Freitag, 29. Juni 2012

Der Heu- oder Honigmond beginnt




Der Juli ist der siebte Monat des Jahres im Gregorianischen Kalender. Er hat 31 Tage und ist nach dem römischen Staatsmann Julius Caesar benannt, auf den die Kalenderreform des Jahres 46 v. Chr. zurückgeht. Der Juli ist für viele Menschen der  Urlaubsmonat. Es ist Ferienzeit. Erwachsene Menschen nutzen die Urlaubszeit auf verschiedene Weise. Viele fahren in Urlaub ans Meer, oder in die Berge oder weit weg in ein fernes Land, andere bleiben zu Hause und verbringen die Ferien in Balkonien. Für die Kinder sind die Ferien eine Zeit zum Spielen mit Freunden. Wir haben früher in den Ferien oft Schatzsuche gespielt. Dabei ging es darum, im Boden vergrabene Steine zu suchen, die wir vorher mit Gold- und Silberbronze angemalt hatten.

Es ist übrigens ein uralter Traum der Menschen auf Schatzsuche zu gehen und
ungeahnte Reichtümer zu entdecken. Dieser Gedanke hat sicher nicht nur für Kinder seinen Reiz. Jesus greift diese Sehnsucht der Menschen im Evangelium vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle auf (Mt 13,44). Dabei deutet Jesus an: Das größte Glück besteht darin Gott zu finden, an ihn zu glauben, für sein Reich zu wirke.

Im Juli gibt es in der Kirche wiederum einiges zu feiern. Hier ein kurzer (unvollständiger) Überblick:

Mariä Heimsuchung – 2. Juli

Am 2. Juli, am Fest Mariä Heimsuchung gedenken wir der Episode, die in Lk 1,39 im Anschluss an die Verkündigungsszene erzählt wird: Maria macht sich auf den Weg, um ihre Verwandte Elisabet zu besuchen (daher „Heimsuchung“) und die Freude mit ihr zu teilen. Elisabet, selbst im sechsten Monat schwanger, grüßt sie mit den Worten: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Maria antwortet mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnificat. Maria ist, so würden wir heute sagen, ungeplant schwanger. Sie hatte es sicherlich nicht leicht: jung, schwanger, ohne die Sicherheit einer Ehe und eines geregelten Lebens.

Dennoch erzählt das Lukasevangelium, wie sie dem Plan Gottes zustimmt und ihr Einvernehmen in dem Satz "Es geschehe nach deinem Wort" spricht. Der Engel Gottes hatte diese junge Frau mit einer ungeheuren Nachricht konfrontiert: Sie solle einen Sohn gebären, ihm den Namen Jesus geben und Gott der Herr werde ihm den Thron seines Vaters David geben.

Wir wissen nicht, wie es ihr gegangen ist, als der Engel wieder weg war. Vielleicht hat sie begonnen zu zweifeln? Die Bibel schreibt nichts darüber, aber wir können uns gut vorstellen, dass all das Maria durchaus zu schaffen machte und sie unter dem Unverständnis ihrer Umwelt litt. In dieser Situation macht sie sich auf und sucht Unterstützung und moralischen Beistand bei ihrer Cousine, die auch mit dem unerwarteten Eingreifen Gottes in ihr Leben umgehen muss. Denn auch Elisabeth ist schwanger, obwohl sie schon so alt ist.


Benedikt von Nursia - Der ‚Gesegnete‘   -  11. Juli

 

Es gibt wohl nur wenige Menschen, welche die Geschichte Europas, ja der Menschheit so geprägt haben wie der heilige Ordensgründer Benedikt von Nursia. Seine Ordensfamilie hat Großes für die Christianisierung Europas, für Kunst und Kultur in unserer Heimat geleistet und tut dies in vielen Klöstern weltweit noch immer. Im Jahre 547 ist er in Montecassino, im heutigen Mittelitalien verstorben. Arbeit und Fleiß prägten und prägen das Leben der Benediktinerinnen und Benediktiner. Genauso wichtig aber ist für sie das Gebet. „Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen“, ermahnte Benedikt die Seinen.

Benediktinerkloster Maria Laach

Ora et labora
Seit ihr Ordensgründer sie aufgeschrieben hat, leben die Benediktiner / Innen danach: Nach den Ordensregeln des heiligen Benedikt. Die bekannteste lautet „Ora et Labora“ (lateinisch: Bete und arbeite !) Sie ist auch heute noch aktuell. Diese Regel erhellt, wie spirituelles Leben und handwerklich professionelles Leben einander befruchten und auch für den Menschen von heute eine tiefe Quelle sind, um Kraft für den Alltag zu schöpfen.



Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel – 16. Juli

Von Freitag, 13. Bis Sonntag 15. Juli werden auf Einladung der Bütgenbacher Kongregation der Franziskanerinnen von der hl. Familie wieder mehrere hundert Gläubige das Hochfest des Ordens der Karmeliten, das volkstümlich auch Skapulierfest genannt wird, feiern, das nach dem Kalender am 16. Juli stattfindet.

Dabei drücken die Christen den Schwestern ihren Dank aus, den ehemaligen Karmel vor 24 Jahren von den Karmelitinnen übernommen zu haben und ihn seitdem als ein „Geistliches Zentrum“ mit vielfältigen Aufgaben zu unterhalten.

Mir ist die Ehre zugefallen das Fest in diesem Jahr zu gestalten. Ich habe es unter den Leitgedanken gestellt: „Selig, die geglaubt hat“. An Maria können die Gläubigen die Haltungen ablesen, die zum Wesentlichen des Christlichen gehören und dem Glauben ein Gesicht geben.  Am Freitagabend möchte ich die Muttergottes als die offene, auf Empfang eingestellte Frau darstellen.  Maria ist aber auch die Stille, die hört, nachdenkt und im Herzen bewahrt. Außerdem ist Maria die Fragende, die sich von Gott beeindrucken lässt und dient. An ihr als erstem Menschen erfüllt sich: Wer das Leben zu verlieren scheint, der wird es gewinnen.

Ich werde ebenfalls der Frage nachgehen, dass Maria „mit Gott schwanger geht.“ Sie freut sich über das werdende Leben und möchte diese Freude mit jemand teilen. Sie ahnt aber auch, dass Gott einen Menschen nicht erwählt, damit er ein bequemes Leben zu seinem eigenen Vergnügen führt, sondern um einer großen Aufgabe willen. Sie stimmt ein in den großen Lobgesang, das Magnificat.  Dieses Gebet hat bis heute seine Gültigkeit im Beten der Christen bewahrt. Es soll am Abend zum Abschluss des Karmelfests im Mittelpunkt der Überlegungen stehen.


Hl. Christopherus  24. Juli

In dieser Urlaubszeit, in der sich Verkehrsströme durch Europa wälzen, möchte ich an einen Heiligen erinnern, den wir etwas verschämt und leise am 24. Juli feiern. Einen Heiligen, der 1969 aus dem liturgischen Heiligenkalender gestrichen wurde und der doch nie aus den Herzen der Menschen verschwand: Christophorus. Der kirchlich Verdrängte lebt weiter. Er war einer der beliebtesten Heiligen des Mittelalters, der orthodoxen und lutherischen Kirche. Der Heilige des Armaturenbretts, der Heilige der Fahrradklingel, der Heilige, der uns (den Urlaubern) v.a. im Süddeutschen und in Tirol von Kirchenfassaden und Häuserwänden ins Auge fällt wie riesige Graffiti.
 
Das Medaillon dieses Heiligen ist oft das einzige, was man vom alten Auto in den neuen Wagen übernimmt. Er verbindet kirchliche und kirchenferne Verkehrsteilnehmer. Er taucht auf Rettungshubschraubern wie in Unfallkrankenhäusern auf, wird von Kfz-Versicherungen und Automobilclubs bemüht. Er steht mitten im Leben, in diesem modernen, rasanten, gefährdeten Leben. Und doch ist er mehr als der Heilige der Landstraßen, der Autoindustrie, des explodierenden Verkehrs, mehr als der mit uns im Stau stehende Gefährte.

Er ist Patron für alle Menschen, die unterwegs sind. Er muss ein Riese von Mensch gewesen sein, ein hundsköpfiger, monsterhafter Riese: Reprobus, der Verfluchte. Wie ein Schakal sieht er aus auf orthodoxen Ikonen. Ein Hüne von Mann. Er hätte den großen Mann markieren können, die Muskeln spielen lassen, dem Größenwahn verfallen sein. Doch er will nicht Muskelmann für sich sein, er will seine Kraft in den Dienst eines Größeren stellen. Er sucht, was seinem Leben Sinn gibt: Für wen kann ich meine Kraft, mein Talent sinnvoll einsetzen? Sein Leben will er einer großen Sache widmen. Er nennt sein Ziel etwas schwammig: Ich will dem Größten dienen.

Joachim und Anna, die Großeltern Jesu  - 26. Juli 

Wir danken Gott für den Glauben der Großeltern Jesu, der heiligen Anna und des heiligen Joachim. Wir verehren sie stellvertretend für alle Mütter und Väter unserer jüdisch-christlichen Glaubenstradition, die auf Gottes Ja, auf seine Treue, seine Verheißungen vertraut haben.

Wir feiern jeden Sonntag als Tag der Auferstehung Jesu, gründen darin eine neue Woche auf das Ja Gottes, das sich in Jesu Worten und Taten und schließlich in seiner Auferstehung so deutlich und spürbar erwiesen hat. Wir  feiern, dass Gott sich ganz und gar auf unsere Welt einge-lassen hat, dass er auch alle Dunkelheiten auf sich genommen hat, um die Welt mit seinem Licht zu erfüllen. Wir stellen uns bewusst in die Gemeinschaft des Glaubens mit den Menschen heute, mit den Müttern und Vätern unseres Glaubens, mit allen Verstorbenen und allen Hei-ligen, weil uns das stärkt und ermutigt, dem Ja Gottes zu trauen.

Gerade die Großmütter und Großväter spielen hierbei eine wichtige Rolle. Wie die Großeltern Jesu, Anna und Joachim, hat die Generation der Großeltern auch heute vieles durchgemacht, sie haben Höhen und Tiefen, Bangen und Hoffen erlebt. Wenn sie von Gottes Treue Zeugnis geben, ist das geerdet, es gründet auf gemachten Erfahrungen und das macht es Kindern und Jugendlichen leichter, dieses Zeugnis anzunehmen.

 

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Mittwoch, 27. Juni 2012

Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 28. Juni 2012


Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.

Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;  die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund (Mt 8,5-13).

„Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemandem gefunden“, bescheinigt Jesus dem Hauptmann von Kafarnaum. Dieser Satz kann uns zeigen, worum es beim „Glauben“ geht. Es geht hier nicht – wie wir vielleicht annehmen könnten – um ein Für-wahr-Halten von schwer vorstellbaren, unerklärlichen Dingen. Vielmehr bezeichnet Jesus das Verhalten eines Menschen oft als Glaube. Hier meint er das Überzeugtsein von Jesu helfender Macht


Jesu Wort stellt aber nicht nur den Glauben des Hauptmannes heraus. Er erfüllt die Bitte des Hauptmannes und macht dadurch allen, welche die Begebenheit miterleben, Mut zum Glauben an ihn. Er ist der Herr, der hilft und der rettet. Wer davon überzeugt ist, ist Christ.

"... und fange bei mir an": Umweltschutz konkret


Umweltschutz ist längst kein Randthema mehr, seine Notwendigkeit ist wohl allgemein anerkannt. Was aber nicht automatisch bedeutet, für sich selber und für seinen persönlichen Lebensstil Konsequenzen zu ziehen. Dabei liegt in den kleinen Veränderungen, die jeder und jede als Verbraucher leisten kann, ein großes Potenzial. Die Materialien des neuen Monatsthemas möchten zum Mitmachen einladen und ein Bewusstsein dafür wecken, dass die Bewahrung der Schöpfung vor allem auch ein Thema für Christen ist.


Die Erde - Gottes Mitschöpferin
„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war. Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so. Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringt, ein jedes nach seiner Art, und Bäume, die da Früchte tragen, in denen ihr Same ist, ein jeder nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war. Da ward es Abend und Morgen der dritte Tag.“ (Gen/1. Mose 1, 9-13)

„Die Erde lasse aufgehen Gras und Kraut“. Die Erde! Merken Sie, wie hier die Erde zur Selbsttätigkeit aufgerufen wird?! Nicht eigentlich Gott erschafft die grüne Vegetation. Die Erde tut es! Auf Gottes Geheiß. Gott – kein Allesmacher. Er delegiert Schöpfungsmacht, gibt ab, teilt. Teilt mit der Erde. Lässt die Erde selbst kreativ werden.

Die biblische Schöpfungserzählung sieht nicht erst im Menschen den Mitarbeiter Gottes. Bereits die Erde darf es sein, darf sich selbsttätig und schöpferisch entfalten. Welch eine Aussage über die Wertschätzung der Erde! Die Erde – Gottes tätige, schöpferische Mitarbeiterin! Die große Mutter, die Leben hervorbringt. Keine Göttin. Auch sie von Gott geschaffen. Aber Gott hat ihr eine mitschaffende Rolle zugewiesen.

Die „Mutter Erde“ – welch ein Bild! Ein Bild, das einen ehrfürchtigen, dankbaren und liebevollen Umgang mit ihr nahelegt.

Der Mensch - von Erde genommen
„So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden. Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker ...“ (Gen 2, 4-7)

Erde sind wir. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Adam – der Erdling. Wir gehören zu ihr. Und zu den Tieren, die ebenfalls aus Erde gemacht werden. Erdverwandte sind wir. Mehr noch: Wir sind Erde. Wir tragen das alles in uns: Die Fruchtbarkeit, die Kraft des Wachstums, aber auch die Dürre und das Absterben.Erde sind wir. Wir tragen sie noch in uns, die erdverhafteten, elementaren Triebe und Kräfte. Wir brauchen sie, um zu leben.

Spüren wir sie noch in uns, die Säfte und Kräfte unseres erdverhafteten Fleisches, seines Spürens und Empfindens, seiner Lust und seiner Wildheit und Unbändigkeit, aber auch seiner Schwäche und Ohnmacht, seiner Schmerzen und Grenzen? Ja, seiner Grenzen bis hin zur letzten Begrenztheit, einer Grenze, die weder von der Erde noch von des Menschen Wollen und Wirken überwunden werden kann: dem Tod. „Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden.“

 

 

Das Leben der anderen schützen

Notwendig ist ein neuer Lebensstil, der nicht das individuelle Lebensglück, sondern den Erhalt und den Schutz der Erde als Lebenshaus für alle, insbesondere für die armen Völker dieser Erde, zum Maßstab der politischen, gesellschaftlichen und individuellen Entscheidungen macht. Es genügt nicht, dass jeder nur die sein eigenes Leben störenden Faktoren bekämpft, sondern es kommt künftig vor allem darauf an, die das Leben der anderen Menschen und das Leben der Natur insgesamt schützenden und entfaltenden Faktoren zu verteidigen und zu fördern.
Die biblische Schöpfungstheologie fordert, dass wir uns vom neuzeitlichen Weltmodell verabschieden, das die Natur vorwiegend als Nutzbringerin für menschlichen Wohlstand behandelte und dementsprechend misshandelte. Es wird höchste Zeit, dass wir Menschen nicht länger als Herren und Ausbeuter der Natur sowie als rücksichtslose Konsumenten ihrer Ressourcen agieren, sondern dass wir unsere Verantwortung für die Erde ernstnehmen, und zwar durch Konsumverzicht, Maßhalten und Rücksichtnahme. Wir sind nicht Herren, sondern Diener der Schöpfung Gottes, der uns die Erde als Gabe übergibt.


Die Erde lieben
Eine Aufgabe für Christen
Die Erde ist eine wunderbare Gabe des uns alle liebenden Gottes. Wir sollen staunen über ihre Schönheit sowie über den Reichtum und die Vielfalt des Lebens auf ihr. Und vor allem sollen wir sie als Gottes Schöpfung lieben, in den vielen alltäglichen Entscheidungen unseres Lebens auf und mit ihr. Nicht der Eigenprofit, nicht der Konsum, nicht die Gedankenlosigkeit, sondern der liebevolle Blick auf die Erde und ihre Güter, auf die Pflanzen und auf die Tiere, und nicht zuletzt der liebevolle Blick auf die notleidenden Menschen und Völker der Welt soll unseren Lebensstil und unser Bewusstsein prägen und verändern.

Die uns heute zukommende Auf-Gabe hat der 2002 verstorbene Biochemiker Erwin Chargaff im ersten Kapitel seines Buches „Serious Questions“ / „Ernste Fragen“ folgendermaßen auf den Punkt gebracht:  „Wenn die Welt noch gerettet werden kann, wird sie durch Amateure gerettet.“ Er meint dabei das Wort „Amateur“ in dessen ursprünglicher Bedeutung: wer liebend bei der Sache und offen für sie ist, weil er nicht durch die Vorurteile der Meinungsindustrie und durch die Dogmen der Wissenschaft blockiert ist.

Er sagt: „Formulieren wir es provokativ: Naturwissenschaftler, deren Hinwendung zur Natur die Qualität eines Jobs in einer Goldgräberstadt hat, Experten, in denen die Zweifel des Liebenden an sich selbst und an seinem Tun abgestorben sind, Spezialisten, die blind sind für den Reichtum und die Hinfälligkeit des Ganzen“ (E. Chargaff) und Konsumenten, die die ökonomische Wertsphäre für eine ethische Werteskala halten: sie alle sind zum Schutz des Klimas, zur Rettung der Umwelt und zur Förderung der Lebenszusammenhänge auf der Erde untauglich.

Tauglich dafür werden wir, wenn wir wieder lernen, die Welt als Gottes Schöpfung zu sehen und sie als solche zu lieben – als Ausdruck unserer Gottesliebe, inspiriert von Worten aus dem 1. Johannesbrief:
„Wenn jemand sagt: ich liebe Gott,
aber seine Schwester, die Erde, misshandelt,
ist er ein Lügner.
Denn wer seine Schwester nicht liebt, die er sieht,
kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.
Wer Gott liebt,
soll seine Schwester, die Erde, lieben und achten“ (vgl. 1 Joh 4,20f).
Erich Zenger

aus: Theologische Grundlagen: Gottes Schöpfung – Lebenshaus für alle. in: Michael Kappes (Hg.): Gottes Schöpfung feiern und bewahren. Materialien zur Gestaltung des Schöpfungstages und der Schöpfungszeit 1. September bis 4. Oktober. Eine Arbeitshilfe der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen, 2010, S. 18.

Sonntag, 24. Juni 2012

Lebensweisheiten


Sag einfach was du denkst
Wer sich sorgt ist angespannt. Das muss nicht unbedingt ein großes Problem sein, das „auf die Schultern drückt“. Ich kenne viele Menschen, die nicht entspannt und froh in ein Gespräch gehen können. Immer setzen sie sich unter Druck. Sie meinen, sie müssten im Gespräch gut abschneiden. Sie müssten dem anderen beweisen, dass sie gebildet sind und über wichtige Themen etwas Entscheidendes zu sagen haben. Sie fühlen sich gleichsam bei jedem Gespräch vor einem inneren Richter, der sie beurteilt, ob sie auch alles gut machen. Es ist eine solche Situation, in die hinein Jesus sagt: „Macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen und was ihr sagen sollt.“ (Lk 12,11). Sag einfach, was du denkst, was aus deinem Innern kommt. Du musst dich nicht verteidigen und rechtfertigen. Du darfst so sein, wie du bist. Trau deinem Gefühl. Wenn du nichts sagen möchtest, dann höre einfach zu. Und wenn dir Worte kommen, die du gerne zum Ausdruck bringen möchtest, dann tu es. Aber befrei dich von deinem inneren Richter. Er kostet dich zu viel Energie. Lebe einfach dein Leben.

In einer guten Hand
Sorge tötet die stärksten Menschen. So heißt es im Babylonischen Talmud, einer berühmten Sammlung jüdischer Weisheiten. Es gibt eine Sorge, die uns auszehrt und verzehrt. Sie raubt uns alle Kraft. Wer sich zu viel Sorgen macht, der hat keinen Appetit mehr. Er magert ab. Wir sehen es einem an, wenn er von Sorgen gequält wird. Aber gegen diese Sorge, die uns zu töten vermag, gibt es Heilmittel. In der biblischen Tradition ist es das Vertrauen auf Gottes Fürsorge. Gott selbst sorgt für mich, also brauche ich mich nicht von den Sorgen verzehren zu lassen. Und eine ganz konkrete Hilfe ist es, Gott meine Sorgen hinzuhalten. Das Gebet bietet die Chance dazu. Dann lösen sie sich auf oder relativieren sich zumindest. Im Gebet wächst das Vertrauen, dass ich mit meinen Sorgen in Gottes guter Hand bin.

Mit allem eins
Menschen, die nicht im Einklang mit sich selbst sind, haben Angst vor der Einsamkeit. Wenn sie allein mit sich sind, dann taucht die innere Zerrissenheit in ihnen auf. Davor möchten sie am liebsten davonlaufen. So beschäftigen sie sich ständig mit irgendetwas, um ihrer Einsamkeit auszuweichen. Das deutsche Wort „Einsamkeit“ hat jedoch in sich einen positiven Klang. Es ist zusammengesetzt aus „ein“, das nicht nur die Zahl eins meint, sondern ein Einssein. Das Verschiedene ist miteinander eins. Das Suffix „sam“ bedeutet „mit etwas übereinstimmend“. Der Einsame stimmt mit seinem Einssein überein. Er sagt innerlich Ja dazu, dass er eins ist, einzig auf dieser Welt und zugleich im tiefsten Grund allein. Doch dieses Alleinsein stört ihn nicht. Er stimmt damit überein. Denn er wei8, dass er in seiner Einsamkeit mit allem eins ist, mit sich selbst, mit den Menschen und mit Gott.

Anselm Grün: Das große Buch der Lebenskunst, Herder