Samstag, 19. Mai 2012

Jesus erhebt seine Augen zum Himmel und betet



Jesus erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.

Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. 

Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind (Joh 17,6.11-19).

Im Evangelium hörten wir wie Jesus die Augen zum Himmel erhebt und für seine Jünger betet. Eine schöne Geste finde ich. Zum Himmel empor schauen und für seine Freunde beten.

Über das Beten fand ich vor einiger Zeit in einer Zeitung folgende Notiz, die offenbar als Witz gedacht war und die wie folgt lautete: Der Pilot eines Privatflugzeuges sendete an die Bodenstation folgenden Funkspruch: Der Motor meiner Maschine ist ausgefallen, die Steuereinrichtung ist nicht mehr zu betätigen, einen Fallschirm habe ich nicht mitgenommen, was soll ich tun? Antwort der Bodenstation: „Sprechen Sie mir nach: Vater unser ...“.

Aus dieser Zeitungsnotiz wird eine Einstellung deutlich, die wir oft im Leben finden. Zum Beispiel, wenn über Schwerkranke gesprochen wird. Da hört man denn sagen: Da kann man nur noch beten! Die Hoffnung auf Genesung ist aufgegeben; da kann man nur noch beten. Das hilft wahrscheinlich auch nicht, denken einige, sind aber überzeugt, dass es auch nichts schadet.

Diese Einstellung zum Gebet ist heute oft anzutreffen. Vielleicht können wir uns manchmal selbst nicht von dieser Haltung ausschließen. Oft genug ist ja auch für uns erst der äußerste Notfall ein Anlass zum Gebet. Wenn der Mensch mit all seiner Kunst am Ende ist, wenn er an die Grenzen dessen stößt, was er machen und beeinflussen kann, dann denkt er plötzlich an Gott wie an eine letzte vage Möglichkeit. Man klammert sich dann an den berühmten Strohhalm. Und mancher traut - wenn er ehrlich ist - diesem Gebet auch keine ernstlich entscheidende Wirkung zu, aber es beruhigt zumindest.

Nun wissen wir, dass Beten etwas anderes meint; Beten ist nichts, was ich nur tue etwa „wenn Not am Mann“ ist, sondern wir sollten mit Gott sprechen, mit Gott gewissermaßen laufend im Gespräch bleiben, nicht nur im ausweglosen Notfall.

Jesus macht uns aber im heutigen Evangelium klar, dass das Gebet noch eine andere Dimension hat. Wir hörten soeben: Jesus erhob seine Augen zum Himmel. Das heißt, zuerst wurde er einmal ganz still. Er lauschte, hörte, öffnete sich ganz dem Vater. Erst dann spricht er sein Gebet.

Sein Gebet ist Bitte. Aber nicht für sich selbst bittet er, sondern für uns und alle, die den Kampf auf der Erde noch bestehen müssen. Er weiß um unsere bedrohte Freiheit und Treue, er weiß, dass unsere Heiligung nur durch ständige Umkehr möglich wird.

Christus gibt uns durch seine Art zu beten den Hinweis, zunächst einmal
schauend, hörend und, still zu werden bevor wir beten. Es ist, als sollten wir zunächst einmal von uns und unseren Sorgen absehen, damit wir um so vertrauensvoller unsere Bitten füreinander vor Gott bringen können.

Wer so betet, wer mit wachem Herzen und offenem Blick lebt und das, was er sieht und hört, im Gebet vor Gott bringt, für den verliert das Gebet den Charakter einer „Notbremse“. Er betet dann nicht mehr ausschließlich wenn „Not am Mann ist“ sondern er bringt sein ganzes Leben betend vor Gott.


Donnerstag, 17. Mai 2012

Komm, heiliger Geist


Die Pfingstnovene als Vorbereitung auf das Pfingstfest

Die Novene (von lat. novem „neun“) ist eine vorwiegend in der katholischen Kirche übliche Gebetsform, bei der bestimmte Gebete an neun aufeinanderfolgenden Tagen verrichtet werden, die aus einem gleichbleibenden und einem täglich wechselnden Teil bestehen, um von Gott besondere Gnadengaben zu erflehen.

Solche Novenen sind z. B. zur Vorbereitung eines Hochfestes (Ostern, Weihnachten, Pfingsten) oder auch vor einer wichtigen persönlichen Entscheidung oder vor bedeutenden Lebensereignissen (etwa Ordination, Profess, Jungfrauenweihe, Eheschließung) verbreitet.

Der Ursprung liegt wohl in der Pfingstnovene, dem neuntägigen Gebet um den Heiligen Geist, wie es die Apostel und die Jünger Jesu mit Maria nach der Himmelfahrt Jesu im Abendmahlssaal praktizierten. Sie geht auf den Pfingstbericht in der Apostelgeschichte 2,1-14 zurück, nach dem die ersten Christen nach der Himmelfahrt Christi zurückgezogen im Gebet lebten, bis am Pfingsttag der Heilige Geist über sie kam. Die Pfingstnovene gehört daher bis heute zum Brauchtum der Kirche. Die ursprünglich römisch-katholische Gebetspraxis wird mittlerweile auch in der orthodoxen, anglikanischen und einigen lutherischen Kirchen gepflegt.

Heute, Freitag, ist der erste Tag der Pfingstnovene. 
Hier nun ein Vorschlag zum persönlichen Gebet:




Mittwoch, 16. Mai 2012

„Unsere Heimat ist im Himmel“



40 Tage nach Ostern feiern wir Christi Himmelfahrt

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Diesen Satz aus der Himmelfahrtserzählung möchte man heute am liebsten umdrehen: Ihr Christen des 21. Jahrhunderts, was schaut ihr nur noch auf euch und eure Welt? Blickt doch auch mal zum Himmel empor!

Vielleicht ist es die große Versuchung unserer Zeit, dass wir unseren Blick nicht mehr lösen können von den Problemen der Politik und Gesellschaft, den Sorgen des Alltags, dass wir ganz fixiert sind auf die Schrecken unserer Zeit und fast darin untergehen.

Das Fest Christi Himmelfahrt könnte uns die Augen öffnen: Es gibt noch etwas anderes als das was wir vor uns sehen, es gibt noch etwas über uns, es gibt vor allem ihn, unseren Herrn, der in der Wirklichkeit Gottes lebt, um uns ein bleibendes Zuhause zu bereiten.

„Unsere Heimat ist im Himmel“

Ihr kennt alle den Evergreen von Freddy Quinn: „Heimatlos“. Heimatlos sind viele auf der Welt, stellt Freddy Quinn in dem Lied fest, das 1957 zu einem großen Hit wurde. Eigenartig, dass dieser Song so viele anspricht, dass vielen dabei recht eigenartig ums Herz wird. Wir ahnen: heimatlos zu sein ist etwas sehr Schweres. Heimatlos sein - ohne Zuhause, ohne festen Wohnsitz, ohne Menschen, die auf einen warten, die für einen sorgen. Wer die Heimat verlassen musste, der kennt das.

Wir haben (so hoffe ich), Gott sei Dank, unser Zuhause: eine Wohnung, ein Haus und damit zugleich einen Ort, wo wir uns wohl fühlen und geborgen sind. Diese Geborgenheit, dieses Sich-Wohlfühlen ist wichtiger als die schönste Einrichtung oder der herrlichste Palast. Gerade dann aber, wenn wir uns wohl und daheim fühlen, dann mag in uns eine neue Sehnsucht aufbrechen: wir sehnen uns nach einer Heimat, die man nie aufgeben muss; nach einem Zuhause, das unverlierbar und unzerstörbar ist. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, die nie endet.

Unsere Wohnungen geben uns nur eine Ahnung davon, 
was es heißt: für immer daheim zu sein

Wenn wir im Urlaub sind, vielleicht in einem fremden Land, dann spüren wir
ähnliches: es ist schön dort, wunderbar vielleicht. Aber nach einiger Zeit sehnen wir uns wieder nach unserem Zuhause. Wir wollen wieder heim. So ist unser Leben hier in dieser Welt: ein Dasein auf Zeit. Das heißt, wir dürfen und können uns hier nicht fest einrichten.

Wir wissen alle um das bekannte Kirchenlied: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ Das Fest Christi Himmelfahrt möchte uns sagen: Jesus ist uns vorausgegangen zum Vater. Und er hat seinen Freunden gesagt: „lch gehe hin, um euch eine Wohnung herzurichten“ (Joh 14,2); ein Haus, das nicht von Menschenhand gebaut ist, das deshalb unzerstörbar ist; eine Heimat für immer, die all eure Sehnsucht erfüllt, ja bei weitem übertrifft. Denn: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9). Christlicher Glaube sagt: Jesus wird uns eine Heimat schenken, ein Zuhause bei Gott für immer. Für uns hier und heute bedeutet dies: wir müssen das Loslassen lernen. Wir dürfen uns nicht verkrampfen, weder in Dinge noch in Menschen, so als wären sie unser Besitz.

Wir Christen sind nicht heimatlos: „Unsere Heimat ist im Himmel. 
Von dort erwarten wir den Retter, den Herrn Jesus Christus“ (Phil 3,20).

So lebt in uns Christen immer die Sehnsucht, die sich erst einmal erfüllen wird, wenn wir für immer bei Gott sind. Aber schon Jetzt dürfen wir ein Stück Himmel unter uns erleben: Christus selbst ist bei uns in seinem Wort, in seinem Mahl, in der Gemeinschaft der Glaubenden. Wenn wir heute die Himmelfahrt des Herrn begehen, dann sind wir uns bewusst: dieses Fest ist eine Vorstufe für das Fest Gottes, das er selbst uns bereiten wird, das kein Ende hat, in dem alles Leid und alle Angst aufgehoben sind.

An einem Fest wie diesem spüren wir: „Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, wir sind aber eingeladen und sehen schon die Lichter und hören die Musik” (Cardenal). Das Fest Christi Himmelfahrt gibt uns die Zuversicht: Unsere Heimat liegt vor uns, die Heimat bei Gott.

Dienstag, 15. Mai 2012

Gott hat ein Herz für die Menschen


Eine Geschichte erzählt von einer eigenartigen, ja schockierenden und brutalen Gewohnheit, die unter den Bewohnern einer kleinen Fischerinsel herrschte. War eine Frau bei einem Ehebruch erwischt worden, wurde sie ohne Gerichtsverhandlung und ohne jede Möglichkeit einer Rechtfertigung vor Sonnenaufgang vom so genannten “Schwarzen Felsen” ins Meer hinabgestoßen.

Nun war eine Frau von dieser Insel schuldig geworden. Während ihr Mann mit dem Boot draußen auf dem Meer beim Fischen war, wurde sie in eindeutig unzüchtiger Weise mit einem anderen Mann entdeckt. Als er vom Fischen heimgekehrt war, berichteten die Leute dem ahnungslosen Mann den Fehltritt seiner Frau. Er wusste sofort um das Urteil, das an seiner Frau gnadenlos vollstreckt werden würde. Wortlos ging er fort, und er fehlte auch, als die Männer im Morgengrauen des nächsten Tages seine Frau von dem “Schwarzen Felsen” in das Meer stießen.


Was war geschehen? Die ganze Nacht hindurch hatte der Mann bis zur Erschöpfung Netze geflickt, mit Stricken Verstärkt und eine Fülle von Säcken mit Heu ausgepolstert. In der Morgendämmerung hatte er dann unterhalb des “Schwarzen Felsens” die Netze an den Uferbäumen mit Seilen fest gebunden, um seine Frau bei ihrem Sturz auf zu fangen. So konnte er seine Frau vor dem unentrinnbaren Tod bewahren.

Diese Erzählung veranschaulicht eindrucksvoll, welche Willenskräfte und Energien frei gemacht werden, wenn Menschen aus reiner Liebe zur Vergebung bereit sind. Stellen wir uns ruhig Gott so vor, wie diesen Mann. Wenn wir uns verlaufen, wenn wir schuldig geworden sind, wenn Menschen uns den "schwarzen Felsen" hinabstürzen wollen, spannt Gott seine Netze aus!

 

Sonntag, 13. Mai 2012

"An Gottes Segen ist alles gelegen"


Heute beginnen die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt

Die drei Tage vor dem Fest Christi Himmelfahrt werden nach alter Traditionals Bitttage begangen. Schon seit dem 5. Jahrhundert ist dieser Brauch bezeugt. Der Ursprung des Bittens an diesen Tagen ist der Gedanke an die Bitte um Gottes Segen für das Wachstum der Saat und um eine gute Ernte.



Es wäre falsch zu verschweigen, dass das Interesse daran deutlich nachgelassen hat. Als Grund ist hier sicher die veränderte Lebensweise des heutigen Menschen gegenüber früher zu nennen. Die wenigsten Menschen beziehen ihren Lebensunterhalt noch aus der Landwirtschaft. Viele wissen nicht mehr welche Anzahl Stunden Arbeit und wie viel Schweiß erforderlich sind, um ausreichend Nahrungsmittel für die ganze Familie zu erzeugen, für ein ganzes Jahr. Ganz zu schweigen von den Unbilden der Natur, mit denen der Bauer zu rechnen hatte. Wochenlange Trockenheit oder ein Hagelschauer konnten dem Landbewohner das Leben schwer machen und sein Bemühen zu Nichte machen. Kein Wunder, dass sich die Menschen Schutzlos diesen Unbilden der Natur ausgeliefert sahen und daher ihrem Herrgott ihr Bemühen anvertrauten und ihn um seine Hilfe und seinen Segen baten. Weltweiter Handel mit Nahrungsmitteln garantiert heute – auch nach Unwettern und Katastrophen - ein ausreichendes Angebot zu jeder Jahreszeit. Dagegen war das Vertrauen der Bevölkerung in diese Bittgänge in früheren Zeiten groß.


An den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt gehen die Menschen hinaus in Gottes Natur. An diesen Tagen ziehen die Prozessionen jeweils in eine andere Himmelsrichtung aus.Auch die Gebetsanliegen sind an jedem Tag anders ausgerichtet:

  • Am ersten Tag, Montag, steht besonders der Gedanke an die Bitte um Gottes Segen für das Wachstum  der Saat  und um eine gute Ernte.

  • Am zweiten Tag, Dienstag, steht die Sorge um Arbeit im Mittelpunkt. Keine Arbeit zu haben, bedeutet häufig auch, sich nutzlos zu fühlen und keinen Sinn in seinem Leben zu sehen.

  • Das Anliegen der Beter am dritten Tag, Mittwoch, ist die Bitte um Frieden. Gott sei Dank leben wir in unserem Land schon viele Jahre im Frieden, doch die Nachrichten aus der Welt zeigen uns, wie brüchig in vielen Ländern dieser Friede ist.





Bittgänge sind ein Jahrtausend altes und geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebetes und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden. Noch heute besteht dieser Brauch in Reuland, so führen die Bittprozessionen an den Tagen vor Christi Himmelfahrt nach Weweler, Alster und Lascheid.  Stationen dieser Bittprozessionen sind Flurkreuze. Dort wird im Gebet daran erinnert, dass der Mensch zwar vieles auf den Fluren und Feldern säen kann, dass aber alles was wächst Gottes Werk ist. An der letzten Station endet dann der Flursegen mit dem Lied „Großer Gott wir loben Dich“.In Weweler endet er mit einer Eucharistiefeier in der altehrwürdigen St. Hubertus-Kapelle (frühere Pfarrkirche von Reuland).