Samstag, 2. Juni 2012

Dreifaltigkeitssonntag: Wir feiern das Geheimnis Gottes

Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist

Unzählige Male schon haben wir diesen dreifachen Namen Gottes gehört und gesprochen. Bei unserer Taufe wird er zum ersten Mal über uns ausgesprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“. Jeder Gottesdienst beginnt und endet mit diesen Worten.

Gott ist einer und zugleich dreifaltig. Im Laufe der Jahrhunderte wurde darüber tiefsinnig philosophiert. Der Dreifaltigkeitssonntag, den wir heute feiern, ist Einladung und Herausforderung, diese Kurzformel unseres Glaubens etwas näher zu beleuchten.

Fragten wi einen gläubigen Juden, wie sich die Juden Gott vorstellen, wären wir wahrscheinlich überrascht. Er wird uns sagen, das könne jeder Jude so halten, wie er wolle. Es gäbe keine jüdische Gotteslehre und auch keinen jüdischen Katechismus wie bei uns Christen. Jeder Jude könne über Gott denken, was er wolle. Es sei ja sowieso nicht möglich, Gott mit dem menschlichen Verstand zu erfassen und deshalb auch egal, was einzelne Menschen von ihm denken. Wichtig sei alleine sich an die Weisungen Gottes zu halten und ihn als den höchsten Herrn der Welt zu verehren. Dann sei man auf dem richtigen Weg, der Gott gefalle.

Die chrstlichen Theologen sind da weniger zurückhaltend, was das Geheimnis Gottes angeht. Sie wollen die „Wahrheit Gottes“, das Geheimnis Gottes möglichst exakt definieren und erklären. Doch - lässt sich die Wahrheit Gottes, das Geheimnis Gottes wirklich mit dem Verstand erkennen und erklären? Von dem großen Kirchenlehrer Augustinus wird erzählt, er habe einmal Tage und Nächte über das Geheimnis der Dreifaltigkeit nachgedacht. Er kam aber zu keinem vernünftigen Ergebnis. Und so machte er ganz erschöpft eine Pause und ging am Meer spazieren. Da sieht er einen kleinen Jungen, wie er mit dem Sand am Strand spielt. Der Junge hat eine Grube in den Sand gebuddelt; in der rechten Hand hält er eine Muschel.

„Was hast du mit der Muschel vor?“ fragt Augustinus. Der Junge antwortet: „Ich will das Meer in meine Grube schöpfen.“ Augustinus lacht darüber; doch dann - so erzählt man - wird ihm auf einmal bewusst: Das ist doch genau seine Situation! Ist es nicht das Gleiche Unmögliche, wenn er meint, mit seinem begrenzten Verstand den unendlichen Gott erfassen zu können?

Und doch feiern wir in der katholischen Kirche heute das Fest der Hl. Dreifaltigkeit. Kann man so etwas überhaupt feiern - eine theologische Lehre, mit der die meisten Christen nicht viel anfangen können?

Wenn einer mich fragt, was wir heute in der Kirche feiern, dann würde ich ihm antworten: Wir feiern nichts mehr und nichts weniger als unseren Gott der für mich nicht irgend eine Philosophische Erkenntnis ist, sondern er ist wirksam in meinem Leben als mein Schöpfer und Herr. Zugleich ist er mein Bruder und Freund auf all meinen Wegen und als Hl. Geist erleuchtet, tröstet und ermutigt er mich.

Freitag, 1. Juni 2012

Ein Löffel Honig


 

Ein Löffel Honig in meinem Mund, und ich stutzte plötzlich
und fragte mich:
Wie viele Flugstunden von wie vielen Bienen stecken
in so einem Löffel Honig?
Ich fühlte Freude und Dankbarkeit, denn ich mag Honig. 


Da hat einer Bienen auf den Weg geschickt,
Blumen für sie blühen und die Sonne scheinen lassen,
denn bei Regen fliegen die Bienen nicht.
Da hat einer die Bienen gebeten, gratis zu arbeiten,
und den Blumen eingegeben, gratis zu blühen.
Da muss mich einer sehr gern haben, um das alles
zu organisieren für einen Löffel herrlichen goldgelben
Honig am Morgen. Da wurde eine ganz große Liebe eingebaut.
Mit einem Löffel Honig am Morgen kannst du glücklich sein
und voller Freude Gott danken für die ganze Schöpfung.

Phil Bosmans: Leben jeden Tag, Herder

Donnerstag, 31. Mai 2012

Juni: Zeit der Sonnenwende


Heute beginnt der Monat Juni. Er ist der sechste Monat des Jahres im Gregorianischen Kalender. Er hat 30 Tage und enthält den Tag der Sonnenwende, den 21. Juni, welches der längste Tag mit der kürzesten Nacht des Jahres ist. Benannt ist er nach der römischen Göttin Juno, der Gattin des Göttervaters Jupiter, Göttin der Ehe und Beschützerin von Rom.

Juni: Die Vögel werden leiser und ab 22. die Tage kürzer!
Am frühen Morgen ist es kaum zu überhören: die Vogellieder werden leiser, ihr Gesang dünner. Mit der Tag- und Nachtgleiche am 21. Juni wendet sich das Jahr, die Tage werden wieder kürzer. Das spüren auch die Vögel, deren Gesangsaktivität überwiegend von der Tageslänge gesteuert wird. Die Nachtigallen beenden ihren Gesang ebenso wie viele Grasmücken, Laubsänger oder Finkenvögel. Nicht alle gleichzeitig, aber der Morgen wird deutlich leiser.



Zeit für Kitze     

Wenn Ricken besonders scheu sind, bleiben ihre Kitze oft zwischen Grashalmen verborgen in der Wiese. Die weißgetupften Neugeborenen brauchen noch einige Tage Zeit, bis sie dem Alttier folgen können. Jetzt bloß nicht stören, heißt die Devise. Deshalb gehört jeder Hund im Juni an die Leine.

 

Die Schafskälte

Unter der „Schafskälte" versteht man einen Kaltlufteinbruch aus Nordwesten im Sommer, der meistens in der ersten Junihälfte stattfindet. Dieser Kälteeinbruch wird begleitet von unbeständigem und regnerischem Wetter und hat oft einen empfindlichen Temperaturrückgang zur Folge. In den Gipfellagen der Mittelgebirge kann sich sogar teilweise vorübergehend eine dünne Schneedecke bilden.
 
Die Schafskälte hat statistisch gesehen eine unglaublich hohe Eintreffwahrscheinlichkeit, die bei 89 Prozent liegt. Bei einer „echten Schafskälte", wie sie beispielsweise 1998 aufgetreten ist, fallen die durchschnittlichen Temperaturen auf etwa 5 - 10 Grad ab. Da die Schafe zu diesem Zeitpunkt bereits geschoren sind, frieren sie dann ganz fürchterlich. Daher wurden diese kalten Tage im Monat Juni nach den Schafen benannt, die dann frierend auf den Wiesen stehen - oder wie in diesem Fall - liegen.



Was tut sich im Monat Juni in der Kirche?

Nachdem wir im Monat Mai von einem liturgischen Höhepunkt zum anderen geeilt sind, (Erstkommunion, Christi-Himmelfahrt, Pfingsten, Kichweihe ...) wird es nun deutlich ruhiger.

Am Dreifaltigkeitssonntag feiern Aldringen und Dürler ihre Kirmes. Dann folgt Fronleichnam. Wir brauchen nicht nur das Brot für den Leib, sondern auch das Brot für die Seele. Wir brauchen nicht nur das Brot von der Erde, sondern auch das Brot vom Himmel. Im Hochfest des Leibes und Blutes Christi feiern wir dankbar unseren Herrn als das Brot des Lebens. Wie er den Fünftausend den hungernden Magen gefüllt hat, will er auch unsere hungernde Seele immer wieder füllen. Wenn das Wetter es erlaubt ziehen wir betend und singend mit dem Allerheiligsten über die Straßen, auf denen wir in unserem Alltag gehen und fahren. So kommt zum Ausdruck, dass Christus auf den Wegen unseres Alltags seine Spuren hinterlässt.  Neben diesem Bekenntnis ist der Zug durch die Straßen ebenfalls ein Gebet um Schutz und Hilfe.  Christus, der für uns das Brot des Lebens geworden ist, begleitet uns als ein treuer Weggefährte.

Zwei weitere Pfarren feiern ihr Kirchweihfest: Oudler (17. Juni) und Ouren (30. Juni / 1. Juli). Wir feiern ein Fest, weil wir uns an die Weihe unserer Kirche, ja ich möchte fast sagen an die In-Betriebnahme unserer Kirche erinnern.

Vor vielen Jahren haben Menschen den Grundstein zu dieser Kirche gelegt. Viele Menschen haben mit ihrer Muskelkraft dazu beigetragen, dass dieses Gotteshaus vollendet wurde. Seitdem ist diese Kirche erweitert und immer wieder verschönert und restauriert worden, so dass wir voller Stolz auf dieses Gotteshaus schauen dürfen.

Menschen früherer Zeiten bauten hier ein Haus, damit sie damals, damit wir heute wir ein schützendes Dach haben, einen Ort der uns Geborgenheit gibt, einen Ort, wo wir Gott begegnen können in seinem Wort und im Sakrament des Altares. Wichtiger als Steine, Schnitzwerk und buntes Glas sind die Menschen die sich hier versammeln. Darum wollen wir am Tag der Kirmes Gott bitten, dass er uns immer mehr zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen lasse.

Der Heiligenkalender des Monats Juni erinnert an einige große Persönlichkeiten: An den heiligen Bonifatius (5. Juni); Norbert von Xanten ( 6. Juni); Antonius von Padua (13. Juni) ; Aloisius von Gonzaga (21. Juni); Thomas Morus (22. Juni) .

15. Juni: Heiliger Vitus   
Der jugendliche Märtyrer Vitus gehört als Schutzpatron und Nothelfer zu den beliebtesten Heiligen Europas. Er ist Landespatron von Sizilien, der Gebiete der alten Sachsen, d. h. von Westfalen und Niedersachsen, von Pommern, der Insel Rügen und von Böhmen. Über 1300 Orte besitzen den hl. Vitus als Haupt- oder Nebenpatron von Kirchen oder Kapellen, viele als namengebend für Dörfer und Städte, an 150 Orten werden Reliquien von ihm verehrt. Mit mindestens 34 Patronaten ragt er aus dem Kreis der einst hochverehrten Vierzehn Nothelfer heraus, angefangen als Schutzherr der Apotheker, Bierbrauer, Gehörlosen und Fallsüchtigen bis hin als solcher von Soldaten, Schauspielern und Winzern. Seit seiner Hinrichtung vor 1700 Jahren, vermutlich im Jahre 304/305 in Mazara del Valla an der Südwestküste Siziliens, ist sein Name bis heute trotz allen Wandels der kirchlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse in lebendiger Erinnerung geblieben. Das erstaunt um so mehr, als über sein Leben außer der Tatsache, dass Vitus jung für Christus starb, kaum etwas historisch verbürgt ist.

Die nach dem heiligen Vitus benannte Stadt und Pfarre St. Vith lädt jedes Jahr zur Vitusoktav ein. Dies findet dieses Jahr vom 9. bis 17. Juni statt. Die Festlichkeiten stehen dieses Jahr unter dem Thema „Baustelle Glaube – Betreten erwünscht“. Einzelheiten können sie dem Informationsblatt entnehmen.



24. Juni: Geburt Johannes des Täufers
Außer dem Geburtsfest der Mutter Gottes wird nur noch die Geburt Johannes‘ des Täufers festlich begangen, denn mit seiner Geburt beginnt die letzte Vorbereitungsphase des Erscheinens Jesu Christi, dessen Vorläufer Johannes ist. Deutlich weist der Täufer auf ihn hin, den Gesalbten des Allerhöchsten, das Lamm Gottes.

27. Juni: Der liturgische Kalender gedenkt heute der jugendlichen Siebenschläfer aus Ephesus, die unter Kaiser Decius für ihren Glauben 251 das Martyrium erlitten. Der Siebenschläfertag gilt als entscheidend für das Wetter der kommenden Wochen. Entweder: „Wenn’s an Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.“ Oder aber: „Scheint an Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne.“

29. Juni: Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus
Wer einmal in Rom gewesen ist, hat sicher die Orte besucht, die mit den Aposteln Petrus und Paulus in Zusammenhang stehen: den Petersdom, die Basilika St. Paul vor den Mauern und andere. Diese Orte führen uns an das Ende ihres Lebens. Jesus hat Petrus, der ihn verleugnet, und Pau‑lus, der ihn verfolgt hat, zu seinen Freunden gemacht. Am Fest der Apostelfürsten feiert die südlichste Pfarre unseres Pfarrverbans  - Ouren - ihre Kirmes.

Alle Gottesdienste des Pfarrverbands im Monat Juni  finden sie HIER





Mittwoch, 30. Mai 2012

Neues aus der katholischen Kirche


Papst: „Die Konzilstexte wiederlesen“

Papst Benedikt XVI. ermuntert dazu, zum 50. Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils dessen Texte wieder zu lesen. Das sagte er an diesem Donnerstag der Italienischen Bischofskonferenz. Wenn man die Konzilsdokumente durch die Brille „der Kontinuität und der Reform“ lese und nicht durch die des „Bruchs“, dann könne die Kirche „eine Antwort auf die großen sozialen und kulturellen Umwälzungen unserer Zeit geben“. Diese Umwälzungen hätten allerdings „Folgen, die auch im religiösen Bereich sichtbar sind“, so der Papst, der das Konzil als Berater selbst miterlebt hat.

„Der Säkularismus wird zu einem Merkmal vor allem der Gesellschaften, die eine alte christliche Tradition haben. Dadurch wird das kulturelle Gewebe zerstört, das bis vor kurzem ein einigender Faktor war und die ganze menschliche Existenz zu umspannen vermochte. Auch ein fruchtbarer Boden kann irgendwann mal zur unwirtlichen Wüste werden, wo der gute Same erstickt, zertreten, verloren wird! Das zeigt sich am Rückgang in der religiösen Praxis, vor allem was das Beichtsakrament betrifft. Viele Getaufte kennen die wesentlichen Glaubensinhalte nicht mehr oder glauben, ohne kirchliche Vermittlung auszukommen. Manche lassen das Reich Gottes auf ein paar große Werte zusammenschnurren, die zwar etwas mit dem Evangelium zu tun haben, aber nicht den zentralen Kern des christlichen Glaubens betreffen.“

Doch das Reich Gottes „ist eine Gabe, die uns übersteigt“, so der Papst. Es sei, so zitierte er seinen Vorgänger, den Konzilspapst Johannes XXIII., „kein Konzept, kein Lehrgebäude, sondern vor allem eine Person, nämlich Jesus, das Bild des unsichtbaren Gottes“.  (rv 24.05.2012 sk)

Hildegard von Bingen wird Kirchenlehrerin

Benedikt XVI. erhebt Hildegard von Bingen noch in diesem Jahr zur Kirchenlehrerin. Das hat der deutsche Papst an diesem Pfingstsonntag beim Mittagsgebet angekündigt. Am 7. Oktober, zum Beginn der Bischofssynode zur Neuevangelisierung, werde er die erst kürzlich offiziell zur Heiligen erklärte Benediktinerin zur Kirchenlehrerin machen, gemeinsam mit dem Spanier Johannes von Avila.

„Hildegard, Benediktinernonne im deutschen Hochmittelalter, war eine wahre Meisterin der Theologie, darüber hinaus eine Gelehrte der Naturwissenschaften und der Musik. Johannes, Diözesanpriester in den Jahren der spanischen Renaissance, erlebte die bewegten Zeiten der kulturellen und religiösen Erneuerung der Kirche und des sozialen Gefüges in der Morgendämmerung der Neuzeit. Die Heiligkeit ihres jeweiligen Lebens und die Tiefe ihrer Einsichten machen beide aktuell: Denn die Gnade des Heiligen Geistes versetzte sie in die Erfahrung des umfassenden Verstehens der göttlichen Offenbarung und des intelligenten Dialogs mit der Welt, die den permanenten Horizont des Lebens und Handelns der Kirche bestimmt.“

Mit Hildegard von Bingen und Johannes von Avila verlängert sich die Liste der katholischen Kirchenlehrer auf 35. Hildegard wird die vierte Frau mit diesem Titel, neben Katharina von Siena, Teresa von Avila und Therese von Lisieux.  (rv 27.05.2012 gs)


 Vatileaks: „Immer noch in der Untersuchungsphase“

Die formalen Ermittlungen gegen den inhaftierten päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele werden noch mindestens bis Ende der Woche dauern. Das hat Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Dienstag bei einem Pressebriefing vor Journalisten erklärt. Neben dem Kammerdiener seien im Zug der Ermittlungen „mehrere andere Personen“ angehört worden, aber es gebe vorerst keine weiteren Verhaftungen.

„Im Zug der Vorerhebungen ist als Delikt schwerer Diebstahl formuliert worden. Es gab aber bisher keine Erhebungen über die Motivation, die Schwere des Delikts, die Absichten. Es handelt sich noch nicht einmal um einen regulären Strafprozess, geschweige denn ein Urteil. Wir sind immer noch in der Untersuchungsphase.“

Gabriele habe sich in den sechs Jahren, die er als Kammerdiener des Papstes wirkte, immer korrekt verhalten, es habe niemals Anzeichen für gegenteiliges Verhalten gegeben, sagte Lombardi. Der unerlaubte Besitz der vertraulichen Dokumente – zu deren Art und Umfang Lombardi aufgrund des Prozessgeheimnisses keine Angaben machen wollte – sei andererseits „eine objektive Tatsache“.

„Wir sind alle entsetzt. Man hätte sich eine solche Lage nicht leicht vorstellen können. Man muss ihm zuhören, was er zu sagen hat, und das wird ja eben getan. Deshalb ist es so wichtig, dass er seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit erklärt hat. Es handelt sich ja nicht um einen simplen Einbruchsdiebstahl.“

Etliche der ins Kraut schießenden Spekulationen wies der Vatikansprecher in dem Briefing zurück, etwa, dass gegen fünf Kardinäle „ermittelt“ würde. Die Affäre „Vatileaks“ sei jedenfalls „eine Prüfung, eine schwere Prüfung für den Papst und die Kurie“, so Pater Lombardi wörtlich. Jeder könne sehen, dass es sich „um schwerwiegende Dinge“ handle, die auch nicht erst mit der Verhaftung des Kammerdieners begannen.

„Der Papst ist Zeuge einer Angelegenheit, die ihn von ganz nah betrifft; es ist eine schmerzliche Angelegenheit. Und es gibt den Wunsch, Klarheit zu schaffen, die Wahrheit zu finden. Das gilt nicht nur für die Verhaftung Paolos. Der Papst hat Mitte März die Kardinalskommission [zur Untersuchung des „Dokumentenschwundes“] eingesetzt, ein nicht alltäglicher Vorgang. Das heißt, der Papst war sich bewusst, dass es hier eine gründliche Aufklärung und Bewertung der Vorgänge brauchte. Sicher, die letzte Episode ist für ihn besonders leidvoll, weil sie eine ihm nahestehende und von ihm geschätzte Person betrifft.“ (rv 29.05.2012 gs)

Dienstag, 29. Mai 2012

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 30. Mai 2012


Vom Herrschen und vom Dienen

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, traten zu Jesus  und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. 

Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mk 10,32-45).

Menschliche Beziehungen sind durchzogen von offenem und geheimem Machtstreben. Wie anders ist da das Reich Gottes aufgebaut. Dort gelten ganz andere Regeln. Jesus sagt klar und deutlich: Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen.

Er hat uns gedient, uns zu seinen Freunden erwählt. Wer nun in seiner Nachfolge stehen will begibt sich auf den Weg einer Karriere die nicht nach oben, sondern nach unten führt.
Im Reich Gottes kann sich keiner eine Ehrenstellung erarbeiten oder gar verdienen. Jesus erteilt eine Absage an jedes Anspruchsdenken, eine Absage an den Wunsch, durch unsere kirchliche Mitarbeit einen besonderen Ehrenplatz vor Gott und den Menschen zu gewinnen. Die „Regierungsform“ unter Christen ist gegenseitiges Dienen. Die Liebe Gottes wird gerade da machtvoll, wo der Mensch sich in absichtsloser Liebe dem anderen Menschen zuwendet.

Der Ruf zu einem Leben in der Nachfolge Jesu bedeutet, sich klein zu machen, einander zu dienen, ja, wie der Apostel Petrus es in der Lesung sagt: einander zu lieben (1 Petr 1,18-25). Es klingt einfach und ist doch so schwer, weil oft genug das menschliche Herz mehr seinen eigenen Willen durchsetzen will als den Willen Gottes zu tun.