Samstag, 25. Februar 2012

Die Versuchung Jesu


Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm. (Mk 1,12-13)

Im Vaterunser beten wir: „Und führe uns nicht in Versuchung!“ Jesus hat diese Bitte des Vaterunser sehr kurz gefasst, obwohl er wusste, dass die Versuchung groß ist und überall lauert.

Was heißt das übrigens „und führe uns nicht in Versuchung“? Führt Gott uns in Versuchung? Schickt Gott uns Versuchung durch Satan, Teufel oder wie auch immer wir das Böse nennen? Oder sind die Menschen gemeint, die uns in Versuchung führen? Natürlich will Gott uns nicht in Versuchung führen! Aber wir sind Menschen mit einem freien Willen! Von morgens bis abends lauern Versuchungen auf uns und sagen: mach doch dies, mach doch das! Und wir wissen, dass wir schwache Menschen sind, die nicht standhalten. Jesus wusste das von sich und seiner Umwelt, dass immer etwas da ist was uns vom Guten abhalten will. Wir können ihn darum bitten: Lass mich nicht in diese Falle tappen. Bleibe bei mir, dass ich mich auf deine Seite stelle und nicht auf die Seite des Bösen.

Erlöse mich von dem Bösen

Schon von den ersten Seiten der heiligen Schrift kennen wir die Versuchung durch die Schlange. Sie tritt dort als große Verführerin auf und der Mensch erliegt ihren Verführungskünsten. Der Mensch verliert sogar dadurch das Paradies, die Gemeinschaft mit Gott. Wir sind hier also in die Grundfrage des Mensch-Seins hineingestellt: Wollen wir uns für Gott, für das Leben, die Liebe, die Gerechtigkeit entscheiden oder für das Destruktive, das Zerstörerische?

Darum diese Bitte: Hilf uns Gott, diesen Versuchungen zu widerstehen denn aus eigener Kraft schaffen wir das nicht. Denn das Böse ist in der Welt in vielerlei Formen anzutreffen. Das Böse hat eine unglaubliche Macht in der Welt und nimmt Menschen und Menschengruppen in Besitz und wir selber sind in Gefahr auch in Besitz genommen zu werden. Darum sollten wir nicht nur beten erlöse uns von dem bösen, sondern erlöse mich von dem Bösen. Erlöse mich vom Alkohol oder sonstigen schlechten Gewohnheiten. Mach mich frei davon.

Erlösen meint Losmachen, losbinden.  Ich werde losgelöst von einer Bindung die nicht gut für mich ist, die mich festhält, die mich gefangen hält. Darum die Bitte, mach mich los von den verkehrten Bindungen, die ich bisher gegangen bin. Darum übersetzt man heute Erlösung als Befreiung.

Der Böse, das Böse, egal wie wir es nennen; wir wissen, es ist die Macht, die uns von Gott wegbringen will. Es ist ein Gegengewicht zum Reich Gottes. Seien wir da nicht zu blauäugig, naiv und optimistisch und meinen das gäbe es nicht. Mit Wohlstand, Erfolg und weltlichem Glück kann er uns Sand in die Augen streuen, sodass wir den Blick für Gott verlieren. Er will uns Weis machen, dass es auch gut ohne Gott geht. Er will unsere Gedanken verwirren, denn das ist eine ‚Spezialität’ des Teufels. Er verwirrt die Gedanken der Menschen. Wenn wir z. Bsp. zu der Überzeugung gekommen sind dass wir in der Fastenzeit ein soziales Werk einmal mit einer besonders kräftigen Spende unterstützen wollen, dann wird er versuchen uns zu überzeugen, dass das Geld ja sowieso nicht ankommt. Wenn wir uns vorgenommen haben nicht mehr zu rauchen wird er uns vor Augen führen, dass  es doch wohl nicht auf EINE Zigarette ankommt. Eine pro Tag, die dürfen wir uns erlauben ...

Der Teufel wird immer wieder versuchen
jeden guten Ansatz in uns
durch negative Gedanken zu zerstören.

Was dem Teufel am meisten gefällt ist: dass man ihn leugnet. Darum ist es besser ihn klar zu kennen, denn er ist die zerstörerische Macht, die uns von Gott weg bringen will. Darum beten wir: Erlöse uns, erlöse mich von dem Bösen, befreie mich, damit ich, frei von allen möglichen Fesseln den guten Weg gehe.

Jesus lebt bei den wilden Tieren, erzählt das Evangelium. Damit wird auch unsere Welt beschrieben. Wir sind wie er von wilden Tieren umgeben. „Wilde Tiere“ ist ein Bild für die Leidenschaften, die in uns stecken, die bei jedem verschieden sind. Wir sollten sie uns genauer anschauen in dieser Fastenzeit und ihnen den Kampf ansagen: Einige möchte ich nennen:

Ø  Setzen wir nicht zu sehr unser Vertrauen auf uns selbst, auf Geld, Macht, Erfolg?
Ø  Sind wir nicht oft ganz weit weg von Gott, wenn es darum geht  schwierige Lebenssituationen zu meistern? Oder denken wir auch schon mal daran, uns in schwierigen Situationen an Gott zu wenden und ihm zu vertrauen?
Ø  Haben wir noch einen maßvollen Lebensstil – im essen und trinken und ...? Jagen wir jedem Angebot nach, das uns Vergnügen und Ablenkung verspricht? Müssen wir auf jedem Fest dabei sein? Oder sind wir auch mal bereit uns und anderen hier Grenzen aufzuzeigen, indem wir bewusst durch Abwesenheit glänzen?
Ø  Im gleichen Zusammenhang könnten wir uns fragen, sind auch wir von einer wachsenden Gier nach materiellen Dingen erfasst? Macht dieses Verlangen uns blind für andere Werte?
Ø  Etwa die Familie: Treibt uns die Gier nach immer weiteren materiellen Gütern nicht so sehr in die Enge, dass Partnerschaft, Kinder und Familienleben auf der Strecke bleiben?  

Alles das sind nur einige praktische Überlegungen für die Fastenzeit.

Gott spielt uns an Aschermittwoch (und danach) einen Ball zu, und sagt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Wir können ihm den Ball zurückwerfen und sagen: Kein Bedarf, kein Interesse, lieber Gott.

Wir können den Ball aber auch annehmen und aus der Fastenzeit eine Zeit der Besinnung machen, in der wir über unseren Lebensweg nachdenken. Bin ich noch auf der richtigen Spur, oder muss ich die Spur wechseln? Bin ich ein Gefangener der Welt geworden, der den Himmel nicht mehr sieht?

Wer ist es, der mir letzten Halt und Sicherheit verspricht? Ist Gott für mich noch eine Wirklichkeit, oder setze ich meine ganze Hoffnung auf die Angebote dieser Welt? Bin ich davon überzeugt, dass das Evangelium mir Lebensmaßstäbe vermittelt?

So konkret könnten wir uns in den kommenden vierzig Tagen fragen. Vielleicht würden wir dann den Teufel durchschauen, der es vordergründig gut mit uns meint, uns im Tiefsten aber zerstören will. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Fastenzeit.

Freitag, 24. Februar 2012

"Im Anfang war das Wort"


Ist die Bibel noch aktuell?

Viele Leute denken: »Die Bibel ist ein uraltes Buch. Was geht sie uns heute noch an?«. Es stimmt, die Texte der Bibel sind 2000 bis 3000 Jahre alt! Und die Wurzeln dieser Geschichten, Lieder und Gebete reichen sogar noch viel weiter in die Vergangenheit zurück.

Und doch ist die Bibel keineswegs veraltet. Bis heute ist sie ein »Bestseller« auf dem Buchmarkt. Sie wurde in mehr Sprachen übersetzt als irgendein anderes Werk der Weltliteratur. Und nach wie vor fasziniert sie Menschen – überall auf der Welt. Denn die entscheidenden Fragen, die uns bewegen, sind über die Jahrtausende hin dieselben geblieben.

Menschen der Bibel erleben Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschungen, großes Vertrauen und quälende Zweifel. Sie fragen nach der Herkunft von Unrecht, Leid und Tod und nach den eigenen Grenzen, suchen nach dem Ziel ihres Lebens und stehen staunend vor den Schönheiten und Wundern unserer Welt, hinter denen sie die Macht des Schöpfers am Werk sehen, der dies alles ins Leben gerufen hat und erhält.

Die Geschichte Gottes mit diesen Menschen – das ist das Thema der Bibel. Und was Gott für sie damals war, das will und kann er auch für uns heute sein, wenn wir uns auf ihn einlassen: ein fester Halt und die Mitte unseres Lebens. Die Bibel kann uns helfen, Gottes Spuren in unserem eigenen Leben zu entdecken. Sie kann für uns zu einem Lebensbuch werden, zum Buch der Bücher, in dem wir – wie die Menschen von damals – Gott begegnen.  Quelle: Deutsche Bibelgesellschaft, www.die-bibel.de


Jahwe (Jesus) rettet, ist Heil“

Heute wird innerhalb und außerhalb der Kirche über vieles diskutiert. Aber entscheidend für die Zukunft des Christentums werden jene Grundfragen sein, die meistens nur hintergründig miterfasst und selten klar durchdacht werden: Gibt es einen persönlichen Gott in meinem Leben? Kann er wirklich mein Heil sein, wenn er der unendlich Größere ist? Wie kann ich ihm begegnen und ihn als unsere Seligkeit erfahren? So konnte Martin Luther noch fragen: wie finde ich einen gnädigen Gott?, während heutige Menschen vermehrt fragen: "wie finde ich einen existierenden Gott”? Diese Fragen bilden mehr als früher ein existentielles Problem, das sich in Schlagworten wie: Abwesenheit Gottes, Entmythologisierung, Engelglaube und wachsender Distanzierung vom kirchlichen Christentum ausdrückt.


Der Glaubende muss vor allem ein „Hörender“ sein

"Den Glauben" hat man nie fertig in der Tasche. Christ sein kann nur, wer ein suchender und hörender Mensch ist und bleibt. Es geht bei der Bibellektüre nicht um das Reden des Menschen, sondern darum, dass er still wird, dass er „ein Hörer“ wird, ein „Hörer des Wortes“. Wir Christen glauben, dass Gott in den Texten der Heiligen Schrift zu uns spricht. Die Bibel kann deshalb Wegweiser und entscheidende Lebenshilfe für uns sein.

Über die Bedeutung des Alten Testaments

Das Alte Testament erscheint uns manchmal sehr fremd. Manche mögen sich an der Brutalität stören, manche hätten gerne etwas weniger Krieg, dafür umso mehr Friede und Freude. Dabei ist das Alte Testament genau das, als was es auf uns wirkt: ein Zeugnis aus längst vergangener Zeit. Allerdings mit einer Botschaft, die immer noch aktuell ist. Sie lautet: Gott ist da. Gott ist mit uns.

Antworten auf grundlegende Fragen

Die Geschichten, die wir im Alten Testament lesen, erscheinen uns meist ziemlich abenteuerlich. Dabei spiegelt sich in den meisten Erzählungen das wieder, was uns auch heute noch beschäftigt. Die Bibel erzählt von Liebe und Leid, von Menschen die hundertprozentig auf Gott vertrauen und von solchen, die an Gott verzweifeln. Das Gut-Sein und das Böse-Sein haben gleichermaßen ihren Platz in diesem Buch. Von menschlichen Schicksalen wird erzählt, von Liebesbeziehungen, von Intrigen von Mord und Eifersucht. Alles, was unser menschliches Leben ausmacht finden wir in der Bibel.

Wir finden uns selber wieder

Weil die Bibel aus dem Leben der Menschen heraus entstanden ist kommt es, dass ganze Teile des AT nicht unbedingt etwas von Gott erzählen. Es gibt sogar einzelne Bücher der Bibel wo das Wort ‚Gott’ nicht ein einziges mal vorkommt, sondern sie beschreiben die Geschichte von Menschen. Und die Bibel rechnet damit, dass jeder der das liest merkt: hier in dieser Geschichte spricht Gott zu uns. Denn Gott spricht in der Geschichte von Menschen. Er spricht in den Glanzleistungen der Menschen ebenso, wie er auch in den Katastrophen menschlichen Lebens spricht. Und wir, die Leser können heute noch nachvollziehen wie Menschen damals auf das Wort Gottes gehört haben (oder auch nicht), wie sie durch die Geschichte, die rings um sie passiert ist, sich angesprochen fühlten und schließlich welche Konsequenzen sie für ihr Leben daraus gezogen haben und nicht zuletzt können wir uns in diesen Geschichten selber wiederfinden.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Wort Gottes für den Tag, 24.Februar 2012


Auf die Frage, was die Menschen unter Fasten verstehen, steht die Antwort „weniger essen“ wohl an erster Stelle. Fasten bedeutet aber noch viel mehr. Die Lesung des heutigen Tages, die dem Propheten Jesaja entnommen ist, zeigt uns, was Gott unter Fasten versteht. Wir erhalten  ganz konkrete Vorschläge:

Sie suchen mich Tag für Tag; denn sie wollen meine Wege erkennen. Wie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das vom Recht seines Gottes nicht ablässt, so fordern sie von mir ein gerechtes Urteil und möchten, dass Gott ihnen nah ist. Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße und du merkst es nicht?

Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt?

Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich (Jesaja 58, 2-9).

Wer immer noch der Meinung ist, Fasten bedeute nur reduzierte Nahrungsaufnahme, wird heute eines Besseren belehrt. Fasten hat etwas mit meinem Verhalten zum Nächsten zu tun. Gott misst den Erfolg unseres Fastens nicht mit der Körperwaage. Er misst uns daran, ob wir geholfen haben, wo Not war, ob wir Frieden gestiftet haben, wo Streit war, ob wir die kleine Welt um uns zum Besseren verändert haben. Vielleicht müssen wir unsere Fastenvorsätze nach dieser Lesung etwas korrigieren. Fasten ist keine Privatangelegenheit, Fasten hat einen starken Gemeinschaftsbezug. Wenn wir gemeinsam versuchen, die Welt nach Gottes Willen zu gestalten, werden wir würdig, am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens teilzunehmen.

Dienstag, 21. Februar 2012

Kehrt um, und glaubt an das Evangelium (Mk 1,15)


Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, die österliche Bußzeit. In dieser Zeit bereiten wir uns auf das Osterfest vor. Es ist eine Zeit der Besinnung, des Verzichts und auch des ehrlichen Blicks auf uns selbst. Das Aschenkreuz, das uns auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein kleines äußeres Zeichen dafür. Allerdings bleibt dieses Zeichen nur wenige Stunden sichtbar. Wir sind eingeladen und herausgefordert, das Anliegen der Fastenzeit für uns selbst aufzugreifen und es zu verinnerlichen. Die heutigen Lesungstexte geben uns dafür entscheidende Hinweise und Anregungen: Gott blickt durch alles Sichtbare hindurch auf das Unsichtbare und Verborgene. Er kennt unser Herz.

Im Evangelium ruft uns Jesus heute zu: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Mit diesen Worten beginnt Jesus im Markusevangelium die Verkündigung seiner Heilsbotschaft. Mit dem Kommen Jesu bricht ein neues Zeitalter an, das Zeitalter der Gnade und des Heils. Und seine ersten Worte sind eine Einladung, uns mit der überwältigenden Neuigkeit anzufreunden, nämlich mit der Wirklichkeit des Reiches Gottes, welches er allen Menschen zugänglich macht.

„Aschermittwoch feiern heißt Gnade zulassen, die Gnade der Rettung sich schenken lassen. Nicht das Dunkel des Lebens übergehen, sondern in das Dunkel das Wort der Versöhnung hineinsprechen lassen. Das, was uns niederzieht, was uns bedrängt, was die Bibel dann in der Kirche in der Folge Sünde nennt, darf im Feuer der Lebendigkeit unseres Gottes gereinigt werden.“ Alois Schwarz (*1952), Bischof von Gurk
Die Propheten des Alten Bundes weisen die Menschen wiederholt darauf hin, dass Gottesdienste und gute Werke sinnlos sind, solange das Herz davon unberührt bleibt und sich z. B. Lüge, Betrug und Unterdrückung genauso fortsetzen. “Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.“ So schreit der Prophet Amos in die Menge, denn das reale Leben passt nicht zu den äußerlich beeindruckenden Frömmigkeitsübungen. Recht und Gerechtigkeit fordert er, und das setzt eine innere Hinwendung der Menschen zu Gott voraus. Der Prophet Hosea richtet den Menschen aus: “Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ Und der Prophet Joël ruft den Israeliten zu: “Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider!“ 


Wenn wir heute nach dem Gottesdienst nach Hause gehen, werden wir Gezeichnete sein. Wir tragen ein Kreuz aus Asche auf unserer Stirn. Das Kreuz - heute am Aschermittwoch - ein Zeichen dafür dass wir uns auf einen besonderen Weg, auf eine besondere Zeit einlassen. Eine Zeit des Verzichts, der Reduzierung und der Neubesinnung auf das Wesentliche, eine Zeit der Gnade.

Wichtiger als alles, was wir tun und wichtiger als alle unsere Anstrengungen ist es, unser Herz Gott wieder zuzuwenden. Dann wird Gott sich uns zuwenden, auf dass es uns gut geht, auf dass wir heil werden. Und so wünsche ich uns allen, dass wir heil werden an Leib und Seele.

Sonntag, 19. Februar 2012

... ein Gott und Vater aller


„Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,  ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,1-6)

Jeder soll nach seiner eigenen Facon selig werden! 
Diesen Ausspruch hören wir oft. Ich glaube im Grunde ist das Zitat von Friedrich II., König von Preussen, gar nicht so falsch! Es gibt doch viele Wege im Leben, die man gehen kann; warum soll also nicht jeder den Weg gehen, den er ganz persönlich für richtig hält? Das gleiche gilt für unseren Glauben.

Unterschiedliche Gottesbilder
Es gibt eine Vielfalt von christlichen Bekenntnissen und von Religionen und eine Fülle von daraus resultierenden Gottesbildern und Lebensentwürfen. Jede und jeder von uns hat ein eigenes Gottesbild. Dieses Gottesbild ist entstanden  aus Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens mit Gott und mit Menschen gemacht haben. Teilweise ist es uns auch anerzogen worden.

Bei all der Unterschiedlichkeit der Bilder, die wir uns von Gott machen, und der daraus resultierenden Lebensentwürfe dürfen wir jedoch nicht die Aussage des Paulus  vergessen, die er im Epheserbrief macht, nämlich: Gott ist und bleibt ein und derselbe.

Niemand darf also den Anspruch erheben, dass sein Gottesbild und seine Art und Weise zu glauben die einzig wahren seien. Wir alle können am Ziel unseres Lebens- und Glaubensweges nur ein und demselben Gott begegnen. Dem Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist, wie Paulus sagt.

Die Wege zu Gott sind so verschieden wie die Menschen verschieden sind
Vielleicht hilft es, unseren Weg als Glaubende mit einer Bergwanderung zu vergleichen: Es gibt verschiedene Wege zum Gipfel, und es gibt eine Fülle von Erfahrungen, die man unterwegs machen kann, aber das Ziel ist allen gemeinsam. Falsch wäre es, bei allem Streit über den richtigen Weg, das Ziel aus den Augen zu verlieren, denn auf das Ziel kommt es an! Viel wichtiger ist es, sich bewusst für einen Weg zu entscheiden und diesen Weg gemeinsam mit anderen konsequent dem Ziel entgegenzugehen.

Ich denke, es ist nicht an uns, zu beurteilen, ob unsere Mitmenschen auf dem richtigen Weg sind, wenn sie einem anderen Gottesbild trauen und einer anderer Konfession oder Religion angehören. Für uns ist entscheidend, dass wir unserem Gottesbild trauen und uns von ihm prägen lassen, dass wir uns beherzt als Gemeinschaft in unserer Gemeinde und in unserer Kirche auf den Weg machen und dass wir das Ziel nie aus den Augen verlieren: die Begegnung mit dem einen, lebendigen Gott, dem Vater aller.

Wer fest steht in seinem Glauben, der kann offen, geduldig und voller Respekt und Wohlwollen mit seinen Mitmenschen umgehen, wie Jesus es getan hat. Der braucht auch keine Angst vor anderen Religionen zu haben, sondern darf in ihnen einen möglichen Weg zu Gott sehen.