Samstag, 4. August 2012

„Unser tägliches Brot gib uns heute“. Eine Bitte um mehr als nur um Brot


Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.

Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.

Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben (Joh 6,24-35).



Wir alle kennen das Vater unser. Es ist das Grundgebet für uns alle, die wir uns Christen nennen. Es ist ein ganz wertvolles und wichtiges Gebet. Wir alle beten es im Gottesdienst ob wir katholisch, evangelisch oder orthodox sind.

Das Vaterunser hat sieben Bitten. Nicht umsonst! Sieben – das ist die heilige Zahl. Die drei ersten Bitten sind auf Gott gerichtet: “Geheiligt werde dein Name“. Wir beten weiter: „Dein Reich komme“. „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auch auf Erden“. Dann geht es um uns: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. „Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ so beten wir weiter. „Und führe uns nicht in Versuchung!“ sondern erlöse uns von dem Bösen“.

Vielleicht ist euch etwas aufgefallen: Eine Bitte hat eine besondere Position inne. Sie steht genau in der Mitte dieses Gebetes und sie ist der Übergang von den Bitten die Gott betreffen zu denjenigen die uns Menschen betreffen. Ging es bisher um die Bitten dass der Name Gottes verherrlicht werde oder dass sein Reich komme oder sein Wille in der Welt geschehe, so geht es nun um unsere Nöte. Es geht genau gesagt um das tägliche Brot, um das satt essen. Wir wissen alle wie wichtig diese Bitte ist, denn wir wollen keinen Hunger leiden sondern jeden Tag uns, wenn möglich, wenigstens einmal satt essen.

Am vergangenen Sonntag hörten wir im Evangelium, wie 5000 Menschen Hunger hatten und die Jünger wussten nicht wie sie die alle satt bekommen sollten, so dass Jesus ein Wunder wirkte. Heute hörten wir die Fortsetzung. Die Menschen laufen Jesus nach. Aber nicht weil sie an ihn als den Messias glauben, sondern weil sie von den Broten gegessen haben, weil er sie versorgt hat. Sie sind durchweg arme Menschen, die Jesus nachfolgen, darum ist das gut zu verstehen. Er ist ihnen sympathisch, weil er ihren Hunger stillt und sie sich noch mehr von ihm erhoffen.

Aber Jesus weist sie zurecht! Sie sollen sich nicht um die verderbliche Speise bemühen, sondern um die unvergängliche, die ewige. Aber sagt das einmal zu Menschen denen der Magen knurrt, die Hunger haben!!! So ist es nicht verwunderlich, dass sie nicht viel von dem verstehen was Jesus meint und fordern ein weiteres Zeichen von ihm. Damit machen sie deutlich: Sie bleiben zu sehr am Vordergründigen, am unmittelbar sichtbaren hängen. Jesus spricht darauf hin vom wahren Brot. Er offenbart sich ihnen als das Brot des Lebens. Wer zu ihm kommt wird nie mehr hungern.

Wenn wir Jesus richtig verstehen dann müssen wir uns bei der Vaterunser-Bitte lösen von der reinen Brotbitte. Es geht zwar zunächst um das tägliche Brot, das wir uns vom Bäcker besorgen oder eventuell selber backen. Jesus meint aber mehr! Jesus sagt kurz nach seiner Taufe, bei der Versuchung durch den Satan in der Wüste: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; vgl. Dtn 8,3). Damit will er den Jüngern und uns sagen: Die Brot-Bitte meint nicht nur das Brot, sondern alles was wir zum Leben brauchen: Kleidung, eine Arbeitsstelle, eine Wohnung; kurz, all das was wir zu einem menschenwürdigen Leben brauchen.  Die Bitte um Brot kann auch bedeuten, dass Gott mir den Sinn meines Lebens erschließt. Es kann bedeuten die Bitte um eine Familie um Freunde, um gute Beziehungen. Denn was nützt es mir wenn ich mir jeden Tag den Bauch voll schlagen kann, aber keinen Menschen habe mit dem ich vertrauensvoll reden kann?

Brot stillt unseren Hunger und gibt Kraft. Aber es gibt noch einen anderen Hunger, den man nicht mit Brot stillen kann. Es ist der Hunger nach Liebe und Geborgenheit, den alle Menschen haben. Auch unser Inneres, unser Herz braucht Nahrung. Wer zu Jesus kommt, „wird nie mehr hungern, und wer an ihn glaubt, wird nie mehr Durst haben“. Jesus stillt unseren Hunger und Durst nach Liebe und Geborgenheit, wenn wir ihm glauben und vertrauen. Viele Menschen versuchen zwar, den Hunger oder die Sehnsucht in ihrem Inneren durch eigene Anstrengung zu stillen. Aber es gelingt ihnen nicht. Die einen arbeiten bis zum Umfallen und werden dabei nicht zufrieden, sondern erschöpft und oft einsam. Die anderen häufen Geld und Reichtum an und werden doch nicht froh im Herzen. Wieder andere wollen unbedingt berühmt werden. Aber viele, die berühmt geworden sind, fühlen sich innerlich trotzdem leer und unzufrieden und enden oft im Selbstmord.

Jesus hat uns gezeigt, dass wir ganz im Vertrauen auf Gott leben können und dabei glücklich, froh und zufrieden werden können! Beten wir also jeden Tag voll Vertrauen: Unser tägliches Brot gib uns heute.

Freitag, 3. August 2012

04. August: Hl Johannes Maria Vianney


Der heilige „Pfarrer von Ars“ wurde am 8. Mai 1786 in der Nähe von Lyon geboren. Mit 19 Jahren begann er zu studieren, um Priester zu werden. Obwohl nicht unbegabt, war er im Studium ein Versager. Wegen seiner großen Frömmigkeit wurde er trotzdem zum Priestertum zugelassen (1815). Als Pfarrer von Ars lebte er in harter Armut. Die verwahrloste Pfarrei erweckte er zu neuem Leben. Bei Tag und Nacht war er als Beichtvater, Prediger und Seelenführer tätig. Zahllose Menschen aus nah und fern suchten bei ihm Rat und Hilfe. Dabei fühlte er, der eine große Ehrfurcht vor dem Priestertum hatte, sich in seinem Beruf immer wieder unsicher und wäre in einen kontemplativen Orden eingetreten, wenn nicht seine Gemeinde ihn daran gehindert hätte. Er starb am 4. August 1859 und wurde in Ars begraben. Papst Pius XI. hat ihn heilig gesprochen und zum Patron der Seelsorger erklärt.

 Zitate des Pfarrers von Ars:
"Die Menschen gleichen Maulwürfen,
 die unter der Erde, ihre Gänge graben
und nur selten bis zum Tageslicht vorstoßen."

Der Mensch ist so groß,
dass nichts auf der Erde ihm genügen kann.
Nur wenn er sich Gott zuwendet, ist er zufrieden.
Zieh einen Fisch aus dem Wasser: er wird nicht leben können.
Das ist der Mensch ohne Gott.“

Donnerstag, 2. August 2012

Wort Gottes für den Tag, Donnerstag, 2. August 2012


Das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging: Mach dich auf und geh zum Haus des Töpfers hinab! Dort will ich dir meine Worte mitteilen. So ging ich zum Haus des Töpfers hinab. Er arbeitete gerade mit der Töpferscheibe. Missriet das Gefäß, das er in Arbeit hatte, wie es beim Ton in der Hand des Töpfers vorkommen kann, so machte der Töpfer daraus wieder ein anderes Gefäß, ganz wie es ihm gefiel. Da erging an mich das Wort des Herrn: Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel? - Spruch des Herrn. Seht, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel Jeremia 18,1-6).
Mit dem Motiv vom Töpfer und dem Ton in seiner Hand stellt uns die Lesung ein eindrucksvolles und besonders anschauliches Bild für die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen vor Augen. Der Schöpfer wird als Handwerker gesehen, der, wie im Buch Genesis beschrieben, mit seinen Händen den Ackerboden formt, einen Garten anlegt und aus Fellen Kleidung macht. Ein Bild, das beim autonomiegewohnten Menschen heute vielleicht nicht unbedingt uneingeschränkte Akzeptanz findet.

Gott als werkelnden Töpfer zu betrachten, bedeutet ja zunächst einmal, sich selbst lediglich als Rohmaterial zu sehen, das von sich aus nichts ist. Ton zu sein heißt, sich ganz der Gestaltungsfreiheit des Töpfers zu ergeben. Sich von ihm formen, füllen, aber auch verändern, im Fall des Misslingens sogar zerstören und wieder neu schaffen zu lassen. Doch entscheidend dabei ist, dass Gott als Schaffender mit seinem Material sorgsam umgeht, dass er es – wie jeder gute Künstler – kennt und liebt. Bei diesem kreativen Gestaltungsprozess hält er uns in seiner Hand. Wir haben die wunderbar tröstliche Zusage, dass wir nie aus der Hand des Schöpfers heraus fallen!

Mittwoch, 1. August 2012

August: Ein Monat voller liturgischer Höhepunkte


Der vor uns liegende Monat August präsentiert sich uns als der letzte Sommermonat bevor wir im September dann mit großen Schritten auf das Ende des Jahres zugehen. Hoffen wir, dass der August seinem Namen alle Ehre macht, gilt er doch allgemein als der wärmste und trockenste Monat des Jahres.

Der August ist auch der Monat, in dem die meisten Kräuter ausreifen und gesammelt werden können. Mit Mariä Himmelfahrt am 15. August beginnen die so genannten "Frauendreißiger“. Diese 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt galten und gelten als diejenigen, an denen Kräuter die meiste Kraft besitzen und deshalb gesammelt werden sollten. Besonders die Heilkräuter : Königskerze, wilder Majoran, Haselnusszweige, Johanniskraut, Getreideähren, Schafgarbe, Wermut, Rainfarn und Kamille gilt es pflücken und zu einem Strauß oder Kranz zu binden und auf dem Dachboden aufzuhängen. Dann, so heißt es, sind Haus und Bewohner ein Jahr lang vor allem Übel geschützt. Bekannt ist auch die Kräuterweihe mit speziellen Formeln, die teilweise aus dem Mittelalter  überliefert sind. Das Christentum übernahm die Kräuterweihe. Dabei wurde die Muttergottes als "Blume des Feldes und Lilie der Täler“ bezeichnet und in ihrem Namen die Kräuterweihe betrieben. 

Viele Heiligengedenktage begehen wir im August. Ich habe in der folgenden Übersicht einige aufgelistet. Viel Freude beim Lesen und bei der Betrachtung wünscht Ihr Webmaster Ludwig Hilger.

Mittwoch, 1. August: Hl. Alfons von Liguori
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Kaufmann, der eine schöne Perle suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie“ (Mt 13,45f). Dieses Gleichnis Jesu trifft auf den heiligen Alfons von Liguori (1696–1787) zu. Sein Vater war Admiral bei der Marine. Mit 16 Jahren promovierte er inStaats- und Kirchenrecht und wurde ein sehr erfolgreicher Anwalt. Diesen Beruf hängte er aber an den Nagel und wurde Priester. Um armen Hirten und Bauern helfen zu können, gründete er die „Genossenschaft vom Allerheiligsten Erlöser“, die Redemptoristen. Sie schulte er zu erfinderischen Volksmissionaren. Er wollte den Menschen die Liebe Gottes nahebringen. Er sammelte Volkslieder und verfasste geistliche Schriften. Mit 66 Jahren wurde er Bischof eines kleinen Bistums. Mit 91 Jahren starb Alfons.

Freitag, 3. August: Herz-Jesu-Freitag; Hl. Lydia
Heute, am Herz-Jesu-Freitag, hören wir im Evangelium: „Jesus kam in seine Heimatstadt und lehrte die Menschen dort in der Synagoge. Da staunten alle und sagten: Woher hat er diese Weisheit und Kraft, Wunder zu tun?“ (Mt 13,54). Doch statt sich ihm zu öffnen, lehnten sie ihn ab. Anders die heilige Lydia: Sie staunte, als Paulus das Evangelium verkündete (Apg 16,13-15), begann zu glauben und ließ sich mit ihrem ganzen Haus taufen. Lydia war eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die mit Luxusgütern handelte. Sie lud die Missionare ein, in ihrem Haus zu bleiben, um ihren Glauben zu vertiefen. Später diente ihr Haus der jungen
Gemeinde als Versammlungsort. Sie war die erste Christin Europas.

Montag, 6. August : Verklärung des Herrn
feiern wir heute gemeinsam mit der orthodoxen und der anglikanischen Kirche. Die Kirche stellt uns ein noch viel größeres Licht vor, als es die Sonne im Hochsommer bieten kann: Christus, das Licht der Welt, die „Sonne aller Sonnen“. Die Verwandlung Jesu in eine Lichtgestalt geschieht, als klar ist, dass er auf das Leiden zugehen muss. Da steigt er auf einen „hohen Berg“, seit alters ein Ort besonderer Gottesnähe, und tritt ins Gespräch mit den zwei großen Führergestalten: Mose und Elija. Und schließlich lässt sich noch DIE Stimme vernehmen, die Jesus als Sohn Gottes bestätigt.

Mittwoch, 8. August: Hl. Dominikus
Die Lesung verspricht einem geschlagenen Volk neues Leben: Es wird wieder fröhlich sein, pflanzen und ernten, Gottesdienst feiern. Das Evangelium erzählt, wie eine heidnische Frau bei Jesus Hilfe für ihre kranke Tochter erhofft. – Mit Notsituationen umgehen musste auch der Tagesheilige Dominikus: Als Student verkaufte er seine wertvollen Bücher, um Hungernden zu helfen, und als Begleiter seines Bischofs kam er in Kontakt mit den die Kirche spaltenden Katharern. Nahe Toulouse gründete er mit Gleichgesinnten eine Missionsstation, gewann viele Gläubige für die Kirche zurück und legte den Grundstein für den Dominikanerorden, der 1217 vom Papst anerkannt wurde. Der Rosenkranz als Attribut weist Dominikus als Beter und Liebhaber Marias aus.

Donnerstag, 9. August: Hl. Edith Stein
Heute stellt uns der Heiligenkalender die geborene Jüdin, wissenschaftliche Lehrerin und Karmelitin Edith Stein vor Augen. Sie fand als äußerst begabte Philosophin zum Glauben. 1938, im Jahr der Judenpogrome, legte sie ihre Gelübde als Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz im Kölner Karmel ab. 1939 floh sie nach Holland, drei Jahre später wurde sie dort bei einer Aktion gegen konvertierte Juden verhaftet, mit ihrer Schwester nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 1999, im Jahr nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie zur dritten Patronin Europas erhoben.

Freitag, 10. August: Diakon Laurentius, Freund der Armen
Was sind die wahren Schätze der Kirche? Aus der Frühzeit der Kirche wird überliefert, dass Kaiser Valerian, um an den Kirchenschatz zu kommen, den Bischof von Rom enthaupten ließ. Sein Diakon Laurentius wurde gefoltert und zur Herausgabe gezwungen, woraufhin dieser sich drei Tage Bedenkzeit erbat und in dieser Zeit alle Guter an die Armen verteilte. Die so Beschenkten präsentierte er dem Kaiser dann als „die wahren Schätze der Kirche“. Da ließ Valerian, der Christenverfolger, Laurentius besonders grausam foltern, doch der Diakon reizte den Kaiser und seine Henker bis zuletzt mit seinem Humor. Er starb am 10. August 258 und zählt zu den am meisten verehrten Heiligen, seine Gebeine ruhen zusammen mit denen des anderen Erzmärtyrers, des heiligen Stephanus, in der von Kaiser Konstantin rund 70 Jahre nach seinem Tod erbauten Kirche S. Lorenzo fuori le Mura.

Dienstag, 14. August: Maximilian Kolbe
„Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe“, sagt Gott zum Propheten Ezechiel. „Iss dieses Buch …, und rede zum Haus Israel!“ Das Leben des Maximilian Kolbe liest sich wie ein moderner Kommentar zur Berufungsvision Ezechiels. Kolbe „aß“ und er „redete“. Mit 17 wurde er Franziskaner Minorit, durfte in Rom studieren, promovierte in kurzer Zeit und war mit 24 Priester. Zurück in Polen lehrte er am Ordensseminar und gab erfolgreich katholische Blätter heraus. Nach schwerer Krankheit gründete er 1927 das Kloster Niepokalanów („Stadt der Unbefleckten“), das er zu einem Medienzentrum ausbaute. Drei Jahre später zog er als Missionar nach Japan, wieder mit dem Schwerpunkt Medienarbeit. Dazu passt sein Hobby, der Amateurfunk.

Ab 1936 war er wieder in „seinem“ Kloster, fiel 1939 den deutschen Besatzern schnell auf, wurde 1940 ein erstes Mal verhaftet und 1941 nach Auschwitz deportiert. Dort sprang er für einen Familienvater in die Bresche, der bei einem Racheakt als Opfer ausgezählt worden war. Heute vor 71 Jahren starb P. Kolbe im Hungerbunker. – Auch dieses strahlende Leben hatte dunkle Seiten: Wie viele in seiner Kirche war er Antisemit und wetterte gegen das „Weltjudentum“. Ob er angesichts seiner jüdischen Mitgefangenen dazulernte? Gott hat ihn zu einem Heiligen vollendet. Das macht auch uns Hoffnung.

Mittwoch, 15. August: Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund, und manchmal klammern wir uns an sie wie an einen Strohhalm. Der heutige Festtag offenbart uns die letztgültige Hoffnung. Was Maria erfahren hat, ist mehr als ein letzter Strohhalm; das ist der tragende Grund des Lebens, der sie allem Irdischen enthebt: Gott nimmt sie mit Leib und Seele in den Himmel auf. Sie ist in Liebe angenommen und dort angekommen, wo sie hingehört, ganz nah bei Gott. Die Mutter Gottes ist uns vorausgegangen und ebnet uns den Weg zu dem Ziel, das uns allen verheißen ist. Darum ist dieser Tag ein Fest unseres Glaubens und unserer Hoffnung, die auch am Ende nicht sterben wird, sondern ihre Erfüllung erfährt.

Donnerstag, 16. August: Heiliger Rochus
Wir schauen aber auf einen, von dem wir wenig wissen, der im Volk aber viel galt: Rochus von Montpellier. Der Legende nach pilgerte er nach Rom (1317), pflegte unterwegs Pestkranke und heilte sie mit dem Kreuz. Selbst infiziert, erhielt der Arme keine Pflege, lebte im Wald und wurde wundersam gesund. Daheim galt er als Spion, nach fünf Jahren Haft starb er – und wurde erkannt. Sehr bald wurde Rochus in Frankreich verehrt, dann in Venedig und von dort aus wurde er als „Nothelfer“ einer der volkstümlichsten Heiligen und Patron vieler Pest- und Seuchenspitäler.

„VSR“ – „Es lebe der heilige Rochus“ – steht in Frankreich bis heute an manchen Hauswänden. Darstellungen zeigen ihn als Pilger mit Pestwunde am Bein und oft rückt der Hund, der ihm täglich Brot brachte, mit ins Bild.

Mittwoch, 22. August: Mariä Königin
Dieses junge Fest, 1954 erstmals gefeiert, hat nicht zwingend eigene Lesungen. Die fortlaufenden Lesungen bieten Texte, aus deren Perspektive Maria als Vorbild, Wegweiserin und Fürbitterin erkennbar wird: Ezechiel, von Gott nicht nur für Israel als Mahner eingesetzt, sagt dem König von Tyrus, dass sein Hochmut Untergang bedeutet: „Du bist nur ein Mensch und kein Gott in der Hand deiner Mörder.“ Eine Warnung wie diese hatte Maria nicht nötig. Ihre hohe Stellung – wenn sie ihr denn je bewusst war – hat sie nicht hochmütig gemacht. Sie blieb ganz auf Gott hin orientiert. Himmlische Throne verheißt das Evangelium für die, die Jesus im Leben nachfolgen, die um seinetwillen ihr gewohntes Leben zurücklassen. Das hat Maria getan.


Donnerstag, 23. August: Hl. Rosa von Lima
Gott wird aktiv, verkündet der Prophet Ezechiel: „Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Völker – Spruch des Herrn – werden erkennen, dass ich der Herr bin.“

Dass Gott aktiv wird, können wir in der Geschichte öfter bemerken, z.B. an Rosa von Lima, der ersten Heiligen und Patronin Südamerikas. Schon als Kind fühlte sie sich zum kontemplativen Leben gerufen, und weil es in Peru kein Kloster gab, in das sie eintreten hätte können, gründete sie eines mit der Hilfe einer reichen Freundin. Ihr strenges Leben verstand sie als Sühne für die Gewalt der spanischen. 1617 starb Rosa, 1671 wurde sie heiliggesprochen.

Freitag, 24. August: Hl. Bartholomäus
Bartholomäus war ein von Jesus erwählter Apostel. Das ist aber auch schon alles, was wir sicher über ihn wissen. Seit etwa 1.000 Jahren wird er mit Natanael identifiziert, dessen Berufung das Evangelium uns heute erzählt (Joh 1,45-50); Exegeten stellen das aber infrage.

Der Legende nach trug er die Frohbotschaft nach Persien und Indien, auch nach Ägypten und Armenien, wo er das Martyrium erlitten habe. Viele Orte rühmen sich, Reliquien von ihm zu besitzen, u.a. auch Frankfurt am Main. Ob wir „etwas von ihm haben“ bzw. seinen Tag recht feiern, entscheidet sich daran, wie sehr wir meinen, Jesus eh schon zu kennen oder uns neu von Jesus rufen und senden zu lassen.

Montag, 27. August: Hl. Monika
Eine Frau, die in unsere Tage passen könnte. Eine Mutter, die stolz ist auf ihre Familie, ihre Kinder, ihren ältesten Sohn. Voll Spannung verfolgt sie seinen Werdegang – und zugleich voll Sorge. Karrieremäßig läuft alles glatt, doch sein Glaube, seine Seele scheinen auf der Strecke zu bleiben. So betet sie für ihn, sie weint um ihn. Keine Frau aus dem 21., sondern aus dem 4. Jahrhundert – die heilige Monika, Mutter des heiligen Augustinus. Sie hat in der Bekehrung ihres Sohnes und seiner Taufe durch Ambrosius von Mailand die Erfüllung ihrer Sendung und ihres Lebens gesehen. Ihr Beispiel kann Mut machen, auch heute, wo manches in unseren Familien und in unserer Kirche hoffnungslos scheint.

Dienstag, 28. August: Hl. Augustinus
Gestern die Mutter, Monika, heute der Sohn, Augustinus. Die Kalenderreform des II. Vatikanischen Konzils hat es gut gefügt, beide nacheinander zu feiern. Die Frucht der Liebe und Sorge, der Gebete und Tränen Monikas wird in Augustinus geradezu greifbar. Der, dessen Herz lange stolz und verschlossen gegen die Botschaft der Erlösung und den Erlöser war, wird zu einem seiner größten Zeugen und Bekenner. Den bedeutendsten lateinischen Kirchenvater nennt ihn die Theologie; „Bekenntnisse“ überschreibt er selbst sein Leben in der Rückschau. Sein Leben macht uns Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben und im Gebet treu zu bleiben. Vertrauen wir uns Christus, dem Heiland, an und bekennen auch wir uns zu ihm!

Mittwoch, 29. August: Enthauptung Johannes des Täufers
Weil ein Mächtiger es nicht wagt, der Stimme seines Herzens zu folgen, muss ein anderer sterben. Herodes hat Angst, sich vor den Gästen zu blamieren (Lies: Markus, 6,17–29).

Heute gedenkt die Kirche der Enthauptung des Täufers Johannes durch Herodes. Es war kein Mord aus seinem Vorsatz, aber doch eine Hinrichtung, die er selbst veranlasst hat: König Herodes hatte Johannes bewundert, seine Predigt geschätzt. Aber dann bleibt ihm nach seinem vollmundigen Versprechen scheinbar keine andere Wahl … Die Berufung des Täufers war es, für Recht und Wahrheit Zeugnis zu geben. Das trifft sicher für ihn im Besonderen zu – ist aber Aufgabe für uns alle als Glaubende. Recht und Wahrheit sind Werte, die wir immer wieder abzuwägen haben, damit unsere Worte und Taten deckungsgleich sind, damit unser Glaube wirksam werden kann.

Freitag, 31. August
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen weckt unseren Widerspruch: Wo bleibt die Solidarität der „Klugen“? Biblischer Forschung zufolge sind mit den Lampen Fackeln
gemeint, die mit Öl getränkt oder mit ölgetränkten Lappen umwickelt werden mussten. Wer kein Öl hat, kriegt sie überhaupt nicht zum Leuchten. Die Dummheit der Dummen besteht also nicht darin, dass sie zu wenig Öl mitgenommen hätten. Nein, ihre Dummheit ist noch viel dummer: Sie haben kein Öl besorgt, mit dem sie ihre Lampen anzünden könnten! Sie haben nichts getan. Buchstäblich gar nichts. Auf Solidarität im letzten Moment zu hoffen, warnt das Evangelium, geht daneben. Es drängt zur persönlichen Entscheidung. Wir müssen heute damit anfangen – ohne zu wissen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Wie bereiten wir uns also vor?

Sonntag, 29. Juli 2012

Wort Gottes für den Tag, 30. Juli 2012


Jesus erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten (Mt 13,31-32).

Wenn der Herr vom Himmelreich spricht, dann vergleicht er es mit einem winzig kleinen Senfkorn. Ganz geheimnisvoll, im Kleinen, oft verborgen wächst das Reich Gottes, so sagt Jesus. Ist dieses aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse. – Hier zeigt uns Jesus, dass Gott die Macht des kleinen Anfangs kennt, dass alles Wertvolle langsam wachsen muss. Im Kleinen und Verborgenen, im Unscheinbaren wirkt Gott.

In Gottes gutem Wort, das wir heute wieder hören dürfen, hat er das Reich Gottes in unsere Welt ausgesät. An uns liegt es, gute Bedingungen für das Wachstum zu schaffen. Bitten wir darum, dass uns sein Wort zu Herzen gehe, damit sein Reich unsere Welt durchwachsen kann.