Samstag, 28. Januar 2012

4. Sonntag im Jahreskreis: „Er lehrt wie einer, der göttliche Vollmacht hat.“


Von Jesus wird das heute im Evangelium gesagt. Er lehrt wie einer, der göttliche Vollmacht hat.“ Vollmacht das ist ein Wort, mit dem öfter im Neuen Testament das Auftreten Jesu beschrieben wird. Dieses Wort wird in unserem Sprachgebrauch gebraucht wenn wir ausdrücken wollen, dass wir im Namen eines anderen Menschen oder einer Organisation handeln. So kann ich Vollmacht über das Bankkonto eines Menschen haben. Oder der Bischof bevollmächtigt mich die Sakramente zu spenden.



Jesus hatte auch eine solche Vollmacht. Im Namen Gottes verkündigte er das Reich Gottes. Und er verkündigte es nicht nur, sondern ließ es sichtbar werden durch die Hinwendung zu den Menschen. Jesus hat nicht nur starke Worte, er lässt seinen Worten Taten folgen und führt aus, was er verkündet.

Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa (Mk 1,21-28).

Im heutigen Evangelium hören wir von einem Mann. Ein unreiner Geist zerrt ihn hin und her, als Jesus im Tempel lehrt. Der Geist ist so stark, dass er den Mann auf den Boden wirft. Wie viele Süchtige können sich darin wiederentdecken? Besessenheit ist entwürdigend, denn Besessenheit macht den Menschen unfrei, denn der Mensch ist an eine Sache oder an einen Menschen gefesselt und kommt von diesen nicht mehr los.



Besessenheit kann uns so lähmen, dass wir die wirklich wichtigen Dinge des Lebens gar nicht mehr wahrnehmen oder für unwichtig halten. Diese Art von Besessenheit ist schrecklich. Manchmal so schlimm, dass sie zur Sucht wird. Solche Leute verlieren ihre Bindungen, versagen in der Schule oder am Arbeitsplatz. Sie sind wie gelähmt und werden hin- und hergeworfen von ihren Süchten.

Keine Zauberei, sondern göttliche Vollmacht

Die Menschen damals merken, dass er mit göttlicher Vollmacht redet. Er beherrscht nicht nur sich selbst, sondern er hilft anderen, von ihrer Besessenheit loszukommen. Das hat nichts mit Zauberei zu tun sondern Jesus spricht mit Vollmacht, er spricht und er handelt nicht von sich aus, sondern er handelt durch die Kraft Gottes. Die Geschichte von heute zeigt: Egal, wie sehr wir auch besessen sind von unseren Abhängigkeiten, es ist Jesus, der uns heilt. Wir brauchen zwar nicht hinter allem eine Besessenheit zu wittern, aber wir tun gut daran, dass wir das Böse und seine Macht nicht verharmlosen.



Wer meint von Bösem beherrscht zu sein, der muss sich sagen lassen: „Es wird Zeit, dass du deinen Glauben an Christus neu überdenkst, dass Gott in deinem Leben mehr Platz hat. Er soll nicht ein Nischendasein führen, sondern möglichst viel Raum in deinem Leben einnehmen. Leider ist Gott in vielen Bereichen nicht mehr der Maßstab menschlichen Lebens. Und darum ist das heutige Evangelium für uns so aktuell. Die dort beschriebene Auseinandersetzung zwischen Gott und einem unreinen Geist, zwischen Gut und Böse, zwischen Rein und Unrein ist auch ein Bild für den inneren Kampf unseres Lebens, in dem viele Böse Mächte versuchen Einfluss auf uns zu nehmen und uns in eine Abhängigkeit zu führen. Leider bagatellisieren wir diese Tatsache zu oft.


Gott den rechten Platz einräumen

Eine indianische Geschichte erzählt von einem Häuptling, der seinen Sohn auf diesen inneren Kampf aufmerksam macht. Er erzählt ihm von den zwei Wölfen, die er im Herzen trägt. Der eine ist jung und zahm, der andere gerissen und wild. Beide kämpfen immerzu miteinander. Als der Indianerjunge den Vater fragt, wer von den beiden Wölfen den Kampf gewinnen wird, antwortet ihm der Häuptling: ,,Es gewinnt immer der, dem ich die meiste Nahrung gebe!“



Es liegt also an uns, wie viel Platz wir den bösen Geistern in unserem Leben einräumen! Es bleibt eine wesentliche Anstrengung für gläubige Menschen Gott im eigenen Leben immer wieder den angemessenen Platz einzuräumen, denn sonst nimmt ein anderer diesen Platz ein, und das kann uns in Abhängigkeiten führen, die für uns nicht gut sind. Denn Gott hat einen jeden Menschen zur Freiheit berufen, frei von Abhängigkeiten und unreinen Geistern.


Mit Damian ruft zur Hilfe für Lepra- und Tuberkulosekranke auf
An diesem Wochenende: Kollekte in allen Kirchen


Die belgische Hilfsorganisation “Mit Damian” startete am Freitag ihre diesjährige Aufklärungs- und Spendenkampagne. Im Mittelpunkt standen dabei die Armutskrankheiten Lepra und Tuberkulose, die in Asien, Afrika und Lateinamerika noch immer weit verbreitet sind. Beispielland der diesjährigen Spendenkampagne ist Kongo. Im Osten des Landes, in Moba, ist am Tanganyika-See ein neuer Lepraherd entdeckt worden. Im Hochland grassiert unterdessen die Tuberkulose.




In Eupen und St. Vith verkaufen die Schüler an diesem Wochenende vor den großen Kaufhäusern Stifte. Der Erlös kommt Projekten in 15 Ländern weltweit zugute. Und in den Pfarrgemeinden finden Kollekten zugunsten von “Mit Damian” statt.



Europa: Vatikan erfreut über Nein zur Euthanasie
Der Heilige Stuhl ist erfreut über die jüngste Resolution des Europarats-Parlaments, die sich für ein Verbot der Sterbehilfe ausspricht. „Euthanasie, im Sinn einer absichtsvollen Tötung eines abhängigen Menschen durch Handeln oder Unterlassen zu seinem oder ihrem angeblichen Wohl, muss immer verboten werden“, heißt es in der Resolution. Aldo Giordano, der den Heiligen Stuhl als Ständiger Beobachter beim Europarat in Straßburg vertritt, sagte gegenüber Radio Vatikan:



„Sehr positiv an diesem Text ist, dass es geglückt ist, diese betreffende Aussage einzufügen. Das scheint mir von höchster Bedeutung auf rechtlicher und kultureller Ebene in Europa.“



Im Zweifelsfall immer für das Leben: diese Aussage des Europarats-Parlaments spiegelt im Grund eine jahrhundertealte Erfahrung wider, ein „Prinzip unserer Geschichte“, denkt der Vatikan-Mann in Straßburg. Er hoffe, dass das ,Nein‘ zur Euthanasie nun „für die Rechtsprechung und auch für den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ein Bezugspunkt wird“. Giordano sieht die Resolution als Ausdruck einer kulturellen Wende auf dem Kontinent.



„Hier meldet sich ein Europa zu Wort, das ernsthaft den Sinn des Geheimnisses des Lebens und des Todes wieder entdecken will – und eines begreift: Wir sind nicht Eigentümer des Lebens und des Todes, auch weil es so große und geheimnisvolle Wirklichkeiten sind, dass sie nicht unserem freien Urteil anheim zu stellen sind. Ich interpretiere diese Resolution als das positive Signal einer Kultur, die sich der vermeintlichen Mehrheitskultur entgegenstellt – aber es ist eben nur die vermeintliche Mehrheitskultur. Denn insgesamt betrachtet, sucht Europa die Werte und den Respekt dessen, was für die Existenz der Menschen wichtiger ist.“



Den Text hatten die Abgeordneten des Europaparlaments am Mittwoch während ihrer Winter-Plenarsitzung verabschiedet. Hauptsächlich beschäftigt er sich mit dem Thema Patientenverfügungen, auf die Sterbehilfe selbst wird nur kurz eingegangen. „Im Fall eines Zweifels muss die Entscheidung immer zugunsten des Lebens und der Verlängerung des Lebens ausfallen“, heißt es in der Entschließung.



Die christliche Menschenrechtsorganisation „Europäisches Zentrum für Recht und Gerechtigkeit“ (ECLJ) forderte, die Resolution müsse einen Einfluss auf das anstehende Urteil „Koch gegen Deutschland“ des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs haben, bei dem es um Beihilfe zum Suizid geht. Im Mittelpunkt dieses Falls steht der Tod einer Deutschen, die nach einem Unfall fast vollständig gelähmt war. Nachdem ihr die Durchführung des selbst gewünschten Sterbens in Deutschland verweigert worden war, nahm die Frau mit Zustimmung ihrer Familie in der Schweiz in einer Sterbeklinik ein Mittel zu sich, das ihren Tod zur Folge hatte. Die Frage, ob die Ablehnung des Sterbewunsches in Deutschland gegen Menschenrechte verstoßen hat, wird nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg behandelt. (rv/epd 28.01.2012 gs/pr)

Freitag, 27. Januar 2012

Die Geschichte vom Bambus



In einem großen Garten wuchs ein Bambusbaum. Der Herr des Gartens hatte seine Freude an ihm. Von Jahr zu Jahr wurde er kräftiger und schöner. Eines Tages aber blieb er vor ihm stehen und sagte: „Lieber Bambus, ich brauche dich!“ Der Baum antwortete „Herr, ich bin bereit, gebrauche mich, wie du willst.“ Die Stimme des Herrn wurde ernst: “Um dich zu gebrauchen, muss ich dich beschneiden!“ Der Baum erzitterte: „Mich beschneiden? Deinen schönsten Baum im Garten? Nein bitte, das nicht, bitte nicht! Verwende mich doch zu deiner Freude, Herr, aber beschneiden . . .! “Der Herr sagte noch ernster: „Wenn ich dich nicht beschneide, kann ich dich nicht gebrauchen.“

Im Garten wurde es ganz still. Der Wind hielt den Atem an. Langsam beugte der Bambus seinen herrlichen Kopf und sagte leise „Herr, wenn du mich anders nicht gebrauchen kannst, dann beschneide mich!“ Doch der Herr fuhr fort: „Mein geliebter Bambus, ich werde dir auch deine Blätter und Äste abschneiden!“ „Ach, Herr, davor bewahre mich. Zerstöre meine Schönheit, aber lass mir bitte Blätter und Äste!“ „Wenn ich sie dir nicht abschneide, kann ich dich nicht gebrauchen!“

Die Sonne versteckte ihr Gesicht. Ein Schmetterling flog ängstlich davon. Bis ins Mark getroffen, flüsterte der Bambus: „Herr, schlag sie ab!“

„Mein geliebter Bambus, ich muss dir noch mehr antun. Ich muss dich mitten durchschneiden und dein Herz herausnehmen. Wenn ich das nicht tue, kann ich dich nicht gebrauchen!“ Da neigte sich der Bambus bis zur Erde: „Herr, schneide und teile!“

So schnitt der Herr des Gartens den Bambus, hieb seine Äste ab, streifte seine Blätter fort, teilte ihn in zwei Teile und schnitt sein Herz heraus. Dann trug er ihn mitten durch die trockenen Felder in die Nähe einer Quelle. Dort verband er mit dem Bambusstamm die Quelle mit der Wasserrinne  im Feld. Und das klare, glitzernde Wasser schoss durch den zerteilten Körper des Bambus in den Kanal und floss auf die dürren Felder, um eine reiche Ernte möglich zu machen. - So wurde der herrliche Bambus erst zum großen Segen, als er gebrochen und zerschlagen war.

(Willi Hofsümmer, Kurzgeschichten, Band 1 S. 39-40)

Donnerstag, 26. Januar 2012

Wort Gottes für den Tag, Freitag, 27. Januar


Wenn in den Evangelien von Ernte die Rede ist, deutet dies auf die Endzeit hin. So weisen auch die Gleichnisse, von denen wir heute im Evangelium hören, auf die Vollendung hin: Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können (Mk 4,26 -32).

Wann sich Gottes Herrschaft einmal vollenden wird, wissen wir nicht. Es steht auch nicht in unserer Macht. So wie die Erde von selbst ihre Frucht bringt, wird uns der Tag Gottes unverdient geschenkt. Aber wir sind gerufen, das Wort vom Gottesreich zu verkünden, so wie es die Apostel und die frühen Christen vor uns getan haben. Diesem Auftrag sollen auch wir treu und in unserer Zeit Sendboten für Gottes Wort sein.

Dass das Treu bleiben nicht so einfach ist, können wir aus der Lesung heraushören. Der Abschnitt aus dem Hebräerbrief, den wir heute als Lesung hören, will zur Ausdauer ermutigen:  Erinnert euch an die früheren Tage, als ihr nach eurer Erleuchtung manchen harten Leidenskampf bestanden habt: Ihr seid vor aller Welt beschimpft und gequält worden, oder ihr seid mitbetroffen gewesen vom Geschick derer, denen es so erging; denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und auch den Raub eures Vermögens freudig hingenommen, da ihr wusstet, dass ihr einen besseren Besitz habt, der euch bleibt. Werft also eure Zuversicht nicht weg, die großen Lohn mit sich bringt. Was ihr braucht, ist Ausdauer, damit ihr den Willen Gottes erfüllen könnt und so das verheißene Gut erlangt. Denn nur noch eine kurze Zeit, dann wird der kommen, der kommen soll, und er bleibt nicht aus. Mein Gerechter aber wird durch den Glauben leben; doch wenn er zurückweicht, habe ich kein Gefallen an ihm. Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verloren gehen, sondern zu denen, die glauben und das Leben gewinnen.


 Der Verfasser ruft in seinen Adressaten die Erfahrung an die früheren Tage, die erste Zeit ihres Christseins, in Erinnerung. Sie sollen nicht nachlassen in ihrem Glaubenseifer und nicht preisgeben, was sie errungen haben. Dahinter steckt eine wichtige Erfahrung: Glauben ist kein romantisches Gefühl oder eine schöne spirituelle Atmosphäre. Glaube verlangt nach Entscheidung, Mut und Ausdauer. Der Glaube muss mitunter in heftigen Kämpfen und unter schweren Leiden errungen und bewahrt werden. Dabei kann es Zweifel und Anfechtung, Fragen und Mutlosigkeit geben. Was der christliche Glaube anbietet, ist kein Rund-um-sorglos-Paket, sondern ein Lebensmodell: Wer sich daran ausrichtet und Christus nachfolgt, wird das verheißene Gut erlangen: die Gemeinschaft mit Gott.

Dienstag, 24. Januar 2012

25. Januar Fest der Bekehrung des hl. Paulus


Den Willen Gottes erkennen, das ist nicht immer einfach. Jemand hat einmal gesagt: „Wir müssen gut aufpassen und versuchen gut zu unterscheiden, ob eine Sache Gottes Wille ist, oder ob es unser eigener Vogel ist, der uns das eingibt.“



Paulus war jedenfalls der Überzeugung, dass es Gottes Wille ist, die Christen zu verfolgen und hinter Gitter zu bringen. Er nennt sie die ‚Anhänger der neuen Lehre’. Sie waren ihm ein Dorn im Auge, denn sie hielten sich nicht an das, was Paulus für richtig hielt. Auf spektakuläre Art und Weise gab Gott Paulus zu verstehen, dass es nicht sein Wille ist, was er da tut. Paulus bekehrt sich, lasst sich taufen und Jesus Christus wird von nun an sein Herr, Meister und Vorbild und wird zum großen Völkerapostel.


Nicht Umkehr oder Bekehrung, sondern ‚Kehrtwende’

Die Bekehrung des Saulus (Apg 9,1-22)

Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.

Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.  Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.  Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.  Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.  Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht.  

In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur sogenannten Geraden Straße und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen.  

Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften.

Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;  und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes. Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen?  Saulus aber trat um so kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist.


Was wäre aus der Kirche geworden ohne die heilsame Unterbrechung der

Dienstreise eines viel beschäftigten Mannes? Was wäre geworden ohne den rastlosen Juden Saulus, dem sich Christus nach seiner Auferweckung einfach in den Weg stellt, damit seine Sache weitergeht? Ohne den "Ruck", der durch das Leben dieses Einen geht, wäre vielleicht auch der "neue Weg", wie Paulus die Religion der Christen nannte (Apg 9,2) wie eine Sekte im Wüstensande verlaufen, und wir wären heute vielleicht keine Christen.



Die barocken Maler, welche das Bekehrungserlebnis sehr oft dargestellt haben, stellen dieses sehr dramatisch dar. Sie malen Saulus, wie er am Boden liegt, weil sein Pferd ihn abgeworfen hat, denn das Pferd war wohl genau so geblendet von dem grellen Licht am Himmel wie Saulus und hat gescheut, und hat ihn abgeworfen. In Wirklichkeit müssen wir aber wissen, dass in der Apostelgeschichte, wo diese Begebenheit erzählt wird, nichts von einem Pferd zu lesen ist. Die Maler haben hier absichtlich dramatisiert.




Wollen sie dem Betrachter mit ihrer dramatischen Darstellung sagen: Hier ist Einer der damaligen religiösen Obrigkeit, einer der ganz großen vom hohen Ross genommen worden, auf den Boden der Wirklichkeit. Die Dramatik der Barocken Malerei passt zu der bewegten Existenz des Paulus.


Wir feiern das Fest einer Verwandlung.

Ein Mann stößt zur Kirche, dessen Kommen nicht zu erwarten war. Ein Mensch bleibt nicht der Alte; er verwandelt sich unter dem Ruf Jesu! Auf offener Straße und aus heiterem Himmel wird Paulus überwunden, mitten aus seinem alten Leben gerissen. Wenn Gott in das Leben eines Menschen einbricht, ist das nichts Harmloses, sondern er kommt, wie am Pfingstfest, mit umwerfender Wucht (Röm 1,16).



Paulus hat die einschneidende Kraft Gottes erfahren und zugelassen und sie hat ihn regelrecht umgerissen. In jedem Gottesdienst setzen wir uns dieser Kraft aus; und hören vielleicht unangenehme Fragen wie: Warum vergisst du mich? Was treibt dich? Wonach jagst du? An wen hängst du dein Herz?

Das Wunder des Unvorhersehbaren geschieht!

Christus greift zu und sucht sich ein Werkzeug, sondert einen neuen "Mitarbeiter" und Knecht aus (Röm 1,1). Spät zwar, aber nicht zu spät wird der "dreizehnte Apostel" berufen: der Unerwartete, die Missgeburt, wie er selber im Rückblick über sich sagen wird, der Mann mit belastender Vergangenheit und dunklen Flecken! Ein unverbesserlicher Verfolger wird ein verbesserlicher Mensch und Zeuge. Diese Sternstunde der Geschichte der Christenheit ist ein starkes Stück!





Wir feiern den Herrn, dem auch die Umkehr eines solchen Menschen nicht unmöglich ist. Und der mir und uns allen das schier Unmögliche zutraut: meine, unsere Bekehrung.

Montag, 23. Januar 2012

Wort Gottes für den Tag, Dienstag, 24. Januar 2012



Es ist manchmal erstaunlich, wieviel Fantasie Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken!

- Kümmert sich jemand um einen älteren, kränklichen Menschen, sagen sie: Der will sich doch nur das Erbe erschleichen!

- Engagiert sich jemand in der Gemeinde, entdecken sie: Das tut er doch nur, um sich aufzuspielen und von den Menschen bewundert zu werden!

- Versucht jemand, neue Wege zu gehen, sagen sie: Damit will er den anderen doch nur zeigen, dass sie alles falsch gemacht haben!



Es ist manchmal erstaunlich - nein, mehr noch: es ist traurig -, wieviel Phantasie manche Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken! Das erlebt auch Jesus heute im Evangelium: Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebul besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Er hilft den Menschen. Er befreit sie von bösen Geistern. Anstatt sich für die Geheilten zu freuen, anstatt in diesem Tun Jesu die helfende Hand eines guten Menschen oder die Heil wirkende Kraft Gottes zu sehen, wollen sie entdeckt haben: Das tut er in der Kraft des Oberdämonen (Mk 3,22-30)!

Mit für ihn seltener Schärfe wehrt sich Jesus gegen diese Denkart. In diesem

Zusammenhang spricht er von der Sünde gegen den Heiligen Geist, die nur schwer zu vergeben ist.



Diese Begebenheit aus dem Leben Jesu macht mich sehr nachdenklich, nicht zuletzt deshalb, weil das von Jesus entschieden zurückgewiesene Verhalten auch in unserer Zeit nicht gerade selten ist. Entdecke ich mich selbst nicht auch manchmal dabei, dass ich so denke (vielleicht sogar rede), wie die Schriftgelehrten heute im Evangelium?! Suche ich nicht geradezu oft nach dem „Haar in der Suppe”, obwohl die Suppe gut ist? Sind nicht bestimmte Menschen bei mir abgeschrieben, weil sie einmal etwas falsch gemacht haben und das hängt ihnen nun an, und wenn sie noch soviel Gutes tun? Unterstelle ich nicht manchmal sogar Gott Böses, weil ich im Augenblick nicht einsehen kann, was er mir oder anderen zumutet?



Diese Begebenheit aus dem Leben Jesu macht mich nachdenklich. Angesichts der reichhaltigen Phantasie, die Menschen entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken, möchte ich gern versuchen - und Sie dazu einladen -, das Gegenteil zu tun: Wenn schon Fantasie entwickeln, dann, um das Gute im Guten, um die positiven Gesichtspunkte im Unguten zu entdecken! Das ist auch die Denkart Jesu. So mancher Sünder hat erfahren, wie befreiend das ist: Zachäus zum Beispiel oder die Sünderin, von der die Evangelien erzählen.



In der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel wird immer wieder deutlich, dass dies die Denkart Gottes ist. Wie oft lag das Volk am Boden, wie oft hat es sich durch Schuld selbst ruiniert. Aber Gott hat den guten Kern dieses Volkes immer im Blick behalten. Das hat neue Anfänge für Israel ermöglicht.


Es ist manchmal erstaunlich, es ist traurig, wieviel Fantasie manche Leute entwickeln, um im Guten das Böse zu entdecken. Wenn wir schon Fantasie entwickeln, liebe Schwestern und Brüder, dann dazu, das Gute im Guten und die positiven Ansatzpunkte selbst im Unguten aufzudecken. (Heribert Arens)

Sonntag, 22. Januar 2012

Die Ortschaft Maspelt gratuliert rüstigem Geburtstagskind



Heute, am 22. Januar 2012, feierte Frau Anna Thiesen geborene Gallo aus Maspelt im Kreis ihrer großen Familie ihren 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass spiele der Kgl. Musikverein unter der Leitung von Daniel Hilligsmann ihr ein Ständchen. Der Präsident, Jacky Schmitz, gratulierte Anna Thiesen im Namen des Vereins zu ihrem Jubeltag. Als kleine Anerkennung, verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft, überreichte Clemens Mölter ihr ein Geschenk zur Erinnerung an ihren Festtag.

Ob das Wetter auch so kalt war am 22. Januar 1922 als Anna als ältestes von sieben Kindern in Alfersteg geboren wurde lässt sich nicht mehr ergründen. Jedenfalls hatten heute, 90 Jahre später, die Musiker des Kgl. Musikvereins Burgecho Reuland-Lascheid Mühe die Tasten ihrer Instrumente zu bedienen, als sie der Jubilarin zu ihrem Festtag aufspielten, denn gerade als sie zum Ständchen aufspielten ging eine Regenschauer, vermischt mit Schnee und Graupel, nieder.

Frau Thiesen ließ sich dadurch die Stimmung nicht verderben. Sie ist seit Jahren verwitwet und verbringt im Haushalt einer ihrer vier Töchter ihren Lebensabend. Sie ließ es sich nicht nehmen die Musiker mit einer leckeren Gulaschsuppe und aufwärmenden Getränken zu verwöhnen. Für den Nachmittag standen dann die 10 Enkel und 9 Urenkel auf der Gratulationssliste und in den nächsten Tagen werden sicher noch weitere Gratulanten folgen. 



 

Die Bewohner von Maspelt und Bracht, der Rektor, die Priester des Pfarrverbands Reuland und alle Pfarrangehörigen wünschen der rüstigen Jubilarin noch weitere gesunde Jahre im Kreis ihrer Familie.