Samstag, 23. Juni 2012

24. Juni: Geburt Johannes’ des Täufers



Nur von ganz wenigen Heiligen feiern wir den Tag der Geburt. Neben der Mutter Gottes ist es Johannes, der Täufer. Er ist der letzte der alttestamentlichen Propheten und nach ihm kommt kein Prophet mehr, sondern Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes. Ihn hat er angekündigt, ihm hat er den Weg bereitet.

Jesus selbst wird ihn den Größten von einer Frau geborenen nennen. Ein seltsamer Ehrentitel. Groß ist er vor allem weil er ein von Gott für einen besonderen Dienst Auserwählter ist. Ihn feiern wir heute.

Genau sechs Monate vor der Feier der Geburt Christi am 25. Dezember feiern wir heute die Geburt seines Vorläufers, seines Verwandten, seines prophetischen Kollegen und Vorbildes Johannes. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes und kündigt den Neuen Bund an. Er verkündet die Umkehr und beschenkt das Volk mit der Erfahrung des Heils in der Vergebung der Sünde. Mit seinem Geburtsfest kehrt auch die Sonne an ihrem Höchststand um, beginnen die Tage kürzer zu werden. Johannes macht sich klein, um Christus groß zu machen. Den Menschen damals und uns heute sagt er: „Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt“ (Joh 1,26).

Johannes, so könnte man es vielleicht salopp formulieren, war einer, der den Mund aufgemacht hat. Und zwar nicht nur seinen eigenen.

Um letztere Aussage zu verstehen, muss man etwas weiter ausholen: Zacharias hatte als Priester gerade Dienst im Tempel, als ihm ein Engel des Herrn erschien und ihm die Geburt eines Sohnes verkündete. Zacharias und seine Frau Elisabeth waren kinderlos; Elisabeth war unfruchtbar, beide zudem in vorgerücktem Alter die Hoffnung auf ein Kind aufgegeben. Und eben deshalb konnte Zacharias dieser frohen Botschaft des Engels auch nichts abgewinnen. Der aber strafte ihn wegen seines Unglaubens mit Stummheit. Fortan konnte Zacharias nicht mehr reden; seine Frau aber wurde tatsächlich schwanger und neun Monate später kommt das Kind zur Welt.

Sein Name ist Johannes

Acht Tage nach der Geburt, bei der Beschneidung des Kindes, beharrt die Mutter Elisabeth auf den nicht in der Familie vorkommenden Namen Johannes, den der Vater der erstaunten Verwandtschaft schriftlich bestätigt. Dieser Name ist nämlich von Gott selbst gegeben (Lk 1,13) und er ist zugleich ein Programm: Gott ist gnädig! Er enthält nicht nur einen Wunsch, wie es sich häufig in der Wahl eines Namens ausdrückt, sondern eine Erfahrung: Gott hat sich erbarmt. Eben diese Erfahrung bestätigte Elisabeth in ihrer Schwangerschaft: „Der Herr hat mir geholfen und gnädig auf mich geschaut; er hat mich von der Schande der Kinderlosigkeit befreit“ (vgl. Lk 1,25).

Und in dem Moment, da Zacharias diesen Namen schreibt, löst sich sein Mund, er kann wieder sprechen und Gott preisen, er stimmt den großen Gesang des Benedictus an: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels …“


Ein Wortgewaltiger Prophet

So machte Johannes den Mund auf: Nicht das erste Mal sicherlich, doch zumindest erstmals nicht den eigenen … Etwa dreißig Jahre später sehen wir ihn wieder – wortgewaltig diesmal, als Prediger am Jordan, wo er Umkehr verkündete und die Taufe zur Vergebung der Sünden spendete. Was er sagte, war nicht nur dahingesagt, seine Worte hatten Wucht und Gewicht.

Johannes machte den Mund auf, er schwieg auch dann nicht, wenn es für ihn besser gewesen wäre gewesen wäre. Er mischte sich ein, weil es ihm um die Wahrheit und Gerechtigkeit ging. Die Umkehr, die er predigte, betraf auch die Herrschenden, Herodes und Herodias in seinem Fall. Doch die hören solche Worte nicht gern. Und das hat ihn letztlich den Kopf gekostet.

Johannes machte seinen Mund auf. Und zwischen all den harten, mahnenden und aufrüttelnden Worten hören wir auch noch etwas anderes; wir hören, wie er Jesus, als dieser zu ihm an den Jordan kam und sich einreiht in die Schar der Sünder, als den „Sohn Gottes“ bezeugt, wie er ihn das „Lamm Gottes“ nennt und „Bräutigam“. Johannes machte den Mund auf im Bekenntnis für den dem er vorausging, dessen Schuhriemen zu lösen er sich nicht für wert empfand. Und diese Worte haben ihn zum Propheten des Höchsten gemacht, wie ihn sein Vater schon kurz nach der Geburt vorausschauend bezeichnet hat.

Freitag, 22. Juni 2012

Wort Gottes für den Tag, 23.Juni 2012


Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage (Mt 6,24-34).


Tag für Tag sorgen wir uns, wie das Leben gelingen kann und was wir für unser Leben brauchen. Wir fragen uns, was wir anziehen sollen und was wir wann essen. Wir planen den Tag mit Einkauf, Arbeit und Freizeit. Vieles will geplant und gut durchdacht sein. Und doch kommt uns oft genug etwas dazwischen und wirft alle Pläne über den Haufen. Dann gilt es, neu zu entscheiden und zu improvisieren.

Im heutigen Evangelium lädt uns Gott ein, uns ganz auf ihn zu verlassen und uns nicht zu sorgen. Schonungslos hält uns Jesus den Spiegel vor. Mit all unserer Sorge, die uns tagtäglich beschäftigt, können wir im letzten nur versuchen, unser Leben abzusichern. Verlängern können wir das Leben – in dieser Welt – nicht. Ganz anders ist es da mit dem Leben, das Gott uns schenken will. Wenn wir uns schon hier und jetzt für das Reich Gottes einsetzen, wenn wir seine erbarmende Liebe versuchen zu leben und zu verschenken, wenn wir uns mühen, ihm zu folgen, dann wird er für uns zum Weg und zum Leben, dann gewinnen wir sein ewiges Leben und hier in dieser Welt ein Stück Gelassenheit und vieles mehr.

Dienstag, 19. Juni 2012

Wort Gottes für den Tag, Mittwoch, 20. Juni 2012


Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen ...

... sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten (Mt 6,1-4).
  
Hütet euch, alles vor den Menschen zur Schau zu stellen: Das dürfen wir wohl aus dem heutigen Evangelium mitnehmen. Diese Aufforderung Jesu scheint heute ja genau so aktuell zu sein wie damals. In den sozialen Netzwerken unserer Tage gibt es ja kaum noch etwas, das verborgen bleibt. Da wird jede Aktivität „gepostet“, wie es heißt. Und dann wundern sich manche, dass sie so gläsern geworden sind und stöhnen über zu wenig Privatsphäre.

Im Evangelium nennt Jesus die Dinge beim Namen und hält den Menschen Heuchelei vor. Ist es das aber heute nicht auch? Schade ich mir nicht selbst damit, gebe ich nicht viel von mir und meinem Inneren auf?! Nicht, dass wir alle Geheimniskrämerinnen und ‑krämer werden müssten. Aber es tut doch gut, einen Raum zu haben, der ganz intim ist: zwischen mir und Gott, zwischen mir und der Partnerin bzw. dem Partner, eben ein Raum des Vertrauens und der Geborgenheit. Jesus lädt uns dringend dazu ein, nicht, weil er uns einschränken möchte, sondern weil er uns das eigene, ganz persönliche ICH gönnt.
„Gott allein genügt“, sagt die heilige Theresia von Ávila. Gott weiß um mich, für ihn muss ich nicht „posten“. Und das tut gut! (Daniel Brinker ).