassen und an andere abzugeben. Das muss nicht unbedingt Geld sein, dass kann auch Zeit sein, denn wie das Sprichwort sagt, ist Zeit Geld. Es tun sich uns viele Möglichkeiten auf, das in unserer näheren Umgebung umzusetzen.

Heilige waren getaufte Christen, wie wir, und sind ihren Lebensweg gegangen konsequent gegangen mit allen Höhen und Tiefen. Ihr Leben war geprägt von einer tiefen Christusliebe und Christusnachfolge, was sie zu dem werden ließ, was sie geworden sind: Heilige.

Sonntag, 15. Januar 2012

Wort Gottes für den Tag, 16. Januar 2012

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Aus dem Buch der Weisheit: Es gibt keinen Gott außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich gegen alles Nachsicht üben. Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die trotzige Auflehnung. Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Nachsicht; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst. Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst (Weish 12,13.16-19).


Justizia
Vielleicht habt auch ihr schon Menschen getroffen, von denen ihr sagt: “Er oder sie weiß sein Leben souverän zu gestalten. Dies können Menschen sein, die sich nicht gleich von jeder Meinung beeinflussen lassen, die selbständig eine eigene Meinung finden, die andererseits aber auch so tolerant sind, dass sie ihr eigenes Leben nicht zum Maßstab für eine allgemeine Ethik machen.



Toleranz - diesen Begriff führen wir zwar alle im Munde aber ich bezweifle, dass wir ihn auch wirklich schon verinnerlicht haben. Wir sind meist so lange tolerant, wie uns die Meinung oder das Verhalten der anderen nicht stört.



In dem kleinen Ausschnitt aus dem Buch der Weisheit wird uns Gott als sehr tolerant vorgestellt. Es wird da gesagt, dass er ein “menschenfreundlicher Gott“ ist. Er richtet in Milde und behandelt uns mit großer Nachsicht und gewährt uns immer wieder die Chance zur Umkehr. Dieses Gottesbild treffen wir sehr oft in der Bibel an, leider ist es nicht immer in rechtem Maße den Menschen vermittelt worden.



Für das Buch der Weisheit ist Gott der ganz andere; er ist die Toleranz in Person, nicht weil er schwach ist, sondern weil er stark und souverän ist. Er steht eben über allem, so, wie ich eingangs sagte, wie wir manche Menschen auch kennen, die in sich selbst fest stehen und nicht beeinflussbar sind. Eben diese Stärke gibt ihnen die Möglichkeit anderen gegenüber tolerant zu sein, aber auch zu richten so wie es ihm recht ist.



Diese Toleranz Gottes spricht Jesus an, wenn er seinen Zuhörern wieder einmal ein Gleichnis vorträgt, das aus ihrem Leben gegriffen ist. Er vergleicht das Himmelreich mit einem Acker, wo der Besitzer Samen ausstreut und wo dann zugleich mit dem Weizen auch der Unkrautsame aufgeht und wächst. Dieses Bild, vom Sämann Gottes treffen wir öfter in der Bibel an. Nach biblischem Verständnis sät Gott die Menschen aus und irgendwann erscheint er zur Ernte.

Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.  Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune (Mt 13, 24-30).

Auch in einer Zeit, die nicht mehr von der Landwirtschaft geprägt ist, versteht jeder, was Jesus uns mit diesem Gleichnis sagen will. Denn nicht bloß die Gartenbesitzer unter uns, wir alle haben uns herumzuschlagen mit dem Problem des Unkrauts im Weizen. Wo gibt es schon ein Feld ohne Unkraut? Wo gibt es eine Partei, deren Programm und deren praktisches Tun uns wirklich hundertprozentig zusagt? Wo gibt es einen Verein, einen Chor, eine Gruppe, bei der uns jedes Gesicht passt, im Vorstand und bei den Mitgliedern? Wo gibt es einen Betrieb, in dem alles reibungslos läuft, wo keiner etwas falsch macht, wo Unternehmer, Arbeitnehmer und Kunden alle voll zufrieden sind?  Wo ist ein Medikament, das nicht auch schädliche Nebenwirkungen hat? Wo gibt es einen Menschen mit nur guten Eigenschaften?



Wir müssen uns damit abfinden, dass es überall Unkraut gibt: technisches und menschliches Versagen, Unvollkommenheiten und Schwächen. Die Welt ist nicht perfekt, ist nicht so heil, wie wir sie uns erträumen. Wir leben nicht im Paradies.



Bevor Jesus nun eingeht auf die Frage nach den Unkrautvernichtungsmitteln, will er uns warnen vor einer gefährlichen Selbsttäuschung. Wir meinen ja leicht: Nur bei den anderen gibt es Unkraut. Was in meinem Garten wächst, sind lauter Blumen. Was ich säe, ist guter Same. Wie ich meine Kinder erziehe, das ist die einzig richtige Methode. Wie ich das Evangelium verstehe und auslege ist die einzig wahre Methode. Wir sind im wahren Christentum. Alles andere ist vom Bösen. Was meine Partei sagt zu dieser oder jener Frage müssen alle als wahr und richtig erkennen, sonst liegen sie meiner Ansicht nach daneben.  Kurz um: Alles Fremde und Ungewohnte ist Unkraut und muss bekämpft und ausgerottet werden, so meinen wir!


Wer sich etwas auskennt in der  Kirchengeschichte, der weiß, zu welch traurigen Ergebnissen solch radikale Unkrautvernichtung geführt hat und heute noch führt.

Wer besessen ist von einer Idee und seinen eigenen Vogel gleich für den Heiligen Geist hält, der schlägt in seinem Fanatismus mehr kaputt, als er gutmacht, und wenn er es ursprünglich noch so gut meint. Denn etwas Gutes wollen sie ja alle, die Unkrautvernichter: ein Feld ohne Unkraut, eine ideale, heile Welt. Nur ist der Preis, den sie für ihre Utopie zahlen wollen - oder vielmehr, den andere dafür bezahlen müssen - zu hoch. Vielleicht versteht ihr von daher auch die Sorge Jesu, wir könnten in unserer heiligen Säuberungswut, in unserem Traum von einer perfekten Gesellschaft, von der heilen Familie und einer Kirche der Heiligen, zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen.



Weil das so kompliziert ist mit dem Unkraut, mit dem Gefährlichen und Bösen, darum mahnt Jesus zur Vorsicht und zu Geduld. "Lasst beides wachsen bis zur Ernte!" Werdet nicht ungeduldig, will er sagen, wenn Unkraut und Weizen so dicht miteinander verwachsen sind, dass man es gar nicht sauber trennen kann, ohne Schaden anzurichten. Und prüft euch selbst, ob ihr nicht all zu schnell einem Menschen, einer Idee oder einer Bewegung den Stempel "Unkraut" aufdrückt nach dem Motto: Aus dem wird nie was werden ! Der ist total verdorben ! Der gehört nicht zu uns ! Das ist nicht mehr katholisch !



Woher sind wir so sicher, dass das was uns als Unkraut erscheint, auch in Gottes Augen Unkraut ist, dass das "sogenannte Böse" auch von Gott böse genannt und verworfen wird am Tag der Ernte? Kein Mensch ist nur gut oder total böse. Keine Sache nur nützlich - oder nur schädlich. Keine Idee nur richtig oder völlig falsch. Alles hat seine zwei Seiten. Was dem einen nutzt, schadet unter Umständen dem anderen. Dieselbe Distel, an welcher der eine sich sticht und die er wütend zertritt, dieselbe Distel stellt sich vielleicht ein anderer auf den Tisch in die Vase und freut sich daran. Was heißt da "Un-kraut"? Möglicherweise kann das Un-kraut sogar eine heilsame Medizin sein. Darum vorsichtig sein mit dem ausreißen!



Das bedeutet sicher nicht, wir sollten das Unkraut einfach Weizen nennen. Nein! Wir müssen sogar kritisch sein. Und Toleranz heißt nicht Beliebigkeit. Wir dürfen durchaus unsere eigene Meinung haben und vertreten. Aber lassen wir den anderen auch die Ihre. Im heutigen Evangelium wird uns von Jesus klar und deutlich gesagt: “Lasst Unkraut und Frucht bis zur Ernte stehen!“ Erst bei der Ernte, also am Ende der Tage, wird zu entscheiden und zu unterscheiden sein. Und das ist nicht unsere Aufgabe, sondern Gottes Aufgabe!  Und überprüft auch, ob nicht zufällig bei euch auch Unkraut wächst, das ausgemerzt werden müsste. Überprüft daher auch eure eigene Position immer wieder. Rechnet damit, dass ihr euch irren könnt. Und seid eurer selbst nicht zu sicher. Erst der Tag der Ernte wird den großen Durchblick bringen und die endgültige Scheidung der Geister. Und vielleicht bringt dieser Tag für viele die große Überraschung.