Sonntag, 8. März 2015

Betrachtung zum Evangelium, am Montag der 3. Fastenwoche


Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.

Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lk 4,24-30)

Wie üblich besucht Jesus am Sabbat den Gottesdienst in der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret und kommt dort auch der Aufforderung nach, etwas zur „Erbauung“ zu sagen. Zunächst sind alle erstaunt und fasziniert, denn „er redet wie einer, der Macht hat.“ Dann jedoch kippt die Stimmung. Aus Staunen und Anerkennung wird Ablehnung, ja sogar Hass, der Jesus beinahe das Leben kostet. Wie kann es zu einem solchen Widerspruch kommen?

Ist es nicht ganz verständlich, wie die Menschen in Jesu Heimatstadt Nazaret reagieren? Nicht nur, dass er den Menschen seiner Heimat vorwirft, sie wollen ihn nicht verstehen, sondern auch, dass Gott bei ihnen gar nicht ankommen kann, dass er gar nicht für sie da sein kann, weil sie verbohrt und verstockt sind. Und er vergleicht dies: „Es ist noch heute so wie damals“, so sagt Jesus sinngemäß „es hat sich nichts, aber auch gar nichts an eurem Verhalten geändert. Schon damals konnten die Propheten Elija und Elischa nicht handeln, weil die Leute den Glauben verworfen hatten. Bei Menschen, die gar nicht zum auserwählten Volk gehörten, da handelt Gott durch seine Propheten, bei der Witwe in Sarepta und beim Syrer Naaman.“ Und das bringt die Menschen in Nazaret in Rage. Sie wollen sich nicht von einem Zimmermanns-Sohn vorhalten lassen müssen, dass sie für Gottes Wirken unempfänglich sind. Und in ihrer Wut wollen sie Jesus vom Abhang des Berges stürzen. –

Damit haben wir eine stets aktuelle Situation. Der Prozess der Entscheidung für oder gegen Jesus Christus geht weiter - mit Beifall oder Ablehnung. Jesus lädt auch uns ein, uns für sein Wort zu öffnen, damit wir unser Leben auch nachhaltig ändern und an ihm ausrichten. Sind auch wir verstockt? Sind auch wir verbohrt? Wollen auch wir sein Propheten-Wort nicht hören?

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