Samstag, 28. Juli 2012

Satt machen statt abspeisen


Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.

Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.  Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?  Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.

Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.

Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein (Joh 6,1-15).

Ihr kennt das folgende Beispiel auch: Ihr habt einen Behördengang vor euch, müsst aber noch eine Zeit lang warten bis ihr dran seid und am Schluss, wenn ihr endlich dran seid, erhaltet ihr die knappe Antwort, dass für euer Anliegen noch ein weiteres Formular auszufüllen ist und der Beamte sagt, dass er außerdem gar nicht zuständig sei.

Ihr müsst zum Arzt, wartet lange und kaum seid ihr dann beim Arzt angekommen, geht ihr auch schon wieder raus. Ihr merkt seine Zeit drängt, es ist kein eingehendes Gespräch möglich. Schnell folgt der Griff zum Rezeptblock.

Ihr wendet euch in einem Anliegen an einen Freund oder Bekannten. Der signalisiert aber, dass es heute ganz ungünstig ist. Wenn ihr genau hinhört, dann merkt ihr, dass er selbst mit eigenen Problemen beschäftigt ist und kein großes Interesse an einem tiefer gehenden Gespräch hat.

In keiner dieser Episoden wird jemand richtig abgelehnt, wohl aber wird man sich abgefertigt oder abgespeist fühlen. Es gibt zwar eine Antwort, aber es kommt kein Gespräch, keine Begegnung zustande.

Es gibt bei uns Menschen so etwas wie einen Hunger nach Nähe, nach Beziehung, nach Gemeinschaft. Wir Menschen haben ein elementares Bedürfnis nach Erfüllung und Sinn. Aber was in den geschilderten Fällen herauskommt, lässt unbefriedigt zurück. Es hinterlässt eher das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Die Menschen zur Zeit Jesu hungerten nach Freiheit und Frieden. Sie lebten in einem Land das von einer fremden Staatsmacht besetzt war. den Römern. Es gab außerdem einen religiösen Hunger nach Spiritualität, nach geistlicher Nahrung, denn die Verantwortlichen ihrer Religion hatten aus dem jüdischen Glauben nichts weiter mehr gemacht als eine Religion mit unzähligen Geboten in denen sich nur noch Eingeweihte auskannten. Dieses Regelwerk machte das Leben eng und beschwerlich. Kein Wunder, dass Jesus reichlich Anhänger fand.

Wer Jesus begegnet war, erkannte bei ihm etwas anderes, als bei den religiösen Führern der Juden. Die Menschen sahen vor allem die Zeichen die er tat, sie erfuhren es manchmal am eigenen Leib: Er nahm sich der Kranken an und heilte sie. Sünder kamen zu ihm um von ihm Vergebung zu erlangen. Menschen zweiter Klasse, wie Aussätzige oder Gelähmte heilte er, so dass sie wieder ein normales Leben führen konnten. Bei dem verhassten Zöllner Matthäus lud er sich sogar selber zum Essen ein. Das blieb alles nicht verborgen. Daraus schöpften die Menschen neue Hoffnung. Hoffnung auf echte Hilfe für ihr tägliches Leben.

Ist es nicht genau das, was Menschen auch heute noch suchen? Wonach sie hungern. Viele können sich mehr als satt essen, aber sie haben niemanden der ihnen schon mal ein gutes Wort zuspricht. Sie haben niemanden, der sie ernst nimmt mit ihren Problemen. Der Hunger nach Brot ist in der Welt zwar groß, aber hier ist der wahre Hunger der Welt. Hunger nach Liebe und Anerkennung.

Es geht bei der Erzählung von der Brotvermehrung nicht um die Frage: Wie hat er das gemacht? Es geht nicht um eine Zuberformel. Es geht darum, uns aufmerksam zu machen auf unseren Hunger nach Leben, auf unsere Sehnsucht nach Lebenssinn. Das Evangelium weist auf Christus, der diese Sehnsucht kennt und auch erfüllt. Jesus speist Menschen nicht ab. Bei ihm bekommen sie etwas, das sie erfüllt, das ihre tiefen Sehnsüchte stillt.

Freitag, 27. Juli 2012

Wort Gottes für den Tag 28. Juli 2012


Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann

Jesus sagte: Hört also, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.

Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.

In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum und es bringt keine Frucht.

Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach (Mt 13,18-23).

Es sind viele Worte, die Tag für Tag aus dem Radio, Fernsehen oder aus der Zeitung auf uns einströmen. Ob ein Wort bei uns ankommt, hängt viel davon ab, ob wir ihm Raum geben in uns, es in uns wirken lassen, ihm gleichsam den Boden bereiten, auf dem es wachsen und fruchtbar werden kann. Das gilt auch vom Wort Gottes, mit dem er uns jetzt wieder anspricht.

Heute hören wir das Gleichnis vom Sämann. Der Sämann ist nicht irgendeiner. Er ist Jesus. Er sät Gottes Botschaft, das Evangelium. Indem er als Gottes Sohn in die Welt kommt, sät er sich selbst. Er ist der Inhalt des Evangeliums. Der Same sieht unscheinbar aus. Doch er birgt Leben in sich; Kraft, den Boden zu durchdringen und sich zu vermehren!
 
Herr, du bist der Sämann,
der Same ist dein Wort.
Ich selber bin der Boden.

Manchmal da bin ich wie felsige Erde:
Ich bin begeistert von deiner Botschaft,
aber sie geht nicht tief genug,
ich vergesse schnell wieder, was du mir sagst.

Ein andermal bin ich der festgetretene Weg.
Dein Wort kommt erst gar nicht an bei mir.
Ich beachte es nicht, nichts geht auf.

Auch gibt es da die Dornen in mir.
Sorgen und Stress, das Allerlei des Alltags,
ersticken dein Wort.
Es ist keine Zeit und kein Platz
für das, was du mir zu sagen hast.

Aber da ist auch der gute Boden in mir.
Wenn ich dir vertraue und dich liebe.
Wenn ich nach deinem Willen frage
und mein Leben auf dich baue.

Herr,
wenn auch vieles von deinem Wort
keine Frucht in mir und durch mich bringt,
so weiß ich doch: ein Teil wird seinen Ertrag bringen,
dreißig, sechzig, ja vielleicht sogar hundertfach!
Darauf vertraue ich und danke dir dafür.

Stefan Anzinger

Mittwoch, 25. Juli 2012

In Memoriam Bruno Arens



Am Dienstag verstarb im Alter von 69 Jahren im Kreise seiner Familie in St. Vith Missionar Bruno Arens aus St.Vith. Über 40 Jahre schlug das Herz von Pater Bruno Arens für Thailand.

von Lothar Klinges



Ein Jahr nach seiner Priesterweihe betrat der damals 28-jährige junge Missionar am 29. August 1971 erstmals thailändischen Boden. Seitdem arbeitete er als Priester des Oblaten-Ordens in verschiedenen Regionen des Landes.

Bruno Arens wurde am 1. Juni 1943 in St.Vith geboren. Sein Vater Nikolaus (verheiratet mit Gertrud Heinen) war Grundschullehrer, so dass die Familie, entsprechend der Arbeitsstelle des Vaters, mehrmals den Wohnsitz wechseln musste: von Rodt über Ouren und St. Vith bis nach Deidenberg.  Nach dem Abitur am Collège Notre-Dame in Gemmenich begann er 1962 das Noviziat bei den Oblaten (OMI) in Barvaux s. Ourthe, wo er am 8. September 1963 seine ersten Gelübde ablegte. Nach dem Philosophie-Studium in Velaine (Tournai) begann er sein Theologiestudium am Priesterseminar von Tournai.  Er arbeitete ein Jahr als Bauarbeiter in Quaregnon/Mons und führte danach sein Studium in Theologie in Eegenhoven (Löwen) fort.

Sehnsucht nach Asien

Die Priesterweihe empfing er am 28. Juni 1970 und bereitete sich auf seinen Missionseinsatz vor. „Schon immer war es meine tiefe Sehnsucht, nach Asien zu gehen.“ In einem Brief an seinen Ordensoberen in Rom hatte er Indien als Einsatzort vorgeschlagen. Da die Oblaten erst seit 1966 in Thailand tätig sind, hatte er dann für das neue Missionsgebiet optiert. Am 29. August 1971 betrat er erstmals thailändischen Boden. Nach einer dreijährigen Eingewöhnungsphase wurde er 1974 Kaplan in Nakhonpathom, einer Pfarre westlich von Bangkok. Zwei Jahre später wurde er für sieben Jahren Pfarrer in Songphinong und für fünf Jahre Oberer der Oblaten in Thailand. 1983 wurde er zum Pastor nach Loie, 600 Kilometer nordöstlich von Bangkok, berufen. Im Jahr 1987 baute er das Priesterseminar in Samphan auf, dessen Direktor er wurde. Von 1994 bis 2000 wurde er wiederum zum Oberen der Oblaten in Rangsit gewählt. Danach war er zwei Jahre lang Novizenmeister in Samphran. Ein „Sabbatjahr“ führte ihn 2002-2003 nach Belgien und wurde danach während fünf Jahren Pastor in Thabom. Seit 2007 leitete er das Missionszentrum der Hmongs in Lomsak. „Seitdem ich in Thailand bin, habe ich mich immer wieder für das Schicksal der Hmongs interessiert“, sagte Bruno Arens. Nach seiner Rückkehr aus dem Heimaturlaub am 4. Juni 2009 hatte er eine neue Aufgabe als Pfarrer in Saphanmai, einer Pfarre in der thailändischen Hauptstadt, übernommen.

Bruno Arens hat sich zeitlebens mit allen Kräften für die kulturelle Identität des Sieben-Millionen-Bergvolkes der Hmongs im Vierländereck zwischen Thailand, Laos, Vietnam und China eingesetzt. Seit Ende des Vietnamkrieges machen laotische und vietnamesische Soldaten Jagd auf Angehörige des Bergvolkes, da diese von den kommunistischen Regierungen als Staatsfeinde angesehen wurden.

Pater Bruno Arens war Direktor des katholischen Missionszentrums der Hmongs, „Der gute Hirte“ in Lomsak in der Provinz Phetchabun in Thailand. Hier wird eine Radiosendung produziert, die durch „Radio Veritas Asien“ über Kurzwelle aus Manila (Philippinen) ausgestrahlt wird. „Da, wo Christengemeinden sich nicht mehr ohne weiteres zusammenfinden können, wo Menschen von politisch unabhängigen Informationen abgeschnitten und an der Ausübung ihrer Religion und Tradition gehindert werden, übernimmt dieses Medium eine entscheidende Rolle“, erläuterte Bruno Arens anlässlich seines Heimaturlaubs im Jahr 2009. „Per Radio halten wir Kontakt zu diesem unterdrückten Volk.“  Insbesondere in Laos und Vietnam, wo das Volk drangsaliert wird, sowie isoliert und weit verbreitet lebt, bietet der Radiosender die einzige Möglichkeit, den Christen Hilfen im Glauben anzubieten.

Einen großen kulturellen Dienst an das Bergvolk haben die Oblaten bereits 1950 mit der Einführung der Schriftsprache in lateinischen Buchstaben gestartet. Bis dahin kannte dieses Volk keine Schriftsprache. Während die Hmongs in Laos und Vietnam als „Staatsfeinde“ betrachtet werden, sehen sie sich in Thailand als Minderheit der Herausforderung gegenüber, ihre Identität in einer Gesellschaft zu bewahren, die sich schwer tut, andere Religionen und Kulturen zu akzeptieren. Es sind vor allem die jungen Mitglieder des Bergvolkes, die sich für den Erhalt ihrer Identität stark machen und sich für die Geschichte und die Wurzeln ihres Volkes interessieren.

Da die politische Situation insbesondere in Laos und Vietnam verhindert, dass Priester und Ordensleute, ja sogar Katecheten die christlichen Gemeinschaften besuchen, hat das Zentrum vom Guten Hirten eine Aktion gestartet, Bibeln in der Sprache der Hmongs an das Bergvolk zu verteilen. Da die Grenzen von Laos und Vietnam für christliche Literatur geschlossen sind, müssen die Bibel auf langwierigen Pfaden zu den unterdrückten christlichen Gemeinschaften der Hmongs gebracht werden. Davon hatte Pater Bruno Arens mehrere tausend Stück in Laos und Vietnam verteilen lassen.

Dienstag, 24. Juli 2012

Fest des Apostels Jakobus


Pilgern war für den Menschen des Mittelalters Ausdruck seines religiösen Lebens. Er verstand sich als Erdenwanderer, der auf der Welt nur unterwegs war. Nachdem das Pilgern aus der Mode gekommen war, haben es inzwischen viele Menschen erneut entdeckt und besuchen wieder die klassischen Ziele, wie Santiago de Compostela in Spanien. Auf dem Weg zum Grab des Apostels Jakobus, dessen Fest wir heute feiern, suchen sie nach Antworten auf ihre Fragen und nach dem Sinn ihres Lebens. Schließen wir uns in Gedanken doch einfach den Jakobuspilgern an.


Stellen wir uns den heiligen Jakobus als Pilger vor mit Stab, Beutel und Pilgermuschel. Im Auftrag Jesu ist er als Apostel unterwegs, um möglichst vielen die Botschaft von der Auferstehung Jesu zu bringen. Wir denken daran, dass auch wir auf diesen Weg geschickt wurden. Als Diener der Menschen sind wir berufen, Jesu Apostel in unserer Zeit zu sein. Machen wir uns immer wieder auf den Weg in der Kraft dessen, der im heiligen Mahl uns stärkt.

Jakobus war bei der Verklärung Jesu dabei

Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus. Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. (Mk 9,2-7)

Das Thema Gott habe ich für mich abgeschlossen“ sagen manche Menschen. Viele tun sich schwer mit dem Glauben. Meist haben wir keine so spektakulären Gotteserfahrungen wie die Jünger auf dem Berg Tabor. Unser Verstand möchte so gerne Beweise, die es im Glauben aber nicht gibt.

Um Gott begegnen zu können, muss ein Mensch zunächst einmal für ihn offen sein. Solange das eigene Leben in geordneten Bahnen verläuft, alles so klappt wie geplant, keine Not und keine wirkliche Sorge drücken, verschwenden Menschen in der Regel nicht viele Gedanken an Gott. Meist bedarf es dazu einer einschneidenden Erfahrung. Eine solche
Erfahrung muss gar nicht so spektakulär sein wie die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor. Das kann ein Moment großen Glücks sein – wenn etwa junge Eltern das erste eigene Kind im Arm halten. Es kann aber auch ein Moment bodenloser Trauer sein – etwa dann, wenn man aus heiterem Himmel einen lieben Menschen verliert. Oder ein Moment stiller Ergriffenheit – wenn man etwa nach langer Zeit wieder einmal in den Sternenhimmel blickt und sich bewusst wird, wie klein, wie verloren wir Menschen uns doch im Weltall vorkommen müssen. Solche Momente, solche Stimmungen können es sein, die uns öffnen für die Fragen, die sonst kaum in uns hochkommen: Die Fragen nach dem Woher und Wohin unseres Lebens.

Montag, 23. Juli 2012

350.000 Opfer seit in Krafttreten des Abtreibungsgesetzes in Belgien


Im alten Rom war Kindermord ein gesellschaftlich anerkanntes Phänomen. Der Familienvater hatte Macht über Leben und Tod. Neugeborene die aus dem einen oder anderen Grund nicht erwünscht waren, konnten getötet oder irgendwo ausgesetzt werden. So konnten die Götter entscheiden, ob das Kind sterben oder leben sollte. Mache Babys wurden in den Abflussgraben geworfen. Andere Neugeborene wurden am Waldrand ausgesetzt, eine leichte Beute für wilde Tiere oder Menschenhändler, die auf der Suche nach Kindern waren um Sklaven oder Prostituierte daraus zu machen. Noch eine andere Gruppe von Menschen suchten diese unglücklichen Kinder. Christen suchten bei Anbruch der Nacht die bekannten Plätze ab, um die Neugeborenen, die niemand haben wollte, vor einem grausamen Los zu bewahren.

Sie sehen es. Wir sind in der Zeit zurückgeschritten. Wir sind im Gewissen zurückgefallen. Nach 2000 Jahren Christenheit sind wir Neu-Heiden geworden. lm Kern barbarisch und gottlos, aber nach außen hin ist alles mit einer dünnen Lackschicht bedeckt. Aufs Neue töten wir Kinder, vor und nach der Geburt. Es ist das Resultat einer tödlichen Gewöhnung.

Aber wir wollen die Opfer der Abtreibung in Belgien nicht vergessen. Wir wollen sie ehren und uns an sie erinnern. Das Gesetz vom 3. April 1990 hat ihnen ihre Menschlichkeit und Würde nicht genommen. Kein Gesetz kann das! Die armen Kinder haben nicht einmal einen Namen erhalten, keine Wiege, kein warmes Nestchen, keine aufrechte Liebe..., keine Chance. Nicht nur die Mutter hat sie abgelehnt. Die ganze Gesellschaft hat die kleinen ungeborenen Kinder seit 1990 im Stich gelassen. Sie haben nur eine Nummer bekommen, einen Platz in den Statistiken. Wir wollen ihrer hier mit Ehrerbietung gedenken.

 
Der demographische Wandel

Oder: Wie Frau Merkel sich selbst belügt

Der demographische Wandel müsse nun wirklich ernst genommen werden und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten nun endlich angemessen reagieren, lautet die Feststellung von Frau Bundeskanzlerin Merkel.

Eine erstaunliche Feststellung, erstaunlich deshalb, weil doch weder Frau Merkel selber noch ihre Parteigenossen oder ihre Amtsvorgänger jemals auch nur im Geringsten etwas gegen die wirklichen Ursachen des demographischen Wandels unternommen haben. Im Gegenteil: „Durch die Freigabe der Abtreibungstötung Mitte der 70er Jahre sind genau diejenigen Bundesbürger getötet worden, die uns jetzt fehlen“, sagt Walter Ramm, Vorsitzender der Aktion Leben e.V. und führt weiter aus: „Es genügt nicht, mit ein paar schönen Worten zu mehr Familiengründungen und Geburten aufzurufen oder die akademische Elite aus amen Ländern zum Arbeiten nach Deutschland einzuladen und so zu tun, als ob dann alles in Ordnung wäre.

Hiermit belügt Frau Merkel sich selber, aber auch das ganze Volk. Eine Politik, die es seit über 35 Jahren ermöglicht, straflos ungeborene Kinder zu töten, die wird küntiig auch noch die Euthanasie/Sterbehilfe für die alten Menschen zur Vertügiung stellen, nachdem man diese bis zum Alter von 67 Jahren oder mehr im Berufsleben ausgeprellt hat.“

Die Aktion Leben e.V. mit über 50.000 Freunden und Mitgliedern fordert daher die Bundesregierung auf, endlich dem gesetzlich sanktionierten und sozialstaatlich finanzierten Töten Einhalt zu gebieten. „Der von Frau Merkel eingeforderte Zusammenhalt aller Generationen und Gruppen wird so lange nicht erreichbar sein, als man Gesetze hat, die Töten als Problemlosung ermöglichen,“ 'resümiert Walter Ramm.

„Nur, wenn alle Menschen, ob geboren oder ungeboren, ob alt oder jung, ob gesund oder krank, umfassend vor jeglichen Tötungs- und Gefährdungshandlungen geschützt sind, kann sich ein Klima von Zusammenhalt, Vertrauen und Miteinander entwickeln.“
Pressemitteillung, aktion Leben e.V. in: „Leben & Familie“, Zweimonatliche Informationszeitschrift von Pro vita, Belgien.

Sonntag, 22. Juli 2012

Neues aus der Weltkirche


Ex-Kammerdiener soll allein gehandelt haben

Paolo Gabriele ist vorläufig aus der Haft entlassen und unter Hausarrest gestellt worden. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstagabend vor Journalisten mit. Der ehemalige päpstliche Kammerdiener saß fast zwei Monate in einer vatikanischen Arrestzelle ein, weil er möglicherweise Geheimdokumente vom Schreibtisch Papst Benedikts gestohlen und weitergegeben hat. Gabriele befindet sich nun provisorisch auf freiem Fuß, wie Lombardi bei der Pressekonferenz erläuterte:

„Der vatikanische Untersuchungsrichter Piero Bonnet hat nach einer abschließenden Befragung entschieden, den Beschuldigten nach 60-tägigem Gefängnisaufenthalt unter Hausarrest zu stellen. Die vatikanische Justiz muss nun in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie ein förmliches Verfahren gegen Gabriele eröffnet oder den Fall zu den Akten legt. Die von Benedikt XVI. eingesetzte Kommission der Kardinäle, die die Hintergründe des Falles untersucht, hat ihre Befragungen und Nachforschungen ebenfalls abgeschlossen.“

Der – vertrauliche - Abschlussbericht der Kardinäle liegt Papst Benedikt bereits seit mehreren Tagen vor, sagte Lombardi. Dass Paolo Gabriele weder Hintermänner im Vatikan noch außerhalb hatte, das bekräftigte einer der beiden Anwälte des früheren Kammerdieners, Carlo Fusco, im vatikanischen Pressesaal.

„Paolo Gabriele hat aus rein persönlichen, inneren Motiven gehandelt, aus Liebe zum Papst und um diesem zu helfen. Mein Mandant hat allein gehandelt, er gehört nicht zu einem Netzwerk oder zu einer inner- oder außer-vatikanischen Verschwörung. Und Gabriele hat weder Geld noch sonstige persönliche Vorteile erhalten. Zudem hat er seit seiner Verhaftung umfassend mit der vatikanischen Justiz kooperiert.“

In den vergangenen Monaten waren Dutzende teils brisante Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangt, so zu einem angeblichen Mordkomplott gegen Papst Benedikt oder über das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Ein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Butler würde frühestens im Herbst beginnen, informierte Lombardi. Laut Vatikangesetz wäre ein solches Verfahren öffentlich. Sollte Gabriele des schweren Diebstahls für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu acht Jahre Haft. Vorerst wird sich das Leben des dreifachen Familienvaters in sehr engen Kreisen abspielen. Lombardi:

„Paolo Gabriele wird nun mit seiner Familie wohnen. Er darf sein im Vatikanstaat gelegenes Haus aber nur verlassen, um zum Gottesdienst zu gehen.“
(rv/kna/nzz 22.07.2012 mg)



Vatikanzeitung mit Frauenbeilage: Den Unbekannten eine Stimme geben


Der Heilige Stuhl gibt neuerdings eine Frauenzeitschrift heraus. Genauer gesagt, handelt es sich um eine Beilage zur italienischen Ausgabe der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ mit dem Titel „donna, chiesa, mondo“, also: Frau, Kirche, Welt. Nächste Woche erscheint die Beilage zum dritten Mal und wird unter anderem ein längeres Interview mit Brigitta Klieber enthalten, der langjährigen Finanz-Chefin der Erzdiözese Wien. Verantwortlich für die Frauenbeilage zeichnet Lucetta Scaraffia, Jahrgang 1948, Journalistin und Dozentin für Zeitgeschichte an der staatlichen römischen Universität „Sapienza“. Den Frauen der Kirche eine Stimme zu geben: das ist erklärtes Ziel der neuen Medien-Initiative. Denn innerhalb wie außerhalb wird die weibliche Seite der Kirche immer noch viel zu oft übersehen, sagt Lucetta Scaraffia.

„Beim geweihten Leben zum Beispiel setzt sich die Kirche zu zwei Dritteln aus Ordensfrauen zusammen. Dann gibt es zahllose weibliche Laien, die mit der Kirche in vielfältiger Form zusammenarbeiten. Alle diese Frauen sind oft unbekannt, nicht nur für jene, die außerhalb der Kirche leben und sich die Kirche als männliche Welt vorstellen, als Welt von Priestern. Sondern oft sind sie nicht einmal in der Kirche selbst bekannt. Und das ist schwerwiegend! Die Frauen in der Kirche sind wie ein versteckter Schatz, und wir möchten helfen, ihn zu heben und zu nutzen.“

Die mangelnde Wahrnehmung des Wirkens von Frauen in der Kirche hat aus Sicht von Lucetta Scaraffia mehrere Gründe. Sie nennt zwei davon:

„Erstens, dass nur die Männer Karriere machen können. Ich befürworte nicht das Priestertum der Frau und diese Art der Karriere; aber ich denke, es gibt beispielsweise Ordensfrauen, die einmal Generaloberinnen waren und genug Erfahrung und Kompetenz haben, die sie dazu befähigen würden, ein Dikasterium der römischen Kurie zu leiten. Es gäbe Frauen, die dazu in der Lage wären, eine wichtige Rolle in vatikanischen Ämtern zu spielen. Und das, ohne den Aspekt Priestertum zu berühren. Ich glaube, wir würden andere Standpunkte einbringen. Ich denke auch, dass die Frauen gewissermaßen freier wären, denn Karriere können sie ohnehin nicht machen, sie können ja nicht Papst werden…! Das gibt viel Freiheit, auch Freiheit im Denken und Reden.“

Der zweite Grund für die Unsichtbarkeit der Frauen in der Kirche: Gerade Ordensschwestern nehmen das Gelübde der Demut oft sehr ernst.

„Sie stellen niemals zur Schau, was sie tun, sie schreiben wenig, sind nicht gewohnt, von ihrem Wirken zu erzählen. Ihre Arbeit ist ein immenses verborgenes Werk, das nur diejenigen kennen, die sie zufälligerweise im Leben treffen. Ich glaube, das man die Arbeit dieser Ordensfrauen bekannt machen muss - weil sie wichtig ist, weil sich die Kirche ja auch darauf gründet, dass ganze Lebensentwürfe ihr gewidmet sind, wenn wir etwa an die Nächstenliebe oder das Gebet der Frauen denken. Und sie selbst sagen das nicht! Im Gegenteil, sie sehen es als Teil ihrer Sendung, sich nicht selbst für ihr Wirken zu loben. Aber andere können das für sie tun. Das ist ein wichtiger Auftrag, den wir uns mit dieser Beilage stellen.“

Die Deutsche Bischofskonferenz hat bereits Interesse an einer Übersetzung und Verbreitung der Frauenbeilage des Osservatore in Deutschland angemeldet. Vorerst erscheint sie auf Italienisch einmal monatlich. Gedruckt ist die Beilage auf solidem weißem Papier, darauf hat Scaraffia gepocht, weil das Blatt vier Wochen lang halten muss. Es finanziert sich auch über Werbung, und es ist – das im Gegensatz zu fast allen konventionellen Frauenzeitschriften – extrem international ausgerichtet.
(rv 22.07.2012 gs)


Benedikt beim Angelus: Ruheplatz für die Seele suchen


Die Kirche blickt „mit Sympathie und Aufmerksamkeit“ auf die Olympischen Spiele, die am kommenden Freitag in London beginnen. Beim Angelusgebet am Sonntag widmete Papst Benedikt XVI. dem „größten Sportereignis der Welt“ einige Worte auf Italienisch. An der 30. Ausgabe der Olympiade „nehmen Athleten sehr vieler Nationen teil“, die Spiele hätten „auch einen hohen symbolischen Wert“. „Beten wir, damit nach dem Willen Gottes die Spiele von London eine echte Erfahrung der Brüderlichkeit zwischen den Völkern der Erde seien“, sagte der Papst den Pilgern und Besuchern in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo.

Auf Deutsch lud Papst Benedikt dazu ein, im Gebet zur Ruhe zu kommen:

„Herzlich grüße ich die Gäste deutscher Sprache hier in Castel Gandolfo und alle, die über Rundfunk und Fernsehen am Angelusgebet teilnehmen. „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,11), sagt der Herr heute im Evangelium zu seinen Jüngern. Auch wir brauchen, jeder von uns, einen Ort der Ruhe und der Gemeinschaft mit dem Herrn. In der Stille wächst unsere Beziehung zu Gott und werden wir selber mit uns wieder eins. Denn wenn wir beim Herrn sind, sind wir auch bei uns. Seine Gegenwart verwandelt uns von innen her, damit wir recht leben und Gutes tun können. Suchen wir daher diesen „Ruheplatz“ für unsere Seele im Gebet und in der Anbetung vor dem Tabernakel. Euch allen wünsche ich einen gesegneten Sonntag.”
(rv 22.07.2012 gs)